Über und unter Tage durch das Preßnitztal


Publiziert von lainari , 11. Mai 2014 um 09:40.

Region: Welt » Deutschland » Östliche Mittelgebirge » Erzgebirge
Tour Datum: 4 Mai 2014
Wandern Schwierigkeit: T1 - Wandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: D   CZ 
Zeitbedarf: 4:00
Aufstieg: 370 m
Abstieg: 245 m
Strecke:18 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Auto bis Steinbach
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Zug der Preßnitztalbahn (Mai-Oktober Sa+So, sonst nur ausgewählte Fahrtage) Jöhstadt-Stolln
Kartennummer:1:50.000, KČT Nr. 4 Krušné hory Karlovarsko

Gute Wetter - schlechtes Wetter
 
Nachdem der 1. Mai noch mit frühsommerlichen Temperaturen begeistern konnte, kippte das Wetter an den Folgetagen in den spätherbstlichen Bereich. Der Sonntag begann zunächst vielversprechend mit einem klaren Himmel. Die Werte lagen aber am Morgen deutlich im Frostbereich. Auf dem Erzgebirgskamm angekommen, bescherten aufliegende Wolken und Raureif trübe Stimmung. Kilometerweit begegnete ich keinem anderen Auto, geschweige einem Menschen. Schließlich traf ich an meinem heutigen Ausgangspunkt in Steinbach ein. Das hiesige Preßnitztal wurde ab 1892 von einer Schmalspurbahn erschlossen, die zwischen 1984 und 1986 schrittweise stillgelegt wurde. Die Gleisanlagen wurden bis 1989 restlos abgetragen. Gleich nach der politischen Wende begannen Enthusiasten mit einem teilweisen Wiederaufbau der Strecke. Auf den 8 Kilometern zwischen Steinbach und Jöhstadt entstand so eine von Deutschlands schönsten Museumsbahnen. Den heutigen Besuch der Bahn verknüpfte ich mit einer Wanderung und dem Besuch eines Bergwerkes.
 
Vom Bahnhof Steinbach aus, lief ich bei bedecktem Himmel entlang der Preßnitz flussaufwärts. Der idyllische Wegabschnitt auf einem Wald- und Wiesenweg wurde zunächst vom Oberwasser einer Wasserkraftanlage gesäumt. Später passierte ich den Andreas-Gegentrum-Stolln. Wer hier einen merkwürdigen Familiennamen vermutet, liegt falsch. Es handelt sich bei Gegentrum lediglich um einen bergmännischen Ausdruck mit der Bedeutung: „der gegenüberliegende Gang“. Der ursprüngliche Andreas-Stolln liegt auf der anderen Talseite, ist aber heute weniger gut erhalten. Ein Stück weiter machte ich einen kurzen Abstecher zum Heyn-Stolln, der über einen kurzen Wurzelweg erreicht wurde. Der Weiterweg im Tal beziehungsweise an der Talflanke führte mich nun nach Schmalzgrube. Hier vereinigen sich das aus Richtung Jöhstadt kommende Schwarzwasser und die aus Richtung Tschechien kommende Preßnitz. Ich legte eine kurze Pause ein und folgte Letzterer talaufwärts. Vor der Grenze befanden sich, noch zu Schmalzgrube gehörend, ein alter Hochofen und ein Hammerherrenhaus. Leicht ansteigend überschritt ich die Grenze und durchquerte später Kryštofovy Hamry (Christophhammer). Im hier früher ansässigen Blaufarbenwerk St. Christoph wurden böhmische Kobalterze verarbeitet. Hinter dem Ort näherte ich mich dem 50 m hohen, 1970-1971 errichteten Damm der Vodní nádrž Přísečnice (Talsperre Preßnitz). Auf dem Grund des heutigen Stausees befand sich einst die Freie Bergstadt Preßnitz (Přísečnice). 1335 erstmals urkundlich erwähnt, wurde sie mit der Vertreibung der deutschstämmigen Einwohner nach dem II. Weltkrieg weitgehend entvölkert. 1973-1974 tilgte man schließlich die Stadt aus dem künftigen Überflutungsgebiet des 49,5 Mio. m³ fassenden Staubeckens. Ich ließ den Staudamm hinter mir und folgte zunächst der Fahrstraße. Später bog der Wanderweg nach rechts in den kargen Erzgebirgswald ein und erreichte auf 832 m seinen Kulminationspunkt. Die begangenen Untergründe wechselten zwischen Schotter, Asphalt und Gras. Stärker fallend, gelangte ich hinunter in die Streusiedlung Černý potok (Pleil). Hier orientierte ich mich nach rechts Richtung Grenze. Dort ging ich zum Talboden und überquerte das Schwarzwasser. Ein Pfad führte am Waldrand an der Grenze entlang. An einer aussichtsreich gelegenen Hütte machte ich Rast. Der kühle Wind vertrieb mich alsbald. Nach kurzer Zeit erreichte ich die Häuser eines Ortsteiles von Jöhstadt. Hier bog ich nach links und lief talwärts zum Bahnhof der Museumsbahn. Der liegt einige Meter vom früheren Original entfernt und hat provisorischen Charakter. Für die Zukunft ist eine Erweiterung der Gleisanlagen hin zum alten Standort geplant. Jöhstadt selbst liegt etwas abseits des Bahnhofes in Hanglage. Bis zur Zugabfahrt hatte ich noch eine gute Stunde Zeit. Am Imbiss versorgte ich mich einer heißen und scharfen Soljanka, die ein wenig Wärme in den Körper zurückbrachte. Die Außentemperatur war am heutigen Tage bisher noch nicht über 5° C hinausgekommen. In der weiteren Wartezeit beobachtete ich die Vorgänge am Lokschuppen. An der Dampflok Aquarius C, einer alten Heeresfeldbahnlok, wurden Einstellungs- und Überprüfungsarbeiten vorgenommen. Der erwartete Zug erschien, wurde rangiert und zur nächsten Fahrt bereitgestellt.
 
