Rotstöckli 2901m


Publiziert von Sputnik Pro , 15. Mai 2006 um 20:24.

Region: Welt » Schweiz » Nidwalden
Tour Datum:14 Mai 2006
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Titlis und Wendenstockgruppe   CH-NW   CH-OW 
Zeitbedarf: 4:30
Aufstieg: 473 m
Abstieg: 473 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Engelberg erreicht man mit der S-Bahn oder Auto von Luzern. Die Titlisluftseilbahn fährt mit einmal Umsteigen auf dem Trübsee nach Stand hoch.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:analog Zufahrt zum Ausgangspunkt.
Unterkunftmöglichkeiten:Hotels in Luzern.

HÖCHSTER NIDWALDNER: ROTSTÖCKLI 2901m.

Mein Kantonshöhepunkt Nummer 22, mein NW-Gipfel Nummer 5 und mein OW-Gipfel Nummer 8.

ALLGEMEIN: Das Rotstöckli gilt als schwierigster Kantonshöhepunkt. Der nahe und viel mächtigere und höhere Titlis (3238,3m) sowie seine Nachbarn Klein Titlis (3061m) und Reissend Nollen (3003m) stehlen dem höchsten Nidwaldner in Mitten des Titlisgletscher die Show, deshalb ist das Rotstöckli auch kaum bekannt.  Die Grenze NW/OW verläuft quer über den Titlisgletscher und übers Rotstöckli - wegen den etwas kuriosen Grenzverläufen hier gehören die Oben genannten 3000er alle zu OW,  ja sie sind sogar Grenzberge zu BE!  Wenn man direkt vor der Südwand steht, ist das Rotstöckli trotz seiner kleineren Höhe gegnüber dem Titlis immer noch ein imposanter Felsberg!  Auch von der Titlis-Rotair-Bahn schaut seine Westflanke über einem wilden Gletscherabbruch ziemlich unnahbar aus.

ZUSTIEG: Die Schwachstelle am klotzigen Felsberg inmitten des Titlisgletschers liegt auf der Südostseite. Man muss dafür von Stand zuerst die schwarze Skipiste ziemlich steil bis auf etwa 2840m in einen kleinen Pass südlich des Rotstöcklis hochlaufen. Wer zu viel Geld hat, kann auch die Titlis-Rotairbahn ab Stand auf den Klein Titlis nehmen und von dort mit dem Ice-Flyer-Sessellift hinunterfahren. Die Talstation liegt gleich beim beschriebenen kleinen Pass.  Wir wählten die billigere Variante, auch um uns schon ein wenig warmzulaufen. Vom Pass gelangt man in wenigen Minuten zum Einstieg in die Südwand (oder genauer SO-Flanke).

KLETTERROUTE: Der Einstieg ist leicht zu finden, er befindet sich etwa 10m rechts (östlich) von einem Mast einer Lawinensprengbahn. Vorsicht, beim Einstieg ist ein versteckter Bergschrund! Die ganze Kletterroute bis am Ende des Bandes in der Westflanke ist nun mit Bohrhaken und Fixseilen abgesichert. Dies ist auch gut so, denn das Rotstöckli ist ein riesiger senkrechter Schutthaufen! Die 10cm Neuschnee welche in der Nacht gefallen waren erleichterten den Aufstieg sogar, denn der feuchte Schnee war sicher griffiger als haltloser Schutt... Die erste fast senkrechte Seillänge (etwa 15m) in der Südostflanke hoch ist dann auch gleich die schwierigste (III, ohne Fixseil mit einer Stelle V), oben guter Standplatz.  Anschliessend folgt eine Querung über etwa 40-45m auf einem leicht ansteigenden Band nach links (Westen) quer durch die Südwand. Das Fixseil und der griffige Trittschnee (zu Beginn  bis 70° steil / querend mit Fels II) sind hier sehr hilfreich, denn wann man ein Griff im Fels findet hat man meist nur einen losen Stein in der Hand!  Wenn man nach der Querung unter die steilen Gipfelfelsen (Südsporn) kommt, ist der weitere Weg dann einfach. Man klettert zuerst 3m in die Westflanke ab (II), danach folgt man einem Band unter hohen Gipfelfelsen bis man auf den NW-Grat über Schnee oder Schutt steigen kann. Auf dem NW-Grat kommt man dann in 1-2 Minuten ohne Probleme auf den Gipfel.

