Schäfler-Mesmer-Ageteplatte-Meglisalp-Seealpsee


Publiziert von lainari , 11. Mai 2012 um 20:09.

Region: Welt » Schweiz » Appenzell
Tour Datum:13 September 1995
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alpstein   CH-AI 
Zeitbedarf: 6:30
Aufstieg: 640 m
Abstieg: 1360 m
Strecke:14 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Auto oder Zug der AB bis Wasserauen, Luftseilbahn LWE nach Ebenalp
Kartennummer:1:50.000, Blatt 227T Appenzell

Eine Alpsteintour - Wie alles begann
 
1995 war der wegen Umzug abgebrochene Kontakt zu meinem Kumpel wiederhergestellt. Er hatte mich für den Herbst zu einem Besuch eingeladen, es sollte meine erste Reise in die Schweiz werden. Die Fahrt mit der noch jungen gesamtdeutschen Bahn verlief recht abenteuerlich - von Verspätung, einem Zugausfall über „Fast-Meuterei“ der Fahrgäste auf dem Mannheimer Bahnhof bis zur totalen Überfüllung war alles dabei. Ab Basel wurde es angenehmer. Der Kondukteur erinnerte mich im gut besetzten Zug sogar kurz vor Olten daran, dass ich gleich umsteigen müsse - er hatte sich also mein Fahrziel gemerkt. Wohlbehalten erreichte ich Aarau. Nach einem Wochenende, wo es sich mit dem Kameraden über vieles Auszutauschen galt, fuhren wir am Sonntagnachmittag gemeinsam mit seiner Freundin nach Appenzell. Auf der Fahrt dorthin über die N 1 vermisste ich Berge. Bis dato hatte ich zugegebenermaßen keine große Kenntnis von der Geografie der Schweiz, auf Bildern hatte ich bislang nur Berge und blauen Himmel gesehen. Selbst in Appenzell bestenfalls nur Hügel, hieß es doch ich sollte Bergschuhe mitbringen, wir wollten Wandern gehen. Nach einer Übernachtung in der Personalunterkunft der Freundin frühstückten wir in einem Cafe im Ort. Appenzell gefiel mir sofort - die hübschen Häuser, ein Postbote der einen vierrädrigen Elektrokarren an einer Deichsel durch die Fußgängerzone jonglierte und die erste Bank am Platze, die ihr Logo auf dem Straßenbelag verewigt hatte.
 
Nachdem wir ein wenig Proviant gefasst hatten, fuhren wir nach Wasserauen. Plötzlich waren sie da - die Berge, sie wuchsen förmlich in den Himmel. Wir ließen uns von der Luftseilbahn zur Bergstation Ebenalp hinauftragen. Wir gingen auf die Ebenalp hinauf und ich sog die Bergluft ein. Der Himmel war leider bedeckt aber es sollte ganztägig trocken bleiben. Wir liefen ansteigend über den Grat des Zisler und passierten eine Alphütte. Hier hing eine erlegte Gemse an der Wand, es war wohl gerade Hochjagd-Saison. Der Pfad senkte sich über einen Sattel und ging in einen steilen Anstieg über, der uns zum Berggasthaus und auf den Schäfler-Gipfel brachte. Der Ausblick war beeindruckend - steile Zacken, am Horizont der Säntis und die deutlich sichtbare Gesteinsschichtung, die teilweise schräg aufgefaltet ist. Wir wanderten nun abwärts an den Flanken von Altenalptürm und Hängeten über den Steckenbergsattel zum Berggasthaus Mesmer. Unterwegs kondensierte wie aus dem Nichts unterhalb von uns im Tal über dem Seealpsee eine Wolke. Ich machte mir Gedanken, wie wir uns wohl orientieren würden, wenn es plötzlich zuzog. Die Wegbeschreibung hatte mein Kumpel irgendwo ab und auf einen Notizzettel geschrieben, eine Karte hatten wir nicht mit. Überall kreuzten Wild-und Kuhpfade die in der Breite dem Wanderweg ähnelten. Wir hatten Glück, die Wolke verschwand wieder. Ich notierte aber im Geiste - Nie ohne gute Karte! Da standen wir nun hinter dem Bergasthaus Mesmer und vor uns erhob sich eine Wand. Hier mussten wir hinüber! Gab es da einen Weg? Den gab es, knapp 300 Höhenmeter ging es steil aufwärts, teilweise mit einem Drahtseil gesichert.
 
Reichlich erschöpft überschritten wir die Ageteplatte und stiegen zur Meglisalp ab. Waren wir bisher recht einsam unterwegs, hier war deutlich mehr Betrieb. Nach den Gebäuden der Meglisalp ging es ein Stück eben dahin, bis wir nach links abzweigten. Im steilen Zickzack liefen wir abwärts zum Seealpsee. Am See verteilten die Bauern gerade die flüssigen und festen Hinterlassenschaften ihrer Tiere im Gelände, sprich es wurde mit Mist und Gülle gedüngt. Dabei ging man nicht zimperlich um, sogar der Wanderwegweiser hatte seine Portion erhalten. Die entsprechend ausgerüsteten Motorkarren parkten vor dem Gasthaus, in das auch wir unsere Schritte lenkten. Nach einer kleinen Stärkung setzten wir den Abstieg fort, wobei sich der steile Fahrweg unangenehm in den Knien bemerkbar machte. So gelangten wir hinunter nach Wasserauen. Jetzt folgten uns auch die Bauern mit ihren Motorkarren, dabei testeten sie auf der Dorfstraße welcher der Schnellere war. Gut, hat es das Auge des Gesetzes nicht gesehen…
 
Von hier aus fuhren wir in den Tessin weiter, wo wir nach einer Unwetternacht bei nächster Gelegenheit (Freigabe der Autobahn durch den Katastrophenschutz) wieder abreisten. Aber eins stand fest:
Das sollte nicht meine letzte Bergtour gewesen sein!

Tourengänger: lainari


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