Zinalrothorn 4221m


Publiziert von Bombo , 22. August 2009 um 17:25.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:19 August 2009
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2600 m
Abstieg: 2600 m
Strecke:Zermatt - Rothornhütte SAC (Übernachtung) - Normalroute via SE-Grat - Zinalrothorn - gleicher Weg zurück - Zermatt
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit ÖV bis Zermatt, anschliessend auf Wanderweg vorbei am Berggasthaus Hotel du Trift bis zur Rothornhütte SAC
Unterkunftmöglichkeiten:Rothornhütte SAC, Berggasthaus Hotel du Trift, Biwakplatz wenig unterhalb der Rothornhütte (mit Steinmauern schön geschützt)
Kartennummer:LK 1:25'000, Bl 1327 "Evolène" und Bl 1348 "Zermatt"

Walliser Sommer-Touren-Woche 2009


Einleitung: Als Ziele für unsere diesjährige Sommer-Touren-Woche haben wir uns den Alphubel 4206m, das Täschhorn 4491m sowie das Zinalrothorn 4221m ausgesucht. Start in Saas-Fee und via Alphubel "Eisnase" zum Mischabel-Biwak. Hoch zum Täschhorn und Abstieg nach Täschalp bzw. Randa. Später dann auf's Zinalrothorn und Abstieg nach Zermatt.

Nachdem wir nun bereits den Alphubel 4206m und das Täschhorn 4491m in den Beinen haben, folgt noch das Schlussbouquet auf das Zinalrothorn 4221m. So konnten wir an unserem 3. Tourentag gemütlich im Hotel Dom in Randa ausschlafen, in Zermatt die Kodak- & Nikonianer beobachten und dann gemütlich den Hüttenzustieg zur Rothornhütte SAC unter die Füsse nehmen. Diese sehr schöne und farbenprächtige Wanderung führt zuerst am Aussichtsrestaurant Alterhaupt 1961m und später dann am legendären Berggasthaus Hotel du Trift 2337m vorbei. Bei beiden Sonnenterrassen könnte man stundenlang verweilen und auch wir fragen uns, warum wir hier nicht einfach sitzen bleiben und stundenlang die Krüge schwenken. Doch eines gleich vorweg - auch auf der hoch oben gelegenen Rothornhütte SAC gibt es eine schöne Sonnenterrasse - also nicht wie weiter und hüüü!

Die Hütte, welche kulinarisch bestens zu empfehlen ist (dafür kann einem aber der grosse Schlafraum im Erdgeschoss die letzte Stunde Schlaf rauben...), erreicht man ebenfalls über einen gut ausgetretenen Pfad - anfänglich noch über Wiesen, später dann über die Moräne und unterhalb der Hütte über einfache Felstritte und -stufen. Blumenkistli und Liegestühle auf der Sonnenterrasse verraten, dass es hier bestimmt gemütlich zu und her geht - dies kann ich absolut bestätigen. Wie schon die Tage zuvor geniessen wir das wolkenlose Wetter und beobachten die vom Obergabelhorn 4063m und Zinalrothorn 4221m zurückkehrenden Alpinisten, welche allesamt einen Eindruck der Erschöpfung, jedoch aber auch der absoluten Zufriedenheit hinterlassen. Morgen dürfen auch wir dieses Gefühl spüren.

Tagwache um 04.00, Frühstück und Abmarsch um 04.30. Die ersten Meter unterhalb des Eseltschuggen sind mit Steinmänner markiert und schon bald geht es mit Steigeisen über den Rothorngletscher hoch zum "Wasserloch", ein Kamin, welches man seilfrei erklettern (II) kann. Den Spuren und der Logik entsprechend nach weiter bis man den "Frühstücksplatz"  auf ca. 3600m betritt. Weiter geht's über Geröll und Platten bis zu einem ersten Schneefeld, welches man wieder mit Steigeisen nach links hinauf quert. Es folgt gleich ein weiteres Schneefeld, welches einem auf den SE-Grat des Zinalrothorn führt. Der Grat erinnert ein wenig an den Mönchs-Grat, muss man doch auch über eine kurze Distanz im Gänseschritt darüber balancieren. Ausgesetzt, aber nicht besonders schwierig.

Wo der Schneegrat zu Ende geht, beginnt der Felsaufstieg. Wie auch andere deponieren wir hier die Steigeisen, die Pickel nehmen wir jedoch für den Fall der Fälle mit. Im Nachhinein hätten wir auch diese deponieren können, hat es doch überall Felstritte und -griffe, welche einem das Vorwärtskommen ziemlich erleichtern. Wäre die Nacht jedoch sehr kalt gewesen und hätte es evtl. sogar noch geregnet oder geschneit, so würde ich sicherlich die Steigeisen mitnehmen, denn gerade an den Binerplatten, wenn auch durch BH abgesichert, kann es schnell einmal rutschig werden.

