Dent Blanche 4357m ein Traumgipfel an einem Traumtag


Publiziert von Lulubusi , 19. August 2012 um 22:41.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Unterwallis
Tour Datum:14 August 2012
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: 3 (Französische Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2550 m
Abstieg: 2550 m
Kartennummer:LK 1:25000 BL1327 Evolene / BL1347 Matterhorn

 

Dent Blanche 4375m empfängt uns in seiner schönsten Sonntagstracht

 

Wie schon im letzten Jahr kommt mein Freund aus München für eine Woche in die Schweiz um die Berge unsicher zu machen. Letztes Jahr haben wir das Zinalrothorn bestiegen. Heuer wollen wir einen Nachbar, der Dent Blanche besteigen. Zugleich ist es sein zweiter 4000er

 

Der Dent Blanche einer der grossen Gipfel im Wallis. Die gewaltige Gneispyramide ist freistehend, was ihn so bemerkenswert macht. Sein vier markanten Grate sind genau auf die vier Himmelsrichtungen ausgerichtet. Sämtliche Routen gehören zu den grossen Klassikern des Wallis.

Die Erstbesteigung erfolgte 1862 von Jean-Baptiste Croz und William Wigram. Für ihren Aufstieg benützten sie den Südgrat „Wandfluegrat“ der auch heute noch als anspruchsvoller Normalweg genutzt wird.

Erst 20 Jahre später wurde der Viereselsgrat und 1889 der Ferpèclegrat überschritten. 1930 wurde schliesslich zum ersten mal die gewaltige Nordwand durchstiegen.

 

Unsere Tour soll uns über den Südgrat „Wandfluegrat“, den Normalweg führen. Ausgangspunkt soll die Cabane de la Dent Blanche „Cab. Roussier“ sein.

 

Die Hütte Cabane de la Dent Blanche „Cab. Rossier“

Die Hütte Cab. de la Dent Blanche liegt auf 3507m. Sie ist offiziell die höchst gelegenste SAC Hütte. Der Hüttenaufstieg von 1700 Höhenmetern ist einer der längsten der Schweiz aber äusserst abweschlunsreich.

Die Hütte verfügt über Total 55 Schlafplätze die auf zwei Stöcke verteilt sind. Eng wird es beim Essen. Alle treffen sich im Parterre was allerdings nur über 39 Sitzplätze verfügt. Auf dem selben Stock, in mitten des Gastraumes befindet sich eine kleine Küche die von einer originellen Bar umgeben ist.

Die Hüttencrew besteht aus zwei Personen die äusserst speditiv das Essen zubereiten und verteilen! Wer hier lange Wartezeiten erwartet, wird enttäuscht. Hier ein grossen Kompliment der super freundlichen Hüttenwartin und dessen Einmannteam.

 

Die Cabane de al Dent Blanche wurde früher auch Cabane Rossiere genannt.

 

Hüttenaufstieg

Mit dem Auto fahren wir durch Salay hindurch bis nach Ferpècle. An dessen Strassenende (beim Fahrverbot) befindet sich ein grosser Parkplatz P.1828 mit genügend Platz zumindest am Morgen. Nachmittags wird es dann schon eher eng. Auf Grund des langen Hüttenaufstieg ist dies eher weniger ein Problem, da man doch am Morgen möglichst früh eintreffen sollte.

 

Die ersten Minuten folgen wir der Strasse, bis wir auf einen Bergwanderweg treffen, der nach links Weg führt. In südöstlicher Richtung steigen wir erst durch Wald und dann über Wiesenhänge bis zur Alp Bricola P.2415, eine urchige alt Steinhütte. Hier machen wir zum ersten mal einen kurzen Verpflegungshalt.

 

Nun folgen wir dem oberen Weg der die Hänge des Ruisseaux de Bricola, oberhalb des Glacier de Ferpècle quert.

Durch das zunehmend karger werdende Gelände steigen wir in gleicher Richtung weiter hoch bis zu einem Moränenkamm P.2640 des vom Dent Blanche herabkommenden Glacier des Manzettes. Dessen mit Schutt überdeckte Zunge wird am Ende des Gletschers nach Süden überquert.

 

Zur Zeit führt der Weg nahe einem grossen Gletschertor vorbei, dass man allerdings erst nach ein paar Meter Aufstieg sieht, wenn man zurück blickt. Bis an die Zunge des Glacier des Manzettes ist der Weg weis-rot-weiss markiert. Ab Beginn des Gletschers leiten weiss-blau-weisse Markierungen oder Markierungsstangen durch das Gelände.

