Chli Tödi - erster Anlauf


Publiziert von Becks , 1. August 2013 um 22:51.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum: 1 August 2013
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   CH-GR   Tödigruppe 
Zeitbedarf: 10:00
Aufstieg: 1900 m
Abstieg: 1900 m
Strecke:Punt Grondo - Barcuns Dadens - Alp Russein - Russein Sura - Sandpass - Chli Tödi
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Parkplatz Punt Grondo
Unterkunftmöglichkeiten:Planurahütte
Kartennummer:1193

Da ich am Freitag arbeiten muss bleibt nur ein Tag für eine Tour bei dem herrlichen Wetter. Ich entscheide mich für einen quasi nicht angegangenen Gipfel, der auf der Liste von Peter Straub steht.

Nach einer kurzen Nacht und einer ereignislosen Anfahrt starte ich um 6 Uhr bei Punt Grondo. Das Auto parke ich bei den dortigen Baustellenbaracken. Dem neuen Fahrweg folgend geht es parallel zur teilweise demontierten Wasserleitung des alten Stausees hoch nach Barcuns Dadens, wo fleissig an einer neuen Staumauer gebaut wird. Ab hier geht es zunächst den Fahrweg weiter  bis zur Alp Russein, dann zu einem weiter hinten im Tal liegenden Melkstand und ab dort dann quer über Weideland in Richtung Sandpass. Der Durchstieg durch einen kurzen Felsriegel bei Gondas findet sich einfach, immer mal wieder hat es Wegspuren, alte Markierungen oder sporadisch Steinmännchen. Unterwegs ist keiner ausser mir, Highlight ist lediglich ein halb verwischter Fussabdruck im Sand.
Nach vier Stunden dann stehe ich auf dem Sandpass und kann mir mein Ziel genauer ansehen. Der erste Teil der Strecke ist einfach, man folgt dem Pfad den die Tödibesteiger nehmen. Dieser verläuft knapp unterhalb der Gratkante durch einen Felsaufschwung hindurch, quert eine Schutthalde und erklimmt eine schuttige Rinne hoch zu P 2992. Ab hier geht es auf eigener Faust bzw. der knappen Beschreibung des SAC-Führers folgend weiter. Zunächst den Schutthang hoch in Richtung Chli Tödi bis zum Übergang zwischen Schutt und "stabilem" Fels und dann die Höhe haltend auf die Nordseite. Hier soll es dann über Stufen nach oben zum Gipfel gehen.

Nun ja, das Queren klappt, auch wenn man dazu in ungespurten Schuttbändern drei Einschnitte überqueren muss, die bei Alt- oder Neuschnee abenteuerlich sein dürften. Viel Platz für Fehler bleibt zumindest an einer Stelle nicht. Danach stehe ich in der Nordwand und suche nach einem Durschlupf. Im linken Bereich (Richtung Tödi) sieht der Fels zwar passabel, aber sehr steil aus. Weiter in Richtung Sandpass gibt es weitere Rinnen und Risse, die weniger steil aussehen. Bis zum Übergang zwischen Feinschutt und Fels ist der Aufstieg problemlos, wenn auch jeder Tritt und jeder Felsbrocken wirklich zigfach auf seine Festigkeit überprüft werden muss. Danach geht es abrupt in III-er, stellenweie eher IV-er Gelände über, wobei der massive Fels nur auf den ersten Blick wirklick stabil ist. Im Laufe der Sucherei räume ich grossflächig Fladen, Brocken und Dreck weg. An die 2 Kubikmeter Gestein poltern im Laufe der Ausgrabungstätigkeiten an mir vorbei und weiter runter Richtung Sandfirn. Immerhin ein Vorteil wenn man solo in einer Ecke herumturnt wo sich weder Wege noch andere Wanderer befinden.
Nach einer Stunde habe ich den wahrscheinlich besten Weg gefunden, aber ohne Sicherung oder wenigstens ein Seil für den Rückzug verzichte ich dann doch. Die Stufe ist etwa 2m hoch, bietet einige stabile Tritte und Griffe, aber ich muss darüber gleich weiter in schuttbedecktem Felsen weiter klettern und gleichzeitig dem  Felskopf nach rechts ausweichen, in dem sich die Griffe bieten. Ungesichert von oben über rutschiges Material in eine Stelle einstiegen, bei der ich die Felsqualität nicht prüfen kann, mit der Aussicht über den Hang und die Abbrüche darunter zu fliegen wenn der Fels nachlässt muss nicht sein. Also die Bänder zurück zum Weg Richtung Tödi und dann heimwärts.

