Ringelspitz 3248m - Bike and Hike


Publiziert von Bombo , 1. September 2009 um 18:40.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Surselva
Tour Datum:29 August 2009
Hochtouren Schwierigkeit: ZS-
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   CH-SG 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2280 m
Abstieg: 2280 m
Strecke:1. Tag: von Vättis mit dem Bike zur Grossalp, zu Fuss Höhe Ringelspitzhütte und Biwak. 2. Tag Biwak - Sandboden - Taminser Gletscher - Mittelgrat – Ringelspitz - gleicher Weg zurück und mit Bike nach Vättis
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Bad Ragaz - Valens - Vättis - kostenloser Parkplatz beim Fahrverbotschild oder via Chur - Tamins. Anschliessend mit Bike via Kunkelpass bis Grossalp oder für Hardcore-Biker noch weiter bis zur Ringelspitzhütte.
Unterkunftmöglichkeiten:Ringelspitzhütte SAC 1998m oder Biwak
Kartennummer:LK 1:25'000, Bl 1175 "Vättis"

 Bike, Hike and Biwak - auf der höchsten Schutthalde des Kanton St. Gallen


Nachdem bergstiger via hikr.org einen Tourenpartner gesucht hat und ich den Ringelspitz 3248m nicht unbedingt alleine besuchen wollte, meldete ich mich bei ihm und kurze Zeit später waren wir beide bereit, die wohl höchste St. Galler Schutthalde zu rocken. Der Zustieg zur Ringelspitzhütte SAC bzw. wenig unterhalb zur Grossalp kann problemlos (jedoch nicht ohne Schweisstropfenverlust...) mit dem Bike erledigt werden - im Aufstieg zwar eher mühsam, im Abstieg bzw. Abfahrt dann jedoch purer Genuss. Und damit noch nicht genug - schon längst wollte ich meinen Alpin-Schlafsack ausprobieren und aufgrund der Wetterprognosen schien hierfür die Nacht vom Samstag auf den Sonntag die richtige Wahl zu sein. Kurzum - eine gelungene und aufgrund diversen Besonderheiten sicherlich unvergessliche Tour.

Das Auto beim kostenlosen öffentlichen Parkplatz ausgangs Vättis (beim Fahrverbotsschild) parkiert und schon ging's um 18.15 Uhr per Bike los richtung Kunkelpass und weiter zur Grossalp wo wir nach ca. 2h das Bike parkierten. Zu Fuss ging's dann noch die restlichen 20 Minuten hoch zur Ringelspitzhütte SAC, für Hardcore-Biker wäre auch diese Kurzetappe per Bike noch möglich. Viel Vergnügen dann jedoch bei der Holperpiste, wenn's am Folgetag wieder runter geht...

Unser Biwak errichteten wir wenig unterhalb der Ringelspitzhütte - dort gibt es genügend schöne Biwakplätze, unter anderem sogar mit Brunnen und fliessend Wasser. Die sternenklare Nacht führte zwar dazu, dass die Reissverschlüsse der Schlafsäcke bis zum Kinn dicht geschlossen wurden, doch entschädigte die wolkenlose Sternenpracht sowie die unzähligen Sternschnuppen einem für die vorausgehenden Strapazen. Die Frostschicht, welche wir beim Aufwachen auf unseren Wärmespendern vorgefunden haben, versprachen perfekte Tourenbedingungen in der sonst so schuttigen und brüchigen Ringelspitz-Route.

Start um 05.00 Uhr und immer dem Wanderweg und später dem Pfand entlang bis Sandböden. Was hier bei Tageslicht so leicht aussieht, ist im Licht der Stirnlampe alles andere als trivial. Auch wir mussten diese Erfahrung machen und kamen für eine kurze Zeit vom Weg ab - für uns unerklärlich, als wir bei Tageslicht den wirklich gut ausgetretenen Pfad gesehen haben. Als Hinweis kann gesagt werden, dass man einerseits über eine Brücke mit Gitterrost muss (bis hierher sollte man sich sowieso noch nicht verlaufen haben) und andererseits an 2 Kuhzäunen vorbeikommt, welche sich BEIDE öffnen lassen. Kommt man also irgendwo an den Zaun, wo es keine Öffnungsvorrichtung hat, so kann man davon ausgehen, dass man am falschen Ort steht. Weiter ist es nun wichtig, dass man grundsätzlich hart links (westlich) an den Schutthalden entlang läuft - keinesfalls unten dem Bach entlang, dies würde in eine Sackgasse bzw. in mühsames Gelände führen.

