RIMPFISCHHORN 4199m


Publiziert von Wolfenstein Pro , 17. Juli 2009 um 23:47.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:14 Juli 2009
Hochtouren Schwierigkeit: WS+
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 12:00
Aufstieg: 1640 m
Abstieg: 1640 m
Strecke:Flue - Breitboden - Pfulwesattel - Pfulwe - Längfluejoch - Pt. 4001 - Rimpfischhorn
Zufahrt zum Ausgangspunkt:von cff logo Täsch mit dem Shuttle nach Zermatt, dort weiter mit den Bahnen zur Station Blauherd und zu Fuß zur Flue
Zufahrt zum Ankunftspunkt:dito
Unterkunftmöglichkeiten:Bergrestaurant Fluhalp, 2er-, 3er- und 4er-Zimmer sowie Lager - Telefon: 027 9672597

   
 

Tourenbericht

(Aufstieg, Routen, Abstieg, weitere Infos)


Nach der gestrigen spontanen Mini-Akklitour auf das Oberrothorn (3414m) sollte es heute den ersten (und im Nachhinein leider einzigen) 4000er des Jahres geben. Wegen einer Geburtstagsgesellschaft war die Nacht im Lager nur wenig erholsam. Vielleicht deshalb haben wir etwas zu gemütlich gefrühstückt und sind so erst gegen 4 Uhr am Bergrestaurant Fluhalp (2628m) mit Stirnlampen bewaffnet losgelaufen. (Eines vorweg: Leider habe ich kaum eigene Fotos von der Tour machen können. Die Kamera hatte ich der Bewegungsfreiheit wegen vom Gürtel in die Jackeninnentasche verbannt. Dort war es jedoch zu feucht, worauf sie im Rucksack verschwand. Während den Klettereien war es dann kaum mehr möglich, diesen nur zum Fotografieren auszuziehen.)

Zügigen Schrittes wanderten wir im Dunkeln fast ohne Steigung dem Bergbächlein folgend durch Zerlauenen via Pte. 2607 und 2619 bis zur Weggabelung bei Pt. 2683. Geradeaus geht es Richtung Adlergletscher, was eine Alternativroute zum Normalweg von der Britanniahütte aufs  Strahlhorn (4190m) darstellt. Wir biegen links ab und durchqueren stetig ansteigend den Breitboden auf deutlichen Pfadspuren bis Pt. 2914. Kurz darauf verliert sich die Spur im Fels; es gibt jedoch eine Markierung über die Blockfelder in Form von weißen Punkten und Strichen. Durch die nun immer häufiger auftretenden Schneefelder folgen wir in der einsetzenden Dämmerung den Fußabtritten unserer Vorgänger. Von diesen haben wir 9 Personen bereits am Pfulwensattel (3155m) eingeholt.

Pfulwensattel, im Hintergrund Spitzi Flue.

Deren weitere 4 passieren wir wenig später auf der  Pfulwe (3314m). Die Abstiegstroute über den Ostgrat ist fast durchgehend seilgesichert; ohne diese Hilfe wäre hier ein Abklettern im III. Grad angesagt. Die Pfulwe wird deshalb oft nördlich über den Längfluegletscher umgangen, der jedoch in diesem Bereich Spalten aufweisen kann. Am Längfluejoch (3265m) treffen sich die Wege wieder. Bis hierhin benötigten wir circa anderthalb Stunden. Von hier führt der Weg via Pt. 3402 über zunehmend verschneites Felsterrain, bis man sich bei Pt. 3465 auf den mächtigen Schneerücken des oberen, spaltenfreinen Gletscherteils begibt. Dieser zieht sich lange monoton aufwärts und endet schließlich auf ca. 3780m am Bergrücken unterhalb des Westgipfels.
 


Felsgrat unterhalb des Westgipfels.



Wie auf dem Bild illustriert, bieten sich hier 3 Möglichkeiten fürs Weiterkommen. Wir entscheiden uns für die schnellste Variante direkt über den Grat (rote Route); wobei wir schon bei den ersten Felsen unten auf den Grat schwenkten. Die Schwierigkeiten bewegen sich moderat um den II. Grad, lediglich im unteren Bereich wird eine Stelle mit III(-) ausgewiesen. Es sind immer wieder leichte Pfadspuren bzw. Steigeisenkratzer zu sehen, woran man sich orientieren kann. Da der Grat nur schwach ausgeprägt ist, hält sich die Ausgesetztheit in engen Grenzen. Hat man diesen Felsaufschwung hinter sich gelassen, sind es nur noch wenige Meter über Firn bis zum Pt. 4001, dem Westgipfel des Rimpfischhorns direkt unterhalb seiner mächtigen Westwand.
 


Gipfelaufbau mit Haupt- und Vorgipfel vom Westgipfel aus.


