Piz Palü (3900m) - Bumillerpfeiler (900 Hm, 65-90°, V+) - direktes Couloir


Publiziert von pete85 , 21. Juni 2018 um 20:24.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Berninagebiet
Tour Datum:16 Juni 2018
Hochtouren Schwierigkeit: SS+
Klettern Schwierigkeit: V+ (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   Palü-Gruppe   Bernina-Gruppe 
Zeitbedarf: 11:15
Aufstieg: 1350 m
Abstieg: 1350 m

Der Bumillerpfeiler (im Hochtourenführer Ostalpen mit SS+ die schwerste Tour) war eine kurze Überlegung von Marcel und mir. Größere Nordwände gehen wegen des instabilen Wetters schon seit Wochen nicht. Aber ein Pfeiler könnte doch brauchbare (und sichere!) Verhältnisse bieten - und das tat er auch.
Am Vortag fuhren wir mit der Diavolezza-Bahn zur Hütte und übernachteten dort.
1:40 klingelte dann der Wecker, 2:19 Uhr ging es los.
Zunächst im losen Geröll zum Gletscher absteigen, dann auf diesem gemächlich aufwärts hin zum Pfeiler.
Aufgrund einer erst vor kurzem durchgemachten Erkältung bellte ich noch vor mich hin (das geht mir jetzt 5 Tage später z.T. immer noch so...) - der körperliche Zustand war aber gut und halbwegs akklimatisiert war ich ja auch.
Um 3:57 Uhr waren wir am Bergschrund. Dieser bot losen Schnee bis etwa 80/85° und muss erst einmal überwunden werden. Danach folgt über etwa 150-200 Meter ein Couloir (so kann die gefährliche Seraczone umgangen werden!). Das Couloir ist aber brüchig und in der ersten SL muss auch schon M4-5 geklettert werden, was im Schein der Stirnlampe und als warm-up gar nicht so einfach ist. Immerhin erhellten das Funkensprühen der Steigeisen immer wieder mal die Nacht.
Nach der brüchigen Einstiegslänge wird es im Couloir leichter. Es folgt (mit Tiblocsicherung) M2-3 Gelände und Schnee/Firn bis 50°. Am Ausstieg aus dem Couloir folgt weiter M2-3 Gelände, danach geht es die Gletscherflanke nach oben (alles links der sonstigen Aufstiegsrinne, die sich dort immer noch im Eisschlagbereich befindet, aber leichter ist).
Oben kurz vor dem Grat treffen dann beide Zustiegswege zusammen.
Als wir am Grad ankamen, trafen auch die ersten Sonnenstrahlen ein und begannen den Fels zu wärmen. So froren wir ohne Handschuhe auch nur die ersten beiden SL an den Fingern, die Steigeisen wurden die ersten 6 Seillängen an den Füßen gelassen (häufig war noch Firn und Schnee am Pfeiler, so dass sie trotz teilweise plattiger Kletterei von Vorteil waren). Nach 6 SL (bis V+, meist kontinuierlich IV Grad) geht das Ganze von Wandkletterei in Gratkletterei über. Hier muss zwar "nur" noch der vierte Grad geklettert werden - dennoch hat es mich (nach ausziehen der Steigeisen) an der ersten Platte ins Seil rutschen lassen. Die ersten Meter waren doch ungewohnt, die Schuhe nass und auf dem einen abschüssigen Tritt an der Platte (den feinen Riss kann man ohne Steigeisen mit Bergschuhen nicht treten) rutschte ich auf den Flechten weg....
Eine SL später machte ich dann eine ähnliche Stelle (plattig nach oben queren) A0, da rechts der Abgrund wartete und ich bei einem erneuten wegrutschen im Nichts gehangen hätte. Wär kein Drama - man hängt ja am Seil. Aber auf hochjümarn hatte ich in dem Moment keine Lust.
Dann folgt noch die letzte, leichteste SL und man kann mit Tiblocsicherung gleich weiter über den Eiswulst nach oben steigen (bei uns an der flachsten Stelle etwa 60-70°, im Nachstieg bin ich ein paar Meter senkrecht hoch - nimmt sich nicht viel und alles andere wäre arg gesucht).
Was folgt ist spaltiges Gletschergelände, so dass am Seil bis zum Mittelgipfel aufgestiegen wird.

Der Abstieg erfolgte über den Normalweg zur Diavolezza.


Zeit Bergschrund - bis zur 1. SL des Pfeilers         1:45 h  (über das direkte Couloir, die andere Route ist schneller aber auch gefährlicher)
Zeit Bergschrund - Gipfel                                          6:40 h





Tourengänger: pete85


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Kommentare (2)


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Delta Pro hat gesagt:
Gesendet am 23. Juni 2018 um 20:24
Eindrückliche Tour - herzliche Gratulation!
Delta

pete85 hat gesagt: RE:
Gesendet am 27. Juni 2018 um 10:20
Hi Delta,

vielen Dank. War auch eine sehr schöne Tour. Für mich hätte es nur etwas mehr Firn und Eis sein können - aber dafür gibt es ja andere Wände und zum Glück hat gestern auch eine von denen geklappt. Mal sehen wann ich die Tour reinstellen kann. ;)

Gruß,
pete.


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