Mythen-Trilogie im Nebel


Publiziert von Tzimisce , 5. Oktober 2017 um 21:51.

Region: Welt » Schweiz » Schwyz
Tour Datum:24 Juni 2017
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Mythengruppe   CH-SZ   Alptaler Berge 
Zeitbedarf: 12:00
Strecke:Haggenegg - Haggenspitz - Kleiner Mythen - Holzegg - Grosser Mythen - Holzegg - Haggenegg
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Auto zur Haggenegg

Bei einer früheren Tour dieses Jahr kam das Gespräch auf die Mythen-Region zu sprechen. Seit ich vor Ewigkeiten auf dem Grossen war und den Kleinen da stehen sah wollte ich da rauf. Hatte mich aber nie getraut weil der nur für Kletterer sei. Da war ich noch jung und naiv...
Mir wurde dann aber erklärt dies sei für meinen Level kein Problem und das könne man schon mal zusammen machen. Und dann wurden gleich noch weitere Ideen von irgendwelchen verrückten Trilogien nachgereicht, welche es ja auch noch gäbe...


Im Juni hatte bergstrolk kurzfristig Zeit und wir beschlossen, irgendwas am Mythen in Angriff zu nehmen. Ich wollte einfach sicher den Kleinen, er war für alles offen. Kurzfristig schlossen sich noch zwei Damen an, welche ebenfalls Ambitionen betreffend dieser Gipfel hegten, und wir besammelten uns am Morgen so etwa mittelfrüh auf dem Parkplatz Haggenegg. Natürlich fing es gleich an leicht zu regnen, und wirklich gute Sicht war auch nicht. Darum schnell ab ins Restaurant für Kaffee und Lagebesprechung. Gemäss Wetterbericht war ja eigentlich trocken angesagt, und der Nebel wird sich ja schon noch verziehen. Also entscheiden wir uns es via Haggenspitz auf den Kleinen Mythen zu versuchen. Alles andere wäre ja bloss ein Umweg, und der Regen war wirklich minimal und hatte auch schon wieder aufgehört.

Merke:
Vom warmen Restaurant aus sieht die Welt doch gleich viel freundlicher aus.

Gleich zu Beginn gestaltet sich die Wegfindung jedoch schwierig, wir finden den Anfang vom Weg Richtung Schärsack nicht, da ist alles zugewachsen. Etwas verloren irren wir zwischen Parkplatz, Restaurant und Kapelle herum, bis wir schliesslich irgendwo in den Wald gehen und nach etwas Suchen im Unterholz endlich den Pfad entdecken. Jetzt gehts richtig los. Kurze Zeit später endet der Weg jedoch schon wieder bzw. führt etwas unwirtlich auf den leicht höher gelegenen Weg auf dem "Grat" vom oberen Parkplatz. Da hätten wir auch gleich da oben laufen können. Wir lassen uns jedoch nicht entmutigen und spazieren weiter Richtung Felsen. Plötzlich poltert knapp hinter uns etwas laut den Hang hinab und über den Weg. Es ist jedoch kein Felsen sondern eine Gämse, welche uns mal zeigen wollte wie man effizient Höhenmeter vernichtet.

Merke: Gämsen können auch Menschen erschrecken, nicht nur umgekehrt.

Danach steigt der Weg merklich an, es wird steiniger und ohne das man es sich versieht ist man mitten am Berg. Aufgrund der suboptimalen Sicht fehlen die Tiefblicke, und man kann schlecht abschätzen wie hoch man jeweils ist. Ist vielleicht auch besser so. Das Gestein ist aber griffig und fest, der Weg immer ersichtlich, und wir kommen gut voran. Den in Berichten oft erwähnten Spreizschritt meistern wir problemlos, und gewisse Leute haben sogar das Gefühl sie müssten dabei die Karte in der Hand behalten. Als würde die bei dem Nebel in solchem Gelände sagen, wo man den Fuss genau hinstellen muss um am besten durchzukommen.

Merke: Angeber :-)

Es geht weiter steil bergauf, und irgendwann stehen wir vor dem Müllerkamin. Immer noch im Nebel, darum sehen wir auch hier nicht wie weit es runter geht. Ist vielleicht auch besser so. Hier stossen wir das erste mal auf Schwierigkeiten und brauchen etwas länger, bis alle durch das Ding gekommen sind. Mit Rucksack nach oben reichen und ohne Gepäck klettern geht es aber am Ende doch, Teamwork sei Dank! Und während der Rucksack von gewissen Leuten nicht auf deren Rücken ist kann ich die Karte schnell da reinstopfen und wieder etwas ruhiger atmen... Danach kommen wir weiter gut voran, bis wir vor uns im Nebel andere Hiker hören und schemenhaft den Gipfel erahnen können. Frisch motiviert befinde ich mich plötzlich zuvorerst, und nehme natürlich genau die falsche Linie in eine steile Flanke. Der Rest der Gruppe folgt brav, und als mir die Griffe langsam etwas suspekt werden stehen wir wortwörtlich an (oder in) der Wand. Zum Glück können wir gut zurücksetzen und auf die richtige Spur wechseln, und ich bin nicht mehr zuvorderst. Ist vielleicht auch besser so. Kurz darauf begegnen uns die anderen Hiker im Abstieg  Wir wechseln ein paar freundliche Worte mit ihnen, aber da wir unser Seil im Auto vergessen haben (räusper...) gibt es auch den ein oder anderen komischen Blick.

