Acherkogel (3007m)


Publiziert von gero Pro , 18. Februar 2009 um 15:52.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Stubaier Alpen
Tour Datum:15 September 2005
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 11:30
Aufstieg: 1500 m
Abstieg: 1500 m
Strecke:Längentalspeicher - Mittertaler Scharte - Acherkogel - Wörgetal - Längentalspeicher
Kartennummer:Freytag & Berndt WK 251 - Ötztal-Pitztal-Kaunertal-Wildspitze

Bevor ich Euch den Acherkogel vorstelle, an dieser Stelle mal ein ganz herzliches Dankeschön für all die positiven Reaktionen, die ich hier in diesem tollen Forum auf meine Berggeschichten bekommen habe (obwohl ich hier ja noch relativ neu bin) - und dafür, daß ich auf diese Weise mit vielen neuen Bergkameraden kommunizieren durfte!


Aber genug der Einleitung. Hinauf auf den Acherkogel, den Purtscheller 1881 erstbestiegen hat ....


Wunderschöne Rundwanderung mit Ausnahme des Gipfelaufstieges: dieser ist anspruchsvoll, ausgesetzt und wegen des losen Urgesteinblockwerkes heikel, da nicht abzusichern - für mein bescheidenes, 50-jähriges Bergsteiger-Können die bisher anspruchsvollste Tour, die mich an die Obergrenze meiner Fähigkeiten brachte.

Zusammen mit dem Kameraden Harald startete ich gegen 5:30 Uhr am Speicher Längental im Kühtai auf ca. 1900m, südlich der Dortmunder Hütte. Wieder führt ein schwarz (wozu?) ausgezeichneter Wanderweg hinauf durch das Wiesen- und später Schrofengelände des Mittertals Richtung Mittertalscharte (ein Abschnitt des Theodor-Streich-Weges); schon bald hat man das Ziel, den Acherkogel mit dem vorgelagerten Maningkogel (2894m) vor Augen. Je näher man kommt, desto imposanter wirkt deren gemeinsamer NO-Grat, der im AV-Führer "Stubaier Alpen" als "eine der schönsten mittelschweren Klettereien der Stubaier Alpen" bezeichnet wird (III, eine Stelle IV).

Unterhalb des Maningkogel biegt der Steig, der durch das Mittertal in südwestlicher Richtung verläuft, zusehends nach Westen um, führt nun durch Blockgelände und erreicht über einige wenige (unnötigerweise?) versicherte Stellen die Mittertalscharte (2631m, 2,5 Std.). Der Steig ist bestens beschildert und markiert.

Von der Mittertalscharte eröffnet sich eine herrliche Fernsicht; sehr eindrucksvoll ist auch der Tiefblick ins Ötztal mit seinen malerisch zwischen grünen Wiesen verteilten Ortschaften. Nordseitig der Scharte liegt das Große Windegg, über das unser Rückweg führen wird.

Nun ändert sich der Charakter unserer Tour auf den Acherkogel grundlegend. Wir steigen westseitig 100m in Richtung zur (Alten) Bielefelder Hütte bis zur Lacke des Maningsees ab, um uns dann wieder gen Süden den unnahbaren Felshängen zuzuwenden, die vom Acherkogel herabziehen. Dort soll es hinaufgehen? Mit schwante damals Übles .... gleich zu Anfang des allerdings markierten Weges steht ein Schild der DAV-Sektion Bielefeld, das vor Steinschlag warnt, die dringende Erfordernis der Schwindelfreiheit und die Eigenverantwortlichkeit betont.

