Chammliberg (3215m)


Publiziert von mde , 3. Juni 2009 um 09:41.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:31 Mai 2009
Hochtouren Schwierigkeit: ZS-
Ski Schwierigkeit: SS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR   Claridengruppe   Ortstockgruppe 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1400 m
Kartennummer:LK 1192 Schächental

Der Chammliberg ist ein stolzer Gipfel zwischen Clariden und Schärhorn. Er wird im Sommer nur selten, im Winter sogar kaum je besucht. Das Gipfelbuch (im originellen, grünen Briefkasten am Fuss des Gipfelkreuzes versteckt) ist aus dem Jahr 1993, dennoch sind erst wenige Seiten mit Einträgen gefüllt. Dem alpin orientierten Skitourengänger ermöglicht der Chammliberg im Frühjahr, wenn die SW-Flanke noch gut verschneit ist, einen interessanten Aufstieg mit Steigeisen und Pickel. Mit etwas Erfahrung kann dieser gut seilfrei begangen werden.

Start auf dem Klausenpass um 7.00 Uhr, was an diesem Pfingstsonntag im Angesicht von Temperatur und Wettervorhersage ausreichend früh war. Von der Kapelle dem Fahrweg entlang in Richtung WSW via P.1968 und P.2027, dann nach Süden via P.2054 nach P.2003, Griessbödemli. Da die Schneedecke hart und tragend war, und zudem einige apere Teilstücke wiederholtes Abschnallen nötig gemacht hätten, schnallten wir die Skis auf den Rucksack und erreichten das Griessbödemli in 50 Minuten zu Fuss.

Ab Griessbödemli dann noch (knapp) durchgehende Schneedecke. Tragend und griffig erlaubte sie einen raschen Aufstieg gegen die Chammlilücke. Bevor wir diese erreichten, schwenkten wir nach links (NE) ab, um den Bergschrund/die Randkluft auf ca. 2920m an der Chammliberg-Südflanke zu erreichen, 9.30 Uhr. Hier erfolgt der Wechsel von den Ski auf die Steigeisen.

Die Randkluft ist etwa 1m breit, aber eindrücklich und bodenlos tief (Vorsicht!). Sie kann aktuell dank einem angefrorenen Schneebalkon noch problemlos überwunden werden. Danach müssen 3-4m in leichtem Fels geklettert werden, bevor der Aufstieg über die auf 80 Höhenmetern knapp 50 Grad steile Firnflanke fortgesetzt werden kann. Die Verhältnisse waren optimal: harter aber griffiger Firn.

Es folgen dann 60 weniger steile Höhenmeter (40-45 Grad) zum Westgrat, den man auf etwa 3060m erreicht. Man folgt diesem nur ein sehr kurzes Stück und wechselt dann auf die NW-Seite, auf der man in eine breite, mit Schnee gefüllte, ca. 35-40 Grad steile Rinne benützt. Zum Schluss steilt sich diese auf, und über einige leichte bzw. verschneite Felsen erreicht man eine Schulter, ca. 3140m.

Von hier steigt man weitere rund 80 Höhenmeter über eine mässig geneigte Schneeflanke auf und folgt zuletzt horizontal dem Grat nach links zum Gipfelkreuz, das wir um 10.30 Uhr erreichten. Der Gipfel hatte nun leider eine Nebelkappe aufgesetzt, welche das Panorama doch ziemlich stark einschränkte. Nach kurzer Rast bei mässigem NW-Wind ging es zügig und problemlos retour bis auf 3060m hinunter, bis wohin ich meine Skis hochgetragen hatte.

Die ersten, noch mässig steilen Meter waren dank einer Auflage aus Waschpulver-Schnee gut zu befahren. Die Flanke wird aber immer steiler, auch wurde der Schnee immer härter und der Felsriegel, welcher die Wand unten abschliesst, kann durchaus für Herzklopfen sorgen. Vorsichtig reihte ich Schwung an Schwung. Es sei hier auch noch erwähnt, dass die angegebene Ski-Schwierigkeit von ca. SS+ nur für die Befahrung dieser Flanke gilt. Bis zur Randkluft ist die Skitour eher als ZS zu werten.

Sinn macht die Steilabfahrt nur bedingt: den abschliessenden Felsriegel könnte man an der ca. 5m hohen Schwachstelle wo wir aufgestiegen waren wohl mit einem Sprung meistern. Aber eben, das Gelände ist hier oberhalb 50, unterhalb 45 Grad steil und der Schnee war hart... da ist solch ein Sprung (viel) zuviel des Guten für mein Skikönnen. Somit musste ich oberhalb des Felsriegels im Steilgelände wieder von Skis und Stöcken auf Steigeisen und Pickel wechseln. Eine ziemliche Übung, aber eben gut als Übung für gröbere Unternehmungen dieser Art.

Von der Randkluft dann schöne und rasante Abfahrt via der Aufstiegsroute auf kompakten Schnee, hier wieder mit sehr schöner Waschpulver-Auflage. Unterhalb ca. 2400m dann leider kein Waschpulver mehr, sondern der Wechsel zu etwas ruppiger Unterlage vom Typ Golfball-Schnee. Da diese hier inzwischen etwas weich geworden war, liess sie sich aber gut befahren.

Vom Griessbödemli wartet noch der aktuell grösstenteils apere Fussaufstieg (10-15 Minuten) zur Ecke bei Chammlisiten. Ab hier liegt noch genügend Schnee, dass man mit etwas Stockeinsatz und Schrägfahrt P.1968 per Ski erreichen kann. Dort werden die Skis im Bach gebadet, um Sulz und Dreck abzuwaschen, dann erreichen wir in wenigen Minuten zu Fuss wieder den Ausgangspunkt, den Klausenpass, ca. 12.30 Uhr.


Tourengänger: mde

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Kommentare (3)


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kleopatra hat gesagt: Tolle Tour!
Gesendet am 3. Juni 2009 um 10:01
Super Tour und eine wohl lohnende Alternative zu den überlaufenen Touren vom Klausenpass!

Sputnik Pro hat gesagt: Gratulation zum Chammliberg!
Gesendet am 3. Juni 2009 um 10:04
Danke für den informativen Bericht, habe den Chammliberg auch schon studiert...

Es macht doch immer besonders Spass auf kaum begangene Gipfel zu gehen. In der Zentralschweiz habe ich auch schon einige solcher schönen 3000er entdeckt wie Schlossberg (Hinter Schloss), Cavistrau Grond, Gross Windgällen oder Reissend Nollen.

Viele Grüsse und weiterhin schöne Touren!

Andrej

nadirazur hat gesagt: Wieder ...
Gesendet am 3. Juni 2009 um 11:34
Sali Marcel,
wieder ein Genuss - der (viel) zu hoch über meinem Können liegt, aber der Beschrieb und die Photos laden (wie bei all Deinen bisherigen Berichten) zum Träumen ein :))

Freue mich auf die nächsten :)

Liebs Grüessli, Noemi


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