Roccabella, ein Pulvertraum zu Fuß (und ein Ausflug zum Septimer-Pass mit Abstecher auf La Motta)


Publiziert von Kauk0r , 7. Januar 2016 um 16:34.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Oberhalbstein
Tour Datum: 3 Januar 2016
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Aufstieg: 900 m

Eigentlich sollte es eine Ski(touren)freizeit im Skitouren-Dorado Bivio werden, der schwächelnde Winter 2015/2016 und die schönen, aber hinsichtlich der Schneebedingungen ernüchternden Berichte von Ivo66 aus dem Oberhalbstein ließen keine guten Aussichten zu. Am Ende waren es zwei schöne Winterwanderungen und ein solider Pistentag.

Wir reisten am 2. Januar bei beginnendem Schneefall an, die aperen Hänge bestätigen jedoch die Befürchtungen, dass da nix so holen sein würde. Es schneite die ganze Nacht auf den 3. Januar, in Summe dürften es um die 20 cm gewesen sein. Nach kurzer Überlegung und weil wir die Hütte direkt am Tua-Lift (ca. 1799 m) gemietet hatten, entschieden wir uns für eine Tour Richtung Roccabella, auch die hohen Südseitengipfel am Julier-Pass wären möglich gewesen, hätten aber mit einer Autofahrt gestartet werden müssen.

Zunächst ging es über die nun etwas besser eingeschneite, aber nicht fahrbare Piste hinauf zur Fahrstraße, die letztlich bis zum Septimerpass führt. Oben angekommen stünde dort im Sommer nochmals ein kleiner Parkplatz zu Verfügung. Auf dem Alpweg geht es dann das lange Tal der Eva dal Sett entlang, mindestens bis Fumia (1937 m) sollte der Weg planiert sein im Winter. Anschließend würde eine markierte Winterwanderroute zum Pass führen.
Bei Foppa (1953 m) befindet sich ein Hinweis auf eine Wildschutzgebiet, weshalb die markierte Route nicht verlassen werden sollte. Allerdings war aktuell die Route nicht wirklich markiert, so dass man ihr schlecht folgen kann, außerdem habe ich weder in der Schweizerkarte noch auf den Seiten von Graubünden ein entsprechendes Gebiet finden können. Auch am Ortseingang von Bivio, wo die Wanderung sonst beginnt war kein Hinweis angebracht.
Wir folgen dem Weg jedoch nur bis zur Gabelung oberhalb von Cadval (2019 m), hier zweigt nach links der markierte Weg in Richtung Roccabella ab. Bislang waren einige Spuren auf dem Weg gewesen, nach der Abzweigung musste selbst gespurt werden. Die Wegfindung war zunächst einfach, die Bachquerung mit Brücke war eindeutig. Danach folgten wird ungefähr dem Verlauf des Sommerwegs, nur ab und zu stießen wir auf die Markierungen. Ansonsten musste im windbeeinflussten Schnee (apere Stellen bis knietiefes Einsinken) eine sinnvolle Route gefunden werden. Das kuppierte Gelände steigt dann bis verfallenen Schutzhüttchen bei P.2277 an. Von hier geht man über lange Rücken gegen den weiten Sattel zwischen Roccabella und Piz Materdell, wir halten uns nördlich des Bachbetts. Dort liegt dann auch etwas mehr Schnee, das Spuren wird mühsamer. Im Sattel (ca. 2500 m) angekommen gilt es nun die sicherste Route durch die teils steile Südflanke zu finden. Dies gelingt ungefähr entlang des Sommerwegs, wenngleich dieser auch nicht auszumachen ist. Die Flanke war vor dem Schneefall aper, der Boden unter dem wenigen Schnee in der verblasenen Flanke teilweise hart und etwas eisig, Trittsicherheit war hier kein Fehler. Kurz unter dem Gipfel wartet noch ein kleiner felsiger Aufschwung, der links umgangen wird. Danach steht man auf dem breiten Gipfel der Roccabella (2727 m), oben hats einen Wegweiser und einen vorgelagerten Steinmann. Abstieg im fahlen Licht aufziehender Wolken.

Entgegen der Ankündigung der Wetterdienste schneit es in der Nacht von 3. auf 4. Januar kaum (dürfte max. 1cm gewesen sein), dafür hatte der Wind deutlich zugelegt. Die Liftanlagen in Bivio sind noch nicht richtig in Betrieb gewesen, lediglich der Lift Camon war in Betrieb und und schleppte die Wintersportler gut seine halbe Länge nach oben. Danach war Schluss und es ging über den beschneiten Teil der Piste nach unten. Abseits der Piste waren Schwünge im Pulver möglich, wenn auch mit Bodenkontakt. Das Tagesticket war zum Selbstkostenpreis von 15 SFr zu erwerben, ein vermutlich sehr faires Angebot.

