Mittelhorn 3704m


Publiziert von Sputnik Pro , 4. August 2012 um 12:41.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Jungfraugebiet
Tour Datum: 1 August 2012
Hochtouren Schwierigkeit: ZS-
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2320 m
Abstieg: 2570 m
Strecke:Zirka 16km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von Bern mit der Bahn über Interlaken Ost nach Grindelwald. Von dort mit dem Postauto hinauf zur Station "Abzweigung Glecksteinhütte".
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Von Bern mit der Bahn über Interlaken Ost nach Meiringen. Von Meirungen mit dem Postauto zur Station "Rosenlaui Gletscherschlucht".
Unterkunftmöglichkeiten:Glecksteinhütte (64 Plätze; Winterraum immer offen) und Dossenhütte (55 Plätze; kein Winterraum). Kontakt Glecksteinhütte: Telefon 033 853 11 40, Homepage www.gleckstein.ch. Kontakt Dossenhütte: Telefon 033 971 44 94, Homepage www.dossenhuette.ch
Kartennummer:LKS 1:25000 Grindelwald (Nr.1229) und Guttannen (Nr.1230)

DER HÖCHSTE GIPFEL DER WETTERHÖRNER.

Die Wetterhörner bestehen aus den drei Gipfeln Wetterhorn, Mittelhorn und Rosenhorn wobei meistens das Wetterhorn von der Glecksteinhütte oder etwas weniger oft das Rosenhorn vom Stützpunkt Dossenhütte aus bestiegen wird. Das Mittelhorn kann von beiden Hütten angegangen werden, doch wird es sehr selten besucht. Auf HIKR wurde der Berg ebenfalls noch nie beschrieben weshalb ich etwas ausführlicher über das Mittelhorn schreibe. Für mich war die Besteigung des Mittelhorns am Schweizer Nationalfeiertag etwas besonderes was ich aber erst zu Hause merkte, denn es war mein 100. bestiegene Gipfel vom Kanton Bern.

Allgemeines zum Mittelhorn:

Die Landschaft von Grindelwald wir durch den Eiger (3970m) im Westen und durch die Wetterhörner in Osten durch ihre Steilabstürze geprägt. Von den Wetterhörner fällt besonders der nordwestlichste der drei grossen Gipfel, das eigentliche Wetterhorn (3692m) auf. Das höhere Mittelhorn (3704m) ist zurückversetzt und der südöstlichste Gipfel der Wetterhörner, das Rosenhorn (3689,3m), ist von Grindelwald nicht aus nicht sichtbar. Das Mittelhorn wurde am 9.7.1845 erstmals vom in Interlaken wohnhaften Schottischen Arztsohn Stanhope Templeman Speer bestiegen. Dabei wurde er von drei Schweizern begleitet, einer der Schweizer Führer war Johann Jaun der auch ein Jahr zuvor bei den Erstbesteigungen von den beiden niedrigeren Wetterhörner dabei war. Die beiden anderen Schweizer waren Melchior Bannholzer und Kaspar Abplanalp.

Das aus Gneis aufgebaute  Mittelhorn sendet drei Grate aus und drei Gletscher reichen bis nahe unter die Gipfelfelsen.  Im Südwesten liegt der Obere Grindelwaldgletscher, im Norden der Hühnergutzgletscher und im Osten der Rosenlauigletscher. Während die meistens vereisten Gipfelflanken eher selten begangen werden können alle drei Grat als Aufstiegsrouten benutzt werden. Der einfachste Weg ist vom Wettersattel (3508m) zuerst über Firnhänge zum oberen Westgrat und über ihn auf den Gipfel (WS-; Fels II); die Zustiege zum Wettersattel sind das Willsgrätli (ZS-; Fels III) von der Glecksteinhütte (2317m) oder der lange Weg von der Dossenhütte (2663m) über die Dossenlücke,den spaltenreichen Rosenlauigletscher und den Wellhornsattel (WS; Fels II). Über den Nordostgrat (WS; Fels II-) kann man auch direkt vom zirka 3200m hohen Wellhornsattel den Gipfel erreichen. Der schwierigste Aufstieg ist jedoch der Südostgrat (ZS; Fels III) vom Mitteljoch (3496m). Im Winter kann das Mittelhorn mit Ski über die Nordostflanke (Skischwierigkeit ZS+; Firn bis 38°) oder durch das Südwestcoulir (S+; 42°) bestiegen werden.

