Wetterhorn (3692m) & Mittelhorn (3704m)


Publiziert von Linard03 Pro , 26. August 2016 um 05:35.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Jungfraugebiet
Tour Datum:22 August 2016
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2400 m
Abstieg: 2400 m
Strecke:Glecksteinhütte - Willsgrätli - Wettersattel - Wetterhorn - Wettersattel - Mittelhorn - SW-Couloir - Glecksteinhütte
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Grindelwald, Abzweigung Gleckstein

Es ist schon fast Tradition, dass ich im August mit dem BF meines Vertrauens (obwohl, mittlerweile habe ich ja deren zwei …) eine Hochtour unternehme. Eigentlich war für dieses Wochenende eine Tour im Wallis angesagt. Leider wurde genau auf Samstag einiges an Niederschlag vorausgesagt. Da wir einerseits unsicher waren, wie viel Niederschlag es letztlich geben würde und andererseits beide keine Lust hatten, einen längeren Hüttenweg im Regen zu machen, wechselten wir das Gebiet und schoben zudem unsere Tour um einen Tag, was sich als weiser Entscheid herausstellen sollte.
 
Berner Oberland statt Wallis also; wir entschieden uns für das Wetterhorn und trafen uns deshalb in Grindelwald. Gemeinsam fuhren mein BF und ich mit dem Postauto bis zur Abzweigung Gleckstein und wanderten von hier aus auf dem schönen und spannenden Weg hinauf zur Glecksteinhütte. Der Weg ist zwar rot-weiss markiert, ist aber an einigen Stellen ziemlich ausgesetzt. Wenn auch gut mit Stahlseilen abgesichert, stolpern sollte man nicht unbedingt …
 
Es war heute immer noch ziemlich bedeckt, obwohl für heute bereits schönes Wetter angesagt war. Mir war’s recht, somit war’s im Aufstieg nicht so heiss. Heute war das Wetterhorn den ganzen Tag in Wolken gehüllt, was denn auch die mehrheitlich griesgrämigen Gesichter der Absteigenden indirekt bestätigten – es war wohl nichts mit Aussicht …
 
Nach ziemlich genau 2 Std. erreichten wir die schön gelegene Glecksteinhütte (2317m). Auch das Interieur ist heimelig gestaltet; man fühlt sich sofort wohl. Die Hütte wird heute Abend nur mässig besetzt sein; trotz Hochsaison und besten Wetteraussichten. Zum Leidwesen der Hütte hatten aufgrund der schlechten Wetterprognosen viele Leute für’s Wochenende abgesagt; zum Glück dürfen sie aber viele Tagestouristen begrüssen.
 
Vor dem Nachtessen dann noch ein schönes Spektakel vor der Hütte: zunächst steht da plötzlich eine alte Steingeiss auf der Mauer und leckt Salz. Ich beobachte sie mehrere Minuten; sie lässt sich nicht stören. Nach etwa einer halben Stunde schaue ich nochmals nach; da ist jetzt eine ganze Herde am Salz lecken; unglaublich!
Gemütlicher Ausklang am Abend, leider noch immer ohne Sicht auf die umliegenden Berge und ins Tal; der Nebel hält sich hartnäckig.
 
03.30 Aufstehen, 03.45 Frühstück, 04.15 Uhr Abmarsch bei sternenklarem Himmel. Wir werden heute 5 Seilschaften sein; eine Familie aus Litauen startet zuerst (sie werden aber bald von allen anderen überholt). Im Licht der Stirnlampen folgen wir zunächst dem weiss-blauen Wanderweg – während fast 1 ½ Std. hatten wir somit noch einen guten Weg, obwohl das „in-der-Nacht-im Halbschlaf-über-die-Steine-stolpern“ auch nach unzähligen Touren immer noch mehr als gewöhnungsbedürftig ist …
 
Mit Steigeisen über den Chrinnengletscher, danach wieder ohne in die Felsen. Mit zwei weiteren Seilschaften sind wir in ähnlichem Rhythmus unterwegs. Bald dürfen wir Zeuge eines wunderschönen Sonnenaufganges über dem Schreckhorn werden. Bei der ersten Sicherungsstange dann auch gleich eine erste Schlüsselstelle: das Überqueren eines Bächleins sieht eigentlich ziemlich harmlos aus. Aber in Übereinstimmung der BF’s sind die Felsen an dieser Stelle meist mit Wassereis überzogen und ist deshalb etwas heikel. Auf einem Bändchen traversiert man östlich – und tatsächlich, eine „blöde“ Stelle … Mit einem Schritt ins Wasser und den nächsten eine trockene Stelle suchend meistern wir die Situation, während unsere jeweiligen BF’s via nächste Sicherungsstange sicherten.
 
