"....erreichten sie Solothurn nicht selten stockbesoffen!"


Publiziert von Henrik , 14. August 2011 um 22:38.

Region: Welt » Schweiz » Waadt » Waadtländer Jura
Tour Datum:13 August 2011
Wandern Schwierigkeit: T1 - Wandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VD 
Zeitbedarf: 2:30
Aufstieg: 100 m
Abstieg: 150 m
Strecke:La Sarraz - Le Milieu du Monde - Haut de Mormont - Canal Entreroches - Eclepèns
Zufahrt zum Ausgangspunkt:ÖV
Zufahrt zum Ankunftspunkt:ÖV
Kartennummer:map wanderland

 .... die Schalterhalle wirkte wie ein Bienenhäuschen, am vorletzten Tag der Schulferien. Draussen zeigte sich die Sonne noch nicht „überschäumend“, vor den Schaltern lange Warteschlangen, an den Automaten dito. Roswitha erwartete mich mit etwas Abstand genau vor einem solchen ... damit wir gleich loslegen konnten, mit der Zieleingabe fürs Billet...das Ding funktionierte, aber ich konnte nicht glauben, dass die Fahrt über 50 Franken kosten würde...und glaubte mich erinnern zu können, dass Online ich einen andern Preis ausgemacht hatte. Ich verteufelte zu Unrecht den Automaten, dabei war alles realistisch und korrekt: das ist das Ergebnis, wenn man nur noch in GA-Kategorien denkt und lenkt! Wir nahmen den ICN nach Olten. Mit einem weitern ICN am Südfuss des Juras nach Yverdon-les-Bains. Dieses empfing uns hochsommerlich und mit viel nackter Haut: am Bahnhofsplatz machten sich Gruppen von Street-Parade-TN parat, sei es mit knappen Röckchen oder satten Oberteilen, die mehr preisgaben als verhüllten. In der Luft hing der Duft von Dope. 
 
 .... mit der S 1 oder dem Schwellenhopser weiter nach Cossonay, die Plaine de l’Orbe mit ihren Entwässerungsgräben sowie dem Nozon, dessen Wasser sich schliesslich in die Nordsee entleert und der nahe Jura prägen die Landschaft. Zerschnitten wird sie gleichermassen von der Eisenbahn wie der Autobahn. Sonnenblumenfelder wechseln sich ab mit Futtermais. Von Chavornay gibt es eine kleine Verbindungsbahn nach Orbe. Eine geologisch-tektonische Hürde stellt der  Hügel Mormont dar, der die Wasserscheide zwischen dem Einzugsgebiet der Rhone und des Rheins markiert. In Eclépens finden sich die  zwei ältesten Eisenbahntunnel der Schweiz – die 2010 wieder renoviert eröffnet wurden (dazu findet sich auf dem Bahnhof eine entsprechende Tafel). In La Sarraz angekommen, widme ich mich zuerst wie üblich dem Bahnhofsmobiliar: eine Sitzbank, ein alu-gebürsteter Abfalleimer, ein Billet- sowie obligat ein Selecta-Automat. Der Bahnhof beherbergt ein kleines Café. Wir spazieren zum Kreisel vor dem Altstadteingang, kommen am Wegweiser vorbei und erinnern uns damit, wo wir dann am Nachmittag gedenken den Weg nach Eclépens einzuschlagen. Roswitha hatte ihre Sigg-Flasche unzureichend verschlossen, sodass wir schon unterwegs auf den Umsteigebahnhöfen u. a. damit beschäftigt waren, die verschiedenen Gegenstände in der BREE-Tasche trocken zu legen. Zum Glück war’s nur Wasser! Einen höheren Konzentrationsgrad hatte der Mont sur Rolle, den wir im Croix-Blanche einnahmen, nachdem wir die kleine Altstadt innerhalb einer Viertelstunde besucht hatten – hier liess ich mir auch noch vom Patron die Wegzeiten erhellen, damit wir auch bald zu Tische kommen können.
 
 .... zuerst wollen wir aber noch die Moulin Bornu uns anschauen, nicht eigentlich die Mühle, aber der Platz davor und dessen Teich, der sein Wasser zum Einen in die Nordsee fließen lässt und andererseits ins Mittelmeer. ...eine salomonische Lösung, die in der Linkliste nachzulesen ist! Am Campingplatz vorbei gelangen wir zum Restaurant de la Piscine de la Venoge, von dessen Terrasse wir den Blick bis zum Mont Blanc geniessen dürfen. Auch das Schwimmbad ist vom gewählten Tisch aus teilweise einzusehen, das Planschen ist zu hören und die missglückten Stürze vom 5 Meter-Brett auch, wenn die Bäuche der Kids aufs Wasser aufschlagen. Wir entscheiden uns fürs Tagesmenu Nummer 2, für eine Entrecôte de Cheval mit Pommes d’allumettes. Diese Runde zu Tisch wird lediglich mit Hahnenburger zelebriert. Um uns nur ganz wenige Gäste, auch das Piscine ist erstaunlich ruhig. 