Vom Beginn der Felsen geht's in angenehmer Kletterei (II)  richtung Einstieg des Couloirs. Dieses ist für Steinschlag berüchtigt, spätestens hier also Helm auf (und nicht die Augen zu...). Wichtig ist, dass man nicht direkt hoch durch's Couloir steigt, sondern zuerst noch weiter nach links quert und dann im linken Teil hochsteigt. Bohrhaken und genügend Fels-Sicherungsmöglichkeiten vereinfachen den Aufstieg (III-). Oben angelangt steht man vor einen flachen, abschüssigen und mit Schutt bedeckter Platte. Sicherungsmöglichkeiten gibt es keine, also wohin des Weges... Einige Seilschaften wählen tatsächlich den direkten Weg über diese Platte - ein Sturz des Vorsteigers hätte einen Pendler zur Folge, was wiederum die nachsteigenden und sichernden Personen in Gefahr bringen könnte. Wir wählten deshalb den kurzen Abstieg nach rechts, denn dort befindet sich ein Bohrhaken (Abseilstelle). Von diesem kann der Vorsteiger gut den Sattel bzw. die "Gabel" kletternd (II+) erreichen. Auch hier hat es einen BH.

Spätestens ab diesem Punkt wird es bei mehreren Seilschaften eng am Berg. Die schnellsten kommen einem hier bereits wieder entgegen, langsamere Seilschaften blockieren das Weiterkommen, Steine fallen herunter - Geduld ist gefragt. Wir stehen nun vor den berühmt berüchtigten Biner-Platten, welche scheinbar so gut abgesichert seien. Zugegeben, es sind einige Bohrhaken und vorallem Eisenstifte vorhanden, doch bis der erste Haken erreicht ist, muss der Vorsteiger eine mutige Querung nach links vornehmen - nicht ganz einfach, wenn die Platten, welche praktisch ganztags im Schatten sind, noch vereist sind. Bei uns ging's dank joerg's Vorstiegstechnik sehr gut auf und schon bald standen auch wir auf dem SE-Grat, welcher mit dem nächsten berühmten Hinderniss aufwartet - der sogenannten "Kanzel". Dieser Turm muss sehr exponiert  rechts umgangen werden -  doch keine Sorge, links und auch rechts davon hat es genügend gute Griffe, sodass hier der Puls trotz viel Luft unter den Füssen in geordneten Bahnen schlägt.

Zwei weitere kleine Türme werden einfach überklettert und so steht man nach einer einfachen letzten Kletterpassage auf dem berühmten Gipfel des Zinalrothorn 4221m. Traumhaft dieses Gefühl hier oben (erneut bei schönstem Wetter) zu stehen, denn diese Tour ist wahrhaftig eine Genusskombination zwischen ansprechender Felskletterei, scharfer Gratbalance und abschüssigen Bänderquerungen. Wer hier oben steht, gilt als ein Aspirant für das Matterhorn - neue Ziele sind gesetzt :-). Zeitlich ging bei uns die Rechung überhaupt nicht auf: Gemäss Führerliteratur benötigt man 4h. Diese Zeit, das können wohl einige bestätigen, ist nur für sehr schnelle Zweier-Seilschaften zu bewältigen, welche dank ihrem Vorsprung auch keinen bis sehr wenig Gegenverkehr haben. Wir brauchten 6h - alleine die entgegenkommenden und übersteigenden Alpinisten kosteten uns sicherlich 1h an Wartezeit.

Für den Abstieg benötigten wir weitere 5h, dies obwohl an manchen Orten abgeseilt werden kann. Doch gerade als Dreier-Seilschaft geht's nicht einfach ruckzuck und entsprechend braucht's auch hier Geduld. Grundsätzlich kann man aber vom obersten Eisenstift bei den Binerplatten hinunter in die "Gabel" und von dort dann in weiteren Etappen durch das steinschlägrige (im Aufstieg das rechte) Couloir abseilen. Dann noch die Querung zum Steigeisen- und Pickeldepot und zurück via stark aufgeweichtem Schneegrat auf gleicher Route zur Rothornhütte. Hier der Siegestrunk und dann zügig (sehr zügig...) in 1,5h zum Aussichtsrestaurant Alterhaupt, wo der zweite Siegestrunk wartet. In einer knappen halbe Stunde dann noch zurück nach Zermatt, wo unsere Tourenwoche unfallfrei, wolkenlos und in jeglicher Hinsicht absolut erfolgreich ein Ende nimmt. Zwar spielen wir noch mit dem Gedanken der Breithorn-Überschreitung, doch wollen wir auch für die Zukunft noch einige Ziele bereit halten...

