COVID-19: Current situation

Nur Alp de Fora? Aber spektakulär !


Published by Barna10 , 20 February 2014, 00h55.

Region: World » Switzerland » Grisons » Misox
Date of the hike:15 February 2014
Snowshoe grading: WT5 - Alpine snowshoe hike
Waypoints:
Geo-Tags: Gruppo Arbeola-Molera   CH-GR 
Time: 2 days 14:00
Height gain: 1200 m 3936 ft.
Height loss: 1200 m 3936 ft.

Eigentlich war geplant dieses WE im Raum San Bernardino zu verbringen. Wegen den grossen Schneemengen und Verwehungen verbrachten unsere Gruppe von "Ungeschockten" die Tage im Grenzbereich Calancatal/Misox. Gruppengrösse 8 Personen, SAC St.Gallen.

Früh am morgen mit PW, via Kaffeehalt in Thusis, nach Sta Maria in Calanca. Obwohl das Dorf über dem Misoxer Haupttal trohnt, gehört es bereits ins Calancatal. Interessanter politischer Grenzverlauf.
Historisch bedingt. Geografisch ist die Grenze eigentlich erst im Hauptkamm des Piz di Rüss - Pizzi di Renten - Mottan zu finden.

SLF Einschätzung: Stufe 2 oberhalb 2200m, steile Rinnen von W-SO, vorsichtige Routenwahl. Mit Schnefall etwas ansteigend.

Die Parkplätze beim Gemeindehaus waren ausschliesslich von Einheimischen belegt. Der Himmel war bedeckt, jedoch nicht unfreundlich, Temperatur +- 0°
Gut ausgerüstet mit alpintauglichen Schneeschuhen, LSV komplett, und Hochtourenmaterial inkl Seile, begannen wir den Aufstieg nach Bald.
Ab der 1000m Höhenlinie liefen wir nur noch im Schnee. Mit jedem Dutzend Meter Höhengewinn stieg die Schneehöhe an. Bis Bald konnte der normalen Wanderweg benutzt werden. Die kleine Kapelle konnte ich unter den Schneemassen nicht erkennen. Wir folgten einer Skispur bis Pkt 1223m wo wir die Schneeschuhe anzogen. Nach 400m bogen wir von dem Fahrweg ab und stiegen in den Bosch de Bald hoch. Mehr nach Gefühl als Wissen querten wir westwärts zum Bosch de Ross und erreichten kurz vor der 1500m Höhenlinie die markannte Rippe die zum Pian de Scignan führte. Lockerer Pulverschnee erschwerte in den Steigungen das Spuren. Der Marsch durch die einsame und verschneite Winterlandschaft zur Kapelle "Sant' Antoni di Bolada"  zog sich in die Länge, war jedoch traumhaft.
Nach 2.5h erreichten wir wie geplant die restaurierte (berghilfe.ch ?) Kapelle. Ab hier war es mit seriöser Zeitplanung zu Ende. Kurze Pause, Zuckerspiegel anheben, Flüssigkeit dem Körper zurückgeben. Vom Wegtrassee ist bei >1.50m Schnee nichts mehr vorhanden. Anhand der im Massstab 10000 ausgedruckten Karte von Swisstopo und erkennen/erahnen von einem vernünftigen, möglichen Wegverlauf stiegen wir vorsichtig oberhalb eines Felsbandes zu Pkt 1618 ab.
Oberhalb von Sendon war es enorm wichtig das richtige Felsband zu erwischen um weiter Richtung Madalin zu kommen. In der ersten Schlucht, diejenige die vom Pkt 1989m des Piz di Renten Süd herabkommt, musste zum ersten Mal ein Fixseil montiert werden. Die 50m des Seils wurden bis zum letzten Meter gebraucht. Die Schneebedingungen waren uneinheitlich. Trittschnee, leichte Vereisungen, Bruchharsch. Die Spurarbeit in dem steilen Gelände war anspruchsvoll. Es musste mit den Stöcken teilweise Stufen "vorgestochen" werden.

Bei der 2. Rinne, diejenige die vom Piz di Renten Süd (2000m) herab kommt und vor der Ruine von Pkt 1578m, wurde zum 2. Mal ein Fixseil eingerichtet. Dadurch ging natürlich viel Zeit verloren. Aber ein ungesicherter Sturz hier wäre absolut tödlich gewesen. Die Rinne erscheint vor Ort wesentlich grösser als auf der LK wiedergegeben und der Felsabsturz unterhalb des Weges ist auch nicht ersichtlich.

