Krinnenspitze (2000 m) (noch) mit Schneeschuhen


Publiziert von ju_wi , 22. April 2009 um 17:29.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Allgäuer Alpen
Tour Datum:18 April 2009
Schneeshuhtouren Schwierigkeit: WT4 - Schneeschuhtour
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 950 m
Abstieg: 950 m
Strecke:9,3 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Auto nach Rauth - kleiner Parkplatz neben Kapelle mit freiwilliger Gebührenspende
Unterkunftmöglichkeiten:Hinterstein - Privatzimmer
Kartennummer:f&b WK352

Eine schöne und unschwere Schneeschuhtour mit streckenweise schon grünem Südanstieg führt uns auf die Krinnenspitze (2000 m). Spannend - v.a. hinsichtlich Orientierung - ist bei uns jedoch der Nordabstieg auf dem Alprosensteig und der Versuch dem Meraner Steig nach Rauth zu folgen - hier WT4 in z.T. recht steilem Gelände.

Schon wieder sind wir zu einem Wochenende in Hinterstein im Allgäu. Was haben wir uns doch gewundert, wieviel Schnee in den 3 Wochen seit unserem letzten Mal schon weggetaut ist. Der Frühling ist in den Allgäu eingekehrt - zumindest in den tieferen Lagen.

Da die Bundesstraße nach Sonthofen/Oberstdorf gesperrt ist, müssen diesmal wieder Ziele aus dem Tannheimer Tal her. Mit der Krinnenspitze hatten wir dabei noch eine Rechnung vom letzten Jahr offen. Die genau 2000 m hohe Krinnenspitze ist der östlichste Berg der Vilsalpseegruppe, der am südlichen Talabschluss des Tannheimer Tals zum Lechtal hin liegt. Sie bricht nach N hin steil in Schrofen ab und ist über W und O-Grat jeweils per Steig oder im Winter einfacher von einer S-Rippe besteigbar, die auch wir für den Aufstieg wählten. Anders als letzten Mai waren wir diesmal aber auf Schnee eingestellt und hatten Schneeschuhe und Steigeisen dabei.

Wir starten die Tour von Rauth und steigen im Grün über eine Koppel zu einem steinigen Waldweg empor. Nach einiger Zeit verzweigt dieser in den Meraner Steig, der die Krinnenspitze rechts zur N-Seite umrundet und den Enziansteig, den wir wählen. Der schmale, recht wenig begangene Enziansteig führt die nächsten 300 Hm durch schneefreie Waldböden. Wir werden auf der gesamten Tour heute keiner Menschenseele begegnen ! Als der Wald sich lichtet nähert dich der Pfad einem Bachlauf, dessen Rinne vor einem Stadl gequert wird. Hier ist ein dicker, schmutziger Lawinenkegel zu queren, nach dem es wieder Steil auf einer grasigen Rippe hinaufgeht. Zunächst noch im Gras wird die Rippe bei 1600 m dann aber mehr und mehr von Schnee bedeckt. Wir gehen zwar noch ein Stück mit den Bergschuhen weiter, sacken dann aber immer wieder tief ein und legen daher schließlich die Schneeschuhe an. Mit ihnenn steigen wir weiter empor, bis wir auf gut 1700 m an mehrere höhenversetzte weitere Holzstadl kommen. Die Orientierung ist nun etwas schwer. Die f&b-Karte mit ihren mangelhaften Höhenlinien hilft uns auch nicht viel aber ich weiss, dass wir weiter links müssen auf einen Sattel, von dem man sich Richtung Litnisschrofen oder Krinnenspitze wenden kann. Das haben wir bisher noch nicht entschieden - oder geht gar beides?

Zunächst aber mal zum Sattel. Nach etwas Geländelesen queren wir weitere Lawinenstrecken, einen Schneehang und immer wieder auch kurze Erdpassagen, kommen aber durch eine Schneegrube schließlich zur gesuchten Wegverzweigung auf gut 1800 Hm. Nach links hinab sieht man die Gräner Ödenalpe (1714 m) in einem Sattel und dahinter dominant den Litnisschrofen mit dem längswärtsen Felsengrat. Margit ist spontan für die Krinnenspitze, deren Kreuz nur gut 170 m über uns verlockend einfach erreichbar winkt. In der Tat sieht die Wegführung in der steilen Flanke des Litnisschrofen von hier nicht ohne aus. Ich wäre aber wohl dennoch eher dorthin gezogen worden, aber gebe Margit nach und wir wenden uns zur Krinnenspitze. Auf einer Südrippe kommen wir von der Wegverzweigung ohne weitere Schneefelder und mit Bergschuhen schnell zum Gipfel der Krinnenspitze (2000 m).

