Mettelhorn 3406m + Platthorn 3345m + Wisshorn 2936m = Eine Menge lohnenswerter Leistungskilometer


Publiziert von Mistermai , 3. Oktober 2012 um 13:34.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum: 2 Oktober 2012
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: L
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 8:30
Aufstieg: 2300 m
Abstieg: 2300 m
Strecke:Zermatt - Trift - Mettelhorn - Platthorn - Wisshorn - Zermatt (21km)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:ÖV
Zufahrt zum Ankunftspunkt:ÖV
Unterkunftmöglichkeiten:Hotel du Trift (Im Okt. bereits geschlossen) / Pension Edelweiss / Eines von bescheidenen 230 Hotels in Zermatt - Meine Wahl: Hotel Alfa (sehr preiswert und zweckmässig)

Prolog

Oktober - Was für viele Saisonende bedeutet, heisst für mich Hochsaison: Tolle Verhältnisse, Wenig Leute und kein Gewitterrisiko - Was will man mehr?
So buchte ich mir in Zermatt für 50.- (!) ein Hotelzimmer mit Morgenessen und brach am Montagabend auf. Unterwegs wurde man von einem Kondukteur bestens unterhalten , dessen Mobiltelefon während der langen Durchsage vor dem Bahnhof Bern unaufhörlich klingelte und damit den ganzen Zug beschallte.

In Zermatt angekommen, fragte ich mich, was man für 50.- von einem Hotelzimmer erwarten kann. Nun, das Zimmer war klein, aber sehr zweckmässig und sicher besser (und ruhiger) als ein Bett in einem 8er Schlafsall in der Jugendherberge, was gleich viel gekostet hätte.
Das Morgenessen, das ich bereits 30min vor der offiziellen Uhrzeit zu mir nehmen durfte, fand im 4**** Hotel nebenan statt und war somit schon alleine min. die Hälfte dieser 50.- wert. Unsereins musste sich angestrengt zurückhalten, lag doch noch der eine oder ander Höhenmeter vor mir...


Hauptteil

Um 7:05 startete ich dann definitiv und betrat neben dem Bahnhof den Wanderweg richtung Trift. Dieser ist max T3-. Die Marschzeiten auf den Wegweisern sind übrigens äusserst grosszügig berechnet. Obwohl ich mich anstrengte nicht zu schnell zu gehen unterbot ich sie um min. 1/3.
Mit meinen bewährten 500hm/h stieg ich immer weiter auf und erreichte zuerst die Pension Edelweiss (welche übrigens auch preiswerte Übernachtungsmöglichkeiten bietet) und bald darauf das Hotel Trift, das schon tief im Winterschlaf schlummerte. Die Temperaturen waren angenehm und ich fühlte mich fitt und so machte ich erst auf 2700m den ersten kleineren Rast.
Dass der Wanderweg ab Trift als Alpinwanderweg gekennzeichnet ist, halte ich für komplett übertrieben. Das Platthorn ist meiner Meinung nach ein typischer T3 3000er, doch dazu später.

Um 10:15 erreichte ich das (oder die?) Furggij. Bis dort ist der Weg absolut problemlos machbar (~T3-)Von dort betrat ich mit Steigeisen den Gletscher. Spuren gab es keine, einzig die Stapfen zweier Wanderer vom Vortag. Diese waren jedoch, nach 50m und mehreren Stürzen (unterhaltsame Spur...) umgekehrt, ohne Stöcke oder Steigeisen ist der Gletscher kaum begehbar, zumindest im Oktober. Steigeisen machen also um diese Jahreszeit durchaus Sinn. Auch hat es die eine oder andere Spalte, die umgangen oder überhüpft werden muss.
Um diese Jahreszeit ist das T4 zumindest für die Strecke Furggij-Mettelhorn gerechtfertigt.
Da die restliche Strecke bis zum Mettelhorn etwas eingeschneit und leicht vereist war, behielt ich die Steigeisen gleich an und erreichte um 11:00 den Gipfel.

