Ararat (5.137 m)


Publiziert von pika8x14 Pro , 13. Juli 2012 um 01:32.

Region: Welt » Türkei
Tour Datum: 1 Juli 2012
Hochtouren Schwierigkeit: L
Wegpunkte:
Geo-Tags: TR 
Zeitbedarf: 4 Tage
Aufstieg: 3950 m
Abstieg: 3650 m
Strecke:siehe tagesweise Beschreibung
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Anreise per Flugzeug nach Van. Weiter per Bus/Pkw nach Doğubayazıt. Von dort weiter per Klein-Lkw/Geländefahrzeug in Richtung Ararat, zuletzt auf einer holprigen Piste. Die Organisation erfolgt in der Regel durch den Touren-Veranstalter/Guide.
Unterkunftmöglichkeiten:Hotels in Doğubayazıt vor und nach der Ararat-Besteigung. Zelte während der Nächte am Berg. Die Organisation erfolgt in der Regel durch den Touren-Veranstalter/Guide.

Ararat. Nationalsymbol der Armenier - Berg mit biblischem Bezug - Heimat kurdischer Nomaden, deren Tiere heutzutage in den Sommermonaten an den Berghängen weiden - …

Und natürlich auch: Mit 5.137 m höchster Punkt auf dem Staatsgebiet der Türkei. In der Landessprache heißt der „ruhende“ Vulkan Büyük Ağrı Dağı, entsprechend seiner Bedeutung haben natürlich viele Völker eigene Bezeichnungen, wir möchten im Folgenden der Einfachheit halber den hierzulande gebräuchlichen Namen verwenden: Ararat.

Für die Besteigung des Ararat sind eine Genehmigung der türkischen Behörden und die Leitung durch einen türkischen/kurdischen Bergführer erforderlich. In der Regel kümmert sich darum einer der zahlreichen Veranstalter, bei denen man diese Tour buchen kann. Neben der An- und Abreise werden in den verschiedenen Paketen auch Verpflegung, Transporte, Unterkunft vor, während und nach der Besteigung angeboten. Darüber hinaus gibt es Erweiterungsmöglichkeiten, neben „kulturellen“ Zielen (z. B. Besuch der „Arche Noah-Reste“ oder des İshak Paşa Sarayı) kann man auch Akklimatisierungstouren im Vorfeld buchen. So gibt es bei etlichen Veranstaltern die Möglichkeit, den Nemrut Dağı (2.935 m) und/oder den Süphan Dağı (4.058 m), beide unweit des Van Gölü (Vansee) gelegen, zu besteigen.

Da wir aber nicht die größten Freunde von Nächten im Zelt sind (diese Meinung hat sich am Ararat weiter verfestigt ;-), haben wir uns nicht für zusätzliche Berge in der Türkei entschieden. Vielmehr haben wir uns im Vorfeld im Rahmen von Tagestouren im Wallis vorbereitet/akklimatisiert, was offensichtlich in unserem Fall auch gut funktioniert hat.

So buchen wir also unsere Ararat-Tour nur als „Kurzprogramm“ (gesamt 8 Tage, davon planmäßig 5 Tage am Berg), und zwar direkt bei einem vor Ort bestens etablierten kurdischen Unternehmen. Der Vorteil: Während bei den meisten anderen Anbietern die Termine vorgegeben sind und bei Nichterreichung der Mindest-Teilnehmerzahl möglicherweise die Tour auch relativ kurzfristig abgesagt wird, suchen wir uns den Termin aus. Falls sich keine weiteren Teilnehmer melden, zahlen wir zwar einen Aufschlag, aber die Tour findet auf jeden Fall statt und man hat Planungssicherheit bezüglich seines Jahresurlaubs.

