Klein Matterhorn


Publiziert von Becks , 20. August 2012 um 23:17.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:28 Dezember 2009
Schneeshuhtouren Schwierigkeit: WT4 - Schneeschuhtour
Ski Schwierigkeit: L
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS   I 
Strecke:Täsch - Klein Matterhorn - Täsch - Klein Matterhorn - Täsch
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Per Auto über Visp ins Mattertal bis Täsch
Unterkunftmöglichkeiten:Campingplatz Täsch (auch im Winter geöffnet)

Vorgeschichte:
Im Januar 2010 stand meine lang geplante Südamerikareise (Ziel Aconcagua) an. Im gleichen Zug konnte bzw. wollte ich zwei weitere Dinge realisieren. Zunächst einmal stand eine Akklimatisierungstour vor der Abreise nach Argentinien auf Liste, zum anderen wollte ich schon immer einmal das neue Jahr auf einem 4000er mit Sekt begrüßen, also um Mitternacht auf dem Gipfel stehen und das feuerwerk betrachten.

Als erstes Ziel kam Alagna und das Biv. Giordano auf den Radar. Leider befand sich die Bahn im Umbau und ein Aufstieg mit schwerem Gepäck erschien selbst nach eingehendem Studium nicht wirklich sinnvoll. Als Ausweichsziel wurde daher das Breithorn bei Zermatt als Ziel ausgewählt, und nach eine kurzen Umfrage bei ODS fanden sich tatsächlich einie Leute, die die Idee "Mitternacht auf einem 4000er" spannend fanden.


28.12. Randa
Weihnachten ist rum, genug gefeiert, endlich Frischluft. Von Süddeutschland aus geht es vollbepackt zum Treffpunkt, dem Campingplatz bei Randa. Dort fällt nach und nach der Rest der Truppe ein. Unter den etwas verstörten Blicken der Wohnwagenbewohner bauen wir das Gemeinschaftszelt auf.


29.12. Theodulhütte (3317m)
Eine kurze Etappe steht an, dafür schon in ordentlicher Höhe. Mit viel Gepäck starten wir von Zermatt aus per Bahn hoch zum Trockenen Steg. Die Beförderung ist abenteuerlich, da wir neben der Hochtourenausrüstung und Essen auch Zelte und den gesamten sonstigen Campingkram dabei haben. Insbesondere die Pulka, die ich anschliessend den Hang hochzerren darf bereitet in den kleinen Gondeln leichte Probleme, da sie nicht durch die Tür passen will.
Endlich oben angelangt zieht dann eine Karawane aus Schneeschuhläufer und Skitourengänger die Skipiste entlang zur Hütte (begleitet von etwas irritierten Blicken der Skifahrer). Diese ist offen und bewartet, was sich zwar im Internet vorher nicht eindeutig herausfinden lies, uns aber nicht stört, den wir dürfen als Selbstversorger ohne Murren bleiben.


30.12. Klein Matterhorn
Das Wetter lässt leider zu wünschen übrig. Schon im Vorfeld haben wir daheim mit Spannung die Wetterdaten verfolgt, am 20.12. wurden oben am Klein Matterhorn eine Spitzengeschwindigkeit von 158km/h gemessen und die Prognosen sehen keine wirkliche Besserung vorraus.
Da sich aber alle wohl fühlen und der weitere Weg der Skipiste folgt, brechen wir dennoch auf. Sollte die Idee mit Zelten scheitern bleibt immer noch die Bahnstation, zu der immer ein Zugang offen ist. Bei stürmischem Wind, Schneetreiben und schlechter Sicht treffen wir nach 3 Stunden oben ein und quartieren uns beim Eingang des Restaurants ein. Ausser uns ist niemand oben, die Bahn ist geschlossen, der Skibetrieb wegen Schlechtwetter eingestellt.