Fazit: Die Tour auf's Zinalrothorn darf zu Recht als die "Referenztour für das Matterhorn" genannt werden. Wer sich hier wohl fühlt, der ist auch bereit für weitere Abenteuer. Seilhandhabung, Trittsicherheit und hin und wieder ein bisschen Mut sind jedoch Pflicht, andernfalls dieses Abenteuer schnell einmal zu einer Zeitfalle und folglich dann zu einem Abbruch der Tour führt.

Besten Dank an meine beiden Mitgänger - an joerg, welcher die ganze Woche über erfolgreich und überlegt den Vorstieg übernommen hat und an schlumpf, welcher als Seilschafts-Dritter dafür gesorgt hatte, dass im luftigen, "blinden" Bereich meine Füsse auch mal einen Tritt gefunden haben.


Rückblick auf den Alphubel 4206m
Rückblick auf das Täschhorn 4491m


Tourenbericht von schlumpf
Tourenbericht von joerg





Tourengänger: Schlumpf, joerg, Bombo

Galerie


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ZS III
20 Aug 09
Zinalrothorn 4221m · Schlumpf
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20 Aug 09
Zinalrothorn 4221m · joerg

Kommentare (9)


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Fenek hat gesagt: 1A !!
Gesendet am 22. August 2009 um 18:07
Lieber Dominik und Roger
ich gratuliere euch beiden und natürlich auch joerg herzlich zu eurer phantastischen Woche im Wallis. Grossartig!! Das sind Bergsteigerträume!
Besonders eure Tour zum Täschhorn "heimelet" mir natürlich.

schön, dass ihr alle wieder gut zurückgekehrt seid.

bis bald....
Fenek

Bombo hat gesagt: RE:1A !!
Gesendet am 22. August 2009 um 18:11
Danke Dir, Fenek. Hab ein paar Mal an Dich gedacht, wo wir beim Biwak waren - dank Deinen Fotos hatte ich immerhin schon mal einen guten Vorgeschmack :-)

A bientôt,
Dominik


Maesi hat gesagt: Fantastisch
Gesendet am 22. August 2009 um 20:36
Hoi Dominik, Wahnsinn, was iähr do alles vollbrocht hend! Gratuliere üch au ganz viel mol zo dene erfolgrich bestegne Traumgipfle!

Liebe Gruäss
Mäsi

Bombo hat gesagt: RE:Fantastisch
Gesendet am 22. August 2009 um 22:52
Merci Mäsi - mir händ au grossi Freud gha, wo mir rückblickend uf diä 4 Täg glueged händ. Natürli freue mer üs au hüt na drüber :-)

Bis bald, cu

Dominik

mde hat gesagt: Gratulation!
Gesendet am 24. August 2009 um 10:45
Salut Bombo,

Herzliche Gratulation zu Euren Touren und besten Dank für die Berichte. Ihr habt ja wirklich eine Traumwoche erwischt.

Noch eine kleine Anmerkung zu Deinem Bericht: wenn ich lese "mässige Kletterei (II+)", so bezieht sich das "mässig" in dieser Schreibweise für mich im Prinzip auf die Qualität der Kletterei, d.h. nicht sonderlich schöne Kletterei.

Ich glaube, Du meinst in Deinem Text aber wahrscheinlich eher "mässig schwierige Kletterei (II+)". Da man sich unter II+ mehr vorstellen kann wie unter "mässig schwierige Kletterei" (das hängt immer vom Kletterer ab...), kann man die Wortbeschreibung getrost weglassen, finde ich.

Oder, was ich noch besser fände: dann etwas dazuschreiben, wenn das II+ anders war, als die Zahl suggeriert. Zum Beispiel II+ luftig, heikel, steil, wunderschön, schlecht abzusichern, anhaltend, ...

Bombo hat gesagt: RE:Gratulation!
Gesendet am 24. August 2009 um 13:10
Salü mde

Danke Dir für diesen Hinweis - wenn man so am schreiben ist, dann merkt man meist gar nicht, dass jemand anders dies evtl. anders auffassen könnte. Wie Du schreibst, ich meinte wirklich eher mässig schwierige Kletterei und natürlich nicht die Qualität - denn diese ist am Rothorn einfach nur grandios. Werde Dein Input gerne im Bericht umsetzen bzw. abändern.

Gruess
Bombo

Bombo hat gesagt: RE:Gratulation!
Gesendet am 24. August 2009 um 13:15
Ist erledigt. Gruss Bombo

bulbiferum Pro hat gesagt:
Gesendet am 24. August 2009 um 13:24
Salü Bombo
Dieses Panorama als Ergänzung zu deiner Tour.

Viele Grüsse, Markus

Bombo hat gesagt: RE:
Gesendet am 24. August 2009 um 16:00
Danke Dir, Markus - ein sehr schönes Bild!

Gruss


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