Bahnschotter ist genormter Stein


Publiziert von Henrik , 24. September 2010 um 13:10.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:25 Oktober 2006
Wandern Schwierigkeit: T1 - Wandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR   CH-GR 
Zeitbedarf: 2:30
Abstieg: 600 m
Strecke:Oberalppass - Andermatt
Zufahrt zum Ausgangspunkt:ÖV
Zufahrt zum Ankunftspunkt:ÖV
Kartennummer:Gotthard Zusammensetzung 1 : 50000


 .... angekommen in Faido kommt Unentschlossenheit auf, geplant war ein Anstieg, es blieb beim Zwischenstieg und zuletzt beim Zustieg in den Zug zurück zum Gotthard! Ich fuhr mit dem IR nach Göschenen, hinauf auf den Oberalppass und liess zuerst einfach mal die etwas frische Luft auf das Agglo-Hirn zuströmen. Eine Rast war nicht vorgesehen ...

 .... auch nicht die Felli-Lücke. Ich erinnerte mich an Wanderungen im hohen Norden, und sogleich ergriff es mich auch: die Szene ist beinahe austauschbar – es gibt Galerien für die Züge, es gibt Einsamkeit, Weite, Schlieren am Himmel, ich nenne sie Stolpen (die Dinger an denen Drähte angebracht sind, für Strom oder Telefonleitungen), ein Wirrwarr von gekennzeichneten Wegen und solchen für die Tiere oder durch diese erst entstanden. Es gibt Erika und je näher man der Waldgrenze kommt, auch wieder Zwerge, die zu überleben wissen. Es gibt vor allem Stille ....
 
 

 .... zuerst husche ich eilenden Schrittes entlang der Eisenbahngalerie, die auch die Strasse aufnimmt. Die grauen Mauern verraten nicht unbedingt Pflege, aber ich kann nicht einschätzen, ob ich mit meiner Wahrnehmung richtig liege – was mir allerdings störend auffällt sind, sind Reifengequietsche und das Dröhnen von Motoren beim Überholen: schweres Gefährt. Am Ende der Galerie öffnet sich auch das Tal – hinab und hinüber an den Horizont, das Urseren.
 
 

 .... die Zugsfolge ist hier oben nicht von Hektik geprägt. Es bleibt also Zeit, das Schotterbett, die Schienen und die Zahnradspur sich näher anzusehen. Ich knie auf die genormten Steine (!) und daraus entsteht eines der beigefügten Bilder.

 

 .... ein paar Schritte weiter und dann folgt die „Tundra“ – ich bleibe auf dem WW, halte immer wieder inne und bin ergriffen: zu beiden Seiten Steilhänge, aber vor allem die Farbe, die Tongebung und die Melodie des Windes, der über diese Steine und Hänge tagein und tagaus hinwegfegt, hat modelliert, im Winter zusammen mit Wasser und Eis, diese Ebene und Begrenzungen geschaffen.
 

 .... ich halte inne, ein Geräusch weckt mein Interesse. Schienenstolpern nenne ich es und Bremsgeräusche – der Tatzelwurm der MGB, die ich nun gegenüber unterhalb den Lawinenverbauungen des Gross Schijen gewahre, ist der Grund. Einziger Unterschied zur Hardangervidda ist die Zugslänge – dort sind die Züge länger, rot sind sie auch, etwas mehr rostfarben.
 

 .... ein paar Höhenmeter weiter am orografisch linken Hang eine Betonruine – die Karte klärt auf: Pazola(-stäfeli). Beim Flecken Schöni ist eine Weile der Strasse zu folgen – dies stört nicht, kein Verkehr kommt entgegen oder braust an mir vorbei.
 

 .... kurz vor der Station Nätschen, die ich aus eisenbahnbeobachtertechnischen Gründen nicht einfach links liegen lasse .... verlässt ein steiler Weg, markiert und linkshaltend, die „geordneten“ Verhältnisse. Bei Mettlen eine Sitzgelegenheit, die ich für eine kurze Rast benutze. Dort wo im Winter die Carver und Snöber wie auch die langsam in die Minderzahl geratenen „banalen“ Skiläufer hinabsausen, oberhalb der Talstation des Skilifts, nehme ich das freie Feld für meine letzten Meter Abstieg und erreiche den Bahnhof Andermatt.
 

 .... beim obligaten Blick zurück kommt einerseits Freude und Genugtuung auf, etwas geleistet zu haben, aber auch was für technische Meisterleistungen hier vollbracht wurden, als noch kein einziger Computer überhaupt vorstellbar war. Das sei einfach mal als Dank hier präzisiert und angebracht ....
 

 .... Enge und Ellbögeln wurden schliesslich wieder alltäglich – auch im Zug zurück nach Hause!


Bahnschotter ist  Material was enormen Belastungen durch das Überfahren von Schienen und Schwellen im Bahnverkehr ausgesetzt wird. Durch den Bahnschotter wird das Gewicht des Zuges gleichmäßig verteilt und die Last auf den Unterbau ein wenig reduziert. Bahnschotter ist ein grobkörniges MateriaL, was in der Klasse der granularen Materialen eingeteilt wird. Die Zusammensetzung von Bahnschotter besteht aus ungleichmäßig geformten, kantigen und kubischen Körnern. Diese Körner werden durch brechen des Gesteins wie z.B. Granit, Diabas oder Basalt gewonnen. Die DIN EN 13450 gibt vor wie die Anforderungen der Schotterkörner sein soll. Der Durchmesser des größten Kornes darf laut DB AG zwischen 22,4 mm und 63 mm pendeln. Im Groben und Ganzen sollen die Körner einem hohen Widerstand folge leisten. Das gilt für Deutschland – für die Schweiz gilt das hier



 


Tourengänger: Henrik


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