 

Weiter geht es links dieses Gletscher (südwesten) auf teilweise mit Geröll überdeckten Platten des Roc Noir zu P.3105. Von hier steigen wir direkt über den Blockgrat „2“. Nach kurzer Zeit trifft man wieder auf den Glacier Manzettes. Über diese Eiskuppe steigen wir direkt nach Osten hinauf bis an den Felsgrat der sich von der Wandfluelücke herabsenkt und an dessen Fuss sich die Cabane de la Dent Blanche befindet.

 

Aufstieg Dent Blanche

Trotzdem die Hütte ausgebucht ist, dürfen wir eine äusserst ruhige Nacht verleben. Kurz vor vier klingelt der Wecker. Um 4:00 Uhr gibt es Frühstücke. Wir nehmen es gemütlich und sind mit Abstand die letzten beim verlassen der Hütte.

 

Direkt hinter der Hütte beginnt die Felsrippe die man erklettert. Zuerst klettern wir auf der rechten Seite der nach Westen abfallenden Rippe und schliesslich direkt auf dem felsigen Grat weiter an den Rand eines kurzen steilen Schneegrates. Über diesen erreicht man das Firnplateau, das zur Wandfluelücke P.3701 führt. Hier sieht man zum ersten mal das Matterhorn.

Nun wendet man sich nach Nordosten dem Wandfluegrat zu. Ab hier folgen wir dem Südgrat nordwärts und gewinnen so immer mehr an Höhe. Anfänglich halten wir uns auf dem leichten Blockgrat eher links und gelangen schliesslich direkt auf dem Grat hochsteigend zu P.3882 den wir zu oberst in relativ einfachen Klettergelände „3“ rechts umgehen.

Nach dem wir unterhalb P.3882 gequert haben, steigen wir wieder auf den Grat hoch und erreichen ein kleine Firnmulde. Die Steigeisen, die wir anfangs des Blockgrate ausgezogen haben, ziehen wir wieder an.

Die folgende Firnkuppe P.3907 wird links in steil, schräg abfallendem Firn etwas unterhalb umgangen. Bereits jetzt zeigt sich Blankeis. Zur Zeit kann diese noch einigermassen umgangen werden. Ich denke Eisschrauben können hier schon bald gute Dienste leisten.

 

Am nördlichen Rand der Firnkuppe können wir uns den Steigeisen wieder entledigen. Der Fels ist Schnee-, Eisfrei und trocken. Weiter geht es über den schroffer werdenden Grat hinauf. Zwei weitere leichte Gratbuckel die überklettert werden, führe an den Fuss des Grand Gendarme.

 

Hier bestehen zwei Varianten:

Variante 1 den Gendarm direkt überklettern „4a“ oder

Variante 2 den Gendarm auf dessen linken Seite umgehen.

 

Wir entscheiden uns für die Variante zwei. Die Verhältnisse sind gut und zudem besteht am Gendarm Stau.

Wir queren also unterhalb des Gendarms nach links, ca. 50m über abfallende Platten durch die Westflanke, einem markanten Zacken in der Flanke entgegen. Rechts neben diesem Zacken trifft man auf eine Scharte und eine Art Rinne die hochführt.

Man lässt den Zacken links liegen und folgt dem wenig ausgeprägten Couloir über Platten „3“ direkt hoch zur kleinen Scharte, am Schluss „4“ hinter dem Grand Gendarm.

3 Eisenstangen dienen vor allem auf dem Rückweg zum Abseilen, können aber auch zum sicher benützt werden.

Die nächste zwei Türme überklettern wir, die Spitze des dritte umgehen wir auf dessen rechter Seite (östlich). Den nächsten Turm überklettern wir wieder und gelangen so an den Fuss des letzten steilen Gendarm.

Nun klettert man nach links über Platten etwas ab. Wenige Haken sind vorhanden. Jetzt klettert man einen Riss „3a“ (Borhaken) auf der Westseite des letzten Turms zu Platten hoch die man links erklettert. Auf der rechten Seite des letzten Turms gelangt man wieder auf den Grat. Ab hier bietet der Grat keine grösseren Schwierigkeiten. Ein paar kleiner Türme werden direkt erklettern oder leicht links umgangen. Über eine kurzen Firngrat erreichen wir schliesslich den Gipfel des Dent Blanche P.4375 ,bei sensationellem Wetter! Nach einer ausgiebigen Gipfelrast begeben wir uns auf den Abstieg für den man annähernd viel Zeit wie beim Aufstieg einrechnen sollte.

 

Abstieg

Unser Abstieg erfolgt auf der Aufstiegsroute. Der grösste Teil des Rückweges klettern wir ab. Lediglich die Eisenstangen verwenden wir zum Abseilen. Bei so guten und trockenen Verhältnissen wie wir sie vorfanden, war der Rückweg relativ einfach zu bewerkstelligen.