Unsere Tour:

Kurz gesagt, die Tour war erfolgreich - jedoch verlief sie anders als geplant  und war trotzdem ein sehr schönes Bergerlebnis. Schon bei Bahnfahrt nach Interlaken ging es mit einem Missverständnis los so dass ich eine Stunde früher unterwegs war als Patrick. Zudem fand ich meine Stirnlampe zu Hause nicht so dass ich in Grindelwald eine neue kaufen musste. Dennoch war ich zu früh und so machte ich mich von der Postautohaltestelle "Abzweigung Gleckstein" alleine auf zur Glecksteinhütte. Das Wetter war prächtig und der Hüttenweg ein landschaftlicher Leckerbissen. Auf dem "Ischpfad" quert man zuerst auf Bänder zwischen Felsen die Nordabstürze des Chrinnenhorns und hat eine prächtige Aussicht nach Grindelwald und auf den Eiger. Sobald man um eine Felskante ins Tal des Oberen Grindelwaldgletschers tritt, öffnet sich eine gigantische Hochgebirgslandschaft. Man wandert Tal einwärts unter zwei Wasserfällen hindurch. Der Wyssbach ergiesst sich dabei direkt über den Hüttenweg und der Bergwanderer bekommt eine kalte Dusche ab. Oberhalb der Zybachs Platten lohnt sich eine kleine Rast um die Eiswelten zu bestaunen. Hier sieht man noch weit oben auch erstmals die Glecksteinhütte während sich unter einem sich der Obere Grindelwaldgletscher in die enge Talschlucht zwängt. Bald darauf ereicht ich die Hütte und wartete bei einem kühlen Bier auf Patrick der nach etwa einer Stunde eintraf. Nach dem leckeren Nachtessen wurde von der Hüttencrew mit etwas Salz eine Steinbockkolonie angelockt welche zur grossen Attraktion wurde. Die schönen Tiere zeigte keine scheu und es wurde heftig fotografiert.

