Trotzigplanggstock Südgrat


Publiziert von Zoraya , 8. Juli 2018 um 22:16.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum: 7 Juli 2018
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: 4+ (Französische Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR 
Zeitbedarf: 1 Tage
Aufstieg: 1060 m
Abstieg: 1060 m

Selten haben wir so lange hin und her diskutiert, welchen Gipfel wir am Wochenende anstreben wollen. Am Ende lag die Entscheidung beim Grossen Furkahorn oder die weniger anspruchsvolle Variante am Trotzigplanggstock. Da mir die Kombination von geringer Absicherung und Plattenkletterei eher Alpträume bereitet, fiel die Entscheidung auf den Südgrat des Trotzigplanggstock. Für das Furkahorn werde ich noch ein wenig meditieren, bevor ich mich an dessen Fels wage. 

Den Trotzigplanggstock geniesst unter Kletterer mehr und mehr an Aufmerksamkeit. Während er früher fast nur von Einheimischen bestiegen wurde, ist er heute ja fast International bekannt. 2 Seilschaften, die nicht zusammen gehörten, stammten von England. Mich erstaunt zwar, dass die Route scheinbar weit über die Schweizer Grenze bekannt ist, nicht aber über deren Beliebtheit unter alpinen Kletterliebhaber.

Um 07.15 Uhr starteten wir beim Parkplatz Sustlihütte. Über den kurzweiligen "Leiterenweg" gelangt man in nur 40 Minuten zur Sustlihütte. Ein hübsches und einfaches SAC-Hüttli, welches wohl noch im Tiefschlaf lag. Es herrschte jedenfalls null Betrieb als wir ankamen. Vielleicht lag es auch am Nebel, der irgendwie immer für diese leblose Stille sorgt. Nur eine 3er Gruppe vor uns war ebenfalls mit Seil unterwegs Richtung Trotzigplangg. Blau/weiss markiert gegen Norden haltend stiegen wir auf zum Einstieg. Die Weggabelung ist klar gekennzeichnet und führt über das steile Firnfeld zwischen Trotzig- und Murmetsplangg hinauf zum Südgrat. Mit Steigeisen mühsam, ohne jedoch noch viel mühsamer. Die 3er Gruppe inzwischen überholt und somit keine weitere Seilschaft am Einstieg. Wobei wir den eigentlichen Einstieg wohl verpasst haben. Die 1. Seillänge wird mit 3a bewertet und diese kletterten wir ohne Seil. Erst im nachhinein bemerkten wir, dass wir uns bereits in der Route befanden. Beim zweiten Standplatz seilten wir uns dann an. Eine einzelne Person überholte uns, die den gesamten Südgrat ohne Sicherung bewältigte. Ich kann mich nie entscheiden, ob ich diesen Personen mit Bewunderung oder eher mit Kopfschütteln begegnen soll.

Die Kletterei ist wunderschön! Bis auf wenige Ausnahmen immer am Grat entlang. Sehr griffiger Fels, die Absicherung ausreichend. Die Route empfand ich wesentlich einfacher als am Bergseeschijen. Mein Kollege fühlte sich nicht so fit, deshalb stieg ich alle Längen vor, was mir aber keine Mühen bereitete. Die vielmals erwähnte Schlüsselstelle, welche man abklettern muss (3c), war jetzt zwar kein Highlight aber auch kein Problem. Nach 3h 30 Minuten erreichten wir den Gipfel, den ich fast verpasst hätte, bzw. ich bemerkte nicht, dass ich bereits auf dem Gipfel war. Ich suchte nach weiteren Borhaken und den Verlauf, stattdessen fand ich dann in einem kleinen, rostigen Kasten das Gipfelbuch. 

Der Abstieg...der überaus mühsame, nicht geplante lange Abstieg! Und hier, meine liebe Leser, appelliere ich, euch besser zu informieren, als wir es taten. Es gibt zwei Abseilstellen. Die "richtige" sieht man vom Gipfel aus nicht und befindet sich vor dem Gipfelbuch links unten. Die "falsche" Abseilstelle erblickt man sofort, sobald man auf dem Gipfel steht. Obwohl auch diese Abseilstelle hinunter führt, ist sie mit derzeitigen Verhältnissen mühsam, lange und auch nicht ganz ungefährlich. 4 eingerichtete Abseilstellen, die mitunter mit abklettern zu erreichen sind (T5 II). Eine 5. Abseilstelle hätte man da ruhig noch einrichten können, statt diesem rutschigen, wirklich doofen hinunterklettern. Es liegt noch relativ viel Altschnee, der langsam einbricht, der Bergschrund weit offen. Wir mussten sehr gut schauen, wo wir am besten auf dieses Schneefeld gelangen können. Bereits beim Abseilen bemerkten wir, dass da irgendwas nicht stimmen kann. Wo ist das Firnfeld, welches wir aufgestiegen sind? Wir verschafften uns mal einen Überblick, rutschten das steile Schneefeld hinunter und sahen, dass wir uns viel zu weit rechts befanden. Gut ok, irgendwie muss man ja von dort aus auch runter kommen. Gegen Westen haltend trafen wir auf einen Art Weg, kamen dann aber nicht weiter aufgrund eines sehr abschüssigen Schneefeldes. Wir versuchten daneben abzukletten, war zu gefährlich. Gegen Osten haltend suchten wir uns halt dort einen Weg, abschüssige Felsen hinderten uns am Weiterkommen. Langsam etwas ratlos schauten wir nach weiteren Möglichkeiten, bis wir schliesslich den Hüttenwart von der Sustlihütte anriefen! Dieser klärte uns dann auf, dass es noch eine Abseilstelle gibt und zwar dort, wo sich dieses lässige, abschüssige Schneefeld befand. Na toll. Also folgten wir wieder diesem Trampelpfad, kramten mühsamerweise die Steigeisen hervor und querten das Schneefeld. Nein, einen Spass war es nicht aber siehe da, eine perfekt eingerichtete Abseilstelle empfing uns, sogar mit einem roten Punkt markiert. Wir seilten mit Steigeisen ab, da die Abseilstelle wiederum auf einem sehr steilen Schneefeld endete. Nach diesem Intermezzo erreichten wir endlich wieder die Weggabelung, an der wir Morgens vorbei kamen. 

Fazit: Eine wunderschöne Klettertour mit atemberaubender Sicht zum Grassen, Titlis und den Spannörter. Sehr, sehr luftige Gratkletterei, die weder schwierig ist oder Beruhigungsmittel für Vorstiegsanfänger benötigt, noch langweilig für Fortgeschrittene. Die "falsche" Abseilstelle ist im Prinzip auch kein Problem sofern kein Schnee mehr liegt. Wobei die Wegführung irgendwie irreführend ist, bzw. nicht beschrieben. Die letzte Abseilstelle, die wir nicht fanden, übersieht man leicht und man rechnet auch gar nicht mehr mit einer weiteren Abseilerei. Die wachsende Beliebtheit am Trotzigplangg verwundert mich überhaupt nicht. Für mich ganz klar eine der schönsten Kletterrouten bisher, die ich weiterempfehle und sicher nicht das letzte Mal gemacht habe. Dann aber mit der richtigen Abseilstelle. 


Tourengänger: Zoraya


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