Vorderseespitze-Ostgrat und Südrinne


Published by quacamozza , 18 September 2011, 20h57. Text and phots by the participants

Region: World » Austria » Nördliche Ostalpen » Lechtaler Alpen
Date of the hike:16 September 2011
Hiking grading: T6 - Difficult High-level Alpine hike
Mountaineering grading: PD-
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: A 
Time: 7:00
Height gain: 1700 m 5576 ft.
Route:Schnann-Alperschonjoch-Vorderseespitze-Vordersee-Schnann
Access to start point:Vom Bodensee über Feldkirch-Bludenz-Arlbergtunnel (8 € einfach oder über die Passhöhe 10 min länger)-Schnann; Parkplatz vor der Schnanner Klamm auf ca. 1220m
Maps:AV-Karte 3/3 Lechtaler Alpen Parseierspitze 1:25 000

Die Vorderseespitze ist einer der Hauptgipfel der Lechtaler Alpen und auf keinem Weg leicht zu ersteigen. Alle Routen haben ihre Tücken und sind sehr verhältnisabhängig. Somit bietet schon die Planung der Tour einige Herausforderungen: Ein kleiner, aber spaltenreicher Gletscher, die durchwegs schlechte Felsqualität, die langen Anmarschwege, die problematische Wahl einer vernünftigen Abstiegsroute sowie eine eventuelle Übernachtung - das alles gilt es zu berücksichtigen.
Mit einer guten Kondition kann man die von uns durchgeführte Variante als Tagestour problemlos schaffen.



Zur Schwierigkeit:

Ostgrat:
einige Stellen II+ und II, insbesondere im unteren steilen Gratteil, viel brüchiger Fels und teilweise unangenehm plattiges Gestein

Südrinne: Einstiegsstelle in Abstiegsrichtung heikel (T 6 und II; festgebackener, sehr steiler Schutt), dann T 5 bis T 6 und eine weitere Stelle II), unten im gerölligen Auslauf schnelle Abfahrt möglich
Die Rinne ist sehr steinschlägig und gefährlich, wenn mehrere Begeher unterwegs sind! In Aufstiegsrichtung ist die Rinne äußerst mühsam zu begehen. Nicht umsonst wird im neuen AV-Führer auf die Tücken dieses Weges hingewiesen bzw. die Route nicht mehr als Randnummer aufgeführt. Bei Hartschnee, Wassereis oder Nässe muss man ohnehin von der Begehung abraten. 


Zur Ausrüstung: Steigeisen für den Gletscher und Stöcke für den Abstieg sind sehr hilfreich, im Übrigen kletterten wir seilfrei.


Start morgens um viertel vor Acht auf dem Parkplatz vor der Schnanner Klamm (Wegweiser Ansbacher Hütte, Fritzhütte). Man betritt die weg- und höhenmetermäßig kurze Klamm sofort, ein imposanter Auftakt. Die Felswände der Klamm bieten einige interessante Sportkletterrouten. Dann kommen 300 steile Höhenmeter, bevor es wieder leicht abwärts zur Einmündung des Pleistaltobels (ca. 1550m) hinabgeht. Zwischendurch führt der zunächst breite Fahrweg durch einen Tunnel, an deren Ende uns ein Tisch mit lauter kleinen Steinmännchen zum Schmunzeln brachte. 
Weiter aufwärts zu einer Abzweigung auf ca. 1900m: links zum Vordersee, heute unsere Abstiegsroute, rechts zum Alperschonjoch. In steilen Kehren gewinnt der Weg an Höhe. Am Alperschonjoch (2303m) machten wir nach knapp 2 Stunden unsere erste längere Pause. Wir trafen einige Wanderer, die sich auf den (Theodor-Haas-)Weg zum Hinterseejöchl machten.  