Ab nun geht das genussvolle Kraxeln bzw. Klettern los. Der Fels ist gut und trocken; beste Verhältnisse. Über das Willsgrätli erreichen wir schliesslich den Wettersattel (3479m)und somit auch die Sonne. Wir fanden guten Trittschnee vor, weshalb wir auf die Steigeisen verzichteten. Nach der kurzen Firnpassage ging’s wieder in die Felsen. Fanden wir bis zum Wettersattel gute Felsqualität vor, liess diese von nun an zu wünschen übrig; viel loses Material … Zum Glück hatte ich meinen Helm auf, denn prompt trat jemand über uns ein paar Steine los; einer knallte voll auf meinen Helm; doofes Gefühl …
 
Über plattiges Gelände ging es den Sicherungsstangen entlang weiter hoch; dieser Schlussaufstieg war ziemlich steil und zog sich noch etwas in die Länge. Die letzten Schritte auf dem Firn, dann standen wir auf dem Gipfel des Wetterhorns (3692m). Wow, was für eine Rundsicht! Allerdings pfiff hier oben ein eisig kalter Wind, weshalb wir uns nach den obligaten Gipfelfotos sofort wieder zurückzogen und uns unterhalb der Gipfelkuppe zur Mittagsrast niederliessen.
 
Wir liessen die beiden anderen Seilschaften schon mal absteigen und warteten noch etwas, um sie nicht unnötigen mit losen Steinen einzudecken. Nach ca. 25 Min. Pause brachen auch wir wieder auf. Kurz vor Erreichen des Wettersattels begegneten wir den Litauern. Sie waren ziemlich erstaunt zu hören, dass ich ihren Landeshöhepunkt (Aukstojas) kannte … ;-).
 
Der Tag war immer noch jung, weshalb wir beschlossen, gleich auch noch dem benachbarten Mittelhorneinen Besuch abzustatten. Die Querung zum Fusse des Mittelhorns war problemlos. Der Aufstieg auf perfektem Firn war ebenfalls gut zu meistern, allerdings pfiff plötzlich ein eiskalter Wind, weshalb jetzt eine Jacke her musste. Währenddessen beobachteten wir die Litauer, welche im Schneecouloir in direkter Linie aufstiegen. Sie hatten bereits vor dem Willsgrätli grosse Orientierungsprobleme und folgten wohl deshalb nun einer älteren Schnee-Spur, welche eigentlich nur im Winter benutzt wird und in direkter Falllinie zum Gipfel führt.
 
Wir waren mittlerweile auch wieder im Fels; der Aufstieg soweit problemlos über den Westgrat und um ca. 11 Uhr standen wir auf dem Gipfel des Mittelhorns (3704m), dem höchsten Gipfel des Dreigestirns Wetterhorn, Mittelhorn und Rosenhorn. Für den Abstieg wählten wir das Südwest-Couloir, welches es in sich hatte: mehrheitlich 45 Grad, an den steilsten Stellen 50 Grad … Rückwärts auf den Frontzacken absteigend ging’s also steil hinunter; das Couloir wollte nicht enden. Zwei Eisgeräte wären hilfreich gewesen ... Mit der Zeit spürte ich die Fussballen kaum noch - für mich jedenfalls die anstrengendste Passage der ganzen Tour. Wir benötigten ziemlich genau 1 Std. für diesen Abstieg.
 
Danach wieder leicht auf dem Gletscher weiter; nun war auch wieder Zeit, die herrliche Umgebung zu geniessen. Zwei Abseilstellen und eine Querung weiter gelangten wir schliesslich wieder auf den blau-weiss markierten Wanderweg; die Hütte erreichten wir ca. 13.45 Uhr.
Der Abstieg auf dem von uns gewähltem Weg war lang; jedenfalls bestimmt nicht schneller als das Abklettern am Willsgrätli. Wie auch immer, wir genossen noch ein erfrischendes Getränk auf der schönen Hütten-Terrasse, während wir hörten, dass sich die Litauer offensichtlich noch immer im obersten Teil des Willsgrätli befanden …
 
Ich machte mich bald an den Abstieg, hatte ich doch noch einen langen Heimweg vor mir. Zum Schluss musste ich mich noch sputen, um das Postauto an der Abzweigung Gleckstein zu erreichen, was dann in letzter Sekunde auch aufgegangen ist ;-).
 
Fazit:
Perfekte Verhältnisse, Kaiserwetter und Traumaussichten in einer herrlichen Landschaft; Hochtourenherz, was willst Du mehr?
 
Bemerkungen:
Der Abstieg vom Mittelhorn via Südwest-Couloir ist nur dann zu empfehlen, wenn perfekte Firnverhältnisse herrschen!
 
Zeiten:
  • Abzweigung Gleckstein – Glecksteinhütte: 2 Std. 5 Min.
  • Glecksteinhütte – Wetterhorn: 4 ¼ Std.
  • Wetterhorn – Mittelhorn: ca. 1 Std. 20 Min.
  • Mittelhorn – Glecksteinhütte: ca. 3 Std. 20 Min.
  • Glecksteinhütte – Abzweigung Gleckstein: ca. 1 Std. 20 Min.

Tourengänger: Linard03


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