Daniel (2340 m) und Upsspitze (2332 m) vom Hebertaljoch


Publiziert von ju_wi , 8. Juli 2009 um 19:01.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Ammergauer Alpen
Tour Datum:12 Juni 2009
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 9:00
Aufstieg: 1860 m
Abstieg: 1860 m
Strecke:16,4 km
Unterkunftmöglichkeiten:Lähn - Haus Bleispitze
Kartennummer:f&b WK 352

Der Daniel (2340 m) in Tirol ist der höchste Gipfel der Ammergauer Alpen und liegt oberhalb Lermoos direkt vis-a-vis zur nahen östlich gelegenen Zugspitze. Statt dem Normalweg von der Tuftlalm wählen wir den klar anspruchsvolleren - und auf Hikr noch nicht beschriebenen - Aufstieg über Heber(tal)joch mit Gratwanderung über die Upsspitze zum Daniel.

Der Daniel ist einer der absoluten TOP-Aussichtsberge, von dem man neben Wetterstein und Mieminger Kette den gesamten Ammergau, weite Teile der Lechtaler, das Allgäu und die Ötztaler im Süden überblickt.

Morgens starten wir nach Frühstück in der Lähner Pension gegen 8:30 Uhr bei noch bewölktem Himmel und recht windig-kaltem Wetter. Wie schon bei früheren Touren überqueren wir die Bahnlinie und einige Blumenwiesen, wenden uns rechts, gelangen zu einer Wegverzweigung Wiestal und Gäterlesboden, wo wir nach Serpentinenaufstieg durch lichten Wald den Gäterlesboden (1500 m) mit Weidetor erreichen. Dort steigen wir geradeaus weiter in so gut wie weglosem, unmarkiertem Gelände auf "Weg" 692 zum Hebertaljoch (2045 m). Der Aufstieg ist beschrieben in der Tour zum Großen Pfuitjöchl, wo wir ihn damals lange gesucht hatten - diesmal kannten wir den Weg schon.

Am Hebertaljoch hat man einen schönen Blick ins Hebertal und die Ammergauer Alpen. Linkerhand locken Großes Pfuitjöchl und Plattberg (Hochschrutte). Wir wenden uns hingegen diesmal rechts und folgen dem hier grasigen Grat zu einer Felsstufe. Hier wird es nun anspruchsvoller, wobei vor allem die Orientierung im Fels und den Schuttquerungen nicht ganz ohne ist, da nur äusserst spärliche, ältere Markierungen vorhanden sind. Rote Punkte weisen uns an der Felsstufe in deren S-Flanke, wo man in Ier-Kletterei die Stufe am Rand langsam ersteigt. Es ist ein felsig-schrofiges Gebiet, in dem wir nach kurzer Zeit durch einen gewissen Drang zum Grat uns schon versteigen. Wir kraxeln sehr mühsam eine geröllig-abschüssige Felsflanke hinauf zum Grat - merken dort aber, dass wir falsch sind und rutschen sehr vorsichtig wieder ab. Also doch etwas weiter unterhalb im Fels queren. So geht es nun ca. eine Stunde weiter im Fels. Es gibt ein paar etwas ausgesetzte Passagen. Man bleibt entweder im Südhang oder steigt auch hin und wieder direkt auf zum Grat. Vor dem Büchsentaljoch genannten Gipfel wird der Grat sehr breit und wir wähnen schon ein einfaches Wegstück vor uns. Dann quert der Weg allerdings in die hier sehr steile Schuttflanke, wo weiterhin volle Aufmerksamkeit gefragt ist. Nach dieser Querung sind dann jedoch alle Schwierigkeiten (oberer T4-Bereich) gemeistert. Dieses Wegstück hat richtig Freude gemacht und war nur durch starke Winde am Grat und kühle Temperaturen etwas erschwert.