 .... Etwas nach 14 Uhr brechen wir zum eigentlichen Spaziergang auf, steigen zuerst  hinab nach La Sarraz, sehen am Horizont die Freiburger und Walliser  Alpen sowie den Mont Blanc. Auch den Jura hinter uns und nach Süden hin die Hügellandschaft gegen den Lac Léman, der lediglich zu erahnen ist. Gleich nach dem Kreisel beginnt die kleine Wanderung, die uns zuerst auf den Haut de Mormont führen wird, nach Verlassen der Hochebene hinunter führt zum L'Ancien Canal d'Entreroches. Wir befinden uns auf dem Chemin des Vignes (La Sarraz), der gleichzeitig auch die „Ballade Viticole L’Orbe“ aufnimmt. Später erfahren wir, dass an den Hängen des Mormont hauptsächlich Gamay gezogen wird. Im Ortsteil Gondoux verlassen wir das Dörfliche, der Weg steigt etwas an, an einem Reservoir vorbei, ich entscheide mich für eine Abkürzung, die nichts brachte (...), dafür kurz tiefes Ausatmen implizierte, da ein Schild uns etwas „Respekt“ zollte (an Wochenenden wird kein Kalk gesprengt). An Brombeerstauden vorbei, stehen wir danach am Zaun einer grossen Landschaftsnarbe – dem Zementwerk von Holcim. Zwischenzeitlich hat die Sonne zwar ihren Zenit überschritten, aber es drückt auf die Haut und beinahe hätte ich ausnahmsweise mal die Sonnebrille gezückt. Wir stehen auf dem Haut de Mormont, nicht genau auf seinem Gipfel (es wäre unlauter, würde ich dies behaupten), aber ganz in seiner Nähe. Hier sind keltische Überreste gefunden worden, er gilt, obwohl in unmittelbarer Nähe das Zementwerk liegt, auch als magischer Ort. Seine Umgebung hat Schutzstatus nationaler Bedeutung. Wir haben weder jetzt noch im spätern Verlauf andere Wanderer angetroffen – wir haben beim Rastplatz mit Hütte eine kurze Pause eingelegt. Auf schmalen Pfaden, teilweise rudimentär markiert, findet man aber die Wegstrecke zum L'Ancien Canal d'Entreroches mit etwas Aufmerksamkeit gut – eine kleine Passage benötigte kleine Seiteninspektionen, da die Waldarbeit mit grossen Maschinen den WW eingeebnet hatte...zuletzt ist ein Gehöft zu passieren, Hund bellt (kann aber nicht aus dem Gehege), und danach führt der Weg ziemlich nahe an das Tanklager neben dem Bahnhof von Eclépens. An der Wegkreuzung dann das Schild mit dem Hinweis auf den L'Ancien Canal d'Entreroches und seinen einsehbaren Überresten. Ein PP sowie eine grosse metallene Tafel gibt ausführlich Einblick in die historischen Hintergründe zu diesem schon fast zu einer Vision gereichendem Bauwerk, dessen Erstellung  während des 30-jährigen Krieges ausgeführt wurde – zwischen dem damaligen Holland und der noch im Entstehen begriffenen Eidgenossenschaft. Eine ausführliche  Linkliste ist diesem Bericht angehängt!
 
 .... wir haben den L'Ancien Canal d'Entreroches nicht in seiner Länge abgeklopft. Dazu hätten wir anders wandern müssen. Das was wir gesehen und gelesen haben, was ich im Vorfeld an Wissenswertes sogar im Rucksack mitgetragen habe, lässt uns staunen. Wir wenden uns nun noch den letzten Metern zu, gelangen zum Bahnhof und verpassen die S-Bahn um 5 Minuten! Wir setzen uns auf die Holzkonstruktion, die den Dank an die Tunnelbauer von 2009 – 2010 zum Ausdruck bringt – eine Beiz gibt es nicht und aus dem Tanklager ragen keine Strohhalme, die das andere Öl, den Gerstensaft heraustropfen liessen.... um kurz vor halb sechs nimmt uns der FLIRT mit nach Yverdon, danach fahren wir im voll besetzten ICN nach Olten und dort mit dem aus Locarno einfahrenden IR nach Basel. Zwischenzeitlich herrscht in der BREE-Tasche von Roswitha wieder Trockenheit. Und der FCB hat eins auf den Deckel bekommen...Basel verströmt ein wenig Tristesse.....  


Mit Roswitha unterwegs


Tourengänger: Henrik

Galerie


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