Merke: Nächstes Mal das Seil mitnehmen und wenn man im Nebel vor sich jemanden hört schnell auspacken :-)

Nach den letzten Metern gibt es auf dem Gipfel erst mal eine Pause. Leider immer noch ohne Aussicht. Auch der kleine Mythen ist von hier aus nicht sichtbar, und die Route dahin darum auch nicht. Ist vielleicht nicht unbedingt besser so... Der Abstieg zum Griggelisattel ist jedoch klar und auch deutlich einfacher als der Aufstieg von Norden her. Irgendwann wird es aber weniger eindeutig, es gibt verschiedene Spuren und eine Lagebesprechung ist erforderlich. Ich persönlich muss zugeben das ich die Orientierung etwas verloren habe. Glücklicherweise sind andere Teilnehmer erfahrener und in der Gruppe können wir unsere Position in etwa feststellen und uns auf den weiteren Weg einigen. Bald darauf kommen wir auf den Weg welcher vom Vorgipfel zum Gipfel führt. Den auf hikr in Berichten erwähnten Kamin auf den Kleinen Mythen haben wir komplett verpasst. Ist vielleicht auch besser so. Quasi als Ausgleich dafür steigen wir versehentlich zu früh links auf zum Gipfel und haben dafür eine etwas schwerere Route durch die Wand als vom Weg vorgesehen.

Merke: Wenn die Wegspur noch schön weitergeht kann man ihr auch folgen, ein plötzliches "ich glaube hier gehts rauf" ist keine zwingendes Argument dagegen.

Wir kommen trotzdem heil auf dem Gipfel an und halten unsere 2. Mittagpause ab, mal wieder ohne Sicht aber dafür diesmal in Gesellschaft anderer Berggänger. Ich bin happy, weil mein Tagesziel ist damit schon fast erreicht, nur runter müsste ich noch kommen. Bald darauf machen wir uns deshalb auf den Weg zum Vorgipfel und steigen danach über die Flanke nach Zwüschet Mythen ab. Beim Kreuz machen wir uns auf den Weg Richtung Holzegg und diskutieren dabei das weitere Vorgehen. Am Ende kommen wir überein, den Grossen Mythen doch noch anzuhängen. Alle drei Gipfel wäre halt schon cool, wenn wir schon hier sind. Es ist zwar bereits etwas später, aber die Wetterprognose ist immer noch trocken und Ende Juni bleibt es ja lange hell, das heisst das Gipfelrestaurant ist lange offen.

Merke: Die Aussicht auf ein Gipfelbier spornt müde Wanderer an...

Und weil rauf und runter auf dem Normalweg nach dem bisherigen Tag langweilig wäre, entscheiden wir uns für den Aufstieg via Schafweg/Rotgrätli. Vom Affengarten wussten wir damals zum Glück noch nichts, und auch das Chalberstöckli ist uns zu diesem Zeitpunkt dann doch etwas zu ambitiös. Ist vielleicht auch besser so. Ab der Mythenmatt bzw. auf dem Rotgrätli machen sich nämlich erste Anzeichen von Müdigkeit bemerkbar, und es kommt ein fieser frischer Wind auf. So sind wir doch froh, als wir den Gipfel und damit das Restaurant erreichen, wo wir uns das verdiente Gipfelgetränk gönnen.

Merke: Unverbaute Gipfel in Ehren, aber ab und zu kommt so ein bisschen Infrastruktur schon ganz gelegen...

Danach machen wir uns auf dem Normalweg an den Abstieg, und inzwischen haben sich sogar die Wolken etwas verzogen und wir bekommen sogar noch ein paar Sonnenstrahlen zu sehen. Haben doch gesagt der Nebel verzieht sich noch! Auch auf dem gemütlichen Weg zurück zur Haggenegg zeigt sich das Wetter noch etwas versöhnlich und wir treffen nach ziemlich genau 12 Stunden erschöpft aber glücklich beim Parkplatz ein.

Fazit: Eine super Tour, welche aufgrund des spannenden Geländes auch ohne Sicht ein Erlebnis ist. Aber mit Aussicht wär natürlich noch besser gewesen. Die Zeitangabe ist inklusive alle Pausen und in einem normalen Tempo. Der Schafweg ist für die Trilogie ausserdem nicht die beste Wahl, da man damit den gannzen Berg von Zwüschet Mythen her einmal komplett umrundet.

Tourengänger: Tzimisce


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