Zugspitze durchs Höllental


Published by Manu81 , 2 September 2015, 22h00.

Region: World » Germany » Alpen » Wetterstein-Gebirge
Date of the hike:22 August 2015
Hiking grading: T3 - Difficult Mountain hike
Mountaineering grading: PD-
Climbing grading: I (UIAA Grading System)
Via ferrata grading: PD
Waypoints:
Geo-Tags: D 
Time: 7:30
Height gain: 2200 m 7216 ft.
Access to start point:Mit dem Auto zum großen Parkplatz in Hammersbach.
Access to end point:Abfahrt mit der Eibsee-Seilbahn; mit der Zahnradbahn bis Hammersbach.
Accommodation:Zelten im Höllentalanger

Am letzten Urlaubswochenende ging endlich ein langgehegter Traum in Erfüllung - der Zugspitze via Höllental einen Besuch abzustatten. Die Höhenanpassung war eher suboptimal, da ich die Wochen davor auf ca. 1 müNN an der Nordsee verbracht habe...

Der Weg auf die Zugspitze muss nicht näher beschrieben werden, daher halte ich mich kurz: Der langfristige Plan war zunächst eine Übernachtung in der Höllentalangerhütte. Auf telefonische Anfrage wurde mir jedoch mitgeteilt, dass die Hütte zwar am 23.8. eröffnet werden solle, vom 22. auf den 23.8. aber noch keine Übernachtung möglich sei. Gut soweit. Schade. Dann halt mit Zelt...

Gesagt, getan: Campingausrüstung gepackt, Zelt, Schlafsack und das ganze andere Geraffel und ab nach Hammersbach. Nachmittags laufen wir gemütlich mit zwei mordsschweren Rucksäcken ins Höllental durch die Klamm zum Höllentalanger. Dann die Überraschung: die Hütteneröffnung ist  ni c h t  morgen, sondern bereits  h e u t e. Auch eine Übernachtung wäre problemlos möglich gewesen. Aha. Sehr schön. Gut. Zelt ist ja jetzt schon dabei, also lieber einen netten Zeltpatz suchen.

Nach etwas Suchen und Probeliegen finden wir einen perfekten Platz direkt am Hammersbach. Die vorgekochten Nudeln mit Bolognese schmecken hervorragend und auch der Rotwein mundet. Natürlich tragen wir alle Hinterlassenschaften am nächsten Tag mit hoch auf die Zugspitze und entsorgen alles erst im Tal...

Die Nacht wird sehr, sehr, sehr,....... seeeehhhhr kühl. Schätze 2-3 Grad über 0. Von daher fällt das Aufstehen zum - s p e k t a k u l ä r e n - Sonnenaufgang garnicht so schwer. Nach gemütlichem Frühstück und Zeltabbau schlendern wir zum Hammersbach und füllen unsere Wasserflaschen auf... Ähm. Hammersbach: wo bist du? Gut, hätte man sich denken können, dass ein Gletscherbach bei diesen Temperaturen morgens wohl kein Wasser mehr führen könnte. Gut, dann füllen wir unsere Flaschen halt nicht auf...

Los gehts also in moderater Steigung hoch in den Talschluss. Einen kleinen Versteiger in Richtung Riffelscharte leisten wir uns, aber dann ist auch schnell die berühmte Leiter mit dem anschließenden Brett gefunden. Nur schade, dass diese wirklich sehr schöne Passage so kurz ist... An das Brett schliest sich moderates Schrofengelände mit gelegentlichen I-ern an, bis man ab der Karschwelle wieder flacheres, aber deutlich gerölligeres Moränengelände erreicht. Auf der Seitenmoräne gelangt man - z.T. über Toteis - zum Höllentalferner. Hier lege ich meine Grödeln an. Meines Erachtens sollte man bei ausgeapertem Gletscher mindestens Grödeln + Stöcke nutzen, besser Steigeisen. Auf Blankeis ist das sonst wirklich kriminell, da der Gletscher doch recht steil ist und durchaus Spalten aufweist. 

Die Randkluft ist derzeit problemlos machbar. Ein Spreizschritt und man steht am Fels. Der obere Klettersteig ist durchaus anspruchssvoll - insbesondere die ersten 5-10 Meter (senkrecht, kleingriffig und -trittig). Ohne Seil sicherlich eine gute II/II+. Die Schwierigkeiten nehmen nach den ersten Metern etwas ab, es bleibt aber durchweg teil und anspruchsvoll. Eine Seilsicherung ist nahezu durchgängig vorhanden.

Kurz unterhalb des Gipfels überrascht uns noch ein Graupelschauer, der uns die letzten Meter etwas vermiest. Ein Gutes hat der Graupelschauer: der verbaute Gipfel versteckt sich zunächst im Nebel ;-)

Ach, und dann wirds unterhaltsam: auf dem Gipfelsteig trifft man Japaner in Leinenhose und Slipper, mit Hundeleine gesicherte Kinder und Ihre Eltern sowie ambitionierte ostdeutsche Familien mit vor-Angst-brüllenden Kindern ("Dem macht das Spaß, der klettert bei uns im Harz och. Der heult bloß weil hier an der Leiter Stau ist"). Aha. Schnell weg. Wir genehmigen uns Suppe und Strudel im Münchner Haus und suchen dann per Eibsee-Seilbahn das Weite.

Fazit: eine wirklich in höchstem Maße abwechslungsreiche Traumtour und ein "Muss" für jeden Bergwanderer. Auch wenn der Ausklang doch ein ziemlicher Kulturschock ist. Die Variante mit Tourenrucksack ist jedoch nicht zu empfehlen - der schwere Ruckack zieht am Klettersteig doch gewaltig nach hinten...




Hike partners: Manu81


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Comments (2)


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scan says:
Sent 4 September 2015, 07h06
Gratulation für die schöne Tour! Insgesamt hattet ihr da doch schönes Wetter, und so eine Tour ist - wenn auch arg überlaufen - einfach gewaltig, weil so abwechslungsreich und eindrucksvoll.

Der Rummel am Zugspitzgipfel ist halt schon pervers. Am schlimmsten fand ich, daß die da oben Kuhglocken und ähnlichen Schrott an die Touries verkauft haben.

Allerdings kriegt man manchmal auch schöne Geschichten mit: Bin vor Jahren von der österreichischen Seite über die Stopselzieher hochgelaufen und an der Scharte hatte ich 2 überglückliche Wanderer aus den Norden getroffen. Die hatten die Wanderung Monate vorher geplant und sich dann tags zuvor bei strömenden Regen und dichten Nebel zur Reintalangerhütte gelaufen und waren richtig deprimiert. Und dann am nächsten Tag, wo ich sie getroffen hatte - schönstes Wetter, keine Wolke am Himmel, Kilometerweite Sicht. Die waren wirklich tief ergriffen und glücklich.

Manu81 says: RE:
Sent 4 September 2015, 09h08
Danke Dir für Deinen Kommentar! Ja, die Zugspitz ist halt trotz allem ein besonderer Berg. Wir hatten auch viele interessante und auch lustige Begegnungen unterwegs... Was mich am Gipfel halt vor allem gestört hat, ist weniger der Verbau sondern vor allem die Verantwortungslosigkeit einiger Eltern, die Ihre vor-Angst-heulenden Kinder quasi an der Hand über den Gipfelsteig zum Kreuz gezerrt haben... Grüße Manuel
Manuel


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