 
Der Ararat und wir

Nachdem wir uns also im Wallis schon mal an Höhen um/über 4.000 m und auch an den einen oder anderen Schlechtwettertag (sehr sinnvoll ;-) „akklimatisiert“ haben, geht’s in die Türkei:


29.06.2012

Nach dem Mittag erreichen wir Istanbul. Da der Weiterflug nach Van aber erst am nächsten Morgen stattfindet, haben wir am späten Nachmittag/Abend noch Zeit, die Altstadt etwas zu erkunden. Im Menschentrubel schauen wir uns unter anderem solche weltbekannten Sehenswürdigkeiten wie Sultan Ahmet Camii (Sultan-Ahmed-Moschee = Blaue Moschee) und  Ayasofya (Hagia Sophia) an. Von der Hotel-Dachterrasse aus erleben wir dann den Sonnenuntergang mit Blick auf die Altstadt und das Meer.
 

30.06.2012

Am Morgen fliegen wir weiter nach Ostanatolien - nach Van, das am Ost-Ufer des Van Gölü (Vansee) liegt und 2011 von einem schweren Erdbeben erschüttert wurde. Dort nimmt uns Davut in Empfang, der uns als Guide die nächsten Tage begleiten wird. Mit ihm fahren wir weiter nach Doğubayazıt. Diese Stadt befindet sich südwestlich des Ararat unweit der Grenze zum Iran, aber auch Armenien und die aserbaidschanische Exklave Nachitschewan sind nicht weit entfernt. Einen bewaffneten Militärposten unterwegs passieren wir ohne Probleme, auf der Rückfahrt am 06.07.2012 klappt ähnliches dann leider nicht mehr so gut …

Am Nachmittag machen wir einen Ausflug in die Nähe des Dorfes Üzengili. Hier, in Sichtweite der iranischen Grenze, sollen sich die Reste von "Nuh'un Gemisi", d. h. der Arche Noah befinden. Tatsächlich kann man schiffsähnliche Geländeformen entdecken - ob diese aber tatsächlich von der Arche Noah stammen? Einige Informationen erhalten wir noch beim Besuch einer kleinen Ausstellung in einem als "Noah's Arch National Park Visitor Center" bezeichneten Gebäude, welches allmählich verfällt. Dafür empfangen uns dort ein älterer Herr und einige Kinder umso freundlicher.

Am Abend schlendern wir noch etwas durch Doğubayazıt und gehen in der Stadt essen.


01.07.2012 (1. Tag am Ararat)
1.400 m Aufstieg/ 250 m Abstieg


Nach dem Frühstück geht’s endlich zum Ararat. Am Hotel in Doğubayazıt steigen wir samt Gepäck in einen kleinen Lkw mit Personenkabine. Hier treffen wir auch auf unseren „Koch“ - mit Davut und uns beiden ist somit unser vierköpfiges Team vollständig. Zwischendurch werden in den nächsten Tagen nach Bedarf noch Pferde samt Führern dazu stoßen.

Per Lkw fahren wir erstmal ein Stück in Richtung iranische Grenze und biegen dann in Richtung Ararat ab. Vorbei an kleinen kurdischen Dörfern schaukeln wir auf der holprigen und teilweise sehr schlammigen Piste bis hinauf auf knapp 2.200 m.

Hier heißt es: Verkehrsträgerwechsel. Vom Lkw wird Gepäck, Verpflegung, das Küchenzelt u. s. w. auf drei bereitstehende Pferde umgeladen. Und dann laufen wir los. Anfangs noch auf der schlechten Piste, bald kürzen wir eine lange Serpentine über einen Pfad ab und schließlich verlassen wir die Piste endgültig in ein kleines Seitental, wo kaum Wegspuren auszumachen sind. Nachdem wir zuvor - von einigen Pferden abgesehen - vor allem unzähligen Schafen begegnet sind, passieren wir nun auch Rinder, wobei auch immer Hirten dabei sind. Auf ca. 2.800 m erreichen wir dann ein kurdisches Nomadenlager, wo wir von Familienangehörigen unseres Guides Davut erstmal mit Çay (Tee) im Zelt empfangen werden.