Nachdem die Häfte meiner Freunde diese Passage durchstiegen haben, brach die Spur unter der Belastung der Nachfolgenden weg und sie rutschte/fiel in das Seil. Das Wegspur überquerte in einem Bogen diese Passage und das Seil konnte somit nicht voll gespannt werden. Nach wenigen Meter stoppte die Talfahrt. Etwas geschockt erreichte sie das Ende des Fixseil. Hinsetzen, Bauchatmung, kurze Pause, Aussprache, Zeit lassen. Alles andere ist nebensächlich.
Nocheinmal musste ein kurzes Stück mit dem Seil abgesichert werden (ca 25m). dann erreichten wir die eingeschneite Ruine von Pkt 1578. Es beginnt zu schneien.
Von hier aus war es ein vorsichtiges Vorwärtsspuren und mit der Technik des "langen Halses" um Biegungen herum den besten Durschlupf durch die grosse Rinne, die vom Verbindungsgrat Renten Nord (1978m und Renten Süd (2000m) herabkommt, zu finden.

Etwas erleichtert erreichen wir Portairö. Die Steilhänge sind nun hinter uns, dafür haben wir es jetzt mit sehr tiefem Pulverschnee zu tun. Eigentlich war geplant 500m weiter nördlich den Mont Soran hoch zu steigen.
Im Sommer sind hier ab und zu uralte Wegtrasse und sehr vereinzelte verblasste Markierungen zu finden. Einige nicht sehr hohe Felsbänder müssen umgangen oder an der richtigen" Stelle durchstiegen werden.

Nach kurzer Rücksprache mit der ganzen Gruppe wurde auf der Rippe von Portairö der sofortige Aufstieg zur Forststrasse beschlossen. Unsere Freizeit Boxerin spurte mit ihren nicht allzu langen Beine erstaunlich steil und in gutem Rythmus Richtung NO hoch. Die nachfolgenden "Spurer" hielten sich nördlich mussten jedoch einigen Felspartien ausweichen. Schliesslich erreichten wir den Kehrplatz der Strasse wie geplant.
Das allmählich schwindende Tageslicht liess nur eine kurze Pause zu.
Der Versuch dem Winterweg zur Alp de Fora zu folgen wurde wegen mangelnden sichtbaren Markierungen auf ca 1800m aufgegeben. Schneehöhe >2m. Nordöstlich haltend stiegen wir bewusst etwas höher auf als der Weg zum Pian de Renten eigentlich ist. Ich wollte auf jeden Fall an der idealsten Stelle (Wanderweg) die zwei Lawinenrinnen südlich der Alp de Fora queren.
Den Weg den ich schon mehrfach im Winter in der Nacht ohne Hilfe der Stirnlampe begangen habe, sah bei diesen Schneemengen so anders aus. Plötzlich kam der befreiende Ruf: "I gseh si, i gseh si...!!" Damit meinte die Dame natürlich Alp de Fora.
Ausser dem hohen Kamin und der vorgelagerten 2013 renovierten ehemaligen Hirtenhütte (Modern verschlossen, Privatbesitz) war nicht viel zu sehen. Die Dachlawine hat die Alp fast vollständig eingepackt. Glücklicherweise war der Eingang seitlich frei zugänglich. Vermutlich hat Boris aus Braggio/Stabbio noch etwas geschaufelt. Vorsichtig und einzeln wurden die etwas heiklen Rinnen überquert.

Nachdem die Brunnenstube bereits am 03. Januar 2014 mindestens >4m unterhalb der Schneedecke war verzichteten wir diesmal auf eine Lawinen-Sondenübung....... Es lagen Schätzungsweise 6m Lawinenschnee an dieser Stelle. Zeitbedarf total 9h, davon ca 8.25h reine Marschzeit.
Eiskalte Hütte, guter Schwedenofen. Beste: Kochgruppe, Schneeschmelzer, Heizer, Abwascher, Unterhalter, einfach alles was eine tolle Gruppe ausmacht. Die Ersten gehen um 21:15 in die warmen Daunensäcke. Der letzte ca 01 Uhr.....

Sonntag:
Tagwache um 08:30, es schneit, ist merklich wärmer, Schnee nicht pulverig sondern ziemlich schwer.
Gestärkt durch das gestrige Erfolgserlebnis gingen wir nach dem Reinigen der Hütte zum Pian de Renten vor.

