Kazbek / Mqinvarcveri 5032,8m


Publiziert von Sputnik Pro , 31. August 2014 um 16:20.

Region: Welt » Georgien
Tour Datum:16 August 2014
Hochtouren Schwierigkeit: WS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: RUS   GE 
Zeitbedarf: 4 Tage
Aufstieg: 3300 m
Abstieg: 3300 m
Strecke:Zirka 37km (Total ohne Akklimatisationstour vom Lager 2)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von თბილისი (T’bilisi) mit dem Bus nach სტეფანწმინდა (Step’ancminda). Der Ausgangspunkt ist auch von der Russischen Seite mit dem Taxi von Владикавказ (Vladikavkaz) erreichbar.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Analog Zufahrt zum Ausgangspunkt.
Unterkunftmöglichkeiten:Auf 3656m liegt die einfache Hütte ბეთლემის ქოხი (Bet’lemit K’oxi) zu der jedoch Essen, Schlafmatte und Schlafsack mitgenommen werden sollte; siehe auch www.bethlemihut.ge . Besser ist jedoch alles Material (Zelt, Kocher...) selbst mitzunhemen da man üblicherweise mehrere Lager im Aufstieg einrichtet.
Kartennummer:Geoland Trekking Maps; 1:50000 Sheet 4; Siehe www.geoland.ge

AN STELLE EINER REISE NACH SÜDOSSETIEN GAB ES EINE UNGEPLANTE BESTEIGUNG EINES FÜNFTAUSENDERS.

Geplant war ein total anderer Urlaub mit der Besteigung der Landeshöhepunkte der seit 2008 unabhängigen Staaten Südossetien und Abchasien. In Südossetien wollten wir den 3938,1m hohen Халаца / Халасхох (Khalaca / Xalasxox; 3938,1m) besteigen, danach von Russland her den höchsten abchasischen Gipfel Домбай-Ульген (Dombaj-Ul’gen; 4046m). Es kam jedoch alles anders, denn trotz der ersten Bestätigung per Mail vom Südossetischen Konsulat in der Russischen Hauptstadt erfuhren wir als wir in Владикавказ (Vladikavkaz) ankamen, dass wegen der Ukrainekrise keine Bürger von NATO- und Schengenländer mehr einreisen dürfen. Der Grund dafür ist, dass diese Länder Dokumente von Südossetien, Abchasien und Russische Pässe von Leuten mit dem Wohnort in neuen russischen Provinz Крым (Krym) nicht mehr akzeptieren. Als Alternative planten wir deswegen um, fuhren nach Georgien mit dem Plan, den Fünftausender Казбек / მყინვარწვერი (Kazbek / Mqinvarcveri; 5032,8m) zu besteigen. Da wir für den Berg zu viel Zeit brauchten, reichte es schlussendlich auch nicht mehr für eine Besteigung des Dombaj-Ul’gen.  Wir fuhren zwar nach Georgien noch nach Черкесск (Čerkessk) wo wir die Sondergenehmigung für die Bergtour erhalten hätten. Da wir kurioserweise trotz Nachfrage beim der Wiedereinreise von Georgien nach Russland keine Migrationskarte erhielten, nahm uns in der maroden Stadt kein Hotel auf - ein Relikt aus der Zeit der Sowjetunion. Nun das Wetter wäre eh nicht sehr gut gewesen und die Zeit zu knapp. Als Alternative fuhren wir schliesslich mir dem Zug nach Москва (Moskva) und ich flog von der Russischen Hauptstadt nach Hause während Alex seinen Bruder traf. Beide bestiegen anschliessend den Эльбрус (Ėl’brus), den höchsten Berg Europas auf dem ich schon einige Jahre zuvor stand. Für die beiden nicht erreichten Gipfeln werde ich in den nächsten Jahre nochmals in die Region reisen, wobei ich dann den höchsten Süosseten von der Russischen Seite zu besteigen plane.

Allgemeines zum Kazbek:

Der 5033,8m hohe trachytische Stratovulkan liegt im Kaukasus auf der Grenze zwischen Russland und Georgien. Auf Russisch heisst der Berg Казбек (Kazbek) während er in Georgien მყინვარწვერი (Mqinvarcveri) genannt wird. Von Georgien ist er der dritthöchste Berg, vom gesamten Kaukasus der achthöchste Gipfel. Er steht ziemlich genau in der Mitte zwischen dem Schwarzen- und Kaspischen Meer in der Khokhgruppe (Russisch: Хохский хребет / Khokhskij khrebet; Georgisch: ხოხის ქედი / Xoxis k’edi) und weist eine Schartenhöhe von 2353m auf. Der Vulkan steht auf einer 1770m hoch gelegenen Unterlage aus Granit.