Nach der Mittagspause ist die Gemütlichkeit dann aber abrupt vorbei, auf unserem weiteren Weg begleiten uns Graupel- und Schneeschauer, und auch der Weg ist immer wieder mit weiß-braunem Matsch bedeckt.

Auf ca. 3.350 m erreichen wir dann unser „Lager 1“, das „Basislager“. Ein freies Zelt gibt es hier für uns bereits, sodass wir gleich „einziehen“ könnten. Wir sprechen jedoch als erstes mit einigen deutschen Berggängern, die sozusagen „einen Tag Vorsprung“ und heute bereits ihren Akklimatisierungsaufstieg absolviert haben. Diese berichten von noch mehr Neuschnee weiter oben.

Bei wechselhaftem Wetter (ab und zu ist nun sogar die Sonne zu sehen) steigen wir ohne Guide noch bis auf 3.600 m auf und schlendern nach der Rückkehr durch die Umgebung unseres Lagers. Hier ist übrigens ein sehr sympathischer „Camp-Chef“ ständig anwesend. Nach dem Abendessen (19.00 Uhr) geht’s ins Zelt, wo wir spaßeshalber die Temperatur messen, genau 0°C - irgendwie waren unsere Träume von herrlichen Sonnenuntergängen bei freundlichem Sommerwetter wohl etwas übertrieben … Bei Sturmböen und weiteren Schauern gibt’s nachts kaum Schlaf.


02.07.2012 (2. Tag am Ararat)
750 m Auf- und Abstieg


Na also: Es gibt doch gutes Wetter am Ararat. Wir frühstücken spät. Und nachdem einige größere Gruppen einschließlich unserer Zeltnachbarn samt Pferden unterwegs sind und vermeintlich für gut gespurte Pfade im Schnee sorgen, gehen auch wir mit Davut los (ca. 10.00 Uhr). Nach Tee-Pause auf gut 3.700 m sind wir bereits 12.00 Uhr auf knapp 4.100 m - das ging dann doch etwas schneller, als wir es für einen Akklimatisierungsaufstieg erwartet hätten. Da direkt am Lager 2 Hochbetrieb herrscht, rasten wir ein Stück unterhalb - mit Aussicht zum Küçük Ağrı Dağı / Kleiner Ararat, 3.896 m - wunderschön.

Wunderschön ist auch der Blick in Richtung (Großer) Ararat-Gipfel - keine Wolke trübt die Sicht, sodass man am liebsten gleich die fehlenden gut 1.000 Höhenmeter weiter gehen möchte. Das machen wir natürlich nicht, schließlich gibt’s ja ein „festgelegtes Programm“, einen Guide und die Steigeisen liegen eh im Lager 1 …

Also geht’s wieder hinunter ins Lager 1, wo wir uns bei bestem Wetter bis zum Abendessen - man kann es nicht anders sagen - langweilen. Dabei machen wir wenigstens eine sensationelle Entdeckung: unser „nächtliches Frostzelt“ mutiert in der Sonne zum „Gewächshaus“ ;-). Also: auch tagsüber braucht hier niemand seine (reichliche) Zeit mit Schlaf vergeuden. Nach dem Abendessen kommen Wolken und starke Windböen dann endgültig zurück, wodurch auch diese Nacht wieder eher unangenehm in Erinnerung bleibt.


03.07.2012 (3. Tag am Ararat)
750 m Aufstieg


Nach Frühstück und Packen der Pferde geht’s wieder los in Richtung Lager 2. Diesmal kommt auch unser Koch mit. Da dieser - als Wetteroptimist - nur in Halbschuhen zum Ararat gekommen ist, überlassen wir ihm ein Paar unserer Ersatzstiefel - schließlich hat er uns bis hierhin bestens verpflegt. Im ja schon vertrauten Aufstieg zum Lager 2 kommen uns größere Gruppen entgegen, die heute Morgen am Gipfel waren - u. a. auch unsere „ehemaligen“ Zeltnachbarn. Fernsicht am Gipfel gab es heute nicht - das Wetter ist tatsächlich auch um einiges schlechter als gestern.