Über steile Schrofen (T 5) stiegen wir knapp 100 Höhenmeter hoch an den Beginn der Ostgratfelsen.
Dann am besten immer am Grat bleiben, da dort der Fels am wenigsten brüchig ist. Einige Passagen sind steil, die Felsqualität ist nicht die beste, die technischen Schwierigkeiten halten sich aber in Grenzen (wir trafen einige Stellen II+ und II an).
Bei P.2558 (Steinmann) wird der Grat merklich flacher, in Auf und Ab geht es über weitere Erhebungen (I-II, zeiweise auch Gehgelände) bis vor den Aufschwung P. 2756. Auch dieser wird direkt erklettert (II). Auf der anderen Seite über einen breiten Geröllrücken absteigend an den oberen Rand des Vorderseeferners.

Diesen leicht ansteigend queren (Vorsicht Spalten; momentan sind Steigeisen nötig) und am Südwestende in eine auffällige Gratlücke (ca. 2790m) steigen.
Aus dieser geht es links am ersten Aufschwung vorbei und weiter in brüchigem, im Aufstieg mühsam zu erkletterndem Fels (Stellen II) auf einen Vorgipfel. Ein weiterer kleiner Gratturm wird in eine schmale Scharte überstiegen, wo man schonmal einen Blick in die Südrinne riskieren kann. Zunächst gerade, danach rechts ausholend, zum Schluss auf Wegspuren von Osten steil auf den Gipfel der Vorderseespitze (2889m).

Zeitbedarf für den Grat: 2 Std 30 min


Abstieg in die erste Gratlücke, dann rechts die Rinne hinunter. Der Tiefblick in die Rinne ist eindrucksvoll. An deren Beginn brauchte ich zunächst mal einige Minuten, um den besten Weg zu finden. An den geröllbedeckten Felsstufen im Abstiegssinn links findet man wenigstens noch etwas Halt. Trotzdem ist der Einstieg heikel (T 6 und II), und einen Ausrutscher sollte man sich nicht leisten. Es wird allerdings unten nicht mehr schwieriger, sondern zunehmend einfacher.
Eine weitere Steilstufe (II) erfordert dabei nochmals volle Konzentration. So kämpften wir uns hinunter und wirbelten dabei einigen Staub auf. Unzählige Steine fanden den Weg durch die enge Rinne. Ein wirklich abenteuerlicher Abstieg!
Nach 150 Höhenmetern verbreitert sich die Rinne und läuft in einem steilen Geröllhang aus. Auf diesem kann man dann gut abfahren und so die oben investierte Zeit wieder etwas hereinholen.

Auf den Hängen der "Verborgenen Pleis" trifft man zunächst auf einen Wanderweg, 50 Höhenmeter weiter unten einen weiteren markierten Weg, den Theodor-Haas-Weg. Diesen verließen wir allerdings sogleich, in dem wir direkt auf den (im Vergleich zum Frühsommer) ziemlich geschrumpften Vordersee (2232m; 1 Std 20 vom Gipfel) zusteuerten. In landschaftlich großartiger Bergkulisse verweilten wir hier eine Stunde lang.

Während sich Thorsten ein erfrischendes Vollbad im See gönnte, kühlte ich meine Füße, nahm eine ausgiebige Mahlzeit ein und genoss das Glücksgefühl, das sich nach jeder gelungenen Bergtour einstellt.

An einer Hütte, die etwas oberhalb vom See liegt, beginnt der markierte Abstiegsweg zurück ins Tal des Schnanner Bachs und hinaus nach Schnann (nochmals 1 Std 20 vom See). 

 P.S.: Von dieser Tour gibt es auch wieder ein sehenswertes Video. Abonniert doch den Youtube-Kanal vom Gipfelstürmer, dann bleibt ihr immer auf dem Laufenden.

Hike partners: quacamozza, gstuermer


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Comments (10)


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ADI says:
Sent 18 September 2011, 22h44
GUT gemacht, Jungs!
Tolle Tour, auf einer seltenbegangenen Route.

