Die Bergtour 1994 (4) - Pizzo Cazzola 2756 m


Publiziert von basodino Pro , 23. April 2013 um 22:41.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Locarnese
Tour Datum:31 Juli 1994
Wandern Schwierigkeit: T5- - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   I   Gruppo Pizzo Solögna   Gruppo Pizzo Castello   Gruppo Cristallina   Gruppo Pizzo San Giacomo   Gruppo Basodino   Gruppo Pizzo Biela   Gruppo Pizzo Quadro   Gruppo Grieshorn 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1000 m
Abstieg: 1600 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Robiei erreicht man mit der Seilbahn von San Carlo, welches man mit Bus oder Auto durchs Valle Maggia und Val Bavona erreicht.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Bosco Gurin erreicht man mit Bus oder Auto via Locarno, Valle Maggia bis Cevio und dort links ab bzw. Umsteigen.
Unterkunftmöglichkeiten:Capanna Basodino CAS (1856 m), Hotel Robiei (1900 m), Rif. Marialuisa CAI (2160 m), Rif. Piano delle Creste (2160 m), Capanna Grossalp (1907 m), Hotel und Pension in Bosco Gurin (1500 m)

Die folgende Etappe von der Capanna Basodino zum Rifugio Marialuisa habe ich bereits in der Bergtour 1989 beschrieben (5. Tag). Wir verweilten nur eine Nacht auf der italienischen Seite und kehrten am 6. Tag wieder in die Schweiz zurück. Hierzu folgt man der Talstraße um eine Kurve abwärts, biegt links über eine Schotterstraße ab und gelangt so zum Lago Castel, dem man am rechten Ufer folgt. Man hält die Höhe, indem man die folgende Flanke links quert, bis man den Rio Scelp erreicht. Diesen überquert man und steigt im gegenüberliegenden Hang nun mit Höhengewinn zum Lago Nero (2428 m) auf. Der See liegt malerisch und ist für sich ein Ziel. Bis hierhin führte damals ein guter Weg. T3-, 1 h 40 min.
Den See umgeht man links über eine noch sichtbare Spur und erreicht ein Tälchen, welches direkt auf den Basodino zielt. Man biegt nach wenigen Minuten aufwärts nach rechts ab und ersteigt den Hang zunächst recht gerade (Wegzeichen), später in einer Querung weiter nach rechts, die am Rand einer Terrasse auf knapp über 2600 m endet. Hier biegt man scharf nach links, wo sich wieder ein Art Tälchen öffnet, das den einfachen Zugang zum Passo d'Antabia (3033 m) bildet. Da dieser Pass allerdings auf seiner Ostseite durch den zurückgegangenen Gletscher inzwischen nicht mehr so leicht überquert werden kann, hat sich eine andere Route gebildet. Rechterhand ziehen weite Geröllfelder (teilweise auch Blöcke) von der Gratkante hinab. Hier findet sich eine recht direkte Wegzeichnung (nur Markierungen, kaum Spuren), die direkt in die Scharte P. 2797 führt, zuletzt felsig. T4+, 1 h 20 min.
Dahinter geht es steil hinab, bald quert man durch brüchiges Geröll zu P. 2737. Diese Passage ist dem Steinschlag ausgesetzt und erfordert Vorsicht. Hinter P. 2737 entspannt sich die Querung dann wieder. Zuletzt mündet man in den Talweg zum Tamierpass ein und erreicht diesen wenig später. T5-, 1 h 00 min.
Am Tamierpass erreicht man wieder das Tessin. Damals befand sich am Pass ein größeres Schneefeld, was man im obersten Teil bequem abrutschen konnte. Dahinter wird es flacher und man erreicht ein kleines Seelein, bevor man zu der Kante kommt, an der man leicht links abknickend wieder stärker an Höhe verliert. Etwa 100 Höhenmeter tiefer dreht der Weg nach Süden und quert den Hang in die andere Richtung (an der Kurve wäre der Beginn der Basodino-Südbesteigung). Schließlich gelangt man auf weite Wiesen. Der Weg macht aber einen weiten Bogen nach rechts, bevor er das Rifugio Piano delle Creste (2108 m) erreicht. T3+, 1 h 15 min.

Dem 7. Tag (30. Juli) war eigentlich eine Gipfeletappe vorbehalten, die aber dem Wetter zum Opfer fiel. Nicht einmal die kurze Tour auf den Pizzo Solögna (2698 m) konnten wir verwirklichen, vom Basodino selbst ganz zu schweigen.

