Bike: Monte Tamaro "extended"


Published by Bombo , 14 October 2012, 16h39.

Region: World » Switzerland » Tessin » Sottoceneri
Date of the hike: 7 October 2012
Mountain-bike grading: AD - Technically demanding
Waypoints:
Geo-Tags: CH-TI   Gruppo Tamaro-Lema 
Time: 3:30
Height gain: 920 m 3018 ft.
Height loss: 1950 m 6396 ft.
Route:siehe GPS-Datei
Access to start point:Kostenlose Parkplätze bei der Talstation der Monte Tamaro Gondelbahn

Monte Tamaro "extended" - 100% Trails


Zugegeben, die 100%-Marke habe auch ich nicht erreicht, doch mein Ziel war es, die bekannten Tamaro-Trailrouten noch mit eigenen Ergänzungen auszubauen, sodass der Trailanteil möglichst eine hohe Quote bekam.

Da ich schon am Vortag die Tour über den Passo del Sole geniessen durfte, im nördlichen Alpenraum für den heutigen Tag trübes Wetter vorhergesagt wurde und zwei meiner besten Freunde eine Wanderung von der Capanna Tamaro 1867m zum Monte Lema 1621m geplant haben, war es für mich mehr als gegeben, meine heutige Tour in den Ostflanken des Gratzuges zu fahren. 

Mit der ersten Gondelbahn um 08.30 Uhr liess ich mich und mein Bike von Rivera 469m fürstlich hoch zur Alpe Foppa 1530m gutschieren, wo es für mich wie jedes Mal wenn ich hier bin, zuerst einen Besuch in der Cappella di S. Maria degli Angeli von Mario Botta gab. Die Kappelle, welche von Botta 1990 entworfen und von 1992 bis 1994 erbaut wurde, gehört für mich zu den schönsten Bauwerken, welche wir in der Schweiz haben. Einfach, schlicht, symmetrisch, kühl und doch irgendwie warm genug, um sich an diesem kleinen Platz wohl zu fühlen, inne zu halten und dabei die Aussicht ins Tal oder wie heute auf das Nebelmeer zu geniessen. 

Den Frühstückskaffee in der Capanna Tamaro 1867m zusammen mit meinen Freunden wollte ich aber keinesfalls verpassen, weshalb ich mich bald schon aufmachte, die steile und immer wieder mit nassen Steinen durchsetzte Bergstrasse auf mich zu nehmen. Es erfordert einiges an Geschick (und Kondition), diese kurze Etappe ohne abzusteigen zu meistern - heute gelang es mir nicht, dafür hätte ich das Frühstück vor und nicht erst nach dieser Etappe einnehmen sollen. Dafür aber hörte ich schon von weitem die Motivationsrufe meiner beiden Freunde in der Capanna Tamaro und ich war nicht unglücklich, als ich schon bald an den dortigen Tisch sitzen und mich mit einem Frühstück stärken durfte.

Von hier aus begleitete ich die beiden noch bis zur Bocchetta del Motto Rotondo 1842m, von aus sie die Wanderung zum Monte Lema fortsetzten und ich dann in den ausgeschilderten Biketrail startete. Die ersten Meter durch die Ostflanke des Monte Tamaro bis zur Vergabelung, wo man wieder hoch zur Bassa di Indemini 1723m könnte, sind für Bikeanfänger sehr anspruchsvoll und es empfiehlt sich dann - vor allem, wenn noch erschwerend Wandertouristen unterwegs sind - abzusteigen und das Bike zu schieben. Persönlich hatte ich auf dieser Etappe grossen Spass, kann man hier sich selber doch beweisen, dass das technische Training der letzten Monate seine Zeit wert war. 

Es folgen nun absolut traumhafte superflowige Trailabfahrten und dies fast ausnahmslos ohne weitere Besucher. Die einzigen Besucher, welche ich leider nicht sah, in wenigen Meter zu meinem Standort jedoch hörte, waren die Hirschböcke, welche lautstark ihre Brunftschreie von sich gaben. Einmal meinte ich sogar, ich stünde zwischen zwei Böcken und dies wirklich nur in einem Radius von maximal 20 Meter - weshalb ich dann auch meinen "Beobachtungsposten" zu Gunsten der "Tierruhe" aufgab und mich dennoch über dieses tierische Erlebnis freute. 

Ich folgte nun dem markierten Trail - ein wahres Bijoux! - bis zum Wegweiser bei La Bassa 1367m. Hier konnte ich der Versuchung, doch auch noch einen Gipfel zu erklimmen, nicht widerstehen und folgte auf eigene Faust dem Wanderweg hoch bis zum Gipfel des Monte Ferraro 1494m. Dessen Gipfel bzw. auch Steinmann thront majestätisch über den Dörfer, gut ersichtlich, wenn man von Agno nach Rivera fährt. Hier gab's für mich eine weitere kulinarische Verstärkung, ich genoss die Nebelschwaden, welche nur wenige Meter unter mir vorbei zogen und hinterliess auch im Gipfelbuch meine Spuren. 

