Abstecher in den Nationalpark


Publiziert von AlpinHero , 3. August 2009 um 12:06.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Unterengadin
Tour Datum: 1 August 2009
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 2 Tage 10:30
Aufstieg: 1000 m
Abstieg: 1200 m
Strecke:Zernez - Cha. Cluozza - Fuorcla val Sassa - Val Trupchun - S-Chanf
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Ausganspunkt: Zernez
Unterkunftmöglichkeiten:Hotel Bär-Post in Zernez => Die Küche hat in den letzten Jahren immer wieder zugelegt und ist mittlerweile wirklich ausgezeichnet; dafür schwankt der Service noch...
Kartennummer:1238 Piz Quattervals

Route:
1. Tag: Zernez - Bellavista - Chamanna Cluozza (Aufstieg 600Hm, Abstieg 250Hm; ca. 21/2h)
2. Tag: Cha. Cluozza - Val Cluozza - Val Sassa - Fuorcla Val Sassa - Val Müschauns - Val Trupchun - S-Chanf (Aufstieg 1'000Hm, Abstieg 1'200Hm, 8h reine Marschzeit)

Einer spontanen Idee folgend, beschliessen meine Frau und ich das Wochenende im Nationalpark zu verbringen. Wir düsen am Freitagmittag nach Zernez und marschieren am Nachmittag ins malerische Val Cluozza.
Wie immer wenn ich von Zernez zur Cluozza Hütte wandere, ist es schweineschwül - damit uns nicht zu heiss wird laufen wir die letzte halbe Stunde deshalb durch den Regen zur romantischen Hütte.

Für Kathrin ist es die erste Übernachtung in einer Hütte - obwohl wir das letzte Zimmerchen erwischt haben und die Hütte als sehr komfortabel bezeichnet werden darf; ist ein kleiner Kulturschock unausweichlich. :-)
Unter Zuhilfenahme von drei Flaschen Chianti - sowie dank des ausgezeichneten Abendessens, fällt die Angewöhnung ans typische Hüttenpublikum und an die sanitären Anlagen einiges leichter.

Am nächsten Morgen ist meine Frau bereits um 6 Uhr auf den Beinen und schmeisst mich voller Tatendrang auch aus dem Bett. So sind wir schon kurz nach 7 Uhr abmarschbereit und nehmen den Weg nach S-Chanf unter die Füsse.
Der Weiterweg durch das Val Cluozza erinnert immer wieder an die kanadischen Rocky's; das in der Schweiz weniger Bären unterwegs sind, macht das Wandern umso entspannter.
Bei Pt. 1'939 biegen wir ins Val Sassa ab und lassen die Vegetation hinter uns. Über jede Menge Geröll führt ein Pfad das Tal hoch, wo wir neugierig von einer Steingeiss beäugt werden.
Wenn mich nicht alles täuscht, queren wir einen kleinen Blockgletscher (wo sind die Glaziologen wenn man sie braucht?) und gelangen langsam höher. Als wir nach Pt 2'540 den Kulminationspunkt des Tages zu Gesicht kriegen ist auch die kleine Krise von Kathrin überwunden und wir steigen zügig höher bis unter den Schlusshang welcher hoch zu Pass führt.
Die letzten 40Hm haben es in sich.....von bröselig über schuttig bis hin zu erdig und sandig ist alles dabei; in meinem Bestreben möglichst den wenigen Felsen im Hang zu folgen, verpassen wir den Pfad auf den letzten Höhenmetern und wühlen uns in der Fallline den Hang hoch (so kommt Kathrin gleich auch noch in den Genuss einer T5-Variante).
Oben angelangt ist dafür die Erleichterung gross und wir geniessen das Panorama welches sich uns trotz einigen Wolken bietet. Der kleine See unterhalb des Übergangs auf 2'738 ist noch beinahe komplett zugefroren - und sonst hat es für die Jahreszeit noch sehr viele Schneefelder (leider nicht auf der Abstiegsroute).
Nach einer kurzen Rast machen wir uns an den Abstieg welcher auf den obersten 50Hm ebenfalls nicht besonders angenehm ist (feiner & harter Schutt). Die Mittagsrest etwas unterhalb bringt ein wenig Sonne, sowie einzelne Tierbeobachtungen.
Anschliessend über einen keck angelegten Pfad hinunter in den Talgrund. Obwohl der Weg von Pt. 2'601 hinunter geschickt die Schwachstellen in der Flanke nutzt, erachte ich diesen Teil für den normalen Wanderer als objektiv gefährlichsten Abschnitt; droht doch aus der Flanke darüber erheblicher Steinschlag (hier wäre ev. eine andere Wegführung angebracht?).
Als wir wieder Almwiesen und Lärchen durchqueren, geniessen wir die satten Grüntöne der Natur; nachdem wir seit einigen Stunden vorwiegend verschwiedene Schattierungen von grau durchschritten haben.

Am Ausgang des Val Müschauns treffen wir bei Pt 1'869 auf den normalen Wanderweg der aus dem Val Trupchun herausführt und lassen uns von diesem zur Parkhütte Varusch leiten wo wir das junge Paar aus Wetzikon wieder treffen, welches als einzige neben uns die heutige Etappe absolviert haben (in der Gegenrichtung waren auch nicht mehr Leute unterwegs).
Dank dem ausgezeichneten Pinot Grigio nehmen wir dann auch noch das Dessert des heutigen Tages in Angriff - den Marsch hinaus nach S-Chanf. Da ich Natur- und Asphaltstrassen ziemlich nervtötend finde; legen wir diesen Abschnitt in 45min zurück und schaffen es daher grad noch auf den 17.01 Zug, welcher uns wieder retour nach Zernez bringt.

Fazit:
Rauhe aber herrliche Tag in einem eher einsamen Teil des Nationalparks.
Für die letzten 50Hm auf beiden Seiten der Fuorcla Val Sassa ist ein Pickel hilfreich.
Der Pimpfenfaktor auf dieser Route ist eher gering.
Starke Leistung von Kathrin auf der doch eher rauhen Wanderung.

Für einmal eher schwache Leistung im Bär-Post in Zernez
=> Emmi Portionenbutter zum Zmorge, sowie der Versuch uns für einen Aufpreis von Fr. 2.- ein drei-Minuten-Ei zum Zmorge anzudrehen.

Bilder folgen........


Tourengänger: AlpinHero, Wichtel


Kommentar hinzufügen»