Bei Sandböden angelangt hat man die Wahl zwischen dem Aufstieg über die Geröllhalde zum Tschepband oder via Taminser Gletscher und Mittelrippe. Für Kraxel- und Kletterliebhaber sei die Variante Mittelrippe empfohlen, auch wenn es hier eine gehörige Portion Schutt- und Rutschfreude voraussetzt. Item, wir entschieden uns für die Mittelrippe, was wir im Nachhinein auch keineswegs bereuten.

Am rechten Gletscherrand des Taminsergletscher mühsam, jedoch ohne Steigeisen hinauf zur Mittelrippe und dort brüchig und teilweise ausgesetzt, meist zuoberst auf der Gratschneide balancierend bis zum Wechsel von Schutt in Fels. Nach ein paar wenigen Meter Kraxlerei erreicht man auch bereits die erste Abseilstelle, wo man den Nachsteiger, welcher noch auf dem Grat ist, nachsichern kann.

Es geht dann links einem Band entlang, bevor man dann wieder rechts haltend die nächste Kletterstelle erreicht. Die gerade, auf der rechten Seite sogar ein wenig abdrängende Wand, ist mit 2 BH’s gesichert. Dennoch benötigt es ein paar kräftigere Klimmzüge, sind doch die Tritte und Griffe eher sparsam ausgefallen. Wegen dieser wie auch der folgenden Kletterstelle haben wir die Tour mit III bewertet. Kletternovizen dürften hier auf alle Fälle arg ins Schwitzen kommen. 

Oben angekommen geht’s gleich nochmals kurz zur Sache – wiederum im III. Grad und mit BH abgesichert wird eine brüchige und schuttige Rippe erreicht. Von hier hat man wahrsch. mehrere Möglichkeiten, den letzten Grataufstieg zu erreichen. Eine von unten sichtbare Abseilstelle weist jedoch einem den Weg – entsprechend sind auch wir auf der rechten Seite problemlos entlang eines Risses hochgeklettert und standen nun vor der letzten Etappe, welche sich noch immer auf der Rippe befindet. Es gilt nun, auf der Gratschneide den höchsten Punkt zu erreichen – diesen kann man entweder direkt auf oder wenig rechts vom Grat erreichen. Gestufte, jedoch abschüssige Tritte ermöglichen hier gutes Vorwärtskommen. Unten befindet sich auch noch eine Abseilstelle, welche man aber auch im Abstieg nicht benötigt. 

Man steht nun auf dem Verbindungsgrat zwischen Ringelspitz und Vorder Ringel. In wenigen Minuten könnte man rechts zum Vorder Ringel hoch – da wir jedoch vor der finalen Kletterei am Gipfelturm eine Rast einschalten wollten und auch bereits die nächste Seilschaft gehört haben, zogen wir es vor, gleich direkt nach links wenige Meter hinunterzusteigen und so zum Gipfelturm zu gelangen. Diesen erreicht man unschwierig über diverse Pfade und schon steht man am Einstieg des Turmes. 

Man hat optisch gesehen 2 Möglichkeiten: rechts mit Hilfe von diversen BH’s auf den Gipfel oder links vom Turm dem Stahlseil folgend und ebenfalls mit vereinzelten BH’s rauf. Wir entschieden uns für die einfache Variante – leider fast schon zu einfach, waren unsere Erwartungen was die Kletterei angeht, doch ein wenig höher. Folgt man dem Stahlseil, welches man übrigens mit eigenem Seil nicht benötigt, so erreicht man das Gipfelkreuz des Ringelspitz 3248m innerhalb von knappen 5 Minuten und obwohl sehr luftig und ausgesetzt – immer mit sicheren Tritten und Griffen ausgestattet. Die folgende Seilschaft kam über die rechte Route hoch – denke, diese wäre auf jeden Fall anspruchsvoller gewesen. Ich habe mir sogar einmal kurz überlegt, nochmals kurz hinunter und über die BH’s hoch, doch die fantastische Aussicht bei diesem Kaiserwetter verdrängte diesen Plan sofort wieder. 

Die Literatur hält, was sie verspricht: Vom Ortler über die Berninagruppe bis hin zu den Walliser und Berner Alpen – die Aussicht ist wirklich atemberaubend. Spätestens hier vergisst man die tonnenschweren Schuttmassen, durch welche man eben gerade noch durchgezogen ist. 

