Tourabbruch am Monte Faiè


Publiziert von ABoehlen Pro , 17. August 2010 um 06:29.

Region: Welt » Italien » Piemont
Tour Datum:29 Juli 2010
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: I 
Zeitbedarf: 5:00
Aufstieg: 1100 m
Abstieg: 1100 m
Strecke:Mergozzo - Bracchio - Vercio - Colma di Vercio und zurück
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Regionalzug Domodossola - Milano, Porto Garibaldi
Unterkunftmöglichkeiten:Hotel Corona in Domodossola Unterkunftsmöglichkeiten gibt es auch in Mergozzo
Kartennummer:LK285(T) Domodossola

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Dicke Wolken schwappen im Laufe der Nacht auch über den Alpenhauptkamm und am Morgen ist unschwer zu erkennen, dass es nicht weit von Domodossola entfernt bereits regnet. Wir beschliessen daher, nach Süden zu fahren, wo der Himmel zumindest am Morgen noch klar ist.

Um 9.48 Uhr geht's los; bei offenem Fenster donnern wir mit dem Regionalzug in bemerkenswertem Tempo das Valle d'Ossola hinunter, wo das Wetter in der Tat immer besser wird. Nach gut 20 Minuten erreichen wir Mergozzo (205 m). Von früheren Touren her kenne ich dieses Gebiet ziemlich gut und weiss daher, dass der beste Weg nach Bracchio (310 m) der Strasse entlang führt. Der direkte Fussweg, den die Landeskarte von der uralten IGM-Karte übernommen hat, führt durch Privatgelände und ist für Wanderer unerreichbar.

Die Dorfstrasse durch Mergozzo hindurch ist sehr eng und jetzt in der Ferienzeit sehr stark befahren; Vorsicht ist also angebracht. Richtung Bracchio wird es aber besser, denn die meisten Touristen bleiben unten am See. Bracchio macht da schon einen erfreulich ruhigen Eindruck.

Der Weg durch die verwinkelten Gässchen ist teilweise mit rot-weissen Markierungen gekennzeichnet und am oberen Ende des Dorfes befindet sich die Verzweigung, wo es rechts nach Erfo und links nach Vercio geht. Wir nehmen den Weg zur linken, der sofort steil in den Wald hinaufsticht. Dieser Saumpfad ist ein Meisterwerk der Wegbaukunst; ganz aus tonnenschweren Steinplatten erbaut und in einem vorzüglichen Zustand.

Zu sehen gibt es um uns herum vorderhand nur die üppige Vegetation, aber beim Bildstock auf Pt. 570 (gemäss IGM-Karte) erwartet uns ein prachtvoller Ausblick über den Lago di Mergozzo und weit auf den Lago Maggiore hinaus. Gegenüber grüsst der seltsame Einzelberg mit dem passenden Namen Mont' Orfano (794 m).

Nach mehr als 600 Höhenmetern verlassen wir den Wald und betreten das offene Gelände der Streusiedlung Vercio (828 m). Dies ist ein wundervoller Aussichtspunkt, allerdings müssen wir feststellen, dass der Blick mehr und mehr durch Wolken getrübt wird, die nun auch hier zunehmend die Sonne verdecken. Wir beschliessen jedoch, weiterzugehen, auch wenn unser Ziel, der Monte Faiè (1352 m), ebenfalls in den grauen Schwaden verschwunden ist.

Der nunmehr schmale, aber gut begehbare Bergweg steigt weiterhin kontinuierlich an und so dauert es gar nicht lange, bis wir uns mitten in den Wolken befinden. Dennoch bleibt es warm und in der sehr feuchten Luft schwitzen wir noch mehr als bisher.

Bald lassen wir den Wald hinter uns und durch alpin anmutendes Gelände mit Gras, Buschwerk, Fels und Geröll erreichen wir schliesslich die Colma di Vercio (ca. 1255 m, ohne Namen auf der Karte), wo auch die Wege von der Corte Buè und dem Rifugio Ompio den Grat erreichen.

Es ist Zeit für eine Pause. Aussicht gibt es zunächst überhaupt keine, aber nach einiger Zeit lichten sich die Wolken ab und zu etwas und geben den Blick in den Abgrund frei, wo sich mehr als 1000 Meter tiefer das Dorf Candoglia befindet. Auf der gegenüberliegenden Talseite müssen wir allerdings bedrohlich anwachsende Quellwolken zur Kenntnis nehmen und ein Donnergrollen veranlasst uns, auf den Weiterweg zum Monte Faiè zu verzichten. Eine deutsche Familie, mit der wir während der Pause ins Gespräch gekommen sind, geht trotzdem weiter, aber sie müssen anschliessend nur noch den vergleichsweise kurzen Weg ins Rifugio Ompio zurücklegen, während wir ja wieder bis ganz hinunter ins Tal müssen.

Und diesen Abstieg legen wir fast im Laufschritt zurück. Immer wieder donnert es und diverse Regengebiete lassen sich in der Nähe ausmachen, vor allem gegen Süden hin ist alles hinter einer grauen Wand verschwunden. Aber bei uns fällt erstaunlicherweise kein Tropfen! Als wir in Bracchio ankommen, scheint sogar wieder die Sonne, dafür ist es jetzt auf einmal in Richtung Lago Maggiore bedrohlich schwarz. So unberechenbar sind Gewitter in den Bergen!

Daher sind wir auch nicht traurig, quasi vergebens die Tour abgebrochen zu haben. Lieber einmal zuviel auf einen Gipfel verzichten, als dort oben in ein Gewitter zu geraten!

Gegen 15.30 Uhr erreichen wir wieder den Bahnhof in Mergozzo, wo wir uns nun fast 2 Stunden im einfach eingerichteten Wartsaal auf's Ohr legen können, ehe es mit einem altehrwürdigen Doppelstockzug zurück nach Domodossola geht. Auch dort ist der Himmel wieder klar und wir sind optimistisch, den morgigen letzten Wandertag bei wieder stabilem Wetter geniessen zu können.

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Tourengänger: ABoehlen


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