Zuestoll, 2235 m - Südwand - "Allerheiligen"


Publiziert von roko Pro , 5. September 2011 um 21:27.

Region: Welt » Schweiz » Appenzell
Tour Datum: 3 September 2011
Klettern Schwierigkeit: VII+ (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Churfirsten   CH-SG 
Kartennummer:1134

Morgens um 09.30 Uhr standen wir auf Paliis Nideri, dem Sattel zwischen Brisi und Zuestoll. Der Tiefblick zum Walensee hinunter, auf die angrenzenden Berge und hinüber zum Brisi war beeindruckend. Doch viel Zeit blieb uns nicht um die Aussicht zu geniessen. Klettergurt anlegen, Helm auf und schon stand die Querung auf dem Band zum Einstieg des Zuestoll bevor. Der Zustieg ist an den heiklen Stellen mit einem Stahlseil gesichert und stellt somit kein Problem mehr dar. Nicht so in früheren Zeiten, als diese Zustiege in den grasdurchsetzten Bändern zu den Churfirsten-Südwänden berüchtigt und gefürchtet waren.
Die Route "Allerheiligen" durch die Zuestoll Südwand beginnt auf einem schönen, grasüberzogenen Podest in der Wandmitte. Von hier gewinnt man einen ersten Eindruck dieser steilen, kompakten Wand. Es handelt sich um eine anspruchsvolle, moderne Route in meist gutem Fels in der viel Verschneidungskletterei gefragt ist und die es oft selbst abzusichern gilt.

1SL: Ein gemütlicher Aufstieg über grasdurchsetzte Felsstufen zum ersten Stand, von welchem mehrere Routen abzweigen. Unter anderem der Klassiker "Chico Mendez" von Thomas Wälti und Jürg Furrer. "Baustopp" von Georg Furger, Richard Ott und Martin Wismann. Ebenso die legendäre "Alte Süd" von Fredy Bürke und Hans Frommetwiler, sowie die "Neue Süd" von Paul Etter und Thomas Zimmermann, um nur einige zu nennen.

2SL: Ab hier geht es gleich zur Sache mit einer happigen 7+ über Platten, durch die man sich den Weg suchen muss. Keine blinkenden Bohrhaken oder ähnliches weisen einem den Weg. Nach einer sanften Sanierung im letzten April sind die Stände super hergerichtet und an einzelnen Stellen wurden alte, geschlagene Haken durch Bohrhaken ersetzt. 

3SL: Eine 7 führt nun weiter zum nächsten Stand. Das Einsetzen von "Friends" stellt auf diesen eher dürftig abgesicherten Seillängen kein Luxus dar. Hat man vorher keine Zeit zum "Aufwärmen" gehabt, spätestens ab hier funktioniert die innere "Heizung" bestimmt.

4SL: Nun folgt eine schöne Seillänge im 6 Grad die durch eine Verschneidung führt.


5SL: In dieser Seillänge, ebenfalls im 6 Grad, sucht man vergeblich nach geschlagenen oder Bohrhaken...man muss die gesamte Seillänge selbst absichern (eventuell auch nicht gefunden).


6SL: Wieder eine 7- in der ein paar geschlagene Haken und zwei neue Bohrhaken stecken.


7SL: Mit einer Querung, 6+, welche in mir immer unangenehme Gefühle auslöst. Wenig zum "Stehen" und noch weniger zum "Halten". Einfach nur auf die Sohlen, die Reibung vertrauen. Hier erreicht man ein Grasband, vor dem ein Stand eingerichtet ist. Überklettert man dieses Band (nach ein paar Meter kommt ein weiterer Stand), spart man sich eine Seillänge. Ansonsten sind es 10 SL.

8SL: Ein highlight dieser Route im 7- Grad, in welcher es die letzten Kräfte (wenigstens bei mir, überhaupt nicht bei Günti) zu mobilisieren galt. Man könnte von hier aus auch einfach über die Ostkante auf einer anderen, leichteren Route zum Gipfel aussteigen.

9SL: Die letzte und leichteste Seillänge die gerade richtig ist, um sich in ein Glücksgefühl einzustimmen, den Gipfel erreicht zu haben.
 

Fazit:
Eine schöne, eine anspruchsvolle Tour die mit viel Verschneidungskletterei aufwartet und hart bewertet ist. Eine Tour, die Erfahrung und Spürsinn für den Routenverlauf erfordert, wie Günti wieder einmal bewiesen hat.
Klemmkeile und vor allem Friends der Grösse 1-3 sind kein Luxus und sollten zur Sicherheit mit dabei sein. Seillänge 5 muss praktisch selbst abgesichert werden.
Von Seillänge 2-8 bietet sich wenig Gelegenheit um auszuruhen, es geht immer voll zur Sache, was Kraft und Ausdauer erfordert...wenn man sie rotpunkt klettern möchte. Für mich illusorisch. In den oberen Seillängen war ich schon recht müde und froh mit A0 über die Runden zu kommen, doch mit Güntis Hilfe war dies kein Problem. Dem Freund und Bergführer sei gedankt!

 

Tourengänger: roko

Galerie


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Kommentare (4)


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hanns hat gesagt: Abgekupfert
Gesendet am 1. September 2013 um 15:16
Hatt da einer abgeschrieben oder Zufall??
http://www.robwick.ch/index.html

roko Pro hat gesagt: RE:Abgekupfert
Gesendet am 1. September 2013 um 15:35
...kaum zu glauben. Wann habt ihr die "Allerheiligen" geklettert? Den Bericht habe ich vor zwei Jahren geschrieben...wäre ein irrsinniger Zufall.
Gruss Robert

hanns hat gesagt: RE:Abgekupfert
Gesendet am 1. September 2013 um 16:01
habe die Route noch nicht geklettert, bin bei meiner Recherche darum auf den gleichen Text gestossen..
[www.google.ch/webhp?source=search_app&gws_rd=cr&ei=IUYjUsHDC...]

roko Pro hat gesagt: RE:Abgekupfert
Gesendet am 1. September 2013 um 16:10
...musste laut lachen...ich denke, so viel Zufall gibt es nicht...habe die Route 2 Jahre früher geklettert. Ist mir aber unerklärlich, dass man die Route nicht mit eigenen Worten beschreiben kann...sofern man sie auch wirklich geklettert hat.
Danke für den Hinweis
Gruss Robert


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