Kanisfluh/Holenke (2044 m) - Herbstwanderung auf eine Zyklopenburg aus Jurakalk


Publiziert von alpstein Pro , 17. November 2012 um 19:26.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Bregenzerwald-Gebirge
Tour Datum:17 November 2012
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 5:15
Aufstieg: 1050 m
Abstieg: 1050 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:über Kreuzlingen - Grenzübergang Au/Lustenau - Dornbirn - Bödele - Bregenzerwaldbundesstraße B 200 - Au - Richtung Damüls bis Bushaltestelle Öberle
Unterkunftmöglichkeiten:Berggasthaus Edelweiß (Sommersaison), sonst in Au-Schoppernau
Kartennummer:map.geo.admin.ch oder Kompass Bregenzerwald

Oben blau, unten grau, so war’s diese Woche die meiste Zeit am heimischen Bodensee. Da gibt es am Wochenende nur eines, nämlich auf, hinauf in die Berge und das bei möglichst viel Sonnenschein und ohne großen Schneekontakt. Die Kanisfluh im Bregenzerwald mit ihrer steilen Südflanke erschien uns da als ein geeignetes Ziel. Von Norden her betrachtet ist die 4-gipflige Kanisfluh ein gewaltiger Klotz, was in der Bezeichnung „Zyklopenburg aus Jurakalk“ im AV-Führer von Walther Flaig und diesem Video gut zum Ausdruck kommt.

Von Norden erscheint sie mit ihrer bis zu 1300 m hohen Steilflanke unnahbar. Im alten AV-Führer W. Flaig sind jedoch zwei äußerst anspruchsvolle Routen durch die Nordflanke für die gehobene Alpinwanderkategorie eingezeichnet und beschrieben. Von Süden her gibt es eine lohnende Überschreitung aller vier Gipfel, die jedoch wenigen Berichten nach im Bereich T5-T6 und II anzusiedeln ist. Den Hauptgipfel Holenke (2044 m) kann man ohne große Schwierigkeiten über den markierten Bergweg sowohl von Mellau aus als auch Au besteigen.

Um nicht stundenlang im Schatten unterwegs zu sein, wählten wir den südseitigen Aufstieg, der an der Bergstraße von Au nach Damüls beginnt. Gut 200 Hm über dem frostigen Talboden an der ÖV-Haltestelle Öberle ging unsere Wanderung los.  Bei der vierten Kehre verließen wir die Alpstraße und nahmen den Wanderweg, der über die Unterhörnlealpe (1327 m) unter dem Korbschrofen  durch zum Berggasthaus Edelweiss führt. Wenig begangen scheint er offensichtlich zu sein, aber gut markiert. Bequemere Naturen ziehen es wohl vor mit dem PKW bis zum Wanderparkplatz auf etwa 1400 m zu fahren. An der Alpe traten wir aus dem Schatten in das Sonnenlicht, was innert kurzer Zeit dazu nötigte die Jacke auszuziehen, weil es sonst zu warm geworden wäre.

Schon längst in der Sonne war hingegen die völlig schneefreie Südflanke bis hoch zum 3 km langen First des Kanisfluhmassivs. Bei einer ersten Pause auf der Terrasse vom „Edelweiss“ hatten wir Zeit die steilen Gras- und Schrofenflanken zu studieren. Wir nahmen für den Aufstieg allerdings den wrw markierten Bergweg über die Südwestflanke.  Der Boden war zwar gefroren, was auf dem eher einfachen Bergweg kein Problem darstellte. Der Schwierigkeitsgrad T3 wird auch nur an zwei kurzen Stellen von wenigen Metern erreicht. Bei Nässe oder Schnee kann es in der steilen Flanke sicher ziemlich rutschig werden. Statt der oft beschriebenen Karawanen ging es bei unserem Aufstieg noch sehr ruhig zu.

Am Gipfel angekommen erwartete uns ein prächtiges Panorama. Zäher Nebel  weiterhin über dem Bodensee, wir konnten hingegen die Gipfelrast bei angenehmer Wärme an der Grenze zwischen Sommer und Winter genießen. In der Nordflanke lag Schnee. Ein Fehltritt würde hier erst sehr, sehr weit unten sein Ende nehmen. Richtig frostig sah es unten in den Aachgründen aus, wo der Raureif die Wiesen mit einem weißen Zuckerguss überzogen hat.

Es war heute übrigens nicht unsere erste Besteigung. Vor 34 Jahren standen wir, damals in sommerlicher Hitze, schon mal gemeinsam am Gipfel. Esther58 hat schon früh ihre Bergtauglichkeit unter Beweis gestellt ;-) Die Gipfelrast nahm dann auch mal ein Ende. Im Gegensatz zu einem Gleitschirmflieger mussten wir jedoch zu Fuß absteigen. Zwei Stunden nach dem Aufbruch kamen wir schließlich an den Ausgangspunkt zurück. Die Einkehr in der Ur-Alp in Au rundete den Aufenthalt im Bregenzerwald ab.

Fazit: Wir konnten einen tollen Herbsttag in einer schönen Bergkulisse genießen. Die Stille, die Sonne und das herrliche Panorama waren der richte Rahmen für dieses Unternehmen. Wenn es nach uns ginge, könnte das schöne Wetter bei milden Temperaturen den ganzen Winter so bleiben.

Route: Au/ÖV-Haltestelle Öberle - Unterhörnlealpe - Gasthof Edelweisshütte - Hählesattel - Kanisfluh/Holenke und retour

Tourengänger: alpstein, Esther58

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Kommentare (2)


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Felix Pro hat gesagt:
Gesendet am 21. November 2012 um 21:38
schon lange möchte ich da hinauf - ihr habt mich einmal mehr "gluschtig"gemacht - schön der Bericht, schön, die Tour - vielen Dank und liebe Grüsse

Felix

alpstein Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 22. November 2012 um 06:30
Hallo Felix,

vielen Dank für Deinen Kommentar. Die Kanisfluh ist ein markanter Felsklotz, den ich bei gutem Wetter vom heimischen Bodenseeufer sehen kann. In der Hauptwandersaison ist er stark frequentiert, aber unter der Woche oder in Saisonrandzeiten ein schönes Wanderziel.

Beste Grüße
Hanspeter


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