BESONDERES: Das Rotstöckli wird nur sehr sporadisch besucht, wir waren die ersten seit Oktober 2005. Pro Jahr sind nur etwa 10 Eintragungen im Gipfel-Notitzblock! Nahezu alle Gipfelbesteiger besuchten den Gipfel nur weil sie wie wir alle Kantonshöhepunkte sammeln wollen. Immerhin hat man auf der Tour viele Zuschauer, auf der Südseite von der Skipiste her und auf der Westseite von der Titlis-Rotairbahn :-)


Link zum Tourenbericht von Martin: http://www.munggaloch.ch/project26/nw.htm


Tourengänger: Sputnik

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Kommentare (5)


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GeoFinder hat gesagt: Vielen Dank ...
Gesendet am 8. September 2012 um 22:42
... für Deinen detaillierten Tourenbericht, der auch mehr als sechs Jahre später für uns eine wertvolle Planungshilfe war. Wir konnten heute das Rotstöckli - bei bestem Wetter und schönster Fernsicht - besuchen.

Als Aktualisierung möchte ich anmerken, dass die erste, fast senkrechte Seillänge nun knappe 30 m lang ist. Hat da vielleicht die Gletscherschnelze zugeschlagen? (Jedenfalls kamen wir beim Abseilen mit einem 50 m Seil nicht ganz nach unten, Die untersten Höhenmeter mussten wir auf einer schuttbedeckten Rippe abklettern.) Das Fixseil beginnt etwa 5 Höhenmeter über dem Einstieg. Mit einem Ropeman konnte ich mich als Vorsteiger daran komfortabel bis zum ersten Bohrhaken sichern. Ab Beginn des ansteigenden Quergangs wurde (fast wie bei einem Klattersteig) ein massives Stahlseil installiert, welches ohne Unterbrechung fast bis zum Gipfel führt. Eigentlich sollte ab dort eine kletttersteigähnliche Selbstsicherung reichen.

Und ... unbedingt einen Helm mitnehmen!! Es liegen viele Steine herum, die nur darauf warten, herunterzufallen.

Viele Grüsse
Jonny

Sputnik Pro hat gesagt: Innteressante Änderungen am Rotstöckli
Gesendet am 11. September 2012 um 12:35
Hi Jonny,

Ja wahrscheinlich ist der Firn seit meiner Besteigung zurückgeschmolzen und da wir im Frühling das Rotstöckli bestiegen hatten hatte es unter der Wand sicherlich auch noch einige Meter Schnee mehr gehabt. Dank den neuen Sicherungsseilen hattet ihr es nun sicher einfacher als wir damals gehabt. Wegen dem Steinschlag habe ich eine Besteigung bei kalten Bedingungen vorgezogen da mit der Kälte und Schneeauflage an diesem Bruchhaufen dann alles festgefroroen ist - im Sommer würde ich auch nur mit Helm gehen!

Viele Grüsse und Gratulation zum Rotstöckli!

Andi

jfk hat gesagt:
Gesendet am 1. November 2013 um 12:36
Ciao Sputnik

Als ich nochmals kurz deinen Bericht angeschaut habe, ist mir ein kleiner Fehler aufgefallen. Die Route führt durch die NO- und nicht durch die SO-Flanke. Von SO sieht der Berg dann doch etwas anspruchsvoller aus ;-).

ä Gruess Jonas

Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 1. November 2013 um 15:44
Hi Jonas,

Ich glaube du hast etwas verwechselt. Schau einmal auf der Karte 1:25000 und auf Satellitenbilder. Da gehts ganz klar von Süden her auf den Gipfel.

Meine Besteigung war im Jahr 2006, möglicherweixse verläuft die heutige Normalroute über die Nordostflanke?

Viele Grüsse,

Andi

jfk hat gesagt: RE:
Gesendet am 1. November 2013 um 21:36
Ciao Andi

Nein, ich verwechsle sicher nichts. Wenn du auf map.geo.admin.ch ganz nahe heranzoomst und auf Luftbild umstellst, kannst du sogar, eben in der Nordostflanke, die Lawinensprengbahn (ist auch auf einem deiner Bilder) sehen. Wir haben zwar unterschiedliche Routen genommen, aber beide gehen eindeutig durch die gleiche Flanke (siehe Bilder).

Wie dem auch sei, der Einstieg aufs Rotstöckli ist ja sowieso gut zu finden, egal ob da jetzt nun SO oder NO steht. Dein Bericht war für mich vor der Besteigung auf jeden Fall eine interessante Lektüre!

Weiterhin schöne Touren

Jonas


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