Der Abstieg ist bedeutend schneller erzählt: Nachdem man über die gut eingerichtete Abseilstelle beim Gipfelturm 15m abseilt, hat man wiederum die Wahl zwischen Tschepband oder Abstieg auf gleichem Weg über die Mittelrippe, welche mit zahlreichen Abseilstellen ausgestattet ist. Aufgrund einer Aussage eines “Locals” sollte man jedoch auf das Tschepband verzichten und den Weg über die Mittelrippe absteigen. Die einzige Schwierigkeit bildet eigentlich der Abstieg vom Verbindungsgrat zwischen Ringelspitz und Vorder Ringel, hier gilt es sicheren Fusses keinesfalls auszurutschen und so wenige Minuten später die ersten Abseilstellen zu erreichen. Ueber diese kommt man ruckzuck auf die brüchige und schuttige Einstiegsrippe, welche später dann wieder in den Taminsergletscher mündet. Auch hier auf diesem letzten Gratstück gilt es nochmals höchste Konzentration zu wahren – ein Ausrutschen hätte fatale Folgen.

Den Taminsergletscher stiegen wir wiederum auf der linken Seite (in Abstiegsrichtung gesehen) ohne Steigeisen ab – mit dem Pickel in der Hand kein Problem. Der anschliessende lange Fussmarsch zurück zur Hütte bzw. zu unserem Biwakplatz kam uns ewig vor, dafür aber schmeckte das kühle Getränk in der Hütte umso besser. Im Gegensatz zu den meisten anderen durften wir uns jetzt wenigstens auf eine rassige Bike-Abfahrt freuen, wäre da nur nicht die Biwak-Grosspackung am Rücken. Holprig und zügig erreichten wir so innert kürzester Zeit den Parkplatz, von wo es dann per PW wieder zurück nach Bad Ragaz bzw. nach Hause ging.


Fazit: eine schuttige, aber auf alle Fälle lohnenswerte Tour, bei welchem Kraxeleien, Klettereien und satte Tiefblicke nicht zu kurz kommen. Kombiniert mit Bike und / oder Biwak wird diese Tour garantiert zu einem unvergesslichen Erlebnis.


Material (für die aktuellen Bedingungen via Mittelrippe, Stand 30. August 2009):
 

  • Steigeisen: nicht notwendig (Aufstieg über die rechte Seite des Taminsergletschers). Falls man diese dennoch dabei hat, so können diese zu Beginn der Mittelrippe deponiert werden.
  • Pickel: falls Stöcke vorhanden, nicht notwending, ansonsten für den Taminsergletscher evtl. von Vorteil. Kann wie die Steigeisen zu Beginn der Mittelrippe deponiert werden.
  • Eisschrauben, Spaltenrettungsmaterial: nicht notwending
  • Seil: 30 – 40m Einfachseil
  • 2 Express
  • 1-2 Schlingen (geht auch ohne)
  • Abseilgerät
  • Helm (obligatorisch!)


Bike:

Dieses lässt man mit Vorteil bei der Grossalp stehen – der Weg hinauf zur Ringelspitzhütte und später dann auch wieder hinunter ist zwar befahrbar, jedoch mit vollem Rucksack äussert unangenehm. Ab Grossalp geht’s dann jedoch problemlos


Biwak:

Unterhalb der Hütte, zu Beginn des Tales, welches nach Sandböden führt, hat es genügend schöne Plätze. Es hat sogar einen Brunnen mit laufendem Wasser, wobei das Wasser wahrsch. mit Vorsicht zu geniessen ist, da weiter vorne im Tal zahlreiche Kühe ihren Frieden geniessen. Auch direkt bei der Hütte oben hat es nochmals fliessendes Wasser – die Beschriftung “Bachwasser” lässt auch hier viel Intepretations-Spielraum zu.


Dauer Parkplatz Vättis – Grossalp per Bike: mit Grosspackung ca. 2h
Dauer Grossalp – Ringelspitzhütte: ca. 15 Minuten
Dauer Aufstieg: knappe 6h (infolge grosszüger Seilsicherung und Probleme bei der Wegfindung, 4-5h wären auch machbar)
Dauer Abstieg: knappe 3h


Merci Michi für Deine Begleitung und den super Tag! Gerne wieder!

Tourenbericht von bergstiger

 


Tourengänger: Bombo, Bergstiger

Galerie


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