Rückzug aus der Gross Ruchen Nordwand, Trostpreis "Ruchchälen"


Publiziert von Dolmar , 31. März 2014 um 00:43.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:29 März 2014
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Ski Schwierigkeit: ZS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR 
Zeitbedarf: 11:00
Aufstieg: 2100 m

Heute sollte eine Tour gelingen welche schon geraume Zeit auf der " to do - Liste" steht.
Die Wetterprognosen für diesen Samstag waren Ansich sehr gut.
Es sollte heute aber alles etwas anders kommen. 
Der Föhnsturm begleitet mich in der letzten Zeit durchaus hartnäckig.
Am Rorspitzli Sturm, Am Tödi Sturm, und heute wohl wieder.

Start: um 6:00 Uhr in Unterschächen, bei der Säge. Der Parkplatz ist gut gefüllt. heute haben sich
ettliche Tourengeher Taleinwärts aufgemacht. Davon ca. 20 zum Gross Ruchen.

Vom Start weg beherscht die Nordwandkulisse vom Gross Ruchen bis zur Gross Windgällen den Talschluß. Was für ein beeindruckendes Gemäuer an der Ruchenwand  starke 1200m hoch.
Der Weg ist nicht zu verfehlen, zuerst dem Fahrweg folgend geht`s gemütlich ins Tal hinein.
kurz vor Nösslenen wird der Blick auf die Gross Ruchenwand gänzlich frei.

Sieht gut aus, könnte klappen. Sind die Gedanken um 7:00 Uhr.
Eine halbe Std. später kurz nach Nösslenen sieht`s nicht mehr ganz so gut aus, bereits hier unten 
ziert man sich nicht den Softshell wieder anzulegen. Föhnwind kommt auf, die ganze Wand wird mittlerweile von Triebschnee überspült.

Ca. auf Höhe 1800m schere ich aus der Aufstiegsspur aus zum Einstiegsband, welches bis knapp zur hälfte hinauf noch mit Ski erstiegen werden kann.

Um 8:00 Uhr beginne ich meine ambitionierte Unternehmung G. Ruchen NW Winterbegehung.
Erst mal umrüsten: Ski runter  bzw. aufbinden, Steigeisen anlegen Stöcke mit Pickel tauschen.
Die warmen Handschuhe raus, Skibrille aufsetzen, Schlupfschal anlegen. Mützli hab ich eh schon auf.
Hoffentlich gibt es kein Vermummungsverbot an dieser N-Wand. Der mittlerweile zum Sturm herangewachsene Föhnwind spielt echtes Nordwandfeeling bei.
In gutem Trittschnee gehts Anfangs noch Ungelenk mit den aufgebundenen Brettern das Band aufwärts.
Nach dem Band um die Kante herum und über gut gestufte blank geblasene Felsen/Schrofen hinauf zum ersten Schneefeld. 

Der weitere Routenverlauf wie im Führerwerk beschrieben versucht zu folgen, was aber nicht immer ganz einfach zu finden war. Meist dem logischen Gang folgend immer leicht ansteigend nach rechts die Wand aufwärts gequert.

Nordwandfeeling:
In Böen über die Wand fegender Triebschnee drückt über den Kragen unter die Klamotten, es ist kalt, die letzten freien Hautpartien im Gesicht bekommen das schon obligate peeling. 
 
Für den Felsaufschwung hinauf zum zweiten Schneefeld habe ich recht lange nach einer guten Möglichkeit gesucht. über steiles aber gestuftes Gelände das zweite Schneefeld erreicht.(später beim Rückzug einen einfacheren Weg gefunden) "Im Sommer vermutlich Easy going Gelände".

Über das zweite Schneefeld wird zum oberen rechten Ende unter die senkrechte Wand aufgestiegen.
Die kommende rechts Querung brauchte viel Zeit. 3 Versuche waren nötig.

Zuerst Versuche ich es ganz horizontal sehr direkt unter der senkrechten Wand. Muss aber bald wegen der Schwierigkeiten passen. Zu steil zum queren, kein halt für die Eisgeräte.
Erste Gedanken an Rückzug machen sich breit, unter anderem da ich bis hier hin schon mächtig Zeit verbraucht habe.
Gut 10m tiefer kann ich ein scheinbar gut gangbares Schneeband ausmachen.
Ein weiterer Versuch sollte das doch Wert sein.
Ein schwieriger Abstieg durch eine breite Runse führt hinab auf diese Band. Nach ca. 30 Meter geht`s aber auch hier nicht mehr weiter. Das Band wird zu Steil, zu schmal, die Ski stehen an den überhängenden Felsen oberhalb an. Hier geht`s nicht weiter, ein direktes aufsteigen von diesem Band aus gelingt mir nicht, nach mehreren Versuchen auch hier Abbruch.

