Geokulturelles: Melser Geoweg


Publiziert von GingerAle , 22. Mai 2011 um 15:10.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum:22 Mai 2011
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-SG 

Am Beeindruckendsten sind wohl die Spuren der italienischen Steinhauer, welche im 19. Jahrhundert Mühlsteine aus dem Verrucanogestein auf dem Castels gebrochen haben; obwohl der Weg schon etwas in die Jahre gekommen ist, gibt es hier auf kleinem Raum viel Information über Geologie, Eisenverhüttung in Plons, ehemalige Glashütte Mels und den Festungsbau.
Der Rundgang ( etwa 6 Km) führt von Mels über Plons hinauf nach Castels und St.Martin wieder nach Mels.
So unscheinbar der Castelserhügel ausschaut, er war bereits in der Neusteinzeit besiedelt,  sowohl Kelten wie Römer haben ihn benutzt, während des 2. Weltkriegs wurde unter grösster Geheimhaltung ausgehöhlt und ist heute noch zeitweise in fester Hand des Militärs.


Ein paar Stationen auf dem Rundgang

Steinbruch Runggalina

Auf der Nordseite des Castelserhügels bei Runggalina wurden hauptsächlich Platten gebrochen für Brunnen oder auch für die typischen Steinzäune, welche in Mels noch vereinzelt zu sehen sind.

Eisenverhüttung

In Plons wurde seit dem 14.Jahrhundert Eisenerz verhüttet, welches am  Gonzen abgebaut wurde. Die Schmitte brauchte Wasser ( aus der Seez) für die Erzwäsche und den Antrieb der Poch- und Hammerwerke und die Nähe grosser Waldreserven ( Weisstannental). Da die Eisenherren das alleinige Nutzungsrecht über Hoch- und Fronwälder hatten, kam des im Sarganserland im 18.Jahrhundert immer wieder zu Ueberschwemmungen,  da die "Wälder" leergeholzt waren.  Als 1767 ein Grossteil des Dorfes Mels niederbrannte,  musste das Dorf sein Holz für den Wiederaufbau aus dem Liechtensteinischen und dem Bündnerland beziehen!,  da die Melser kein Nutzungsrecht  der nächstgelegenen Wälder hatten.  
Das Gonzenerz wurde von den Erzschlittlern ins Tal gebracht und mit Pferdewagen nach Plons gebracht.  1878 wurde der Verhüttungsbetrieb in Plons endgültig aufgegeben. Heute ist auf dem Areal noch das Herrenhaus zu sehen.

Festungsbau Mels

Mit den Festungsbauten wurde 1939 begonnen, wobei der Bau unter grosser Geheimhaltung vollzogen wurde. Die Mineure mussten sich durch  Verrucanogestein bohren. Verrucano enthält viel Quarz und ist entsprechend staubig. Bei der trockenen Bohrweise wurde der Staub nicht mit Wasser rausgespült, da die Ventilation und der Mundschutz ungenügend waren, litten die Bergarbeiter nach kurzer Zeit an der Silikose. Der Mundschutz bestand aus einem nassen Schwamm, der nach kurzer Zeit so pampig war, dass man ihn wegschmiss. Bis 1948 starben 24 Arbeiter der Verrucanofestungen an Silikose. 1942 war die Festung Castels fertiggestellt. 


Die Mühlsteinproduktion

Die guten Mahleigenschaften des Verrucanogesteins ( harte Komponenten und weiche Grundmasse) waren schon zur Zeit der Römer bekannt.  Die Melser Mühlsteinhersteller lieferten nicht nur Mühlsteine für Getreidemühlen, sondern auch für Frucht-, Zement-, Gips-, und Glasurmühlen. Zwischen 1830- 1850 wurde auf dem ganzen Castels Mühlsteine gebrochen. Neben dem freigelegten Steinbruch findet man tatsächlich überall Mühlsteinrelikte im Wald.  Als Steinhauer arbeiteten Italiener, die Sprenger und Handlanger wurden aus der einheimischen Bevölkerung rekrutiert. Jeder zweite Mühlstein ging aber zu Bruch. Bei der Steinabnahme wurden sie nass gemacht und mit dem Hammer bepocht, um allfällige Fehler zu entdecken. Danach ging man in den Schlüssel ( heute ein Gault Millau Lokal). Bezahlt wurde in Goldmark.
Das endgültige Aus des Bergbaus kam mit dem Bau der Festung, als das Land der Eidgenossenschaft abgetreten werden musste.

Schroppologie auf dem Castels

Auf dem Castels kann man in einem Steingarten allerlei Gesteine bewundern: Urgestein, Verrucano, Kreide, Lockergesteine...

Glashütte und Mühlen in Mels

Für die Glasproduktion braucht es etwa 70% Quarz und 10% Kalk, ein grosser Teil der Rohstoffe konnte aus den Steinbrüchen um die Ecke geholt werden. 1804 wurde in Mels eine Glashütte errichtet.
Der betrieb von Mühlen wurde im Jahre 842 erstmals erwähnt. Als Hauptbrotfrucht wurden Gerste, Weizen, Roggen, Hafer und Hirse angebaut. Im 18.Jh wurde Türggä (Mais) zum Hauptanbauprodukt in der Gegend.



Tourengänger: GingerAle


Galerie


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