Vom Gipfel genießen wir die wirklich tolle Rundum-Aussicht von diesem recht allein stehenden Bergmassiv. Auch das Wetter ist nach bedecktem Morgen und ein paar kurzen, dünnen Schneeschauern inzwischen sonniger geworden. Es ergeben sich schöne Wolkenkontraste. Im N dominiert die Felsszenerie der Tannheimer Berge, nach W der aus dieser Perspektive sehr schöne Litnisschrofen, südlich die Leilachspitze und dazwischen in der Ferne der Hochvogel und nach W hin die Lechtaler mit Liegfeist-, Loreagruppe und Thaneller. Am Gipfelkreuz senkt sich nach N das Gelände und der Blick senkrecht ins 900 m tiefer liegende Tannheimer Tal und auf den Haldensee. Nach beiden Seiten kann man auf dem Grat der Krinnenspitze nach N absteigen. Wir entscheiden uns für den weniger bekannten Alprosensteig nach W, da der mit schöner Schneeflanke lockt. Im oberen Teil ist der Schnee noch hart und wir wandern mit den Schuhen am Grat entlang - etwas Abstand zum bewechteten Rand haltend. Ein Steig ist im Schneegelände aber nicht zu erkennen und immer wieder versperren Latschen den Durchgang, in deren Nähe wir häufig einbrechen.

Die Wegführung ist von oben nicht sehr übersichtlich und zeitweise ist uns nicht klar, ob wir dem Grat wirklich folgen können - auch die Karte gibt nur ungenügend Aufschluss. An einer Felsstufe klettern wir leicht einige Meter hinab und müssen dahinter nun wirklich die Schneeschuhe anziehen. Es folgt ein schönes - nicht zu steiles Schneestück am Grat entlang. Allmählich wird dieser jedoch zunehmend steiler, so dass wir an einer Latschengruppe beschließen, in die Nordflanke auszuweichen und im nun recht steilen Gelände hinabzukraxeln. Dieses Stück ist etwas heikel mit Schneeschuhen - weniger wegen Absturzgefahr, denn so steil ist die Hangneigung dann noch nicht - als wegen Lawinen. Bei LLB Stufe 1 - und mit Skiern wahrscheinlich auch bei höherer Stufe - ist das aber absolut verantwortbar. Sind die Verhältnisse weniger sicher, sollte man von der Krinnenspitze NICHT nach N absteigen ! Die Schneeschuhe quer zum Hang stellend - wozu haben die MSRs denn wohl den Harscheisen-Rand - queren wir Schrittchen für Schrittchen im rinnenartigen Gelände ca. 100 Hm hinab und erreichen - im letzten Stück wieder flacher - den Verbindungsweg zwischen Krinnen- und Nesselwängler Ödenalpe auf knapp 1600 m.

Hier können wir einer älteren Skispur nun horizontal leicht bergab zur Krinnen Alpe (1527 m) folgen, die genau nördlich des Gipfelkreuz liegt. Nun wollen wir mit dem Meraner Steig das breite Massiv nördlich umrunden und wieder nach Rauth hinabsteigen. Dies erweist sich von der Orientierung und in dem inzwischen nasswarmen Schnee als das schwierigste Stück. Dazu ist der Hang stellenweise sehr steil, so dass wir sehr mühsam vorwärtskommen. Niemand ist hier - nach Spuren - hergegangen. Insbesondere sind einige tiefere Lawinenrinnen zu queren, nach denen wir immer wieder beschwerlich auf die ungefähre Führung hinaufkraxeln müssen. Sollen wir vielleicht einfach weglos nach unten? Aber was erwartet uns dort unten - nein lieber weiter. Schließlich erreichen wir dann an der O-Ecke der Felsen ein kleines Plateau, von dem die Führung dann deutlicher bergab führt. Schnell gelangen wir durch eine Baumlichtung wieder in Wald und ziehen schon bald unsere Schneeschuhe aus. Wieder zurück im Bergfrühling legen wir das letzte Stück nach Rauth auf Waldböden mit Seidelbast und anderen Frühblühern zurück. Am Sträßchen von Rauth ins Tal bewundern wir eine herrliche Krokuswiese.

Es ist noch früh und wir steigen - nach kurzer Fahrt hinüber nach Haller - nochmals knapp 200 Hm auf zum Gasthof Adlerhorst (1330 m) über dem Haldensee, den wir beim Friedberger Klettersteig letztes Jahr entdeckt hatten. Wir nehmen ein Radler, Weinschorle und einen Kuchen und beenden den schönen Tag in der Sonne und mit Blick auf die Gaichtspitze, die wir unterwegs schon für den nächsten Tag ausgeguckt haben.

Tourengänger: ju_wi

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 480.gpx Krinnenspitze-Schneeschuh

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