Wir deponieren unsere Stöcke, montieren die Steigeisen und streifen das Klettergerödel über. Konnte bisher von klarem Himmel profitiert werden, zogen von nun an leider immer mehr Wolken- und Nebelfelder auf. Die Route durch den Gipfelaufbau geht gleich zu Beginn recht knackig los mit einem 50-60° steilen Firnfeld rechts des Westgrates. Der Schnee ist für diese Höhe bereits verhältnismäßig weich, was uns besonders vorsichtig agieren lässt. Nach einigen Duzend Metern quert man nach links in den Fels und durchsteigt hier einen weiteren Felsaufbau der schließlich in einer Scharte auf den Grat führt. Auch hier bewegt sich alles im I. bis II. Grad. Den Grat lassen wir rechts liegen und steigen erneut durch ein sehr steiles Firnfeld bis knapp unter den Vorgipfel auf.
 


Schlüsselstelle kurz unter dem Vorgipfel.


Hier wartet nicht nur die schwierigste Stelle auf uns, sondern auch ein ausgemachter Bergsteiger-Stau. Die Frühstarter kehren gerade vom Gipfel zurück, während die Überholten langsam aufschließen. So vergeht etliche Zeit, bis der Weg für uns frei ist. Es gilt, kurze 10 Meter über plattigen Fels äußerst ausgesetzt (II+) zu überwinden. Gesagt getan, stehen wir einige Minuten später bei zünftigem Wind und eisigen Temperaturen auf dem nebligen Vorgipfel. Jetzt noch das kurze, ausgesetzte aber wunderschöne Firngrätchen überschreiten und es ist geschafft! Bei arktischen Verhältnissen - und erstaunlicherweise grade alleine - gratulieren wir einander zum erfolgreichen Besteigen des in Form und Namen kuriosen  Rimpfischhorn (4199m).
 


Gipfelgrat und Vorgipfel vom Hauptgipfel aus. Im Hintergrund Monte Rosa und Liskamm.
 



Leider können wir inmitten der vorbeiziehenden Wolken nur einmal ganz kurz die Aussicht genießen, was uns dazu veranlasst, gleich wieder abzusteigen. Allerdings wurde daraus ersteinmal nichts, denn schon beim Vorgipfel standen wir erneut im Stau. Inzwischen war es wegen des durch viele Steigeisentritte zerfurchten und immer weicher werdenden Firns nötig geworden, Auf- und Abstieg im oberen Bereich zu sichern. So herrschte an den wenigen Fixpunkten reger Andrang. Wo es möglich war, versuchten wir die Karavane im Fels mit natürlichen Sicherungen zu umgehen, Wartezeiten gab's trotzdem.

Irgendwann kamen wir dann beim Stockdepot an und konnten die Kletterutensilien wieder in den Rucksack verfrachten. Es folgte eine kurze Stärkung in Form von Riegel und Bergquellwasser, lag doch noch ein langer Abstieg vor uns. Unterhalb des Westgipfels beschritten wir diesmal die blaue Route, welche den unteren Teil des Grates in seiner Südflanke umgeht. Allerdings aus unserer Sicht nur im Abstieg eine Alternative, denn das Gelände ist schuttig-weich und bietet kaum Halt. Der nun weiche Schnee ließ uns immer wieder bis über die Knie einsacken, so dass der kurze Zwischenaufstieg zur Pfulwe geradezu erholsam war. Nach weiteren mühsamen Schneefeldern bekamen wir endlich wieder erst festen Fels, später den stabilen Wanderweg unter die Füße. Am Bergrestaurant Fluhalp angekommen, wurden wir von Schnapsi mit einem Belohnungsbier empfangen, nach dessen Genuss wir alle zusammen am malerischen Stellisee vorbei zur Station Blauherd schlenderten und uns talwärts gondeln ließen.

Die erfolgreiche Tour auf diesen schönen 4000er hat trotz der vielen Leute und des schlechten Wetters angesichts der Abwechslung von Wanderwegen über Schneefelder und steilen Firnpassagen bis hin zur ausgesetzten Kletterei sehr viel Spaß gemacht. Dank gebührt an dieser Stelle einmal mehr meinem Kameraden, der es versteht, mit seiner Erfahrung stets für ein gutes Gefühl zu sorgen. ;)

(Tour mit Schnapsi bis Fluhalp und Imseng)

 
 
     
 
reine Aufstiegszeit: ca. 6:00
Entfernung ungefähr (ebenenprojiziert): mind. 13 km
Wetterverhältnisse: erst wolkenlos, dann zunehmend bewölkt - oben stürmisch und kalt - im Abstieg zeitweise Regen
Gipfelbuch: keines vorhanden
Hilfsmittel: Stöcke, Pickel, Helm, Steigeisen, Gletscherseil
Sonstiges: viel Verkehr
 

Tourengänger: Wolfenstein, Imseng

Galerie


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