Louwihorn 3773m - Lötschenlücke 3173m


Publiziert von Bombo , 6. Mai 2008 um 00:37.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Jungfraugebiet
Tour Datum: 4 Mai 2008
Ski Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS   CH-BE 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 800 m
Abstieg: 3000 m
Strecke:Mönchsjochhütte - P.3506 - Louwihorn - Louwitor - Kranzbergfirn - Grosser Aletschfirn - Lötschenlücke - Fafleralp - Blatten
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit Jungfraubahn aufs Jungfraujoch
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Auto: grosser Parkplatz eingangs Blatten an der Strasse, welche zur Fafleralp führt ÖV: Postauto, welches nach Goppenstein fährt
Unterkunftmöglichkeiten:- Mönchsjochhütte - Konkordiahütte - Hollandiahütte
Kartennummer:LK 1:50'000, Bl 264 S "Jungfrau"

Eine weitere Folge von "bombostische Schlumpfentouren", heute:


"Lieber ein Horn in der Tasche, als eine Jungfrau auf dem Gewissen"

Ja ja, liebe Hikr-Gemeinde, denkt nur, was Ihr denken wollt - auch ich denke meine Sache :-) Trotzdem sei erwähnt, dass es in der Ueberschrift "Tasche" heisst und nicht "Hose" - man sammelt Gipfel bekanntlich in Taschen und nicht in Hosen... Immer diese Missverständnisse.... :-)

Nun, ein wenig Humor braucht diese Tour, denn wie schon gestern, lief auch heute nicht alles am Schnürchen: 

Da hätten wir zum Beispiel einmal wieder unseren Vorzeige-Star-Wetterfrosch Thomas Bucheli. Ich staune immer, wie genau seine Wetterprognosen sind - nun ja, grenzt man das Berner Oberland, genauer genommen das Jungfraugebiet aus, so hatte er wohl recht - überall Sonne und ein paar Schleierwolken. Die paar Schleierwolken waren wohl unsere Wolken und überall Sonne galt scheinbar für den Rest der Schweiz (der Welt?).

Dann gibt es die berühmt berüchtigte Besteigung der Jungfrau. Jedermann weiss, eine Jungfrau zu besteigen ist etwas spezielles - vorallem wenn es sich um einen Berg handelt. Jungfrauen sind von Natur aus weibliche Wesen und weibliche Wesen tun sich manchmal mit männlichen Geschöpfen ein wenig schwer - so auch unsere Jungfrau - nicht dass sie uns nicht haben wollte, nein, ihre berühmte "Schatz, ich habe Kopfweh"-Antwort schickte sie uns in Form von dichten Wolken, vermischt mit Nebel und einer Null-Sicht. Was tut man(n) in einem solchen Moment? Genau - Rückzug und sofort auf die Suche nach einer Alternative. In unserem Fall zwar keine Jungfrau, aber wenigstens ein Horn - das Louwihorn 3773m.

Der Reihe nach:

Nächte sind da zum schlafen, sagt man, SAC-Hütten-Nächte sind jedoch aus meiner Sicht eher Nächte, wo man das Verhalten eines "Homo Mons" - also eines Berg-Menschen (latein., frei nach mir übersetzt...) - ausgieb studieren kann. Das beginnt zum einen, dass gewisse Schnarchnasen bereits vor dem Abendessen sich auf's Ohr hauen, lauthals vor sich hin schnurren und infolge vorgeholtem Schlaf dann weit nach der üblichen Nachtruhe freude quikend in den Massenschlag treten. Es wird getratscht und gelacht, man diskutiert, wer wohl schon schläft und ob das Bett nebenan auch wirklich besetzt ist oder man als einer der wenigen das grosse Platzglück hat. Dann gibt es die Sorte "Licht aus, Schnarchnase an" - die sind ganz besonders mühsam. Sie nämlich haben das Talent, die Dunkelheit in Töne umzusetzen - ein Talent, das ich mir manchmal aus Rachegründen auch wünschte. Glücklicherweise gibt es noch die grosse Menge der "Licht aus, Ohren zu"-Gattung, sie nämlich haben das grosse Glück, jeden Pieps und vorallem jeden Schnarch einfach so wegzustecken und dann entweder in Ruhe einzuschlafen oder gleich selbst im Konzert der Baumfäller mitzumischen. Dann - wie die Galier bei Asterix und Obelix - gibt es noch ein klitzekleines Völklein, welches einfach von Grund auf anders tickt. Es ist ein Völklein des Friedens, der Ruhe, der Wertschätzung und vorallem auch der Gelassenheit. Stört man jedoch diesen Menschenfrieden, dann entwickeln sie sich zu wahren Bestien - sind aber nur durch den Zaubertrank gestärkt und geschützt und ohne diesen verletzlich wie dazumals die Römer. Meine Wenigkeit wäre also zu Asterix-Zeiten ein Galier gewesen. Als Zaubertrank steht mir lediglich Neocitran bei (empfohlen durch Dr. "Miraculix" Schlumpf und geht dieser einmal aus, schwinden automatisch auch die Zauberkräfte. Kurz um: Schon wieder eine SAC-Hüttenübernachtung ohne Schlaf - langsam aber sicher muss ich mir überlegen, ob ich nicht auch wie andere Hardcore-Alpinisten stets jeweils mein eigenes Biwak vor der Hütte aufbaue - ich muss noch herausfinden, was angenehmer ist: frieren oder infolge Schnarchtüten nicht zu schlafen. Die Zukunft wird es mir weisen.

Es wurde nicht viel gesprochen in den ersten Minuten des neu angebrochenen Tages. Der Satz des Hüttenwartes, welcher um 05.30 Uhr über seine Lippen ging, steckt aber noch immer in meinen Ohren: "Hast Du gesehen, es hat aufgerissen! Es gibt einen schönen Tag, zwar mit einer leichten Bise - aber normalerweise bleibt dann alles hier in diesem Gebiet hängen - heute scheint das aber nicht der Fall zu sein". Wow. Der ideale Tag also für die Besteigung meines zweiten 4000er - die Jungfrau 4158m. Das ist natürlich die absolute Hammer-Botschaft am Morgen früh - vorallem auch deshalb, weil ich es noch gar nicht gewagt hatte, aus dem Fenster zu schauen. Ich verliess mich auf den Hüttenwart - auf dieser ist schliesslich immer Verlass.

Ein leicht grimmiger Schlumpf und ein mit Fragezeichen besetzten joerg gesellten sich zu mir an den Frühstückstisch. "Hast Du schon aus dem Fenster geschaut?" "Nein", antwortete ich zufrieden, "der Hüttenwart hat mir soeben die positive Nachricht überbracht". Stirnerunzeln am Frühstückstisch.... Roger und Jörg klärten mich dann über die bittere Wahrheit auf, dass es draussen absolut wolkenverhangen ist, ebenso pfeifft ein kalter Wind um die Ohren. Zähnefletschend schaute ich zum Hüttenwart - in der Comicsprache wäre meine Sprechblase mit einer Axt, einem Messer, einer Gewitterwolke (so wie die gestern auf dem Mönch!) und einem Totenkopf gefüllt gewesen. Weiterer Kommentar überflüssig.

Nun aber zügig zum Tourenbericht:

Windjacke zuunterst aus dem Rucksack gewühlt (die ganze Packordnung war hinüber), raus in die kalte Bise und mit den Skis vorbei am Sphinxstollen beim Jungfraujoch weiter Richtung P.3506, welchen man südlich umfährt. Felle aufziehen und zuerst gemächlich, dann sehr steil hoch auf den Ost-Sporn, welcher zum Rottalsattel füehrt. Dann eben die abweisende Art unserer Jungfrau, sie schickte uns haufenweise Wolken und Nebel - wir waren ihr einstimmig hörig und kehrten um. Auf der Aufstiegsspur mühsam zum Punkt herunter, wo eine weitere Aufstiegsspur zum Louwitor 3676m führt. Immer mehr verzogen sich die Wolken und bei uns vermehrten sich die Fragezeichen, ob unser Entscheid auch wirklich richtig war. Glücklicherweise waren wir uns aber auch später noch einig, sodass wir auch ohne Jungfrau den Tag in vollen Zügen geniessen konnten. Ein Tag ohne Gipfel wäre tatsächlich der Gipfel gewesen, weshalb wir vom Louwitor noch kurzerhand zum nahegelegenen Louwihorn 3773m aufstiegen. Die Sicht einmal mehr gleich null - aber immerhin, wir hatten einen Gipfel bzw. ein Horn in der Tasche (und eben nicht in der Hose, ihr Schlaumeier, smile).