Auch der angekündigte Schneefall von 4. auf 5. Januar blieb weitgehend aus, es blieb bei stürmischem Wind. Lediglich in den Morgenstunden waren ein paar Schneeschauer dabei. Die Lust auf eine Tour konnte dadurch aber nicht gemindert werden, zumal es im Tagesverlauf eine Wetterbesserung geben sollte. Also machte sich eine kleine Zweiergruppe morgens auf den anfangs bekannten Weg in Richtung Septimerpass. Nach der Gabelung Cadval waren die vorhandenen Spuren zunehmend verblasen und der Weg deutlich eingeweht, was ein kräfteraubendes Spuren erforderte. In diesem Bereich war der Wind mit am stärksten, es schneite und die Sicht wurde schlecht. Da kam die kleine Schutzhütte am P.2134 bei Plang Camfer gerade recht für eine kleine Pause. In deren Verlauf klarte es dann wieder besser auf und die Stapferei entlang des Fahrwegs konnte weitergehen. Bis zum Kreuz bei P.2268 an der Alp da Sett riss es immer weiter auf und die Sonne präsentierte schöne, winterliche Ansichten. Der Septimerpass (2310 m) eröffnete dann einen eindrucksvollen Ausblick nach Süden in eine wolkenzerrissene Bergwelt. Trotz der mühsamen Spurarbeit in oftmals knietiefem Schnee waren wir noch im Zeitfenster und wollten versuchen dem Motta da Sett eine Besuch abzustatten. Da schattseitig im Steilgelände mit Lawinengefahr zu rechnen war, umgingen wir P.2363 auf dem südseitigen, abgeblasenen Weg um dann in der Nordflanke den Motta da Sett zu queren. Hier trafen wir auf eine große Menge Triebschnee, teilweise waren die Rinnen und Mulden mehr als einen Meter verweht, man sank oft bis über die Hüfte beim Spuren ein. Solange man sich im flachen Gelände aufhielt war dies eine sichere Angelegenheit, im steileren Gelände traten beim Spuren Risse im Triebschnee auf. Da dies im Lagebericht erwähnt wurde, die Schneedecke jedoch hielt, blieben wir in der Annahme bei mäßiger Lawinengefahr unterwegs zu sein. Auf der Suche nach tragfähigeren und weniger tief verwehten Flächen gerieten wir bei der Querung in den Einzugsbereich von steilerem Gelände. Deutlich außerhalb unseres Spurbereichs kam es dann zu einer Fernauslösung eines kleinen Schneebretts, oberhalb aus felsdurchsetztem Gelände mit noch deutlich mehr Triebschnee. Da wir nun von einer erheblichen Lawinengefahr ausgingen und außerdem im tiefen Schnee viel Zeit verloren hatten brachen wir die Tour ab. Beim direkten Abstieg zu P.2167 lösten wir dann bei einer Umgehung nochmals an einer Muldenstruktur ein Schneebrett aus, was die Annahme bestätigte. Um nicht ganz ohne Gipfelerfolg zurückzukehren, stiegen wird noch über den breiten, fast aperen Südrücken auf den eher unbedeutenden Gipfel von La Motta (2166 m).

Auch in der Nacht vom 5. auf 6. Januar kam kein Schnee, es war klar und bis zur Rückreise um die Mittagszeit schien wunderschön die Sonne. Die steile Südseite am Piz Barscheinz war bereits wieder deutlich am ausapern.

Fazit: Tolle Tage in Bivio, wenn auch anders als geplant. Es liegt sehr wenig Schnee im Oberhalbstein. Nichtsdestotrotz versuchten einige Gruppen mit Tourenski loszugehen. Gespurt wurde der Motta da Sett am Tag unseres Fehlversuchs von einer Tourengruppe, in der Nordflanke war das fahrtechnisch sicherlich ganz in Ordnung, darunter wirds aber schnell eher ungemütlich. Weitere Versuche habe ich im Bereich der Pisten von Bivio gesehen und im Bereich des Fahrwegs zum Septimerpass, wobei auch das mit Bodenkontakt einherging. Wenngleich der SLF für die Region eine mäßige Lawinengefahr herausgibt, sollte man gerade in den schattigen Geländeabschnitten wirklich vorsichtig sein. Man sollte sich von den Bildern nicht täuschen lassen, da diese teils winterlich wirken. Meist liegen die Felsen und die Grasnabe direkt unter der Schneeoberfläche.

Tourengänger: Kauk0r


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