So wie ich das Bike zu einem grossen Teil von La Bassa zum Gipfel hochschieben musste, so musste ich auch im Abstieg beim Gipfelaufbau schieben. Zuerst dachte ich aufgrund der Höhenlinie auf der LK, dass ich dieses Gelände locker befahren könnte, doch weit gefehlt. Das kniehohe Gras mit den unzähligen versteckten Geländelöcher, vermutlich durch Viehwirtschaft, liess mein Vorhaben bald scheitern. Ich fand dann wenig später wieder den völlig überwachsenen Weg, welcher in der LK eingezeichnet ist, scheinbar aber nicht mehr begangen wird. Mein Ziel war es, möglichst alles zu fahren, was mich nicht selten an den Rande meiner Fahrtechnik brachte. Schienbein- und Knieschoner sind also ganz klar zu empfehlen... Es folgte noch ein kleiner Abstecher in die Botanik - die Wegmarkierungen waren über eine längere Zeit nicht mehr ersichtlich - dank GPS-Gerät fand ich aber bald wieder die richtige Fährte und erreichte so die Rusticis von Böscior 1134m. Hier käme auch der markierte Biketrail von La Bassa hinunter. Zusammengefasst: Der Ausflug auf den Monte Ferraro 1494m ist wirklich nur etwas für Gipfelsüchtige, aber ganz bestimmt nichts für Biker, welche sowieso meistens nur die Trails vor Augen haben. 

Den weiteren Verlauf entnimmt man meiner GPS-Karte. Das meiste habe ich aus einer Tour im Internet abgeschaut und wer konditionell einigermassen fit ist, dem sei diese Variante auf jeden Fall empfohlen. Meistens führt die Fahrt über Trails, sehr selten über asphaltierte Strassen und hin und wieder fährt man auf Schotterstrassen, wo weit und breit keine Seele ist. Je näher man sich der Talgegend nähert, desto mehr Dörfer erscheinen und folgedessen mehren sich auch die Fussgänger, welche im Wald nach Kastanien suchen oder sonst ihre Ruhe geniessen. Freundlich grüssen und die Geschwindigkeit zurücknehmen sollte eigentlich selbstverständlich sein. 

Ich gebe zu, irgendwann war ich dann doch auch froh in Agno angekommen zu sein - gerade im Schlussteil gab's immer wieder so ein paar versteckte Höhenmeter, welche auf der LK fast nicht ersichtlich sind. Und gerade diese sind es, welche dann doch ziemlich an den Kräften zerren. In Agno wählte ich dann die direkte Variante nach Rivera via Hauptstrasse, hier gäbe es bestimmt noch schönere und ruhigere Fahrvarianten. Irgendwann sagt der Körper aber "nach Hause fahren" und dann spielt die Umgebung nicht mehr so eine Rolle.  Geschafft und vor allem sehr glücklich über das Erlebte erreichte ich dann in Rivera den Parkplatz der Gondelbahn-Talstation. 1 Stunde später trafen auch meine beiden Freunde nach ihrer Wanderung ein und wir durften in einem von unseren Lieblingsrestaurants in Quartino, kurz vor Locarno, das verdiente Nachtessen geniessen. 


Fazit:

Das Bike-Paradis Monte Tamaro wird von Schweiz Tourismus als Top-Bike-Destination vom Tessin angepreist. Und ja, man kann diese Aussage auf jeden Fall unterstützen. Es gibt für jede Richtung diverse Möglichkeiten seinem Tatendrang freien Lauf zu lassen, sei es für Touren-, Downhill- oder Parkbiken. 2003 wurden hier sogar die Weltmeisterschaften im Mountainbike ausgetragen (Nino Schurter damals noch mit der Junioren-Medaille!). Meine Variante liegt abseits der grossen Wanderer- und Bikerströme, was natürlich dem ganzen gleich nochmals einen Stern mehr verleiht. Selbstverständlich kann man von Rivera aus auch mit dem Bike hoch zur Alpe Foppa fahren, ich für mich hatte auf jeden Fall am Schluss des Tages das Gefühl, dass ich trotz Gondelbahn-Kutschenfahrt mehr als genug Meter in den Beinen hatte...


Genaue Details siehe GPS-Track.


Technische Daten: 

Auf- / Abstieg: 880 / 2450hm
Max. Höhe 1231m
Total Distanz: 59 km
Total reine Fahrzeit: 3h 55min
Durchschnittstempo: 14,2 km/h
Schwierigkeit: S2, wenige Stellen S3-


Tour in der Alleinfahrt.

Hike partners: Bombo


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