Er gilt als zur Zeit schlafender Vulkan dessen letzten Ausbruch sich zwischen den Jahren -800 und -700 ereignete. Die Region zeigt jedoch starke tektonische Aktivität die sich oft in Form von Erdbeben zeigt. Zudem finden sich rund um den Kazbek zahlreiche geothermale Quellen.

Vom Gipfel fliessen zahlreiche Gletscher ab. Die grössten Gletscher sind im Nordosten der Девдоракский ледник (Devdorakskij lednik) / დევდარაკი (Devdaraki), im Südosten der გერგეტი (Gergeti) und im Nordosten der Майли (Majli). Der Osten und Süden liegen im Quellgebiet des grossen Kaukasusflusses თერგი (T’ergi) / Терек (Terek). Der grösste Ort am Fusse des Berges ist სტეფანწმინდა (Step’ancminda). Der Ort liegt an der georgischen Heerstrasse im Osten vom Kazbek.

Im Jahr 1868 wurde der Gipfel erstmals von den Briten Douglas Freshfield, Adolphus Moore, Charles Tucker zusammen mit dem Schweizer Bergführer François Devouassoud bestiegen. Heute wird er von Step’ancminda oft bestiegen denn er ist relativ einfach besteigbar. Für einen Aufstieg benötigt man meistens drei Tage und bei der Meteostation auf 3653m befindet sich die einfache Schutzhütte ბეთლემის ქოხი (Bet’lemit K’oxi). Oberhalb der Meteostation geht man meistens über mässig steile Gletscher. Die Steilheit am Gipfelhang ist maximal knapp 45° und der Schwierigkeitsgrad über die Normalroute ist WS+.

Besteigungsbericht vom Kazbek:

TAG 1 (14.8.) - Aufstieg ins Lage 1:
Nach einem reichlichen Frühstück in unserem Guesthouse in გერგეტი (Gergeti) begannen wir mt unseren schweren Rucksäcken mit dem Aufstieg ins erste Lager. Zuerst suchten wir den geeigneten Weg durch den oberen Dorfteil den wir mit etwas Glück schulssendlich fanden. Darüber erreich ten wir bald die sehr holprige Naturstrasse welche meist durch Wald zum Kloster გერგეტის სამება (Gergetis Samega) hinauf leitet. Wir folgten dem Fahrweg wo sich bald unser Gipfel in seiner vollen Pracht zeigte. Beim Kloster rasteten wir ein erstes Mal. Anschlissend folgten wir den gut begehbaren Bergweg der stets über Alpwiesen und zuletzt über einen Bergrücken zum einem keinen Übergang führt an dem der Schrein საბერწე (Saberce) steht. Von dort war es nicht mehr weit bis zu einem Bach auf fast genau 3000m wo wir zusemmen mit anderen Bergsteiger unser "Lager 1" einrichteten. Es gab dort fliessend Wasser aud einer Röhre und das Zelt konnten wir windeschützt auf Gras aufstellen.

TAG 2 (15.8.) - Aufstieg ins Lager 2 und Akklimatisationstour auf 4000m:
Einen wolkenloser Himmel begrüsste uns am Morgen und der Kazbek leuchtete rot in der Morgensonne. So macht Bergsteigen Spass!  Nach einem Kaffe packten wir unser Biwak zusammen und wanderten zuerst noch über den Weg durch Gras, bald aber durch Geröll dem Gletscherrand entgegen. Hier zugen wir die Steigeisen an und überquerten den Gletscher გერგეტი (Gergeti) aufsteigend. Man sah nun schon schön die Bergütte ბეთლემის ქოხი (Bet’lemit K’oxi) bei der Meteostation. Sie war auch unser Ziel denn davor hat es genügend Platz für das "Lager 2" und wir biwakierten dort wie zahlreiche andere Bergsteiger. Nachdem wir unsere Zelt aufgestellt und eine Suppe gekocht hatten wollten wir noch etwas höher hinauf zu Akklimatisationszwecken. Von der Hütte folgten wir einem gut begehbaren, aber sehr steinigem  Bergweg. Wir passierten den Aussichtspunkt თეთრი ჯვარი (T’et’ri J̌vari) und erreichten etwas 100m höher auf zirka 3900m wieder den Gletscher der hier aber wegen einer Geröllschicht kaum als solcher erkennbar ist. Die Spur verliert sich etwas und so folgten wir den Steinmännchen und bestiegen auf etwa 4000m einen Schuttkegel der Moräne. Da hier die Wegfindung eben nicht ganz einfach ist , waren wir froh dass wir nun die Route für den nächsten Tag kannten da wir die Stell ja mitten in der Nacht passieren werden.

