Der Gipfel ist ein Grat, der Grat ist ein Gipfel... - Portjengrat / Pizzo d'Andolla


Publiziert von simba , 7. August 2018 um 17:38.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Mittelwallis
Tour Datum: 4 August 2018
Hochtouren Schwierigkeit: ZS+
Klettern Schwierigkeit: IV (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS   I 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 1900 m
Abstieg: 1900 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:PKW bis Furggstalden (einige PP, 5 CHF/Tag)
Unterkunftmöglichkeiten:Almageller Hütte

Portjengrat heißt die Tour, Portjengrat heißt der Gipfel?! Kann das sein...da könnte Verwirrung aufkommen: Denn obschon der Portjengrat der SW-Grat des Pizzo d'Andolla ist, ist der Pizzo d'Andolla auch der Portjengrat. Und doch macht es Sinn, denn letztlich definiert sich der Pizzo d'Andolla als langgestreckter drachenartiger Gratrücken aus dem ein Türmchen eben höher hinaus ragt als die anderen und daher den Gipfel bildet. Sinn macht es auch für Alpinisten, denn der lange Grat besteht überwiegend aus bestem Gneis und bietet daher eine eindrückliche Kletter-Hochtour. 

Tour wie Gipfel sind auf hikr bereits bestens beschrieben, noch dazu stiftet der topoverlag aufgrund der in der Erstauflage vormals verwirrenden Beschreibung des Abstiegs auf seiner Homepage das Topo pro bono. Die Zeitangaben des Silbernagel-Führers sind dabei selbst bei großem Sicherungsaufwand sehr fair, allein die Abstiegszeit von einer Stunde bis zum Sattel vor dem Portjenhorn war aufgrund der etwas mäandernden und verwirrenden Routenführung des Abstiegs für uns eher auf der sportlichen Seite.

Der Einstieg und die ersten Meter der Tour (Zustieg ab der Almageller Hütte gemütlich ca. 1,5 bis 1,75 Stunden und leidlich gelb markiert bis zum Schneefeld unterhalb der Port) erwecken einen falschen Eindruck: Die sich fortsetzenden gelben Markierungen finden bereits nach einer Seillänge ein Ende, die vier Bohrhaken in der ersten Seillänge bleiben die einzigen der gesamten Tour. Aufgrund wiederholter Gewitter am Vorabend waren diese ersten Seillängen durch eine rinnenartige Verschneidung und über mit Rissen durchzogene Platten bis zum Grat recht feucht, dazu teils plattig und mit schwarzen "Rutschflechten" versehen - "assez austère" trifft es ganz gut. Wir sicherten aufgrund dessen die Einstiegslängen und die ersten beiden Längen auf dem Grat ((anfangs quasi ein volles Set Fixfriends zu finden) bis nach dem ersten Aufschwung - einem mit einem Eisengriff als willkommener Zwischensicherung und weniger zu Nutzung als "Griff" versehenen Steilaufschwung (IV) - von Stand zu Stand und gingen hiernach auf dem zwischenzeitlich trockenen Grat zum gleichzeitigen Klettern über.

Die Route ist nach dem ersten Aufschwung offensichtlich: Am breiten Grat, um den markanten Turm westseitig leicht herum in eine Scharte (bequemer Pausenplatz) und dann durch den Kamin (III+) hinein in den zweiten Aufschwung. Den diesen krönenden Turm umgingen wir über gestufte Felsen wiederum westseitig (links) und folgten hiernach kurz dem Grat in eine kleine Scharte hinter diesem Turm (eine direktere Route wäre hier möglich, je weiter man ausweicht, desto loser wird es).

Die von uns dann gewählte westliche Umgehung der folgenden zahlreichen Gendarmen vor dem großen Firn- / Schuttfeld wird dadurch vereinfacht, dass man in der westlichen Flanke teilweise Wegspuren findet und immer einen Fixpunkt ansteuern kann - denn am "Horizont" steht zwischen zwei Türmchen am Beginn des Firn- / Schuttfelds gut sichtbar ein Steinmann. Allzu weit sollte man sich hier aber auch nicht in die Flanke treiben lassen, denn hier findet man durchaus auch mal den ein oder anderen losen Block. Vom anschließenden Firnfeld (bequemer Pausenplatz) gibt es nur noch Reste und so gelangten wir quasi ohne Schneeberührung zum oberen Teil des Grats, der von hier ein sehr eindrückliches Bild abgibt.