Am 8. Tag sah es nicht so viel besser aus, stand doch die lange Etappe nach Bosco Gurin bzw. zur Capanna Grossalp an. Hierzu steigt man den guten Weg hinauf zu den Laghetti di Antabia (2189 m), lässt den oberen See links liegen und erreicht zunächst einen Rücken, dann eine breite Rinne, darüber liegende Geröllfelder und schließlich ein Band, welches einen schräg aufwärts (einzelne Sicherungen) in den markanten Übergang der Bocchetta della Crosa (2480 m) führt. T3+, 1 h 00 min.
Dahinter zunächst steil hinab bis nahe dem Seelein 2386 m. Hier zweigt eine blau markierte Route nach rechts ab, welche zunächst ca. 70 Höhenmeter gewinnt und danach lange die Höhe hält und den gesamten Geröllkessel unterhalb des Pizzo Fiorera quert, um schließlich leicht absteigend den Passo Cazzola (2411 m) zu gewinnen. T4, 1 h 15 min.
Nach dem Pass wechselt man auf die italienische Seite und ersteigt die Hänge rechts des Grates diagonal ansteigend. Das Gelände wird immer blockiger und zuletzt felsig. Unweit des Gipfels des Pizzo Cazzola (ca. 2730 m) erreicht man wieder die Gratkante. Den Gipfel kann man mit einer kurzen, leichten Kletterei mitnehmen. T5-, I, 0 h 45 min.
Hinter der Gratkante erreicht man wieder Schweizer Terrain. Die markierte Route quert nun abwärts die Hänge bis man ein markantes Tälchen erreicht, welches den Tiefpunkt bildet (ca. 2460 m). Man verlässt es über ein markantes Band links aufwärts und quert weiter die relative Ödnis, bis man auf den Talweg (rot markiert) stösst, der einen wieder in den Aufstieg führt (P. 2496 m). T4, 1 h 15 min.
Damals erwischte uns hier der erste Regen, der alsbald von Donner und Blitzen begleitet wurde. Auf ca. 2600 m wurden wir gestoppt, als Blitze und Donner keine 3 Sekunden mehr auseinander lagen. Wir hockten uns zwischen die uns kaum überragenden Felsblöcke und warteten. In den folgenden 15 Minuten schlugen die Blitze mehrfach in den 50-70 Höhenmeter über uns befindlichen Grat sichtbar ein. An den Felsen in direkter Umgebung bildete sich ein bläulicher Schimmer, das sogenannte Elmsfeuer, welches gleichzeitig faszinierend und beängstigend war. Die Spannung in der Luft und im Gelände schien mir physisch spürbar. Nach und nach verzogen sich die Blitze wieder und als der Abstand zum Donner auf 6 Sekunden angewachsen war, entschieden wir uns für den Weiterweg. Normalerweise wäre der direkte Abstieg angezeigt gewesen, nur liegt hier das Tal 1900 Höhenmeter tiefer, während der Pass nur noch 90 Meter über uns lag. Also hinauf. T4, 0 h 40 min (ohne Gewitterpause gerechnet).
Der Pass selbst ist felsig und die rot markierte Spur führt über große Blöcke jenseits steil hinab. Nach dem Gewitter waren die Felsen hauchdünn mit Eis überzogen, was äußerste Vorsicht verlangte. Kurz schimmerte die Sonne durch die Wolken und gab uns ein wenig Hoffnung. Schließlich erreichten wir felsdurchsetzte Wiesen und schließlich die flachen Weiden von Bann. Dort holte uns aber das 2. Gewitter ein. Wieder Blitze und Donner keine 3 Sekunden auseinander, bald zeitgleich, wir dieses mal ganz ohne jeden Schutz knieend auf der offenen Wiese. Dieses Mal waren es aber nicht die Blitze, die uns beeindruckten, sondern die unglaublichen Wassermassen, die herabdrückten. Meine beiden Mitstreiter wollten nicht auf der Wiese bleiben und stellten sich gegen meinen Rat an einen nahen Steilhang. Während ich in 30 cm tiefem Wasser kniete und kaum Luft zum Atmen hatte, die Luft hatte gefühlt einen höheren Wasseranteil als Sauerstoff, standen die beiden anderen in einem Wasserfall, ohne es zu merken. Dort holte ich sie Minuten später ab. Vollkommen der Weitenrelationen beraubt, entschieden wir uns für den sofortigen Abstieg ins Tal, da wir die Abzweigung zur Capanna Grossalp wahrscheinlich eh nicht gefunden hätten. Über Wege, die sich in reißende Bäche verwandelt hatten, kamen wir nur langsam voran. Immer wieder mussten wir durch halbmetertiefe Rinnen und Vertiefungen waten, bis es weiter unten einfacher wurde. Das Wetter beruhigte sich allmählich, der Regen wurde geringer, Donner und Blitze waren ganz verschwunden und wir erreichten die ersten Häuser. Und als wäre nie etwas geschehen, öffnete sich am Restaurant unterhalb vom Ortskern die Wolkendecke und eine satte, warme Sonne lachte uns aus. Tropfnass bis auf die Haut, den kompletten Rucksack durchnässt, warteten wir auf den Bus nach Locarno, wo meine Verwandten uns aufnahmen und einen Tag zum Trocknen gaben. Nur einer von uns hatte eine neue Schöffeljacke für damals unglaubliche 800 DM und die hatte gehalten. Sogar das T-Shirt darunter war beinahe komplett trocken geblieben. Ich meinerseits war froh, dass ich einen Fleecepulli dabei hatte, der nur oberflächlich feucht schien und in der warmen Sonne tragbar war. Alles andere war eigentlich so nass, als wäre bei einem Waschgang das Schleudern ausgefallen.
Ein weiteres Opfer waren die Schuhe von Mitstreiter Nr. 2, welcher nach diesem Wasserereignis die Segel streichen musste, auch nachdem wir im sommerlichen Locarno wieder trocken gelegt waren.

Fortsetzung hier!

Tourengänger: basodino


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