Mittler Tierberg oder mein erster 3000er


Publiziert von maenzgi Pro , 19. Juni 2018 um 17:57.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Oberhasli
Tour Datum:15 Juni 2018
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-UR 
Zeitbedarf: 5:30
Aufstieg: 1300 m
Abstieg: 1300 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Pw bis Parkplatz Umpol
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Pw bis Parkplatz Umpol

Ich nahm an einem SAC-Einführungskurs teil. Ursprünglich geplant am Furka, kam es zu einer Verschiebung ins Alpin Center Steingletsch. Vorweg für alle Anfänger auf Hochtouren und Felskletterer, ich kann diesen Kurs nur empfehlen. Die Kosten sind aber taff. Wobei ich bei der Sicherheit nicht sparen möchte. Vieles konnte ich lernen und profitieren.

Da sowohl das Wetter am Freitag als auch viel weniger Menschen auf dem Gletscher unterwegs sind, wechselten die Kursleiter das Programm. So ging es bereits am 2 Tag auf die Hochtour und nicht wie geplant am Sonntag. Der entscheid war genau richtig. So trafen wir nicht auf andere Menschen und das Wetter war vom feinsten, wie man auf den Bildern erkennen kann.

Vor dem Kurs dachte ich nicht, das dies mein erster bestiegener Berg werden würde. Ich denke der Bericht absolut gerechtfertigt, so sollte man den ersten 3000er schliesslich feiern;) Zudem wurde diese Tour zum letzten Mal als Hochtour 2016  beschrieben. Neuere Berichte sind hauptsächlich Skitouren. Wir absolvierten sie aber als Hochtour mit Steigeisen. Wobei wir diese vor allem in der kurzen Steilstufe brauchten. Der Gletscher ist noch stolz eingeschneit. Blankeis ohne Probleme zu umgehen. Es gab am Sonntag noch ein paar Skitürler, welche über den Gletscher abfuhren.

Zustieg zum Gletscher: 15min T2

Wir fuhren hoch bis zum Parkplatz Umpol. Von dort ging es über die Brücke dem weiss-rot-weissen Wanderweg folgend direkt zur Gletscherzunge hoch oberhalb des Steinsee. Es liegt selbst hier noch einiges an Schnee. Bevor wir auf den Gletscher kamen, mussten wir noch eine Querung machen. Weshalb wir die Steigeisen etwas früher anzogen. Dann rüber auf den Gletscher.

Unterer Teil Steingletscher: 30min WS

Bevor wir auf den Gletscher kamen, banden wir uns an. Eine 3er und eine 4er Seilschaft. Zuerst mussten wir kurz hoch auf den Gletscher, es ist nicht besonders steil, wäre ohne Steigeisen machbar, wobei die Abstrahlung stark war in der Nacht, weshalb es ziemlich gefroren war. Danach geht es die Fläche überwindend nach hinten. Auf Spalten sollte man achten. Wir sahen teils Andeutungen von Spalten, wobei noch viel Schnee lag in der Fläche.

Steilstufe: 30min WS

Die Steilstufe ist momentan noch im Schnee begehbar und deshalb nicht besonders schwer. Ich nehme an etwa 35°, ist aber geschätzt. Ganz rechts kamen wir auf einem ca. 5m breiten Schneeband nach oben. Der Rest der Steilstufe ist bereits Aper.

Steilstufe-Tierberglimi: 2h WS

Danach über Flaches Gelände nach oben zum Abzweiger Mittler Tierberg oder Gwächtenhorn/Sustenhorn. Gleich danach geht es wieder ordentlich nach oben. Die Gespräche wurden immer leiser bis sie verstummten. Wir hielten uns links gleich neben einer Kerbe, welche links von uns lag. Rechts soll es anscheinend grössere Spalten geben. Bereits von weitem sahen wir dann die Seracs. Als wir diese sahen, wurde das Gelände wieder flacher. Die meisten umliefen sie in dem sie links hochstiegen und oberhalb querten. Spuren zeigten dies klar an. Wir aber liefen unterhalb dieser Seracs durch. Für jemand der dies noch nie von nahem gesehen hat, sind es magische Skulpturen und zugleich beängstigend gross.

Tierberglimi-Mittler Tierberg: 30min WS

Nachdem wir an den Seracs vorbei waren, mussten wir eine Spalte auf einer Brücke überwinden. Dies stellte sich jedoch höchstens als psychische Belastung heraus. Denn sie hielt einwandfrei. Von dort in flachem Gelände hinauf zum Schlussgrat. Diesen Bestiegen wir am kurzen Seil. Etwas mulmig war mir dabei schon. Was ist wenn jetzt jemand Ausrutsch, kann ich ihn dann halten? Wieder ging es ohne Probleme über die Bühne. Oben angekommen war ich einfach nur Happy. Ich stand auf 3311m. Die Aussicht wunderschön, was für ein Prachtstag. Bis weit in die Walliser 4000er sah ich. Einfach nur gigantisch.

Mittler Tierberg-Tierberglihütte: 45min WS

Zuerst mussten wir wieder den eher steilen Grat runter. Wieder ging es am Kurzseil. Zurück über die Brücke unter den Seracs hindurch. Danach ging es relativ gerade runter, wobei wir diversen Spalten ausweichen mussten. Den Abstieg sieht man auf einem Bild. Unten angekommen, ging es nochmals ein paar Meter nach oben zur Hütte. Kurz vorher brachte ein Helikopter ein Bigbag voll essen. Selbstverständlich halfen wir noch kurz beim hineintragen der Waren in die Hütte. Die Bedienung in der Hütte war überaus freundlich. Ich kann die Hütte nur weiter empfehlen. Eine Einkehr lohnt sich auf jedenfall, selbst die Liegestühle brachten sie uns raus. So genossen wir das Sonnenbad in vollen Zügen.

Tierberglihütte-Parkplatz: 1h L kurz T4

Der Abstieg erfolgte dann über den Normalaufstieg. Meist konnten wir absurfen oder über Felsen absteigen. Für eine kurze, relative steile Querung zogen wir nochmals kurz die Steigeisen an. Sie ist steil abfallend, ausrutschen wollte ich dort nicht. Dementsprechen vorsichtig ging ich zu werke, bei der Querung. Der Normalaufstieg würde ich persönlich noch nicht machen ohne Steigeisen. Je nach Schneehärte ist dies definitv nicht zu empfehlen. Nach der Querung kann man dann gemütlich bis zum Bach runter absurfen. Dort über die Brücke und zurück zum Auto gehen.

Fazit:

Eine geniale Tour, auf einer nur selten anspruchsvollen Tour. Nicht zu verachten, soll aber anscheinend die Spaltengefahr sein. Man kann nicht einfach drauflos gehen und denken es gibt keine Gefahr, wobei dass den meisten Gletschergeher sowieso klar ist. Aber am Sonntag trafen wir ebenfalls auf einen Alleingänger, welcher zudem noch der steinschlaggefärdeten Seite entlang ging. Für mich nicht zu verstehen ein solches Verhalten. Ich freue mich jetzt schon auf weitere Hochtouren, wobei es noch sehr viel zu lernen gibt.

Tourengänger: maenzgi


Galerie


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