In der Flanke des Camoscellahorns


Publiziert von Zaza , 25. Juli 2009 um 20:20.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:25 Juli 2009
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS   I 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1950 m
Abstieg: 1950 m

Pizzo Pioltone nennen die Italiener den Gipfel, und aus dem Bel Paese kommen denn auch praktisch alle Besucher. Das ist verständlich, denn vom Parkplatz in San Bernardo aus sind nur noch rund 1000 hm zu überwinden. Auch aus der Schweiz können aber Autofahrer den Aufstieg deutlich verkürzen, sei es ab Zwischbergen oder gar ab Waira.

Wie auch immer, die Normalroute ist eine monotone Sache, aber wegen der trefflichen Aussicht dennoch lohnend. Interessant ist hingegen die Schweizer Flanke, in der einst Gold gesucht und (wenn auch wenig) auch gefunden wurde. Etwas höher als die Stollen finden sich Überreste von kleinen Älpchen, die wohl vor x Jahrzehnten aufgegeben wurden. Besonders interessant ist das Wegnetz, das die ältesten Ausgaben der LK 1:50'000 (40er/50er Jahre) darstellen.

Die Tour beginnt in Gondo. Auf dem Stockalperweg oder via Biel erreicht man Rosi. Direkt hinter den Hütten tritt man in den Wald ein und ersteigt den steilen Hang auf schwachen Spuren. Man kommt an einer Ruine vorbei und dann zu einer Masse von Bäumen, welche die Lawinen des letzten Winters umgerissen haben. Der Weg wird bald deutlicher, es hat nun auch hilfreiche Markierungen (gelb oder blau). Bis auf etwa 1400 m ist es meist ein Saumweg, der zu den Hütten von P. 1490 führte (von hier gab es einst eine Minen-Seilbahn nach Stalde-Hof). Nun wird der Weg deutlich schlechter, er führt auch über einige luftige Stellen hinweg aufwärts bis zur Ruine von Alpji. Dieser Ort konnte einst auch von Camuzzetta her erreicht werden, das Gelände ist aber heute massiv von Erlen überwuchert.

Der SAC-Führer von Maurice Brandt nennt nun einen Aufstieg direkt von Alpji aufs Camoscellahorn. Dies scheint wenig einladend, weil man oben durch ein arg steiles, steinschlägiges Couloir aussteigt. Besser und interessanter ist womöglich die folgende Route.

Man überquert den Rosigraben auf etwa 1900 m und steigt dann deutlich ab Richtung Camuschelli. Man stösst bald auf Schnittspuren an den Erlen, ohne die die Querung kaum machbar wäre. Eine folgende Rinne wird auf etwa 1770 m überquert (der Einstieg ist etwas heikel), danach steigt das Weglein allmählich nach Unners (Ruinen) und Obers (geschlossene Jägerhütte) Camuschelli an. Hier ist zunächst kein Weiterweg sichtbar, man kann aber (etwas mühsam) über Cagranda bis zum Passo di Monscera queren. Man kann aber auch direkt von hier steil zum Camoscellahorn steigen. Dazu hält man zunächst etwas links, wo das Gelände offen ist. Weiter oben geht man etwas rechts zurück, um über offene Grashänge und einen kurzen Felsriegel in der Nähe von P. 2505 auf den Grat zu steigen. Von hier ist der Gipfel in Kürze erreicht.

Im Abstieg bin ich dem Grat gefolgt bis Cagranda, dann links runter zum Normalweg des Passo di Monscera. Es scheint auch möglich zu sein, über Liechtholzegga alles auf dem Gratrücken bis zum Staubecken von Zwischbergen abzusteigen (auf alten Karten Pfad). Dies dürfte jedoch eher im Aufstieg ratsam sein. Dann von Zwischbergen auf dem Wanderweg oder der Strasse entlang (Autostop möglich, aber wenig Verkehr) retour nach Gondo.

Fazit: Für Alpin-Archäologen wäre eine Höhenquerung des Zwischbergentals machbar. Dies z.B. in Verlängerung der Alta Via Valdivedro. Sehr mühsam wäre zweifellos der Abschnitt Camuzzetta - Alpji. Dafür könnte man danach im Rifugio Gattascosa angenehm speisen und schlafen, um anderntags via Pontimia zum Zwischbergenpass zu traversieren.

Verhältnisse:
Sehr schönes Wetter, zeitweise heftiger Nordwind. Noch viel Altschnee in den steilen Gräben des Zwischbergentals.

Tourengänger: Zaza

Galerie


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