Um noch einige Fotos vor dem Frühstück um drei Uhr schiessen können stand ich eine Viertelstunde früher auf. Als ich bei sternenklarem Himmel vor die Türe trat, schreckte ich sogleich zwei Steinböcke auf welche das breite Steingeländer als Schlafplatz benutzten. Der nahezu volle Mond strahlte das Wetterhorn an während tief im Tal die Strassenlampen von Grindelwald leuchteten. Lange musste ich auf einen solchen Moment warten, denn das Wochenendwetter der Schweiz  im Sommer 2012 erlaubte bisher noch keine Tour auf hohe Berge. Noch etwas müde brachen wir als zweitletzte Gruppe von der Hütte auf. Auf einem meist gut erkennbaren Pfad, der an einigen Stellen durch leichtes Felsgelände durchbrochen ist, erreichten wir nach etwas mehr als einer Stunde den Rand des Chrinnengletschers 500 Höhenmeter oberhalb der Hütte. Es war immer noch nahezu dunkel und der Mond näherte sich rechts neben dem Eiger dem Horizont, doch man sah dass die Morgendämmerung langsam eintritt. Nach einer Stärkung aus dem Rucksack und Anlegen von Klettergurt und Steigeisen betraten wir das Eisfeld und querten aufsteigend zu einen Sporn der vom Wetterhorn her kommend mitten auf dem Chrinnengletscher endet. Den Sporn betraten wir auf knapp 3000m aus einer Firnbucht und kraxelten darauf in einfachem Gelände hinauf während es langsam hell wurde. Beim Gesteinswechsel von Gneis zu Hochgebirgskalk muss vom Sporn aufsteigend zum Willsgrätli traversiert werden wobei man zusätzlich ein Couloir überschreitet. Die Querung empfand Patrick als sehr kritisch da man sich meistens auf kaum absicherbaren, steilen Platten bewegt und auch die Couloirquerung nicht ganz trivial ist. Ich schätze diese Stelle als typisches T6-Gelände ein. Auf dem Willsgrätli kletterten wir zuerst noch ohne technisch Schwierigkeiten auf bis zum ersten Steilaufschwung über einen eher griffarmen Fels. Die schwierigste Stelle (III) des Willsgrätli meisterte Patrick elegant im Vorstieg, danach wechselten wir stets ab um schneller voran zu kommen. Das Klettern machte nun grossen Spass und man bewegt sich meistens direkt auf dem Grat und nur einige umgeht man knapp daneben. Nach der spannenden Kletterei am Willsgrätli muss man über schuttiges Gelände in Richtung Wettersattel aussteigen. So standen wir endlich in der Sonne doch diese wollte nicht so richtig wärmen da ein frecher eisiger Wind uns um die Ohren pfiff. Patrick meinte dass er sicher nicht mehr über das Willsgrätli absteigen wolle wegen den Platten an  dessen Zustieg. Ich war damit einverstanden denn weil ich schon länger keine Hochtour mehr unternommen habe war ich doch etwas müde. Unser Plan war nun vom Mittelhorn durch das Südwestcouloir abzusteigen um so zur Glecksteinhütte zurück zu gelangen. Patrick stieg jedoch noch zuerst noch aufs Wetterhorn so nach dem Motto "Wemmer scho da si, gömmer au no uufe". Ich machte mich auf, während alle anderen Bergsteiger am Wetterhorn unterwegs waren, um das Mittelhorn zu besteigen. Zuerst steigt man über die Firnhänge dem Gipfelaufbau entgegen und wendet sich dann sobald es steil wird dem Westgrat zu. Die ersten Klettermeter waren dort wegen brüchigem Gestein etwas heikel, danach war der Grat wunderbar begehbar. Der Grat hatte zwischendurch zwei Schneepassagen so dass ich ihn mit Steigeisen beging. Schon bald stand ich auf dem prächtigen Gipfel der ein atemberaubendes Panorama bietet. Auf der einen Seite sind die östlichen Berner 4000er und gegenüber liegt hinter dem Wetterhorn das grüne Alpenvorland.

Leider sah vom Mittelhorn unser geplanter Abstieg durch das Südwestcouloir nicht einladend aus so dass ich nach einer ausgiebigen Rast wieder zum Wettersattel abstieg wo ich Patrick traf. Da es nun für uns keinen sicheren Abstieg zur Glecksteinhütte gab machten wir uns auf den sehr langen Weg ins Rosenlaui. Dabei querten wir den oberen Hühnergutzgletscher und den Kessel des oberen Teils vom Rosenlauigletscher zum Ränfenjoch. Die lange Gletschertraverse die über den Wellhornsattel geht und dort die beiden Gletscher voneinander trennt wies einige unglaublich tiefe Spalten auf und ich war froh als wir trotz Seil die gemeinen Falltüren hinter uns hatten. Wir passierten nach dem Gletscher den südlichen Gipfel des Dossen wo Patrick spontan noch diesen Berg zusätzlich besuchen wollte. Da es nicht der Hauptgipfel des Dossens war, ging ich sogleich weiter und wir planten uns wieder auf der Dossenhütte zu treffen. Im Dossensattel folgte ich den blauen Markierungen und Steinmännchen und befand mich nach einigen steilen, drahtseilgesicherten Stellen überraschend auf einem Klettersteig wieder. Die Route kannte ich nicht weil ich zu Hause ja nur das Willsgrätli studiert habe. Irgendwann stand ich so über einem von oben scheinbar überhängenden Abbruch und sah weit unten Patrick gemütlich ein Schneefeld hinab laufen.  Wir telefonierten kurz und er meint es gehe unten drahtseilgesichert weiter bergab. Da der Gratabstieg ab Zeit kostet stieg mein Tourenpartner gleich weiter ins Tal ab, denn er musste am selben Tag ja nochmals auf die Glecksteinhütte zum Übernachten da wir dort noch einiges an Material deponiert hatten. Ich legte also nochmals den Klettergurt an und stieg so gesichert den Seilen und Stahltritten den Dossengrat ab - und die scheinbar überhängende Stelle war schlussendlich auch viel einfacher und man konnte sie gut gestuft abklettern. In der Dossenhütte gönnte ich mir ein kühles Bier, welch eine Erfrischung! Zum Schluss wartete noch ein alpiner Bergweg auf mich hinunter nach Rosenlaui der in der oberen, steilen Hälfte mit zwei Leitern und einigen Drahtseilen entschärft ist. Ich schaffte es so noch locker auf das letzte Postauto um 17:05 und reiste barfuss nach Hause da nach dem langen Tag meine Füsse am kochen waren.