Ach ja, immer noch Nordwandfeeling:
alle paar Sekunden verschwinde ich in einer Triebschneewolke, der feine Schnee drückt in alle Kleidungsöffnungen.

Wieder zurück bei der Runse. Während des Aufsteigen´s sehe ich rechts eine steile schmale Rinne. Durch diese Rinne hindurch käme ich an der ersten Umkehrstelle vorbei.
Also noch ein Versuch alle guten Dinge sind ja 3. 
Nach dieser Rinne weitere Querung nach rechts. Hier irgendwo muß der Forellensprung sein. Zu dumm aber auch, das der Wasserfall heuer nicht da ist.
Auch hier wieder längeres suchen und überlegen wo der richtige bzw. mögliche Weiterweg sein könnte.
Ich Entscheide mich für einen ca. 20 cm breiten Riss. Stoße gleich beim ersten Ansatz mit den Ski an der Wand an. Alle paar Sekunden fegt über die ganze Wandstufe eine Triebschneewalze nieder, was die Sache auch nicht einladender macht. An der Wand selber finde ich mit dem Eisgerät auch nicht wirklich den halt den ich gerne hätte.
Es ist der Zeitpunkt der Einsicht gekommen, hier an der Stelle ist für mich Schluß. Ich muß zurück, ich kann hier nicht weiter. Noch weitere Möglichkeiten zu suchen schlage ich aus dem Kopf es ist auch schon zu spät.
Um 11:15 Uhr Beginne ich den Rückzug, dieser sollte auch nicht einfach werden.
Die Querung zurück, durch die Rinne wieder hinab und die Runse wieder hinauf zum zweiten Schneefeld
zeigte schon mal auf, das das eine langwierige Sache werden wird, runter ist ja immer etwas schwieriger als rauf. Durch den Triebschnee sind meine Spuren vom Aufstieg schon wieder verschwunden.

Jammern hilft jetzt nix, mit bedacht und Mega Konzentration retoure. Habe vom zweiten Schneefeld hinab dann sogar noch eine leichtere Variante als beim Aufstieg gefunden (noch weiter rechts).

Nordwandfeeling ist immer noch unverändert, mittlerweile fröstelt es mich an den Fingern, trotz Dauereinsatz an den Geräten.
Die Anspannung hat mich das fotografieren vergessen lassen, habe erst wieder ein Bild gemacht, nachdem ich mit Ski das untere Ende des Einstiegsband`s abgefahren bin.
Der Rückzug aus der Wand hat nochmals 3 1/4 Std. gebraucht. (14:30 Uhr)

Wenigstens die Ruchchälen wollte ich noch schaffen, und dann mal sehen, vieleicht doch noch zum Gipfel. Also wieder angefellt und die Ruchchälen hinauf, 5 Tourengeher sind mir noch abfahrend entgegen gekommen. 
Das Nordwandfeeling war weg aber der Sturm bläßt die Ruchchälen herunter, das aufgepasst werden muß nicht umgeworfen zu werden und abzurutschen.
Nach 1 Std. Aufstieg erreiche ich mit brennenden Oberschenkeln um 15:30 Uhr den Ruchchälenpass.
hier oben pfeift der Südostföhn frei über die Grate, der weitere Aufstieg zum G. Ruchen wäre diesem Sturm gänzlich ausgesetzt.

Ich entscheide mich für den erneuten Rückzug, habe die Schnauze voll vom Sturm, als Trostpreis gibt`s die Ruchchälen zur Abfahrt.
Oben Hart, eisig, steil, weiter unten gedeckelt, Presspulver und ganz unten Pappschnee.

Um 16:30 wieder unten bei Nösslenen, der Föhn hat aufgehört, es ist wieder Ruhe am Berg,
Ruhe vom Sturm und von den Menschen.

 
  






Tourengänger: Dolmar


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Kommentare (2)


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orome hat gesagt:
Gesendet am 31. März 2014 um 11:16
Stark, was für Touren du angehst und das ganze auch noch allein. Da bleibt mit nur zurücklehnen, Bilder schauen und über das Selbstvertrauen und Fertigkeit anderer Leute zu staunen.
Reschpekt!
mfg Manu

Merida hat gesagt: Krass
Gesendet am 3. April 2014 um 22:40
Hey Dolmar, tönt ziemlich krass dein Bericht. Gut bist du wieder heil runtergekommen!
Ich staune echt, was du alles so alleine angehst.
Machs gut.
Grüße, Stephan


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