Als wir kurz nach Mittag das Lager 2 erreichen, geht dann auch ein regelrechtes Unwetter nieder. Im Küchenzelt verharren wir lange, bis es etwas nachlässt. Nachdem sich am Nachmittag die Wolken kurz verziehen, sieht alles gleich etwas freundlicher aus. Aber an Schlaf ist auch heute nach dem Abendessen (bereits 17.00 Uhr) kaum zu denken, denn immer wieder prasseln heftige Schnee- und Graupelschauer herunter.


04.07.2012 (4. Tag am Ararat)
1.050 m Aufstieg/2.650 m Abstieg


02.00 Uhr - unsere theoretische Weckzeit für gutes Wetter. Auch praktisch sind wir wach, aber das gute Wetter lässt noch auf sich warten.

Ca. 03.00 Uhr: Stimmen. Da in unserer Nähe keine weiteren Berggänger übernachten (nur auf einer etwas oberhalb gelegenen Fläche scheinen weitere Gipfelaspiranten auf den „Aufbruch“ zu warten), kann es sich nur um eine Gruppe handeln, die offensichtlich auf gut 3.700 m (unserem „Frühstücksplatz“ der Tage zuvor) übernachtet hat und jetzt zum Gipfel geht.

Wir stehen auf, es gibt Frühstück, wir füllen reichlich heißen Çay (Tee) in unsere Thermoskannen und ziehen so ziemlich alles Brauchbare an (einschl. Fleece- und Primaloft-Jacken).

Kurz nach vier starten wir zu dritt in Richtung Gipfel, unser Koch bleibt natürlich im Lager 2. Die Sicht ist eigentlich gut, es ist relativ hell, der Wind erträglich - anders sieht es aber beim Blick in Richtung Gipfel aus …

Vom erhofften Trampelpfad der vielen Besteigungen vom Vortag haben Wind und neue Niederschläge nichts übrig gelassen. Über harten, windgepressten/verharrschten Schnee geht’s nach oben. Anfangs schlängeln wir uns noch im Zick-Zack (so ähnlich, wie wohl der eigentliche Weg verläuft) durch die aus dem Schnee schauenden Felsblöcke, später nehmen wir immer mehr die Direttissima. Auf ca. 4.600 m - mittlerweile ist es richtig ungemütlich - „kratzen“ wir uns eine kleine Pausenfläche hinter einem Felsblock frei und trinken erstmal Tee.

Dann geht’s weiter. Von oben kommen uns erste andere Berggänger entgegen, leider nicht vom Gipfel. So geht es noch einige Male - auf ca. 4.800 m gibt es überhaupt keine Spuren mehr - spätestens hier sind die schätzungsweise 10 - 15 Bergsteiger einschließlich ihrer Führer alle umgekehrt.

Auf ca. 5.050 m Höhe denken auch wir ernsthaft über einen Abbruch unserer Tour nach. Dass Wetter ist „grenzwertig“: Sturm mit extremen Böen, die einen fast umwerfen und immer wieder geballte Ladungen Graupel mitbringen. Zudem beträgt die Sicht zwischendurch nur 10 - 20 m, was die Orientierung auf einem zu querenden Plateau schwierig bis unmöglich macht.

Nach minutenlanger Diskussion entscheiden wir uns doch, das letzte Stück zum Gipfel zu gehen. Zum einen ist das Gelände an sich nicht sonderlich schwierig/sehr steil/ausgesetzt oder dergleichen. Zum anderen haben wir glücklicherweise unser GPS-Gerät dabei. Im Fall, dass wir unsere Aufstiegsspuren im Abstieg verlieren, würde uns dieses auch zurück ins Lager 2 führen. Gegen die größte und heute durchaus begründete Sorge - sich zu verlaufen - hätten wir im Notfall also ein Mittel.

