Gratwanderung vom Glaubenbielen- zum Brünigpass – oder ein Malheur kommt selten allein


Publiziert von 360 Pro , 8. Oktober 2009 um 20:04.

Region: Welt » Schweiz » Obwalden
Tour Datum:30 September 2009
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Brienzergrat   CH-OW   Hagleren und Giswilerstöcke   CH-BE 
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Glaubenbielen, Parkplatz
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Brünig-Hasliberg

Wenn hikr Grössen wie Zaza über die Gräte um den Giswilerstock von einer lohnenden Kraxelei schreiben, Sputnik von einer der schönsten Kraxeltouren der Zentalschweizer Voralpen spricht und auch Delta sagt, dass es alles bietet, was das Herz begehrt, kann man wohl nicht schief gehen… Auch sonst werden die Gräte um den Giswilerstock auf hikr gelobt und sind bestens dokumentiert. Auch der Weiterweg von der Chringe zum Brünigpass wurde von Tobi in seinem Bericht schon beschrieben. Bleibt also nur noch die Tour auch wirklich durchzuführen.

Da ich mir nicht ganz sicher war, ob eine relativ lange Tour für mich schon möglich war, war es wichtig, dass immer die Möglichkeit besteht die Tour relativ kurzfristig abzubrechen. Dies war zwar schlussendlich nicht nötig, allerdings gab es 3 eher unerfreuliche andere Vorfälle (#1,#2,#3)...
   
Am Abend zuvor habe ich den Wecker auf 5 Uhr gestellt. Am Morgen bin ich aber erst um 6:30h aufgewacht. Nicht etwa weil ich den Wecker nicht gehört habe, sondern weil ich ihn am Vorabend anstatt auf 5 AM auf 5 PM gestellt hatte (Vorfall #1). Nun denn, eine rasche Konsultation des sbb Fahrplans zeigt mir, dass es auch um diese Zeit noch eine Verbindung nach cff logo Glaubenbielen, Parkplatz gibt.

Mit etwa 1 ½ Stunden “Verspätung“ steige ich dann auf dem Glaubenbielen aus dem Postauto aus und möchte mich nun endlich auf den Weg machen. Aber halt, da fehlt doch was. Shit, ich habe meine Kamera im Bus liegen lassen (Vorfall #2). Ich sehe den Bus losfahren, renne ihm noch kurz hinterher, aber der Chauffeur sieht mich leider nicht. Da mir dasselbe Malheur schon einmal passiert ist (klick), weiss ich natürlich sofort was zu tun ist. Ich rufe der Post an, melde meinen Verlust und frage die nette Dame am anderen Ende ob es möglich wäre, dass man mir die Kamera mit dem nächsten Kurs auf den Glaubenbielenpass bringen könnte. Sie zweifelt zwar daran, dass das geht, sagt aber dass sie es abklären und mich zurückrufen werde, wenn sie mehr wisse. Ein paar Minuten später ruft sie an und sagt dass alles klappen werde. Ich solle warten und meine Kamera werde mit dem nächsten Kurs auf dem Glaubenbielenpass ankommen. Dies tut sie dann auch! Was für ein Service, danke an alle Beteiligten!
 
Um ca. 10:30h starte ich nun also endlich meine Wanderung. Zuerst steige ich den relativ steilem Wiesenhang direkt zum Alpoglerberg hoch, anschliessend wieder runter zum P.1734 und weiter zum NW Grat der Schafnase. Diese erklettere ich den violetten Pfeilen folgend ziemlich direkt, einzig einmal weiche ich etwas nördlich aus. Alles in allem in der Tat eine sehr lohnende Kraxelei (T5, II).

Um etwas verlorene Zeit zu gewinnen, folge ich anschliessend nicht dem Grat sondern den Wegspuren entlang zur Furgge. Von dort dann wieder weglos zum Westgipfel der Rossflue (T3). Der Weiterweg über den Grat zum höchsten Punkt der Rossflue ist ziemlich ausgesetzt und verlangt wieder den einen oder anderen Kletterzug (T5). Beim Gipfelsteinmann mache ich dann eine längere Pause.

Den Abstieg zur Chringe (T5), begehe ich zuerst entlang dem Ostgrat bis ziemlich genau auf 2000m; dort führen Wegspuren in die steile Südflanke Richtung P. 1911. Diese Flanke ist zwar relativ gut gestuft, allerdings liegt überall relativ feines Kies und somit ist die Sache ziemlich rutschig und unangenehm, dass ich mehrere Male auf dem Hosenboden den Hang runterrutsche. Am besten steigt man nicht ganz zum P. 1911 ab, sondern quert schon früher Richtung Chringe. Bei der Chringe bemerke ich dann den Vorfall #3: ich habe irgendwo mein Portemonnaie (mit Geld, Ausweisen und Tickets) verloren! Ich gehe zuerst zwar noch ein wenig zurück und suche erfolglos, gebe dann aber ziemlich bald auf, da es irgendwo am Glaubenbielenpass liegen könnte (ich nahm es mehrere Male aus meinen Hosensack), irgendwo unterwegs auf einem der Gipfel oder in der Südflanke der Rossflue, wo ich mehrmals auf dem Hosenboden abgerutscht bin. Ich habe überhaupt keine Lust den ganzen Weg nochmals zurückzulaufen.

Anstatt Trübsal zu blasen mache ich mich auf zu weiteren Gipfeln. Als erstes besuche ich das Mändli (auf Wegspuren in der Ostflanke und am Schluss via Südseite) und dann alles dem markierten Wanderweg entlang via Stellenen und Arnifirst zum Höch Gumme. Die Aussicht auf den Brienzersee war leider etwas dunstig aber trotzdem eindrücklich.

Da immer noch alles im grünen Bereich war, entschliesse ich mich dann auch noch vom Höch Gumme zum Wilerhorn und schlussendlich zum Brünigpass zu laufen. Der direkte Abstieg vom Höch Gumme zum Gibel ist zwar nicht markiert, es hat jedoch deutliche Wegspuren und bietet keine nennenswerten Schwierigkeiten (T3). Der Weiterweg zum Brünigpass ist dann durchgehen markiert.

Im Zug erkläre ich dann dem netten Kondukteur mein Problem und dass ich ohne Ticket, Geld und Ausweis fahre. Er sagt mir, dass dies des Öfteren vorkomme und dass so was halt passiere, auch dass das Portemonnaie ja manchen Passagieren gestohlen werde. Ich fülle das entsprechende Formular aus und erhalte ein Ticket bis nach Hause.

Glaubenbielen – Alpoglerberg – Schafnase – Furgge – Rossflue – Chringe – Mändli – Stellenen – Arnifirst - Höch Gumme – Gibel - Tüfengrat – Hörnli – Wilerhorn – Schafplätz – Schäri – Brünigpass


Fortsetzung siehe hier



Tourengänger: 360

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