TAG 3 (16.8.) - Lager 2 - Gipfel - Lager 2:
Um 1:15 liefen wir bei leichter Bewölkung los und betraten etwa zwei Stunden später das Eis des Gletschers auf etwa 4100m wo wir ein erstes Mal rasteten. Deutlich gemütlicher gin es nun stets über Firn bergauf bis in den 4478m hohen und flachen Sattel im Казбекское плато (Kazbekskoe plato) wo auch die Grenze zu Russland überquert wird. Der Tag kündegte sich an und es wurde schnell heller. Die Route über die zunehmend steile Flanke war durch Vorgänger der letzten Tage bestes gespurt so dass wir nur hochlaufen mussten. Nach weiteren zwei Stunden standen wir im Sattel etwa 100 Meter unterhalb des Gipfel. Vom Sattel zum Gipfel stiegen wir über einen nahezu 45° steilen Firnhang hinauf der gegen den Gipfel wieder flacher wurde. Alle Berge um uns erschienen inzwischen wie "kleine Hügeln" und der Blick weitete sich bis über 100km in alles Richtungen - jawohl wir standen auf dem Gipfel des Fünftausenders! Mit uns waren einige Russen auf dem Gipfel, alle anderen Bergsteiger waren noch im Aufstieg. Der Rückweg war im oberen Teil wegen des Schnees äusserst gut zu Gehen, die letzten Höhenmeter zum Lager 2 aber  leider wieder "Geröllstolpern". Im Lager kochten wir uns eine Suppe und tranken Tee bevor wir uns am Nachmittag ein Nickerchen gönnten. Kaum lagen wir im Schlafsack, ging ein heftiger Graupelschauer nieder - wir hatten also das perfekte Timing! Gegen Abend klarte es auf und wir konnten bei SOnnenschein schliesslich unser Abdendessen kochen.

TAG 4 (17.8.) - Abstieg vom Lager 2
Und wieder begann der Tag mit einem klaren Morgen und einem schönen Sonnenaufgang. Nach einem Kaffe wanderten wir wir die gnaze Strecke zurück zu unserem Guesthouse in Gergeti. Dabei genossen wir jeden Meter Abstieg in der wunderschönen Bergwelt Georgiens. Das Land hat für Alpinisten wirklich unzählige, schöne Gipfel zu bieten!

Einige Links zum Kazbek:
Wetter: Kazbekwetter
Info bei Wikiedia: Wiki-Kazbek
Kasbek bei Summitpost: Kazbek

Anmerkung:
Dombaj-Ul’gen und Khalaca bestieg ich in den Jahren 2016 und 2017. Hier die HIKR-Berichte dazu:
1) Abchasien & Dombaj-Ul’gen
2) Südossetien & Khalaca

Tourengänger: Sputnik, xaendi

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Kommentare (13)


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Linard03 Pro hat gesagt:
Gesendet am 31. August 2014 um 21:01
Hoi Andi,

Gratulation zum Kazbek; jedenfalls eine gelungene Alternative zu den ursprünglichen Plänen, wie ich meine ... ;-)

LG, Richard

Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 1. September 2014 um 05:17
Hi Richard,

Danke dir... und nächstes Mal wird mir der Khalaca auch gelingen wenn ich ihn von der Russischen Seite angehe.

LG, Andi

pika8x14 Pro hat gesagt: Herzliche Gratulation
Gesendet am 31. August 2014 um 22:05
Auch wenn es sicherlich ärgerlich ist, dass Eure ursprünglichen Pläne nicht funktioniert haben:

Die Kasbek-Tour ist doch ein wirklich geniales "Ersatzprogramm". Noch dazu, wenn die Bedingungen offensichtlich richtig gut sind - wie die vielen tollen Fotos beweisen. Wir sind jedenfalls neidisch ;-).