Der Gipfel erscheint von hier nah, doch es warten noch einige Aufgaben - in nunmehr durchgehend fantastischem Fels: Einen ersten Turm traversierten wir auf der Westseite, den zweiten gingen wir ebenfalls von Westen her über eine schöne Platte und einen anschließenden, zum Steckenbleiben geeigneten Kamin (III+, 1 NH) an. Ob wir anschließend die Schlüsselstelle (IV) "gefunden" haben, war uns unklar, denn wir folgten zwar einer Art liegenden und nicht trivialen, weil etwas plattigen Verschneidung mit Untergriffen und dem genannten Fixfriend leicht westlich des Gratfirsts, viel schwieriger als der Kamin zuvor erschien uns das aber nicht. Auch die anschließende ausgesetzte Kletterei am Gratfirst oder teils leicht westlich desselben blieb anhaltend und anhaltend schön (III+, 1 NH).

Vor dem letzten Turm mussten wir dann nochmal schlucken, denn dieser hängt leicht über und wir glaubten erstmal nicht so recht, dass man am besten den Turm nach Osten ansteigend entlang einer abgespaltenen Schuppe quert, was viel leichter ist, als es aussieht und wunderbare Kletterei bietet (III+). Fast schon unvermittelt steht man vor dem wiederum leicht überhängenden breiten "Gipfelturm": Eine kurze Querung nach Osten und dann eine Art "Kriechband" zurück nach links - und wir waren oben am Gipfel, der mit zwei Kreuzen, einer Gipfelbuchschatulle und einem Holzpfosten allerhand "Zierde" aufzuweisen hat.

Den Abstieg haben wir etwas unterschätzt: Nachdem man im Aufstieg gefühlt mehr als ein Dutzend Türme umgangen oder überklettert hat, sollten die vier Stück am kurzen Abstiegsgrat doch kein Problem sein...Knapp unterhalb des Gipfels gibt der massive Abseilring, der sogar zu dick ist, um einen Karabiner einzuhängen, die Richtung vor - etwa 15 Meter gerade runter. Nach einer bequemen Plattform schnürt sich der Grat nochmals stark zusammen und führt auf den ersten Turm zu, den man ostseitig auf einem absteigendem Band umgeht. Wir querten hiernach wieder auf die Westseite, quetschten uns durch einen engen Spalt hindurch und erkletterten an einem breiten schrägen Riss (III+ / IV-) wieder die geräumige Plattform zwischen den hinteren Gendarmen. Vermutlich wäre die erneute Überschreitung des Grats auf die Ostseite "richtiger" gewesen - die Seilzweite entdeckte in schwarze Flechten eingeritzt am Turm nämlich einen Pfeil dorthin, was ihr freilich nicht half, denn sie musste ja dem Seil hinterherklettern... Anschließend vermieden wir es in eines der Löcher der Felsplattform zu fallen, gingen über diese zwischen den Türmen weiter bis zum Felsenfenster links und erkletterten unterhalb des Fensters von Osten her wieder den Gratfirst, was nochmals kurzes Zupacken erfordert (III+).

Die Routenfindung empfanden wir in diesem Teil als nicht ganz einfach, trotz der guten Beschreibung hier - wir haben hier sicherlich nicht den einfachsten Weg gefunden und einige Zeit verbraten.

Anschließend gab es noch etwas entspannte Blockkletterei bevor wir am teilweise ausgeaperten und blanken Firnfeld in der Westflanke die Steigeisen anlegten. Der weitere Abstieg nach dem ersten Schneefeld war leider von mehr Schutt und Blöcken als Schneefeldern geprägt und daher nicht mehr ganz so erquicklich wie es eine rasante Schneefeldabfahrt gewesen wäre.

Material: Einfachseil zwischen 30 und 40 Meter, einige Camalots in Größen zwischen 0,3 und 1, diverse Schlingen, Steigeisen und Pickel (für das Firn- / Eisfeld im Abstieg)


Tourengänger: simba, Nala


Galerie


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