31.12. Randa
Im Gang herrschen angenehme -6°C, und bis 4 Uhr morgens brüllt zwar draussen ein Sturm, aber die Welt ist in Ordnung. Dann beschliesst einer meiner Kollegen mir mitzuteilen dass er Höhenprobleme hat, indem er seinen eben getrunkenen Tee in seinen Kochtopf entleert. Erst dann gibt er zu, dass er bereits auf der Theodulhütte Probleme hatte (no comment).  Mit Ibuprofen bekommen wir die Angelegenheit unter Kontrolle, denn ein Abstieg um die Uhrzeit bei Sturm ist selbst auf einer Skipste kein Vergnügen, aber ein weiterer Aufenthalt hier ist nicht ratsam.
Am Morgen dann verbessert sich die Wetterlage, die Bahn fährt und spuckt Skifahrer aus. Unsere Schneeschuhläufer (und der Kollege mit Höhenproblemen)  schnnappen sich die Bahn und nehmen zudem meine Pulka mit. Einen Teil der Ausrüstung verstecken wir zudem in einem Baustellenbereich, dann brechen wir zu zweit mit dicken Rucksäcken bewaffnet per Skier auf. Mit 30kg Gepäck auf dem Rücken fühlt man sich auf der Piste wie ein Wal mit Brettern an den Füssen, aber da diese blau gekennzeichnet, flach, breit und frisch gewalzt ist, können wir ungebremst abwärts düsen.
Die anschliessende rote Piste ab Trockener Steg wird schon spannender, denn in steileren Hängen wirkt das Gepäck schon störend. Bei Furgg dann die Erkenntnis: entweder Karte lösen oder eine schwarze Piste runter nach Zermatt, auch wenn wir beides vermeiden wollten. Wir entscheiden uns für die Abfahrt, und mancher Skifahrer fragt uns in den Pausen unterwegs, ob so etwas noch Spass machen würde. Zum Glück muß ich lediglich einmal den Rucksack nach einem Abflug abschnellan, da ich mit der Last schlichtweg nicht aufstehen kann.
Abends versammelt sich die Truppe im Zelt bei Randa, und Silvesterabend verbringe ich damit, aus dem Zelt raus auf das Breithorn zu schauen. Der Wind hat sich gelegt, es ist wolkenlos und zudem Vollmond. Ideal für die Idee mit dem Sekt, aber daraus wird nichts.

1.1. Klein Matterhorn
Die Gruppe splittet sich, zu dritt schnappen wir wieder die Bahn Trockener Steg und wandern, dieses mal ohne Zelt und somit mit leichteren Rucksäcken, hoch zur Bahnstation. An einen Gipfelaufstieg am Breithorn ist nicht zu denken, der Wind hat wieder Sturmstärke, der Betrieb ist wieder eingestellt. Netterweise wird der Tunnel bei der Bahnstation enteist, und so verbringen wir den Abend im Warmluftstrom eines grossen Heizstrahlers. Ein Ausflug auf die Aussichtsplattform des Kleinen Matterhorns ist auch noch drin, denn zwar ist der Aufzug abgeschaltet, aber außen entlang des Gebäuddachs der Bahn kann man sich einen Weg hoch zu den Treppen der Plattform bahnen.

2.1. Theodulhütte
Auch heute ist das Breithorn weit weg. Draussen fegt ein Sturm um die Hütte und auf den Breithornplateau liegen dicke Wolken. Also brechen wir wenigstens zur Gobba di Rollin auf, müssen dann aber 10m unter dem "Gipfel" umdrehen, da wir Gefahr laufen, weggeblasen zu werden. Obwohl ich die Felle abschnalle, muss ich bergab zunächst schieben, da der Gegenwind zu stark ist, um ins Gleiten zu kommen. Zurück an der Bahn (empfangen von staunenden Skifahrern, die durch die Glastür das Wetter begutachten) packen wir unseren Kram und fahren zur Theodulhütte ab. Dort kommen wir dann schockgefrostet an und werden wieder bestaunt, denn das Hüttenpersonal sitzt bereits bei lockerer Runde am Tisch und erwartet niemanden mehr. Wir sind auch an diesem Abend die einzigen Gäste.

3.1. Abmarsch
Wieder die Pisten runter, in Randa alles einpacken, Abfahrt und daheim für Südamerika packen. Zuvor darf ich allerdings noch zum Zaharrzt, denn auf der Hütte die Nacht davor wollte ich sinnloserweise im Dunkeln  nachsehen ob einer der Öfen in Betrieb ist. Beim Bücken knalle ich dann ungebremst mit einem Eckzahn auf das Gusseisen und verliere leider den Wettbewerb, ob der Zahn oder der Ofen stabiler gebaut ist.






Tourengänger: Becks

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