Funtenseetauern - Überschreitung


Publiziert von hannes80 , 2. Dezember 2018 um 11:45.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Berchtesgadener Alpen
Tour Datum: 6 September 2018
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: D   A 
Aufstieg: 1200 m
Abstieg: 2000 m

Nach den Teufelshörnern gestern musste es heute endlich ein weiterer langersehnter "Klassiker" der Berchtesgadener Alpen sein: der Funtenseetauern. Eine weitgehend einsame, teils unmarkierte Tour ohne Kletterstellen, ideal für Karst- und Geröllfetischisten. Die schwierigste Stelle kommt nach dem Gipfel: eine ausgesetzte, aber technisch leichte Gratpassage (umgehbar). Auch der Funtenseetauern liegt tief im Inneren des Nationalparks, die von mir begangene Überschreitung ist als Tagestour von Königsee aus quasi nicht zu machen. Also muss eine Hüttenübernachtung her, und dabei ist die Wasseralm mein klarer Favorit (anstelle des Kärlingerhauses). Man muss bloß einen Platz bekommen, und das ist leider "dank" der massenhaft wandernden Königseeumrunder dort gar nicht so einfach. Schon krass, dass diese Hütten bereits im Frühjahr weitgehend ausgebucht sind. "Echte" Bergsteiger, die bei einem Schönwetterfenster spontan einen Schlafplatz wollen, haben meist keine Chance ...

Los geht's im Dunkeln an der Wasseralm. Es ist 5:45 Uhr und noch immer röhren die Hirsche. Schon ein bisschen gruselig, sich da in den Wald zu wagen. Nicht, dass die Kerle einen im Hormonwahn noch auf die Hörner nehmen. Doch schon bald kommt das Morgengrauen und das Brunftgeschrei hört auf. Zunächst bewegt man sich auf dem gut markierten Weg 424 zur Langen Gasse, bei ca. 1600 m zweigt rechts der Pfad über den Unsunnigen Winkel ab. Der Abzweig ist wohl markiert, im Dunkeln mit Stirnlampe hab' ich aber nix erkennen können, und bin quasi blind abgebogen. Anfangs ist so wie keine Wegspur zu erkennen, die braucht's aber auch nicht. Einfach in einem weiten Linksbogen das Kar hoch, bis man nach ca  90 Minuten ab Hütte die Vegetation hinter sich lässt (bis hier T3).

Ab hier beginnt das Reich das Karstes und man steht im - nomen est omen - Steinernen Meer. Die Orientierung ist dank nun häufigerer Steinmänner nicht schwer, bei Nebel hat man hier aber kaum eine Chance! Anfangs geht's fast meditativ über blanken Karst, später wird es leider gerölliger. Auf etwa 2300 m zweigt die Route scharf rechts ab und es geht hinein in die Steinige Grube, die ihrem Namen alle Ehre macht (etwa 3 Stunden bis hierher, T3+).

Der Gipfel wird sichtbar, aber der Weg zieht sich. Im häufigen Auf und Ab laviert man durch die Geröllwüste und schließlich an den schuttigen Gipfelhang heran, ab hier gibt es wieder spärliche Markierungen. Nach etwa 4 Stunden ab Hütte steht man am Gipfel und es bietet sich ein gigantisches Panorama. Durch die zentrale Lage des Funtenseetauern hat man die Berchtesgadener im 360°-Modus um sich herum aufgereiht und im Süden reicht der Blick bis weit in die Hohen Tauern hinein. Bombastisch!

Leider, leider muss ich mich aber irgenwann losreißen, denn es liegen harte 2000 Hm Abstieg vor mir. Zuerst kommt allerdings noch der wunderbare, ausgesetzte Grat ohne ernstere Schwierigkeiten zum Stuhljoch (T4). Dieser ist südseitig umgehbar, allen Schwindelfreien aber wärmstens zu empfehlen. Über weitläufiges Wiesengelände und nur eine kurze felsige Stelle (I) schließlich hinunter zum Funtensee, mit dem Kärlingerhaus (2 Stunden ab Gipfel, T3).

Ab ist man wieder in der Zivilisation, zahlreiche Wanderer tummeln sich um die herrlich gelegene Hütte. Ich gehe gleich weiter Richtung Saugasse. Auf ca. 1600 m gäbe es die Option auf den Sagerecksteig (steil, schattig, viele Holzstufen) nach Salet. Weil aber schon der Röthsteig am Vortag nass und rutschig war, verzichte ich auf diese heikle Variante und "gönne" mir die zähe, endlose Saugasse. Nach den unzähligen Kehren ist der See aber noch über eine Stunde entfernt. Der Weg zieht sich, die vielen Höhenmeter machen sich in den Beinen bemerkbar. Schließlich kommt man doch nach St. Bartholomä (4 Stunden ab Gipfel bei sehr zügigem Abstieg), wo schon die Musi spielt und sich ein Kulturschock angesichts des kurios-grotesken Touristenvolkes aus aller Welt kaum vermeiden lässt. Nach finalen 45 Minuten Bootsfahrt bin ich nach zwei unglaublich schönen Tagen wieder am Auto. See you soon, Steinernes Meer!

Tourengänger: hannes80


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Kommentare (1)


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Alban hat gesagt:
Gesendet am 2. Dezember 2018 um 19:53
Schöne Bilder!
Bei mir kommt ein bischen Wehmut auf, habe ich doch diese Tour vor fast 40 Jahren ebenfalls gemacht. Eine beeindruckende, einsame Landschaft...


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