Il Chapütschin Überschreitung


Publiziert von schimi , 12. August 2012 um 13:22.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Berninagebiet
Tour Datum:16 Juli 2012
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   Bernina-Gruppe   Corvatsch-Sella-Gruppe 

Wir treffen unsere Gruppe für eine leichte Berninadurchquerung an der Seilbahn der Corvatschbahn. Für den heutigen Tag haben wir, nach der gemütlichen Auffahrt zur Mittelstation, nur noch ein kleines Stück von 2-3 Stunden bis zur Coaz Hütte vor uns. In leichten Auf und Ab erleben wir einen schönen Weg, sobald man das Umfeld der Seilbahn hinter sich gebracht hat.

Die Coazhütte liegt in spektakulärer Lage direkt am Gletscher auf einem Felsvorsprung, der einstmals auch unter Eis lag und glatt geschliffen ist. Eigentlich wollen wir am Nachmittag alle noch ein wenig draußen auf der Terrasse bleiben, aber der stramme Wind und die losen Wolken, die sich immer wieder vor die Sonne schieben, treiben uns nach dem ersten Getränk nach und nach in die Hütte hinein. Nur ein paar frostfeste Bergkameraden trotzen dem kälter werdenden Spätnachmittag noch eine ganze Weile.

In der Coaz Hütte liegt eine freundliche Stimmung in der Luft. Trotz der Enge, verläuft alles Reibungslos. Ein eingespieltes Team tut hier seinen Dienst und läßt uns die Zeit, damit wir die Umgebung auf uns wirken lassen können. Die Nacht war kalt und es hat ein paar tropfen auf die Landschaft geworfen. Die Bierbank vor der Hütte ist mit kleinen gefrorenen Wassertropfen dekoriert. Wir gehen bei einsetzendem Tageslicht auf Tour. Der Weg beginnt direkt hinter der Hütte, es geht gleich ordentlich steil auf dem Kamm einer alten Moräne nach oben.

Die erste Stunde des Aufstiegs können wir noch in aller Ruhe mit der morgendlichen Trittschulung absolvieren. Es ist noch fast dunkel, aber es reicht gerade schon aus, dass wir ohne Stirnlampen gehen können. Der Moränenweg ist naturgemäß sehr schmal aber auch sehr griffig. Nach einer Weile geht es in die Felsregion und wir nehmen immer wieder mal die Hände zur Hilfe, um weiter in Richtung Gipfel vorzudringen. Insgesamt bleibt der Weg oder hier besser, die Wegspur, gut zu gehen.

Wir betreten den flachen Gletscher, seilen dort an, ziehen unsere Steigeisen an und gehen ohne Eile den flachen Gletscher hoch. Wir hätten gut auf die Steigeisen verzichten können. Aber unsere Bergführer wissen, dass wir Greenhorns noch ein paar Schritte mit den Steigeisen, zur Einstimmung auf die kommenden Touren brauchen können.

Wir halten uns in Richtung Fuorcla dal Chapütschin. Etwa in diesem Bereich verlassen wir den Gletscher und folgen dabei der Spur unserer Vorgänger. Wir verstauen die Steigeisen und das Seil und steigen durch das grobe Blockwerk in Richtung Chapütschin Pitschen, dem kleinen Nachbarn unseres heutigen Ziels. Ohne Pause gehen wir an dem kleinen Gipfel vorbei, immer unser größeres Ziel vor Augen. Der Chapütschin verspricht von dieser Seite eine für uns sehr interessante Kletterei. Durch den leichten Niederschlag in der Nacht ist unser Berg mit einer leichten Schneeschicht überzogen.

Wir nähern uns der letzten Steilstufe vor dem Gipfel und in der Tat müssen wir feststellen, dass die noch im Schatten liegenden Teile des Fels durch den Schnee unangenehm glatt sind. Einige unserer Gruppe lassen sich sicherheitshalber ans Seil nehmen; warum auch nicht, Sicherheit geht immer vor. Den Gipfel erreichen wir mit ein paar Kletterstellen im ersten Grad. Als ich oben bin kommt mir dabei der Gedanke in den Sinn, ob es nicht leichter gegangen wäre, wenn wir etwas weiter auf der Sonnenseite der Bergflanke aufgestiegen wären. Aber wie auch immer, die Route war für uns sehr interessant.

Am Gipfel haben wir einen schönen Rundblick nach allen Seiten, und insbesondere natürlich auf den Nahbereich der Bernina. Mir hat aber besonders gut der Blick nach Norden gefallen, denn dort zierte sich der Piz Kesch, den wir im letzten Jahr bestiegen hatten, mit einem netten Wolkenkränzchen.

Der Abstieg über die Nordkante des Berges ist deutlich leichter. Es gibt keine Kletterstellen. Lediglich eine paar größere Felsblöcke werden mit Hilfe der einen oder anderen stützenden Hand überwunden. Auch hier legen wir eine "Übungseinheit" ein und steigen auf Anraten der Gruppe, die eben heraufgekommen ist, mit Steigeisen ab.
Wir bleiben links (westlich) des Grates, der vom Gipfel nach Norden zieht, und gehen dort auf dem Gletscher weiter hinab, bis oberhalb eines kleinen Gletschersees, oberhalb dessen ein leichter Durchstieg durch den Felsriegel möglich ist.

Die Steilstufe ist etwa 10 Meter hoch und kann mit Hilfe eines Sicherungspartners und eines Seil auch von einem nicht kletternden Wanderer gut hinabgestiegen werden.

Der Rest ist an diesem Tag fast wie Schlitten fahren. Der Gletscher ist nicht besonders steil und so steigen wir mit glücklichen Geschichtszügen und viel Sonnenschein in Richtung Coaz-Hütte ab.

Tourengänger: schimi


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