Im Sattel kommen sowohl vom Grünen Ups als auch vom nördlichen Meirtljoch Pfade hinauf und der Weiterweg auf und über die Upsspitze (2332 m) ist wesentlich einfacher (T3). Es ist praktisch ausschließlich Gehgelände in Schrofen, dennoch ist gerade der Abstieg von der Upsspitze in den Sattel zum Daniel sehr steil und nochmals etwas ausgesetzt. Unten vor dem Sattel trifft man dann auf die sehr stark begangene Normalroute zum Daniel, mit der wir in noch 10 Minuten den schmalen, langen und steil abfallenden Gipfelaufbau des Daniel (2340 m) zu seinem Gipfel erklimmen. Selbst hier ist noch ein Mindestmaß an Schwindelfreiheit gefragt (Schlüsselpassage des Normalwegs).

Die Aussicht vom Gipfel des höchsten Ammergauers ist wirklich sensationell. Rund herum sind Gebirge und Massive zu bewundern - die ich schon in der Einleitung aufgezählt habe. Besonders die nahe Zugspitze und Mieminger Berge dominieren das Panorama im O. Interessant auch, dass laut Gipfelbucheinträgen der O-Grat des Daniels zu begehen ist (nicht im DAV-Führer alpin erwähnt), der von der Seite sicher nicht schwerer als II ist - aber vielleicht täuscht die Draufsicht hier auch.

Vom Daniel zurück in den Sattel zur Upsspitze nehmen wir hinunter nun den Normalweg zur Tuftlalm. Er führt einfach in Serpentinen zunächst durch Geröll und Blockhalden sowie später durch Waldpfade hinab. Sehr viele Leute steigen hier heute auf. An der Tuftlalm (1496 m) kehren wir auf eine Stärkung ein. Danach entscheiden wir (nach Überredung von Margit:-) ) uns gegen den geplanten Weiterabstieg nach Lermoos und Bahnfahrt zurück nach Lähn, sondern steigen nochmals durch Wald zum Grünen Ups (1852 m) auf und zu Fuß über die Bichlbacher Alm nach Lähn ab.

In Summe sind dies aber schon nochmal 2,5 Stunden inklusive Kaffeepause in der Bichlbacher Alm (1591 m). Beim Aufstieg zum Grünen Ups entdecken wir die seltene Schwefel-Anemone, eine gelbe Küchenschelle, die hier massenhaft vorkommt. Der Weg zur Bichlbacher Alm ist neu angelegt und markiert - etwas oberhalb der älteren Wegführung. Zuletzt führt er sehr steil durch Grashänge zur Hütte hinab. Von der Hütte gehen wir - auf Rat der Hüttenwirtin - rechts unter dem Materiallift einen kleinen Trittpfad, der wiederum sehr steil durch Grashänge, einen breiteren Fahrweg querend uns hinunter zu einem Schober führt und dann horizontal nach rechts uns zügig wieder zum Gärtelesboden bringt. Von hier steigen wir in 45 Minuten auf dem Aufstiegsweg nach Lähn ab.

Eine super-gelungene Tour, die ich nur weiterempfehlen kann, liegt hinter uns.

Tourengänger: ju_wi

Minimap
0Km
Klicke um zu zeichnen. Klicke auf den letzten Punkt um das Zeichnen zu beenden

Geodaten
 870.gpx Daniel über Heberjoch

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentare (2)


Kommentar hinzufügen

felixbavaria Pro hat gesagt: Super Tour ...
Gesendet am 8. Juli 2009 um 21:00
... der Grat schaut echt spannend aus. Genau mein Ding, ist vorgemerkt. Wenn man's andersherum geht, kann man vermutlich auch am Daniel noch etwas Bergeinsamkeit genießen.

LG Felix

ju_wi hat gesagt: RE:Super Tour ...
Gesendet am 9. Juli 2009 um 07:50
ja, andersrum ist auch ne gute Idee. und allzu schwierig ist das Ganze dann auch nicht... Übrigens unbedingt zu empfehlen, falls du dort noch nicht warst, ist die Gartnerwand gegenüber !!

Grüße, Jürgen


Kommentar hinzufügen»