Sextner Rotwand (Rotwandspitze, 2936 m)


Published by gero , 17 September 2012, 19h22.

Region: World » Italy » Trentino-South Tirol
Date of the hike:17 September 2012
Via ferrata grading: PD-
Waypoints:
Geo-Tags: I 
Time: 7:00
Height gain: 1100 m 3608 ft.
Height loss: 1100 m 3608 ft.
Route:Rotwandwiesen - Rotwandköpfe - Sextner Rotwand (Rotwandspitze) - Burgstall - Rotwandwiesen (8,8 km)
Access to start point:Durchs Pustertal bis Innichen, dann nach Sexten-Moos. Gebührenfreier Großparkplatz an der Talstation der Rotwand-Seilbahn (neben dem unübersehbar großen Hotelbau Bad Moos).
Maps:Freytag & Berndt WKS 3 (Pustertal - Bruneck - Drei Zinnen)

Es ist erstaunlich: kaum jemand weiß, daß der Normalweg dieses unschwierigen Klettersteiges "nur" auf die Rotwandspitze (auch: Nordgipfel), nicht auf den Hauptgipfel der Sextner Rotwand führt! Doch dazu später.

An diesem Berg leiste ich mir mal die Seilbahn: für günstige 14 Euro schaukelt man 550 Hm von der Talstation der Rotwand-Seilbahn (1365 m) hinauf zur Rotwandwiese - und auch wieder hinunter. Bucht man nur die Bergfahrt, dann zahlt man mit 10,20 Euro unerheblich weniger.

Ich nehme natürlich gleich die erste Gondel bei Betriebsbeginn (8:30 Uhr) und starte kurz vor 9 Uhr an der Bergstation der Seilbahn (1924 m). Jetzt herrscht hier noch angenehme Ruhe - später, als ich zurückkomme, sind ganze Heerscharen von Touristen heroben, die den letzten wunderbaren Spätsommertag ausnutzen.

Ein ganzer Schilderwald weist die diversen Ziele aus, die man von den Rotwandwiesen aus ansteuern kann. Auf Steig Nr. 100 geht es (zunächst Richtung Alpinisteig) in sanfter Steigung über die saftig grünen Wiesen schräg links aufwärts; nach 10 Minuten muß man sich an deren oberem Rand an einem Wegweiser entscheiden, ob der Aufstieg über den Burgstall oder die Rotwandköpfe erfolgen soll. Ich rate zum Aufstieg über die Rotwandköpfe (mit Abstieg über den Burgstall), so muß man sich das steile, etwas schmierige Gelände am Burgstall  nicht hinaufmühen.

Nach 45 Minuten habe ich an einem weiteren Ww die Stelle erreicht, wo mein Anstieg vom Weiterweg zum Alpinisteig abzweigt; "Klettersteig Rotwandspitze" heißt es hier - der Steig trägt nun keine Nummer mehr, ist aber gut markiert. Ohne den Steig abwerten zu wollen, muß ich sagen, daß er nur an sehr wenigen Stellen den Charakter eines Klettersteiges annimmt; zu 90% ist alles Gehgelände, die Rotwand ist nicht so unnahbar, wie sie aus dem Tal oder von den Rotwandwiesen aussieht - im Gegenteil, sie gibt sich sehr zugänglich.

Das Steiglein führt nun an der Westseite der Rotwandköpfe lauschig durch Latschenfelder aufwärts; gebannt schaut man hinunter ins Fischleintal und vor allem hinüber zu der alles beherrschenden Dreischustergruppe. Nach etwa 80 Minuten stehe ich am Beginn der ersten Versicherungen - hier lege ich den Klettergurt an. Es geht 3 stählerne Leitern (zusätzliche Fixseile) hinauf in die große Geröllterrasse des Nördlichen Kares, von links (Norden) mündet der Steig vom Burgstall kommend ein, dort werde ich später absteigen.

Am oberen Ende des Nördlichen Kares folgen wieder einige Fixseile, aber wie schon zuvor und auch nachfolgend ist die Kraxelei unschwierig und harmlos (Trittsicherheit sowie trockene Normalverhältnisse vorausgesetzt). Sie führt über eine weitere geneigte, gut gangbare Geländestufe aufwärts, die in einen weiten Sattel mit den Relikten der Weltkriege mündet (2 Std. ab Rotwandwiesen): überall liegt vermoderndes Bauholz herum. Ein Ww leitet unmißverständlich weiter: "Klettersteig Rotwandspitze" heißt es abermals, mit roten Punkten markiert, das Steiglein führt nun kurzzeitig abwärts in die Westseite eines weiteren Aufschwunges, bevor es wieder bergauf in das Westliche Kar geht. Durch dieses erreicht man einen plateauartigen Sattel, die Rotwandscharte (ca. 2700 m); an einem großen Steinblock prangt ein Schriftzug zur Erinnerung an Dr. Hans Sild, dem Kommandanten der Österreicher an der Rotwand.

An dieser Stelle blickt man über das steile Vallon di Sentinella (es kommt von der Sentinella-Scharte herunter) auf die eindrucksvollen Nordabstürze des Elferkofels - ich schaue hinüber zum Alpinisteig, der sich kühn durch die Wände schlängelt. Hier auf der Nordseite des Elferkofels liegt bereits (hartgefrorener) Schnee; er dürfte die Begehung des Alpinisteiges momentan unmöglich machen. Am unteren Ende des Westlichen Kares zweigt ein Steig ab, leicht fallend führt er hinüber ins Vallon Sentinella (leicht zu übersehender Schriftzug auf einem Stein).