Zunächst geht es eine erste Felsstufe aufwärts bis zu den Resten eines oberhalb befindlichen Firnfeldes, das zum Acherkogel hinaufzieht und möglicherweise inzwischen der Vergangenheit angehört. Diese untere Felsstufe ist zwar auch schon etwas exponiert, im übrigen aber noch relativ einfach zu erklettern (I) - leichter jedenfalls, als es im ersten Moment aussieht. Man erreicht so einen aussichtsreichen Schrofenfleck am unteren Ende des erwähnten Firnfeldes (1 Std. ab Mittertalscharte), das man beim weiteren Aufstieg allerdings nicht betritt (somit Steigeisen / Pickel für diese Tour nicht erforderlich).

Hier setzt nun eine Rippe an, die im folgenden den Aufstieg durch die Nordflanke hinauf zum Gipfel des Acherkogel vermittelt. Das Gelände sieht leichter aus, als es sich anschließend erweist: unmißverständlich folgt zwar Markierungspunkt auf Markierungspunkt, man kann also nicht fehlgehen - aber das Blockwerk dieser Flanke ist relativ lose, so daß man ständig auf der Hut sein muß, Nachfolgende nicht durch Steinschlag zu gefährden. Eine gegenseitige Sicherung erübrigt sich, da man sowieso keine geeigneten Punkte zur Selbstsicherung findet. Dazu kommt die Ausgesetztheit - hier darf einfach nichts passieren!

Vom technischen Aspekt her ist die Begehung zwar nur eine II, aber die Rahmenbedingungen stellten für mein bescheidenes Können die Obergrenze dar: allein wäre ich hier nicht hinaufgegangen, und ich denke, daß dies bisher der einzige Gipfel meines Bergsteigerdaseins ist, auf den ich nicht noch einmal hinauf wollte. Heikles Absturzgelände ist nicht mein Ding - aber da ist das subjektive Empfinden möglicherweise sehr unterschiedlich, der Bergsteiger schärferer Richtung empfindet sicherlich nichts angesichts derartiger Verhältnisse .... zu Recht, einige Einheimische sind locker an uns vorbeigeturnt, vielleicht macht's auch der Wiederholungsfaktor.

Jedenfalls standen mein Kamerad und ich gegen 10:20 Uhr oben auf dem Acherkogel (3007m), dessen Gipfel aus einem ebenfalls blockig-ausgesetzten Grat besteht. Die Aussicht allerdings ist großartig: Stubaier, Ötztaler, Lechtaler, das Wetterstein - dazwischen die großen Täler der Ötztaler Ache und des Inns, und das alles unter makellos blauem Septemberhimmel!

Im Zuge der ausgiebigen Gipfelrast erstarkte meine Moral wieder, und das war auch gut so, denn wir mußten den gleichen Weg wieder hinunter, den wir zuvor heraufgeklettert waren. Hatte ich mich beim Aufstieg ins Bockshorn jagen lassen, besonders dämlich angestellt? Wir kamen ohne Zwischenfälle relativ zügig hinunter und hatten gegen 13:30 Uhr wieder die Mittertalscharte erreicht. Wie sollte es nun weitergehen, wie konnten wir den herrlichen Herbsttag noch weiter ausbauen und genießen?

Wir querten zunächst die westseitige Schuttflanke der Wörgegratspitze (hier ist die Bezeichnung uneinheitlich: mal heißt es Wörge-, mal Wörgl-) hinüber auf das Große Windegg (2644m), das wir um 14 Uhr - zuletzt entlang einer Kette auf "Hochalpinem Steig - nur für Geübte!" erreichten. Von hier kann man die Nordflanke mit der Rippe, die den Anstieg auf den Acherkogel vermittelt, sehr gut einsehen - und auch unseren Weiterweg hinunter durch das Wörgetal, dessen weitläufige Schrofen-, Wiesen- und unten Waldlandschaft einen äußerst einladenden Eindruck mit hohem Spaß- und Erholungsfaktor machen. Gegen Ende zog sich der Weg dann doch ganz schön in die Länge, aber kurz vor 17 Uhr waren wir wieder am Ausgangspunkt unserer Tour am Längentaler Speicherbecken angekommen.

Tourengänger: gero

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