Viele Grüße, Andrea + André.

Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 1. September 2014 um 05:22
Hallo Zusammen

Nun der Kazbek war schon eine tolle Tour und wir hatten tatsächlich Bedingungen wie sie nich besser sein konnten. Es gibt jetzt in den nächsten Jahren wohl eine Reise mehr für den Khalaca was mir nichts ausmacht denn der Kaukasus ist echt super! Nächstes Jahr geht's ja wieder dorthin nach Aserbeidschan :-)

Liebe Grüsse,

Andi

--- hat gesagt:
Gesendet am 1. September 2014 um 22:17
Hallo Andi,

Auch meinerseits herzliche Gratulation euch beiden! Toller Bericht mit eindrücklichen und schönen Bildern. Da habt ihr ja geniale Bedingungen angetroffen. Hehe :-D und schon schmiedet der Sputnik seine weiteren Pläne. Hoffentlich klappt es dann beim nächsten Mal mit der Besteigung des Dombaj-Ul’gen. Weiterhin viel Erfolg und unvergessliche Momente around the world :-)

glg Ayla

Sputnik Pro hat gesagt: Ferienpläne, vielleicht was für dich?
Gesendet am 2. September 2014 um 10:41
Hej Ayla,

Viele Dank für den netten Kommentar... Und klar solls dieses Jahr noch einen Landeshöhepunkt geben wenn es mit Südossetien und Abchasien nicht gapasst hat. Wahrscheinlich geht’s nun im Oktober nach Potugal auf die „Ilhas dos Açores“. Hej und nächstes Jahr hättest du Intresse auf drei „Wanderberge“ in Aserbeidachan, Iran und Türkei? ;-)

GLG, Andi

andre68 hat gesagt: #6
Gesendet am 2. September 2014 um 18:50
Gratuliere zum 50000-tausender Numer 6! Toller Tripreport! Wunderschöne Photos! Ich möchte auch unbeding einmal nach Georgien. Der Kazbek ist schon lange auf meiner Liste. Sieht so toll aus mit der Eiskuppe.
Hoffe dass das CH Wetter jetzt mit speilt ende September so dass wir nun endlich unsere Tour machen können.
Grand Combin war schon lange her :-)
Lg aus Stockholm!

Sputnik Pro hat gesagt: Danke
Gesendet am 4. September 2014 um 21:21
50000er? Wo gibts denn die? Der höchste Berg im Sonnensystem ist ja der Olympus Mons auf dem Mars mit 26000m.

Spass bei Seite, der Kazbek war echt eine schöne Tour. Alpinistisch zwar einfach doch die Landschaft ist der Hammer!

Also bis bald im Wallis, das Wetter wird ja langsam wieder etwas besser!

Lg, Andi

TeamMoomin hat gesagt: Hej
Gesendet am 2. September 2014 um 23:47
Andi ganz herzlich Gratulation zu einem ungeplanten 5000er. Ja wenn man schon ungeplant 5000er macht was kommt da wohl noch von dir wenns mal geplant ist? ;-)
Georgien scheint auch ein schönes Land für Besteigungen vieler einsamer und noch wilder Berge zu sein, da müsste man ja direkt mal einen Abstecher auf dem Weg zum Iran machen.
Und die anderen Berge laufen ja zum Glück nicht davon.

Lg Oli und Moomin

Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 4. September 2014 um 21:23
Hej Oli,

Danke dir! Wenns ein 6000er gewesen wäre, wäre ich mit Alex auch dort hochgekraxelt :-)

Ich war soicher nicht das letzte Mal in der Region, kommst einfach mit :-)

LG, Andi und die Moskauer Moomins

Mistermai hat gesagt:
Gesendet am 11. September 2014 um 16:54
Bin erst jetzt auf den Bericht gestossen.
Hammer Tour & tolle Fotos! Gratuliere!

Sputnik Pro hat gesagt: Danke Mistermai
Gesendet am 11. September 2014 um 17:42
Hej danke Dir, Gruss Andi.

Felix Pro hat gesagt: eine kleine Expedition ...
Gesendet am 23. Januar 2015 um 16:36
schreibst du ;-)

ein grossartiges, langwieriges Unternehmen: gratuliere, Andi!

lg Felix


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