Vor etlichen Jahren bin ich von Scep aus Richtung NW hochgestiegen und habe einen möglichen Zugang von dieser Seite zum Pian de Renten gesucht. Idee: Umrundung des Piz de Rüss (Alp de Fora - Bocca d'Vegeina - Alp Cardinell - Scep - Pian de Renten - Alp de Fora) Leider kam ein heftiges Gewitter auf und fluchtartig musste ich dazumal das Unternehmen abbrechen. Ich kam bis unter den Felsriegel auf einer Höhe von ca 1840m, hörte bereits Stimmen oben auf der Ebene.....
Die Erkenntnisse von anno domini 2002 ? ermutigten mich bei dem Versuch auf kürzestem Weg nach Sta Maria abzusteigen.

Die "Schwachstelle": Ausgangspkt ist die Ruine auf dem Pian di Renten. Man gehe südöstlich vor bis zur Waldgrenze die am nächsten ist. Seit "einigen" Jahren ziert dies eine ausgewachsene Lärche...
Hier ist der Felsriegel ins Misox hinunter nicht sehr hoch und nicht senkrecht. Gleichzeitig ist es empfohlen hier aus Sicherheitsgründen eine kurze Abseilstelle einzurichten. Wenn die Schneewächten nicht zu hoch sind ermöglicht es einen schnellen Abgang ins Tal hinunter. Zumindest mit Schneeschuhen....

Achtung: Man bewegt sich in steilem und weiter unten in eher unübersichtlichem Gelände. Bei Neuschnee sehr heikel. Schneerutsche von rechts können sehr unangenehme Situationen hervorrufen. Ebenso abbrechende Wächten (erstaunlich wenig vorhanden, jetzt im Feb 2014......)

Seilt man nördlich der Lärche ab, wird eine steile Rinne erreicht (Im Luftbild ist sie besser erkennbar)
Von Cracks könnte diese Stelle ohne Seil begangen werden. Wenn sie wissen das sie am richtigen Ort sind.
Dieser Rinne folgt man südöstlich bis auf ca 1760m (ab hier liefen wir im Regen) wo nach SW abgebogen wird. Bis man auf den Stein mit der Kote 1651m trifft. Ab hier kann dem normalen Wanderweg ins Tal gefolgt werden. Alles was am Wanderweg des Pian di Renten hinunterfällt kann die Sicherheit der hier absteigenden gefährden.... Steine, Wild, Touris, Eis und Schnee.......

Bei viel Schnee, und nur dann !!, kann auch, wie wir, direkt weiter nach Cant bzw Scalader abgestiegen werden. Vorsicht: Es handelt sich um Bergsturzgebiet mit tiefen Löchern teilweise >1.5m.... Es hat fast jede/r von uns  Bekanntschaft gemacht mit diesen unsichtbaren Fallen....
 
Via Dasga sind wir ziemlich Müde vom vielen Lachen und müden Beinen wegen dem nassen und tiefen Schnee in nur 4.5h wieder angelangt.

Vielen Dank an alle Teilnehmer!

Hike partners: Barna10


Minimap
0Km
Click to draw, click on the last point to end drawing

Gallery


Open in a new window · Open in this window


Comments (3)


Post a comment

Seeger says: 14 Stunden
Sent 20 February 2014, 08h58
Wühlarbeit!
Gratuliere Dir und der Gruppe für diese Leistung.
Müde nur vom Lachen?
Ein eventueller Nachahmer soll Deinen sehr guten Text exakt studieren: Da sind einige Knack(Risiko)punkte sehr gut hervor gehoben. Und auch die Anforderung an die Ausrüstung.(50m Seil, LVS, Schaufel, alpintaugliche Schneeschuhe, etc.)
Danke, dass Du uns am Erlebnis teilnehmen lässt.
Gruss
Andreas

giorgio59m (Girovagando) says: RE:14 Stunden
Sent 21 February 2014, 14h56
Scusate l' italiano ...
Bravi a tutti.
Andreas a te tutta questa neve al rifugio Alp de Fora ti ricorda qualcosa vero ?
http://www.hikr.org/tour/post12326.html

... CIAO

Seeger says: RE:14 Stunden
Sent 21 February 2014, 18h45
Ciao Giorgio
Da vero. E come ho sofferto della mancanza del acqua!
E per questo che ho fatto una risposta a barna10.
Ricordi.....
Cari saluti
Andreas


Post a comment»