Im Abstieg kamen mir 3 weitere Leute entgegen, die mit mir die Tagesration an Wanderern in diesem Gebiet wohl komplettierten. Ich für meinen Teil hängte gleich noch das Platthorn an. Der Aufstieg täuscht und dauert tatsächlich ca. 20min. Ich suchte vergebens nach T4 Passagen und erreichte den Gipfel in der Überzeugung, max. ein T3 gemeistert zu haben. Weiss-Blau-Weiss dient hier wohl nur zur Abschreckung...

Der Rückweg führte bis auf 2730m über die Abstiegsroute und dann über das Wisshorn (nicht nennenswert, T2-T3) weiter nach Zermatt. Unterhalb des Wisshorns durchwandert man eine beeindruckend grosse Lawinenverbauung und schreitet dann relativ weit nördlich. Dieser Abstieg ist wohl etwas angenehmer, da er etwas flacher und weniger zick-zack ist, als der Weg über die Trift. Dieser positive Punkt wird aber min. kompensiert durch den ohrenbetäubenden Lärm vom Heliport der Air Zermatt, der direkt  darunter liegt.
Der Abstieg zog sich gegen Ende noch tüchtig in die Länge, aber um 15:30 wars dann geschafft und ich stand wieder am Bahnhof, wo ich 8:30h vorher gestartet war.


Epilog

Die Wanderung, die von vielen Leuten, als nonplusultra dessen, was es hierzulande gibt, betrachtet wird, ist tatsächlich schön. Meiner Meinung nach können jedoch schon die nahegelegenen Pfulwe und Barrhörner mindestens mithalten. Den Namen Horn verdient das Mettelhorn aber wie kaum ein anderer (Siehe Fotos), nicht zuletzt darum ist es eine sehr empfehenswerte Tour!
Nachdem ich mein deponiertes Gepäck im Hotel (sogar das war in den 50.- enthalten ;-)) abgeholt hatte, gings für mich zurück in die Gebiete, wo die höchsten Gipfel Gisliflue oder Homberg heissen. Was bleibt sind schöne Erinnerungen, tolle Fotos und ein Hauch Muskelkater...

Tourengänger: Mistermai

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Kommentare (4)


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Renaiolo hat gesagt:
Gesendet am 3. Oktober 2012 um 15:46
Gratulation zu dieser schönen Tour und zum wirklich gut geschriebenen Bericht inkl. Bilder. Erinnert micht an unsere Tour von Mitte August 2012 hier. Wünsche Dir noch viele schöne und unfallfreie Bergtouren! HG Renaiolo

Mistermai hat gesagt: RE: Danke
Gesendet am 3. Oktober 2012 um 17:32
Danke fürs feedback und die korrektur beim breithorn-bild!

Ist schon erstaunlich wie ein bisschen schnee das landschaftsbild verändert, wenn man deine mit meinen bildern vergleicht.

Gruss
Manuel


trainman hat gesagt:
Gesendet am 3. Oktober 2012 um 15:56
Sehr schönes Bildmaterial von einer 5-Sterne-Tour bei bestem Wetter,gratuliere!Ich hatte damals nicht so gute Sicht,dafür waren bei meiner Besteigung keine Steigeisen nötig,es ging ohne Probleme mit leichten Wanderstiefeln.
Grüsse trainman

Mistermai hat gesagt: RE: Vielen Dank!
Gesendet am 3. Oktober 2012 um 16:24
Ja, es ist wirklich eine lohnenswerte Tour.

Die Verhältnisse auf dem Gletscher müssen sich (laut Aussage eines Einheimischen) in den letzten Jahren stark verschlechtert haben. Früher sei er in diesem Gebiet gar nie ausgarpert und daher gänzlich problemlos zu begehen gewesen.

Momentan ist die Situation eher ungünstig, da es eine nicht wirklich tragende Schneeschicht auf den arperen Gletscher geschneit hat...


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