Immer wieder mit Blick auf das GPS-Gerät laufen wir weiter in Richtung Gipfel. Einige Blankeisstellen umgehen wir. Zum Schluss wird’s nochmals steiler.

Und dann ist es endlich geschafft: Nach reichlich 5 Stunden Aufstieg (netto etwa 4 Stunden) stehen wir auf dem Gipfel des Büyük Ağrı Dağı/ Ararat.

Das Wetter: absolut miserabel - ein Blick auf dieses Video gibt einen kurzen Geschmack (Ton anstellen). Die Aussicht: weiß - in wirklich jeder Richtung. Wir sind allein am Gipfel  - vor uns sind wie oben erwähnt, alle umgekehrt - im Abstieg kommen uns später auf ca. 4.600 m lediglich noch 3 aufsteigende Iraner entgegen, deren Führer offenbar nicht erschienen ist.

Der Abstieg ins Lager 2 geht dann zügig. Trotz des weiterhin „bösartigen Sturm-Graupel-Gemischs“ und nochmaliger „Teepause auf 4.600 m“ brauchen wir für die reichlich 1.000 Höhenmeter nur etwa 1,5 Stunden und sind noch vor Mittag im Lager 2. Unsere Steigeisen haben wir übrigens - etwas zu unserer Verwunderung - nicht einmal benutzt, sondern lediglich im Rucksack auf den Gipfel hoch- und wieder heruntergetragen. Hier und da wären sie vielleicht für kurze Stücke sinnvoll gewesen, insgesamt konnten wir aber durch den i. d. R. reichlich vorhandenen (Neu)Schnee sicher gehen.

Nach einigen Keksen und natürlich Çay (Tee) beschließen wir, nicht nur bis ins Lager 1, sondern „komplett“ abzusteigen. Also heißt es: Pferde packen und weiter abwärts„wandern“. Wir nehmen den gleichen Weg wie im Aufstieg. Im Lager 1 gibt’s während eines Zwischenstopps noch leckeres Schaffleisch - zubereitet vom „Camp-Chef“. Und bei Davuts Familie legen wir eine Çay-Pause ein.

Da sich das Fahrzeug, was uns abholt, diesmal bis auf knapp 2.500 m herauf „gequält“ hat, endet unser Abstieg „schon“ nach ca. 2.650 Höhenmetern. Nachdem wir „unsere“ Pferde samt Führer ein letztes Mal verabschiedet haben, fahren wir ins Hotel nach Doğubayazıt.

Am Abend feiern wir beim Abendessen den „Gipfel-Erfolg“ dann noch mit einer Extra-Cola ;-).


05.07.2012

Durch unseren „Komplett-Abstieg“ am Vortag haben wir uns nicht nur einen Tag am Berg, sondern auch eine Nacht im Zelt erspart. Als Dankeschön haben wir viel besser geschlafen und auch wesentlich mehr „Freizeit“ heute.

Bei einem Ausflug besichtigen wir den unweit von Doğubayazıt gelegenen İshak Paşa Sarayı (Ishak-Pascha-Palast). Die auf der gegenüberliegenden Talseite liegenden Felsen, wo auch Reste einer mittelalterlichen Festung erhalten sind, erkunden wir ebenfalls etwas. Von dem heute von zahlreichen Ausflüglern besuchten Picknickplatz aus kraxeln wir dabei über einen Pfad und durch einen sehr schmalen Spalt in einer Felswand, umringt von unzähligen Kindern, die hier im gar nicht so ungefährlichen Gelände klettern und spielen.

