Gesamtüberschreitung Simelihorn (2751 m.ü.M.) - Reeti (2757 m.ü.M.)


Publiziert von Felix Pro , 20. August 2009 um 17:28. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Bern » Jungfraugebiet
Tour Datum:19 August 2009
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 850 m
Abstieg: 1450 m
Strecke:Bergstation First - Bachsee - Reetihitta - Esel - Simelihorn - Reeti - Spitzen - Uf Spitzen - Restaurant Waldspitz - Bort
Zufahrt zum Ausgangspunkt:mit ÖV oder PW nach Grindelwald, Gondelbahn nach First
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Gondelbahn ab Bort nach Grindelwald
Kartennummer:1229

Viermal mindestens hat Ursula diese wundervolle Überschreitung bereits gemacht - nun beabsichtigte sie, die tollen Kraxelgenüsse und das imposante Panorama auch mir näherzubringen. Einmal mehr, dies gleich zu Beginn meines Berichtes, ist ihr dies in optimaler Art und Weise gelungen! (Von ein paar Momenten des Herzklopfens und Knieschlotterns mal abgesehen - doch davon später) Eine wirklich atemberaubende, herrliche Alternative zum viel begangenen Weg zum Faulhorn, Aendu hat das eben kürzlich auch so gesehen ...
Mit den ersten Bähnchen in Grindelwald gestartet (es warteten bereits Dutzende von Tourengängern auf die späte Erstabfahrt gegen 8.30 Uhr), begegneten wir bald einmal den ersten Wanderern, welche im Hotel auf dem Faulhorn übernachtet hatten und gegen First marschierten. Der weltbekannte, auf unzähligen Kalendern verewigte Bachsee mit den Viertausendern im Hintergrund war für uns Grund genug, einen ersten Marschhalt einzulegen: der etwas eintönige Aufstieg zur Reetihütte lag noch vor uns - "dann wird's spannend", meinte Ursula mehrdeutig ...

Und das wurde es in allen Belangen: der Aufstieg zum Esel, dort begann logischerweise unsere Überschreitung, gefiel mir über alle Massen - wirklich schöne, niemals absturzgefährdete Passagen, mehrheitlich das vielgerühmte "Gehgelände", gelegentlich etwas rutschig. Dieser Aspekt galt es letztlich bis zum Gipfel des Simelihorn ernsthaft zu beachten; die gesamte Kette ist ein grandioser Schutthaufen. Stets gilt es zu prüfen, ob auch scheinbar fest verankerte Steine und Felsen wirklich dem Körpergewicht gewachsen sind, also für Klettergriffe tauglich sind!
Also ein erster genussvoller Aufstieg zum Esel - mit einem schönen ersten Rastplatz, grasig und flach. Doch ab hier gilt's ernst: bereits bei der Traverse zum Aufschwung zum Simelihorn gilt es wiederum auf dem abschüssigen Schieferschutt konzentriert zu Werk zu gehen.

Und dann folgt der über ca. 120 Höhenmeter folgende recht steile Aufstieg zum Simelihorn. Er ist, wie mehrmals betont wurde, gut gestuft, bei näherem Hinsehen gar nicht so steil. Leichte Kletterstellen wechseln ab mit kurzen Traversen im erwähnten schiefrigen Schutt. Doch es geht zünftig aufwärts - der erste "Bammel" ob des aus der Distanz unheimlich steil wirkenden Grates weicht erst mal der Freude.
Überraschend angenehm gelangen wir bis knapp unterhalb des Gipfels - doch da ereilte mich das bös Vorausgeahnte: hatte das stets am Grat aufstrebende Gehen bis da gut funktioniert, musste hier für zwei Meter ein luftiges Stück traversiert werden. Zur Linken ein meterhohes Felschen, dahinter steilste Runsen, zur Rechten ein abschüssiges Schuttbändchen, knapp 40 cm breit, darunter viel, sehr viel Luft ... Nichts für meine Nerven - Schwindelfreiheit, totale, wäre hier angesagt. Doch wie gewohnt führt mich Ursula gekonnt auch über diese Schlüsselstelle. Auf den nachfolgenden letzten Metern wird mein Nervenkostüm nochmals strapaziert, doch das "Ärgste" ist geschafft, die Freude ob der Erreichung des Simelihorns immens. So geniessen wir beide den Erfolg aufs Intensivste - wartet doch jetzt "nur" noch der Abstieg und der Gegenaufstieg zum Reeti; er sieht gut gestuft aus und wirkt weniger schuttig.

Und in der Tat: die grösseren, schräg liegenden Platten mit Wegspuren im Abstieg und der nachfolgende Aufstieg - Genuss pur, schönste einfache Kletterei; auch die vermeintliche Stelle im zweiten Grad erweist sich als "Schmankerl" - schöner geht's nicht. So angetan sind wir von der wunderbaren Kletterei, dass wir bis zum Gipfel des Reeti keine Möglichkeit auslassen, noch zusätzlich kleine Felsgrätchen "mitzunehmen" - Freude am Band.

Im Abstieg zu Spitzen erkennt man gut die Fortsetzung der Bergkette - wir sind beide spontan und übereinstimmend der Ansicht, die Gratwanderung bis zu Uf Spitzen fortzusetzen. Dabei gilt es - wir freuen uns daran sehr - immer wieder Kraxeleien einzubauen. Und schliesslich gelangen wir, meist im T4+|I-Bereich, zum abschliessenden Uf Spitzen: Herrlich die Aussicht auf die nun immer näherliegenden Wetter-, Schreck- und anderen Hörner!

Nun folgt, da wir an diesem Tag wirklich nichts auslassen wollen, eine Variante, welche uns im Grasgelände doch noch einige Mühe bereitet: den direkten Abstieg zum Restaurant Waldspitz wählend, geraten wir über immer steiler werdenden Grashänge in die letztlich von Felsbändern durchsetzte Grasmulde oberhalb unseres Tagesziels. So bringen wir mit grosser Vorsicht die nicht ungefährlichen Steilwiesen hinter uns und meistern mit der sogenannten 5-Punkte-Technik (der Hosenboden bietet zusätzlichen Halt) auch den letzten schwierigen "Abrutsch" entlang einer Felsrippe. Mit einem Bier im Waldspitz auf das Glücksgefühl anstossend - Hunderte von tollen Fotos widerspiegeln einen Traumtag im Berner Oberland. Diese Alternative, so wenig beschrieben, ist ein absolutes Highlight!

Herzlichen Dank an Ursula - wie immer für tolle Bergtipps gut ...

Tourengänger: Ursula, Felix

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