Nach der Rinne genehmige ich mir bei einer Gedenkplakette eine halbstündige Pause, der warme Kies lädt geradezu ein. Danach steige ich in Falllinie zuerst in Sand und kleinem Gestein, später über etwas grösseres Material ab zum Punkt P2594 und folge den Wegspuren weiter runter bis zur ersten Alp. Von dort geht es dann die letzten Kilometer über immer besser ausgebaute Wege bis zum Auto, wo ich gegen 16 Uhr eintreffe.


Routenbeschreibung Val Russein:
Über das Val Russein ist hier auf hikr nichts zu finden, daher ein paar Anmerkungen. Von der Alp Russein Sura führen Wegspuren zum Sandpass, welche teilweise schlecht oder gar nicht ausgeprägt sind. Bis auf 2100m folgt man beim Aufstieg etwa 50 bis 100m rechts (östlich) vom Bach dessen Verlauf. 200m nachdem man einen flachen grossen Felsbrocken mit alten Farbmarkierungen passiert hat knickt der Weg scharf im 90° Winkel an einem  Übergang Gras - schuttdurchzogenes Gras nach rechts ab und folgt dann oberhalb der jetzt folgenden Schuttbereiche dem Talverlauf hin zu einigen grossen grauen Felsbrocken, welche auch in der 1:25k Karte vermerkt sind. Von dort aus geht es dann über Wegspuren und Geröll zu einem Grasrücken, welcher sich zum Gondas herunter zieht. Hier steigt man parallel zu einem Bach auf und bleibt bei Pfadverlust einfach auf dem Rücken. 30m unterhalb von P2594 (recht markante Erhebung im Rücken) finden sich wieder Markierungen und Trittspuren. Diese leiten dann östlich der Kante folgend hoch zu P2818, wo man bei einem markanten roten Sandfleck suf die Tödiroute stößt.
Läuft man wie ich im Tran irgendwie querfeldein ist dies auch kein wirkliches Problem. Der Bach lässt sich auf 2050m Höhe problemlos queren und sollte man die Wegspuren nicht finden hält man einfach direkt auf den deutlich sichtbaren Grasrücken zu.

Chli Tödi:
Der Übergang vom Tödipfad in die Nordwand verläuft beim Überghang Schutt-Fels auf grob 2960m. Hier folgt man einem geeigneten Schuttband über drei Abbrüche hinweg (bei Schnee kritisch) in den Nordhang. Dieser besteht ebenfalls aus einer Schutthalde "kleines Material" und Schutt "klebt an der Wand", der Übergang ist auf grob 2970m. Die Wand steilt von Westen nach Osten auf und bietet instabiles III-er Gelände, soweit ich das beurteilen kann. Mit Seil, ein paar Schlingen, Reepschnurmaterial für Rückzüge sowie einem Paar Friends (Gr. 1 und 2) könnte man über eine der Rinnen/Aufschwünge weiter aufsteigen, ohne Sicherung dagegen spielt man eher Roulette mit Griffen/Tritten, die gerne ausbrechen.




Tourengänger: Becks


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Kommentare (2)


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PStraub hat gesagt: Been there, done that ..
Gesendet am 2. August 2013 um 08:44
.. darum weiss ich, WIE steil, und vor allem WIE bröckelig dort oben alles ist. Tischgrosse Steinplatten rutschen dir unter den Fingern weg. - Gratulation zu deinem Versuch - und zum Entschluss, abbrechen zu können!

Ich denke, ohne Bohrmaschine, ein paar Haken und ausreichend Seillänge ist das schlicht zu heikel.

Man darf übrigens mit Tageskarten das Val Russein hochfahren, weiter als bis P. 1531 ist mit normalen Autos nicht zu empfehlen (siehe hier).

Gruss Peter

Becks hat gesagt: RE:Been there, done that ..
Gesendet am 2. August 2013 um 10:27
Nun, die Tour war auch ohne Gipfel wirklich schön. Kein überlaufenes Gebiet, ein eher selten genutzter Weg durch ein Tal das ich bis dahin nicht kannte und super Wetter - was will man mehr.


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