Maighels-Trilogie


Publiziert von Bergamotte Pro , 16. April 2017 um 12:59.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:14 April 2017
Ski Schwierigkeit: ZS
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   CH-TI   CH-UR   Gruppo Piz Blas 
Zeitbedarf: 5:45
Aufstieg: 1560 m
Abstieg: 2460 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Gemsstock, Tourengondel um 7:30 (30.-, telefon. Reservation)
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Oberalppass oder - bei ausreichend Schnee - cff logo Tschamut-Selva
Unterkunftmöglichkeiten:Vermigelhütte / Maighelshütte / Cadlimohütte
Kartennummer:256S (R. 911b, 238a)

Piz Alv, Piz Borel und Piz Ravetsch sind lohnende, wenig schwierige Skigipfel zuhinterst im Val Maighels. Meist wird zuvor in der Vermigel- oder der Maighelshütte übernachtet. Wer - wie ich - Berge lieber in einem Tag besteigt, muss hingegen einen unerfreulichen Flachlauf ab Andermatt oder Oberalppass in Kauf nehmen. Oder man lässt sich bequem per Seilbahn zum Gemsstock gondeln und ist nach kurzer Abfahrt bereits inmitten des Tourengebiets. Meine Variante mit den Direktanstiegen erfordert sichere Verhältnisse. Die gutmütigen Normalrouten lassen sich aber auch im Hochwinter meist problemlos begehen.

Die Tourengondel um 7:30 ist gut gefüllt, die untere Sektion muss gar zwei Mal fahren. Das liegt nicht zuletzt an Bernhard Russi und seiner zwölfköpfigen Gruppe. Dabei bin ich der einzige, welcher das Maighelsgebiet anpeilt, alle anderen zieht's nach Westen zur Gafallenlücke - Mr. Visilens fährt sonstwohin. Meine Überschreitung beginnt mit einer ruppigen 900Hm-Abfahrt nach Osten. Dabei fahre ich direkt die steilen (>40°), felsdurchsetzten Hänge nach Schwarzbach ab - eine Schnapsidee. Anschliessend folgt man einfach dem Talverlauf, vorübergehend im engen Bachbett des Gafallenbachs, bis sich vor der Vermigelhütte (2042m) das Gelände wieder weitet. Zum ersten Gipfel, dem Piz Alv, verbleiben von hier nur 700Hm. Bei den aktuellen Verhältnissen wähle ich den Direktaufstieg über die Wilde Matten (R. 911b), ansonsten holt man leicht gegen den Pass Maighels aus (R. 911a, wenig Zeitverlust).

Der Piz Alv wirkt aus dieser Perspektive geradezu bescheiden, man erkennt ihn kaum (klick). Es dominieren der Doppelgipfel der La Rossa und der felsige Pizzo di Frodo. Und weil letzterer so schön angespurt ist, kann ich der Versuchung nicht widerstehen. Ich ziehe mit den Skiern so hoch wie möglich, um anschliessend zu Fuss dem immer schmaleren Ostgrat zu folgen. Die letzten fünfzig Meter sind stark verwechtet, eine Begehung käme Vabanque gleich. Doch zum Glück ist die Südflanke praktisch aper. So gelange ich mit etwas Kraxelei doch noch zum Pizzo di Frodo (2753m). Mit Fellen rutsche ich zurück in die Mulde zur ursprünglichen Route. Beim kurzen Aufstieg zum Alv-Nordgrat erreicht man auf wenigen Metern um die 40°. Anschliessend über den angefirnten Grat in wenigen Minuten zum Piz Alv (2769m); Zeit für eine kurze Pause.

Die recht steile Nordostflanke des Alv weist bereits schönen Sulz auf. Lassen die Verhältnisse deren Befahrung nicht zu, folgt man zunächst dem Ostgrat, bis sich das Gelände zurücklegt. Die Abfahrt findet allzu bald ein Ende, denn ich möchte nicht unnötig Höhe verlieren. So felle ich auf knapp 2600m wieder an und traversiere ostwärts zum (zweigeteilten) Glatscher da Maighels. Hier zeigt sich, dass der Piz Borel - bei sicheren Verhältnissen - direkt angegangen werden kann, womit der kleine Schlenker zur Normalroute entfällt. Ich gewinne die kleine Mulde auf der Westseite vom Borel (knapp 40° auf wenigen Metern), um anschliessend wieder gutmütiger den Grat ganz auf seiner westlichen Seite zu gewinnen (Topo). Dem zunächst breiten Grat folge ich mit Skiern, um sie vor einem Felsaufschwung am Rucksack zu verstauen. Hier treffe ich auf die Route von der Cadlimohütte. Zu Fuss erreiche ich in leichter Kraxelei (zur Sicherheit Steigeisen mitnehmen) den Piz Borel (2952m), welcher ausgiebig begangen wird.

Der benachbarte Piz Ravetsch hingegen erhält heute nur sporadisch Besuch. Es versteht sich von selbst, wo ich meine Mittagsrast hinlege. Ich folge dem Verbindungsgrat, welcher grosszügig mit Seilen versichert ist, und deponiere die Skier im östlichen Sattel. Es verbleiben 80Hm zum Gipfel, heute problemlos. Trotzdem würde ich zur Sicherheit Steigeisen mitnehmen. Prinzipiell sind verschiedene Varianten möglich, sei es in leichter Kraxelei über das Blockgelände am Grat oder leicht in die Südflanke ausweichend (Tagesgang beachten). Habe ich im Aufstieg noch zwei Türler gekreuzt, kann ich auf dem Piz Ravetsch (3007m) mutterseelenalleine eine ausgiebige Rast geniessen. Wobei, zuerst heisst es fünf Minuten pickeln und graben, um schliesslich das Gipfelbuch freizubekommen. 

Wer glaubt, nun folge einfach eine gemütliche Abfahrt zurück ins Tal, sieht sich leider getäuscht. Wobei, die Abfahrt über den Gletscher und weiter zur Stavel da Maighels beginnt vielversprechend, wenn auch recht flach. Anschliessend muss leider für wenige Höhenmeter nochmals angefellt werden. Bei dieser Gelegenheit schaue ich auch kurz bei der Camona da Maighels CAS (2314m) vorbei. Anschliessend weiter flach talauswärts, um schliesslich über einen schönen Sulzhang Milez (1860m) zu erreichen. Hier ist Schluss mit Schnee, womit die Option Tschamut entfällt. So endet die recht happig gewordene Überschreitung mit einem Wiederaufstieg zum Oberalppass (2044m). Irgendwie nur fair, hatte die ganze Reise doch mit einer Abfahrt begonnen...


Zeiten
1:50  Pizzo di Frodo
0:40  Piz Alv
1:00  Piz Borel
0:30  Piz Ravetsch

Tourengänger: Bergamotte

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