Frühjahrsschitour in die Getschnerscharte


Publiziert von Michael26 , 11. Mai 2013 um 21:07.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Silvretta
Tour Datum:27 April 2013
Ski Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 4:00
Aufstieg: 900 m
Strecke:Bieler Höhe, Bieltal, nach SO in die Getschnerscharte
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit der Vermuntbahn und dem Tunnelbus auf die Bieler Höhe

Trotzt unsicherem Wetterbericht und Lawinenwarnstufe 3 fahre ich noch einmal nach Vorarlberg um am Saisonende die eine oder andere Frühjahrsschitour anzuhängen. Zunächst empfangen mich in Bludenz Regen und tiefhängende Wolken, trotzdem fahre ich früh am nächsten Morgen zur ersten Gondel der Vermuntbahn. Und mein Optimismus wird belohnt. Schon im Montafon blitzt es das eine oder andere mal blau durch die Wolkendecke und bei der Auffahrt zur Bieler Höhe lassen wir die Wolken endgültig hinter uns. Es wird ein schöner Frühjahrstag mit leichter Bewölkung, die von einem kräftigen Föhnwind über die Gipfel geblasen wird, mit angenehmer Temperatur, nicht zu warm, was dem Schnee deutlich gut tut. Denn wie ich später von anderen Tourengehern erfahre war es am Vortag viel wärmer und die Verhältnisse bei schlechter Sicht sehr bescheiden. Und um mein Glück abzurunden meldet der Lawinenwarnbericht nur noch ´mäßige Lawinengefahr´ Stufe 2. Einer schönen Frühjahrsschitour steht also nichts mehr im Weg und ich beschließe Richtung Getschnerspitze/-scharte ins Bieltal aufzusteigen.
Den unteren Teil der Route bis unter den Hennekopf kenne ich schon und komme gut voran. Schnee liegt noch genug, Spur gibt es aber keine mehr, dabei ist es teilweise etwas rutschig. In der Nacht hat es gefroren und trotzt des oberflächlich aufgeweichten Firns rutscht man stellenweise auf dem vereisten Untergrund. Nach einiger Zeit bin ich unterhalb des Hennekopfs vorbei und erreiche eine Hochfläche mit schön gewellten Böden. Vor mir ragt  ein Amphitheater auf, gebildet links von der vorderen und mittleren Getschnerspitze, in der Mitte der Getschnerscharte und rechts der hinteren Getschner- und Madlenerspitze. Im Sommer gibt es hier laut Führer kleine Seen und es ist ein ganz wunderbarer Ort. Ich bleibe eine ganze Weile stehen und beobachte bezaubert, wie die Wolken über den Himmel segeln und die Wolkenschatten über die gewellten Schneehänge gleiten. Es ist so schön, dass ich beschließe einfach geradeaus zur Getschnerscharte aufzusteigen, anstatt nach links auszuscheren und Richtung Getschnerspitze zu gehen, wo es vielleicht nicht so schön ist.
Auf der Hochfläche ist der Schnee schon sehr weich und tief, aber weiter hinten, wo es steiler wird, ist der Untergrund wieder gefroren und eisig. Links von der Getschnerspitze ziehen Lawinenstriche herunter. Umso besser, von dort kann nicht mehr viel kommen, also halte ich mich auf der linken Seite und steige durch die Lawinenstriche. Das ist zwar etwas mühsam aber nicht so rutschig wie in der Mitte des Kessels, wo der Untergrund vereist ist. Weiter oben wird der Aufstieg ohne Harscheisen herausfordernd, denn links ist es ziemlich steil und in der Mitte eisig und ich rutsche ab. Also bleibe ich weiter links und mühe mich mit kurzen und steilen Spitzkehren bis ganz nach oben in die Getschnerscharte.
Erwartungsgemäß pfeift hier ein kalter Wind und anstatt mich umzuziehen mache ich die Windjacke zu. Man hat einen wunderbaren Tiefblick auf der anderen Seite hinunter ins Jamtal, ganz unten die Jamtalhütte, rechts dahinter die Chalaus- und Augstenspitzen, ganz hinten links die Fluchthörner. Alles 3000er, von durchziehenden Wolkenschwaden abenteuerlich eingehüllt, wieder einmal bin ich vom Hochgebirge und seinen Dimensionen tief beeindruckt. Laut Führer kann man wegen Felsabbrüchen nicht von hier ins Jamtal abfahren, nur ein Steig ist im Sommer begehbar. Sieht auch sehr wild und wenig einladend aus. Wegen dem kalten Wind und weil es steil und verblasen ausschaut lasse ich schnell den Plan fallen, vielleicht noch ohne Schi auf die mittlere Getschnerspitze zu steigen.
Nach einer kurzen Rast fahre ich ab zurück ins Bieltal, mehr oder weniger entlang der Aufstiegsroute. Der obere steile und vereiste Abschnitt ist problemlos abzufahren und schnell erreiche ich wieder die Hochfläche. Dort muss ich durch den tiefen und weichen Firn etwas anschieben, dann wird es wieder steiler und die Abfahrt hinunter zum Bach bietet schönen Firn. Nach der Überschreitung des Baches halte ich mich möglichst ohne Höhenverlust nach links um zur Dammloipe hinüber queren zu können und die Gegensteigung vom Talausgang des Bieltales zurück zur Bieler Höhe zu vermeiden. Das gelingt mehr oder weniger gut und zuletzt erreiche ich über die Dammloipe wieder die Bieler Höhe.
Zum Ausklang gönne ich mir eine ausgiebige Rast auf der Sonnenterasse (das Wetter hält !) des Madlener Hauses und verkoste den Silvretta Suppentopf, der alle verbrannten Kalorien großzügig wieder ersetzt. Ich sitze dabei mit einem Päarchen am Tisch, die mir von ihrer Tour auf den Piz Buin am Vortag erzählen. Dabei hätte es bis auf 2700 m geregnet, der Schnee wäre durchweicht und die Sicht schlecht gewesen. Meine Frage, ob sie über den Ochsentaler Gletscher gegangen wären wird bejaht, was ich bei den beschriebenen Verhältnissen als ´sehr sportlich´ einstufe, denn bekanntlich ist dieser Gletscher ordentlich spaltendurchzogen. Na ja, jedem das seine.
Zuletzt muss ich leider wieder ins Tal abfahren, wo Wolken und Nebel warten, aber die Saison hat wie erhofft einen wunderbaren Abschluß gefunden.
Wie sich die beschriebenen schlechten Verhältnisse anfühlen, sollte ich am nächsten Tag erfahren, als ich bei meinem zweiten Tourenanlauf genau diese vorfand. Bodenlos aufgeweichter Schnee und Sturmböhen veranlassten mich bei ca. 2600 m umzudrehen. Bei der Abfahrt bin ich dann noch auf einem steilen Hang ohne Vorwarnung bis zur Hüfte in ein Schneeloch eingesackt und hatte einge Mühe mich wieder heraus zu kämpfen. Nur gut, dass ich nicht auf die Idee gekommen bin, auch noch den Piz Buin zu versuchen.

Tourengänger: Michael26

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