Dann fahren wir weiter in Richtung der iranischen Grenze - vorbei an kilometerlangen Lkw-Schlangen. Unmittelbar vor Erreichen des Grenzübergangs biegen wir auf eine Nebenstraße ab,  passieren eine Militärkontrolle und erreichen kurz darauf Meteor Çukuru, das Meteoriten-Loch. Da die umgebenden Felswände quasi senkrecht abfallen, muss man hier tatsächlich von einem „Loch“ und nicht von einem „Krater“ sprechen. Der Durchmesser der 1892 entstandenen „Sehenswürdigkeit“ beträgt 35 m, die Tiefe 60 m - davon sind allerdings 30 m mit Schlamm u. s. w. zugeschwemmt. Wir spazieren ein bisschen um das Loch herum - und schauen hinüber zum Großen und Kleinen Ararat, die von hier aus gut zu sehen sind.

Den Rest des Tages verbringen wir in Doğubayazıt, wo wir auch ein letztes gemeinsames Abendessen mit Davut einnehmen.


06. + 07.07.2012

Die Theorie: Per Pkw von Doğubayazıt nach Van. Weiter per Flugzeug über Istanbul „nach Hause“.

Die Praxis: „Irgendwo“ zwischen Doğubayazıt und Van hat das Militär die Straße gesperrt. Weder Argumente und gutes Zureden unseres Fahrers noch äußerst emotional vorgetragene Flüche beeindrucken die Vertreter der „bewaffneten Organe“: Hier gibt es heute kein Durchkommen. Wir und etliche andere drehen also um, fahren zurück und müssen einen Riesen-Umweg über Ağrı machen. Landschaftlich zwischendurch sehr schön (u. a. geht's durch ein schönes Fluss-Tal und vorbei am Süphan Dağı, 4.058 m), aber leider auch viel weiter (rund 200 km zusätzlich). Trotz äußerst „beherzter“ Fahrt verpassen wir unseren Flug in Van.

Unser Tourenveranstalter ergattert aber wenigstens noch Flugtickets für den nächsten Tag zum fairen Preis und besorgt auch ein sehr gutes Hotel in Van, wo wir den Rest des Tages „chillen“.

24 Stunden später als geplant geht’s dann nach Hause, diesmal klappt alles reibungslos.


Fazit

Der Ararat ist definitiv ein besonderer Berg. Wir lernen ihn bei wohl doch für die Jahreszeit ungewöhnlich kühler Witterung kennen und erleben zahlreiche Wetterumschwünge in kurzer Folge. Die Wetterbedingungen an unserem Gipfeltag sind definitiv „grenzwertig“. Wir besteigen unseren ersten „5.000er“ und einen weiteren Landeshöhepunkt - das ist allemal ein Grund zur Freude.

Ehrlicherweise muss aber auch gesagt werden, dass die freudige Stimmung zwischendurch etwas leidet - zum Beispiel, wenn Graupelkörner unentwegt gegen das Zelt, oder noch „besser“ ins eigene Gesicht „trommeln“. Von „Genusswandern“ kann bei unserer Ararat-Tour zumindest nicht durchgängig die Rede sein - bei besserem Wetter kann das ganz anders aussehen. Im Nachhinein trauern wir dem guten Wetter am „Akklimatisierungstag“ nach - wäre da ein Aufstieg zum Gipfel direkt aus dem Lager 1 sinnvoll gewesen? Die zusätzlichen 750 m (2 Stunden) Aufstieg gegenüber dem "Programm am eigentlichen Gipfeltag" erscheinen im Vergleich zu den Wetterkapriolen zwei Tage später wirklich als das geringere Übel und ausreichend akklimatisiert waren wir durch unsere Touren im Vorfeld wohl auch …

Unterm Strich bleibt: Die Besteigung eines der Berge schlechthin, die Einblicke in eine uns zuvor unbekannte Region und Kultur einschließlich des Kennenlernens vieler freundlicher kurdischer Menschen.


Einige Anmerkungen

Die Höhe des Ararat wird in der Regel mit 5.137 m angegebenen. Unser GPS-Gerät misst am Gipfel in etwa diese Höhe. Oft werden auch 5.165 m genannt - tatsächlich gibt es auch diesen Wert in unserer „Track-Analyse“ - allerdings als „Ausreißer“ (durch sturmbedingte Luftdruckschwankungen?). Die 5.137 m erscheinen aber alles in allem plausibler.