Pünktlich verließen wir Jöhstadt talabwärts. Der Zug war gut mit Fahrgästen besetzt. Am Haltepunkt Stolln stieg ich aus. Ein zusteigender Fahrgast wurde vom Schaffner mit den Worten: „Der Stollenmann will wohl nach Hause.“ begrüßt. Meine Hoffnung auf den geplanten Bergwerksbesuch schwand. Ich begab mich etwas skeptisch zur Hütte vor dem Eingang des Andreas-Gegentrum-Stolln. Hinter einer mit „Kasse“ beschrifteten Tür wurden Stimmen laut. Ich trat ein und traf einige Vereinsmitglieder des Bergwerksvereins an. Ich erkundigte mich nach einer Führung. Man nahm mich freundlich auf und wartete zunächst ab, ob sich noch weitere Gäste vom Zug her einfinden. Ein paar Personen umrundeten das Gebäude unschlüssig und gingen dann weiter. Beim Eintrag ins Belehrungsbuch stellte ich fest, dass ich der einzige Besucher des heutigen Sonntages war. Trotz Bahnhaltepunkt und direkt vorbeiführendem Wanderweg hielt sich das allgemeine Besucherinteresse wohl in Grenzen. Man schafft sein Geld scheinbar lieber in eine naheliegende Gastwirtschaft. Mit Helm, Mantel und einer pinkfarbenen Damentaschenlampe ausstaffiert, begab ich mich mit dem Bergwerksführer in den Stollen. Im relativ spät ab 1748 aufgefahrenen Stollen wurden Kobalt- und Silbererze abgebaut. Wegen nachlassender Ausbeute kam der Bergbau 1838 zum Erliegen. Nach Aufwältigungen durch Bergbaufreunde ab 1984 wurde 1997 ein Besucherbergwerk eingerichtet. Mit dem Bergwerksführer sofort auf „Du“, erlebte ich eine interessante Dreiviertelstunde. Im Stollen herrschte gutes Wetter - ganzjährig gleichmäßig temperiert und durch hohe Luftfeuchte absolut staubfrei. Durch den Friedliebende-Nachbarschaft-Stolln kamen wir zurück ans Tageslicht. Nun machte auch die Sonne ihre Aufwartung. Ich bedankte mich nach einem kurzen Schwatz bei den Vereinsmitgliedern, wohl wissend, dass ich bei einem Besucherbergwerk in anderer Trägerschaft als einzelner Besucher unverrichteter Dinge weggeschickt worden wäre. Abschließend ging ich auf dem vom Morgen bekannten Talweg zurück nach Steinbach.
 
Der absolvierte Weg ist als T1 zu bewerten, der Abstecher zum Heyn-Stolln und der Besuch des Andreas-Gegentrum-Stolln als T2 (fakultativ).
Die pausenbereinigte Gehzeit betrug (exklusive Bahnfahrt und Bergwerksbesuch) 4 h.
Das Besucherbergwerk Andreas-Gegentrum-Stolln hat am 1. und 3. Wochenende des Monats von 10-16 Uhr geöffnet.

Tourengänger: lainari


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Kommentare (2)


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Felix Pro hat gesagt:
Gesendet am 11. Mai 2014 um 18:50
ausführlich, interessant, sehr lesenswert und schön bebildert - immer wieder - deine Berichte!

lg Felix

lainari hat gesagt: RE:
Gesendet am 12. Mai 2014 um 17:14
Merci vielmals Felix!
Abwechslungsreichtum ist für mich auch der wichtigste Grundstein einer Tour, da fällt der bunte Bericht schon fast von alleine ab ;-)
Einiges lässt sich dabei im Voraus durch Planung und Vorbereitung recht gut steuern, der Rest ist einfach Zufall...

VG Holger


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