Fazit: Trotz anderem Verlauf als ursprünglich geplant war die Tour wunderschön und wir hatten viel Spass dabei. Gerne wieder einmal werde ich mit Patrick hohe Ziel angehen, hoffentlich dann aber während der ganzen Tour gemeinsam und ohne "Pleiten, Pech und Pannen" :-)

Genaue Route: TAG 1 (31.7.): Busstation Abzweigung Gleckstein - Uf dr Lamm - P.1590m - Ischpfad - P.1735m - P.1691m - P.1824m - Zybachs - P.2151m - Scheenbiel - Glecksteinhütte. TAG 2 (1.8.): Glecksteinhütte - Chrinnengletscher - Willsgrätli - Wettersattel - Mittelhorn - Wettersattel - Hühnergutzgletscher - Wellhornsattel - Rosenlauigletscher - Ränfenjoch - Dossensattel - Dossengrat über P.2879m - Dossenhütte - Dossenpletschen - P.2068m - Dossenweg - P.1673 - Rosenlaui Station Gletscherschlucht.

Tourenbericht von Patrick mit seiner Besteigung vom Wetterhorn: http://www.hikr.org/tour/post53605.html

Tourengänger: Sputnik, Freeman

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ZS- III
1 Aug 12
Wetterhorn 3692m · Freeman

Kommentare (7)


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WoPo1961 Pro hat gesagt:
Gesendet am 4. August 2012 um 13:01
Hoi Andi,
ich mag Pleiten-Pech-und Pannen Berichte!! Erinnert mich dann immer na eigene Touren. Wobei, so richtige Pleiten bzw Pannen hattet ihr doch garnicht. Und Pech erst Recht nicht!!
Da gratuliere ich auf jeden Fall recht herzlich zu dieser tollen Tour.
Und die Fotos finde ich klasse!
Grüße aus Flachlandhausen
WoPo

Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 5. August 2012 um 18:09
Hi WoPo,

Danke für deinen Kommentar. Hoffentlich gibt's nun noch einige schöne Wochendende dass ich wenigstens noch ein, zwei 4000er besuchen kann.

Gruss aus dem Baselbiet, Andi

Freeman hat gesagt: Gratulation zum Mittelhorn
Gesendet am 4. August 2012 um 14:45
Guter Bericht und schöne Fotos.

Gruss Freeman

TeamMoomin hat gesagt: hehe...
Gesendet am 4. August 2012 um 19:27
da habt ihr ja ne schöne Tour gemacht mit durchaus interessanten Wendungen, ich gratuliere euch jedenfalls herzlich dass es endlich nach sovielen Wochen der immer wieder Verschieben müssens es doch noch geklappt hat!

Bis hoffentlich bald mal auf einer gemeinsamen Tour..

Lg Oli und Moomin

Felix Pro hat gesagt: was für eine Super-Tour!
Gesendet am 4. August 2012 um 19:52
Herzliche Gratulation, Andi, euch beiden, zu dieser eindrücklichen Tour!

lg Felix

Baldy und Conny Pro hat gesagt: auch von
Gesendet am 5. August 2012 um 12:12
unserer Seite ganz herzliche Gratulation
Gruess Angelo und Conny

Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 5. August 2012 um 18:11
Danke für die Kommentare, ich wünsche euch einen unfallfreien und schönen Rest vom bisher eher miesen Bergsommer 2012.

LG, Andi


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