Die Foto-Technik geht im extremen Wetter am Gipfel (ähnlich wie wir ;-) an ihre Grenze. Die Reifbildung auf Filter/Objektiv/Display, der starke Sturm, unsere Grobmotorik durch die Fausthandschuhe u. s. w. sind zudem keine guten Bildregisseure - trotzdem haben wir auch einige „Nebel-Fotos“ und „Wackel-Videos“ (der Ton ist aber gut ;-) dabei, um einen Eindruck von unseren „Sommerferien in der Türkei“ zu geben.

Und abschließend: Natürlich liegt der Büyük Ağrı Dağı/Ararat in Asien und nicht in Europa. Trotzdem haben wir diesen Bericht erstmal der Community „Europäische Höhepunkte“ beigefügt. Zum einen gibt es hier schon einen Ararat-Bericht. Zum anderen gehört für uns der Ararat irgendwie dazu, zumal der höchste Berg im europäischen Teil der Türkei (Büyük Mahya Dağı, 1.031 m) in keiner Beziehung an die Bedeutung des Ararat heranreicht und sein Gipfel auf Grund der vorhandenen Militär-Station ohnehin nicht (vollständig) bestiegen werden kann.


pika8x14 sind diesmal: A. + A.

Außerdem dabei: Davut und „Der Koch“ (bis Lager 2), Ceven Travel - Danke.


Tourengänger: pika8x14


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Kommentare (8)


Kommentar hinzufügen

Sputnik Pro hat gesagt: Erster 5000er
Gesendet am 13. Juli 2012 um 07:38
Hallo Zuasammen,

Nochmals herzliche Gratulation zu eurem ersten 5000er! Trotz eurem Wetterpech ist's ja was ganz besonderes erstmals über 5000m hohen Berg zu stehen - und das ja dank des Sturmwetters noch alleine. Ein wunderbarer Gipfel habt ihr nun in der Europasammlung und könnt sicher noch lange von eurer tollen Tour erzählen!

Viele Grüsse,

Andi

pika8x14 Pro hat gesagt: RE:Erster 5000er
Gesendet am 13. Juli 2012 um 21:28
Hallo Andi,

vielen Dank. Ja, tatsächlich werden wir die Besteigung unseres ersten 5.000ers durch die speziellen Umstände nicht so schnell vergessen, es war definitiv ein besonderes Erlebnis.

Nun widmen wir uns erstmal wieder unseren heimischen „5.000ern“ (in Dezimetern ;-).

Viele Grüße, Andrea + André.

Linard03 Pro hat gesagt:
Gesendet am 13. Juli 2012 um 08:02
Gratulation zum Ararat! Eindrücklicher Bericht, Fotos und Video's ...!!
Gruss, Linard

pika8x14 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 13. Juli 2012 um 22:08
Hallo Linard,

vielen Dank.

Der Ararat ist auf jeden Fall eine Reise wert - dieser Berg ist sicherlich einer der ganz besonderen unter den Landeshöhepunkten.

Viele Grüße, Andrea + André.

83_Stefan hat gesagt:
Gesendet am 13. Juli 2012 um 08:38
Guten Morgen! Klasse Bilder habt ihr mitgebracht von einer sicherlich unvergesslichen Tour - ich gratuliere euch herzlich!

pika8x14 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 13. Juli 2012 um 22:13
… vielen Dank.

Die Ararat-Besteigung war wirklich ein besonderes Erlebnis. Gerade wegen der besonderen Bedingungen wird uns die Tour lange in Erinnerung bleiben.

Viele Grüße, Andrea + André.

Felix Pro hat gesagt:
Gesendet am 16. Juli 2012 um 06:39
Glückwünsche zum Ararat-Erlebnis - und dem eindrücklichen Bericht!
lg Felix

pika8x14 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 16. Juli 2012 um 16:03
... danke Felix,

viele Grüße, Andrea + André.


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