Zügig gings dann via Louwitor auf dem Kranzbergfirn vorbei an mächtigen Gletscherabrüchen runter zum Grossen Aletschfirn. Hier drückte die Sonne schon voll durch, sodass auch unsere Glückshormone doch noch in Schwung kamen. Vor uns das mächtige Aletschhorn - wir haben bereits erste Pläne geschmiedet. Gewaltig präsentiert sich hinter uns der Konkordiaplatz - Europas grösste zusammenhängende Gletscherwelt. Ganz nach dem Motto "wer sucht, der findet" haben wir die Ton in Ton gehaltene Konkordia-Hütte ausfindig gemacht - kein Wunder wird die Zustrittstreppe bei dieser starken Sonneneinstrahlung und Gletscherschmelze immer länger.

Sanft ansteigend führt die Spur hoch zur Lötschenlücke 3173m. Unterwegs wurden wir noch Zeuge eines kleineren Gletscherabbruches, welcher dann gleich in der Folge noch eine kleine Lawine auslöste - unter Nicht-Berücksichtigung des Grundes für den Abbruch ein gewaltiges und phantastisches Schauspiel - aber eben, macht man sich über den Grund dafür Gedanken, dann sieht das Ganze natürlich anders aus. Um die immer lauter werdenden Mägen zu beruhigen, gönnten wir uns direkt vor der Gletscherkulisse eine kleine Rast und eine halbe Stunde später waren wir bereits auf den letzten Metern vor der Lötschenlücke. Oben angekommen sahen wir auch die Hollandiahütte - ein beachtliches Bauwerk inmitten der Felsen.

Endlich durften wir zum letzten Mal die Felle abziehen und anfänglich noch bei schönem Sulz ging es auf dem Langgletscher zügig hinunter. Bei der Gletscheralp führt die Abfahrt eigentlich in der Mitte des Tals durch, da der Schnee nun aber schon sehr schwer und nass war und in der Folge man hätte "stöckeln" müssen, gibt es glücklicherweise eine Abfahrtsspur, welche am südlichen Talrand entlang führt - Vorsicht vor Nassschneelawinen und Steinlawinen! Bei  Fafleralp hiess es dann doch noch sich mit den Stöcken fortzubewegen, bevor es auf der schneebedeckten Zufahrtsstrasse richtung Blatten ging. Wenige Meter vor dem Dorf löste sich der Schnee in Wasser auf und für ein paar Minuten hiess es noch die Skis schultern. Dann der Strasse entlang bis zur Post, wo sich auch die grosse Postauto-Station von Blatten befindet.

Der gelbe Riese brachte uns dann nach Goppenstein, dort hiess es zügig das Après-Touren-Bier zu geniessen um dann wenige Minuten später mit dem Zug nach Spiez und nach einem letzten Mal umsteigen nach Interlaken Ost zu fahren. Das Taxi brachte uns zurück zur Helibasis, wo glücklicherweise noch immer unser Auto stand - der Kreis ist somit geschlossen und meine Berichterstattung hier zu Ende.

Ein Dankeschön an den "Hof-Fotografen" Schlumpf und "Routinier" joerg - es hat auch ohne Jungfrau super Spass mit Euch gemacht und ich freue mich schon heute auf weitere Touren in dieser Konstellation. Mindestens die Fiescherhörner werden uns nächstes Jahr garantiert im Trio dort oben vorfinden! 


Bericht von Schlumpf: Bericht
Bericht von joerg: Bericht

Tourengänger: Schlumpf, joerg, Bombo

Galerie


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