In der Rotwandscharte stehend, erblickt man inzwischen gut das Ziel in Form des Gipfelkreuzes; doch sind es nochmals etwa 200 Hm, die überwunden werden müssen. An der folgenden Geländestufe ist das einzige Mal wirklich Kletterei notwendig - ein 20 m hohes Wandstück ist durch eine seichte Rinne zu erklimmen, doch ist die Kletterei unschwierig, nicht heikel und im übrigen durch ein Fixseil abgesichert. Dies ist die einzige Stelle, an der ich die Selbstsicherung einhänge - vor allem im Abstieg nimmt man die Hilfe des Fixseiles gern in Anspruch, vor allem wegen des durch die vielen Begehungen glattpolierten Gesteins.

Das letzte Stück hinauf zum Gipfel ist leider sehr brüchiges Geröllgelände - hier heißt es vor allem im Abstieg gut aufpassen, daß man keinen Steinschlag auslöst, er würde weiter unten kraxelnde Bergsteiger ernsthaft gefährden.

Um 11:45 Uhr habe ich den Gipfel der Rotwandspitze (2936 m) erreicht und damit exakt 3 Std. ab Rotwandwiesen benötigt. In mehrfacher Hinsicht habe ich einen wunderbaren Spätsommertag erwischt: die Anzahl der Bergsteiger hält sich heute in Grenzen, es ist praktisch windstill und die Fernsicht ist dank makellos blauen Himmels grandios.

Nun kommt aber das ABER:

Die Sextner Rotwand besteht aus einer großen Anzahl von Gipfeln - da gibt es z.B. im östlich abstreichenden Kamm den Pellegrini-Turm, den Neunerkofel und viele andere. Im Gipfelkamm liegen das Trapez, der Spitzengrat, die Pyramide usw  Der Hauptgipfel der Rotwand ist der Vinatzer-Turm (2965 m) - mächtige Kriegskavernen und Leitern prägen ihn, das Gipfelkreuz ist ebenfalls zu erkennen. Ein unnahbarer Zackenkamm führt hinüber, und ich möchte natürlich gern erkunden, ob ich als Normalbergsteiger eine Chance habe, dorthin zu gelangen.

Einem Steiglein mit einem Stahlseil folge ich etwas unterhalb der Felszacken, es endet nach 15 Minuten in einer scharfen Scharte, hier geht es ostseitig steil abwärts auf dem nicht ganz einfachen Zandonella-Klettersteig. Mein Ansatz erweist sich als falsch - man müßte noch etwas weiter unten queren, auf die untersten der deutlich erkennbaren Barracken zuhalten, von denen man dann vermutlich aufwärts klettern müßte. Hier liegen aber hartgefrorene Reste des vor wenigen Tagen niedergegangen Neuschnees, unter den gegebenen Bedingungen macht das Gelände einen wenig einladenden Eindruck auf mich. So beschließe ich, vernünftig zu sein und den Übergang zum Vinatzerturm auf ein ander Mal zu verschieben. Ich habe ihn hier als Wegpunkt eingeführt, um zu dokumentieren: die vielbesuchte Rotwandspitze ist nicht der Kulminationspunkt der Sextner Rotwand!

Beim Abstieg besuche ich noch diesen und jenen neben dem Steig liegenden Aussichtspunkt und steige später über den Burgstall ab. Das nordseitig ausgerichtete Gelände liegt fast den ganzen Tag im Schatten und ist deshalb auch nachmittags noch feucht. Die Felspassagen sind zwar unschwierig, aber ebenfalls glattpoliert und teilweise etwas ausgesetzt, deshalb benutze ich hier ein letztes Mal die Selbstsicherung des Klettersteigsets.

Nach 7 Std. erreiche ich schließlich den eingangs angedeuteten Trubel auf den Rotwandwiesen - und schaukele zufrieden hinunter nach Bad Moos.


FAZIT:

- Bei Normalbedingungen unschwieriger Steig, nicht heikel, zu 90% Gehgelände;
- erwähnenswert ist das vielfach glattpolierte Gestein.

Hike partners: gero


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 13046.gpx Von den Rotwandwiesen auf die Rotwandspitze

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Comments (5)


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Jackthepot says: Superrr
Sent 17 September 2012, 19h27
Hallo Georg,
wieder einmal ein Tourenhammer, den du da abgeliefert hast - gratulifiziere ;-)
Weiter so Harald

gero says: RE:Superrr
Sent 17 September 2012, 19h34
Hi Harald,

danke für die Gratulifikation!

Aber den Vergleich mit dem Antelao beispielsweise kann die Rotwandspitze eher nicht mithalten.

Aber es kommt ja auch immer vor allem auf den Spaß an!

Gruß, Georg

Jackthepot says: RE: Genau Spaß
Sent 17 September 2012, 23h11
... Vergleiche... schau meine diesjährigen Zielchen an. Da kann man doch nur neidisch werden, oder?
VLG H.

ADI says:
Sent 19 September 2012, 11h27
ja, die Sextener...sind schon Klasseberge.....hast wieder mal a 1a Dolo-Tour hinglegt, gratuliere!

VLG aus dem Optikerladen, G.

Felix says:
Sent 24 September 2012, 16h23
ja, Klasse sieht es echt aus - wieder mal eine typisch tolle gero-Tour; Barvo!
lg Felix


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