 

(Zuerst über den leichten Südgrat abklettern, erster Gendarm rechts umgehen, nächster Turm rechts über Platten absteigen und zurück zum Grat, nächsten Türme knapp unter dem Grat umgehen, beim Grand Gendarm über die Eisenstifte in die Westflanke abseilen, zurück zum Grat queren, rechts an Firnkuppe P.3907 vorbei, über Blockgrat zur Wandfluelücke, über den Schneegrat zurück zur Felsrippe und über diese hinunter zur Hütte)

 

Nach einer längeren Pausen machen wir uns auf den langen Rückweg zum Auto den wir ebenfalls auf der Aufstiegsroute absolvieren. Müde aber glücklich den grandiosen Gipfel geschafft zu haben, steigen wir ins Auto und fahren nach Hause.

 

Startpunkt

Ferpècle 1828m, Cabane de la Dent Blanche 3507m

 

Ziel

Dent Blanche 4357m

 

Anforderungen

Lange Hochalpine kombinierte Route. Fels bis III und Eis bis 35°

Der Hüttenweg ist relativ lange, was allerdings den Gipfelaufstieg merklich verkürtzt.

Der Grat ist dem Wind ausgesetzt und auf Schneewechten sollte besonderes Augenmerk gerichtet werden.

Die zu erkletternden Platten können bei Vereisung sehr heikel werden.

Grat ist häufig sehr ausgesetzt und auf langen Strecken nicht leichte Kletterei.

 

Material

50m Einfachseil, 2 Express, Bandschlingen, ev. Friend 1-2

Hinzu kommt die übliche Kletter- und Eisausrüstung

 

Zusätzliche Info

http://www.vs-wallis.ch/wallis/huetten/dblanche.html

 

Fazit

  • Grandiose, recht anspruchsvolle Tour auf eine königlichen Gipfel
  • Sehr alpiner Gipfel
  • Grandiose Aussicht
  • Super schöne und angenehme kleine Hütte, spartanisch eingerichtet
  • Tolle Hüttencrew
  • Langer aber abwechslungsreicher Hüttenzustieg
  • Aus meiner sich einer der schönsten Gipfel der Schweizer Alpen

 

Genaue Route

Parkplatz P.1828, Alp Bricola P.2415, Moränenkamm P.2640, Glacier des Manzettes, P.3105, Cabane de la Dent Blanche, Felsrippe, Schneegrates, Firnplateau, Wandfluelücke P.3701, Wandfluegrat, Blockgrat, P.3882, Firnkuppe P.3907, Grand Gendarme, Dent Blanche P.4357

 

Alternativ:

Wandfluehorn


Tourengänger: Lulubusi, Stiefel

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Kommentare (5)


Kommentar hinzufügen

Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 20. August 2012 um 09:38
Hallo Pascal,

Gratuliere dir zu diesem Traumgipfel, einer der Hammer die Tour!

Bis auf die nächste gemeinsame Tour...

LG, Andi

Basti hat gesagt: Glückwunsch!
Gesendet am 20. August 2012 um 10:58
Super Tour, tolle Bilder! Evtl. kannst du - falls vorhanden - mehr Bilder von den Umgehungen der Türme einfügen.
Der Berg steht fürs nächste Jahr ganz oben auf meiner To-Do-Liste!
Gruß
Sebastian

Lulubusi hat gesagt: RE:Glückwunsch!
Gesendet am 23. August 2012 um 19:44
Danke schön.
Ich muss dich leider entäuschen, von den Turmumgehungen habe ich keine weiteren Bilder gemacht. Aus meiner Sicht findet man den Weg mit etwas Spürsinn recht gut.

Bei Fragen melde dich einfach.

Vonti hat gesagt: Toll!
Gesendet am 20. August 2012 um 18:58
Gratulation Pascal! Der Dent Blanche ist auch noch auf meiner 4000er-Liste. Mit ZS III hast du den Gipfel leichter beurteilt als zB. die Breithorntraversierung ZS+ IV+. Kannst du das auch subjektiv, etc. bestätigen? Möchte mir ein Bild machen, da ich mir den DB eher schwieriger vorstelle (bei ähnlichen Verhältnissen).

Merci für deine Einschätzung.
Vonti

Lulubusi hat gesagt: RE:Toll!
Gesendet am 23. August 2012 um 19:53
Ja, das kann ich bestätigen! Die vollständige Breithorntraversierung ist aus meiner Sicht klar schwieriger.

Die 4er stellen sind am Breithorn ganz klar länger. Am DB hat es zu dem sehr viel Passagen die mit guter Seilhandhabung am laufenden Seil geklettert werden können.
Entscheidend ist, wie gut man mit Plattenklettern umehen kann, was beim DB häufig der Fall ist.


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