VLG, ADI

gstuermer says: RE:
Sent 19 September 2011, 10h45
Danke. :)

Wobei ich mich schon etwas wundere, warum der Ostgrat so selten begangen ist. Die Kletterei war nicht schwerer oder ausgesetzter als das was einem nach dem Gletscher erwartet.

Vermutlich liegt es daran, daß man die meisten von Groths Bewertung mit III+, die totaler Käse ist, abgeschreckt werden und man im Internet dazu auch keine Infos findet. Zumindest letzteres hat sich nun ja geändert. ;-)

Viele Grüße,
Thorsten

ADI says: RE:
Sent 19 September 2011, 16h19
genau!
Danke nochmals für den schönen Bericht!
Mein Spezi UWE, mit dem ich auf der Brantl war, hat den Grat vor ca. 3 Wochen auch gemacht.
Er hat die Schwierigkeit bestätigt, ist "bloß" ein IIer, bzw. einzelne Stellen II+
Nach Groth ist so manches III, was eigentlich ein Ier ist...


VLG, Gunter

Andy84 says:
Sent 29 November 2012, 10h29
Glückwunsch zur tollen Tour.
Gibt es denn auf die Vorderseespitze auch einen anderen Weg, also einen "Normalweg", da ihr hier von einer "selten begangenen Route redet"??

quacamozza says: Einen Normalweg...
Sent 29 November 2012, 16h55
...im eigentlichen Sinn gibt es an der Vorderseespitze nicht. Alle Wege haben ihre Tücken und Schwierigkeiten.

Die Südrinne ist der einfachste, aber auch gefährlichste und mühsamste Aufstieg (früher oft als Aufstiegsroute vom Vordersee gemacht, heute eher weniger gebräuchlich).

Im Frühsommer geht's am einfachsten von Norden über den Gletscher, allerdings ist dieser spaltenreich, also, das kann solo ein ganz schöner Nervenkitzel werden..

Der Nordgrat ist wohl auch nur II, aber sehr brüchig und auch nicht richtig lohnend. Müsste allerdings zumindest als Aufstiegsroute taugen.

Der Ostgrat (unser Weg) ist lang und technisch am anspruchsvollsten, nicht nur im Fels, sondern weil's da zusätzlich über den Gletscher geht. Selten begangen heißt hier: höchstens 15-20 Leute pro Jahr.

Ich persönlich würde die Tour wieder genauso machen, evtl. über den Nordgrat aufsteigen, aber eine Überlegung wäre auch eine Winterbesteigung über den Gletscher. Wenn mich nicht alles täuscht, ist das sogar die häufigste Besteigungsvariante.

Sportliche Grüße und eine gute Adventszeit
Ulf

Andy84 says: RE:Einen Normalweg...
Sent 30 November 2012, 14h29
puh, danke für die ausführliche Antwort Ulf.
Kannst dich gerne melden wenn du nächstes Jahr die Tour nochmal in Angriff nehmen willst.
Dir auch ne schöne Adventszeit.
LG Andy

m4p1 says:
Sent 17 August 2014, 20h54
danke für den ausführlichen Bericht! Echt gut beschrieben. Wir haben heute die Tour gemacht. Aber von der Ansbacher hütte mit Samspitz Sonnenaufgang. Also von Schnann aus wär mir die Tour echt zu hart. Der Gletscher war heute zugeschneit und ich hatte gottseidank ein Seil mit. Außerdem war das Seil in der Südrinne wirklich hilfreich. Der Einstieg ist ja wirklich grausam ;) Ansonsten Top Tour aber sehr lange und man brauch viel Konzentration.

Grimpeur says: warn So droben
Sent 4 December 2014, 07h41
Ostgrat zwar lang aber leichter als erwartet. Die ersten 100hm empfand ich als am anspruchsvollsten. Deutlich schwerer ist der Schlußgrat bis zum Vorgipfel/Hauptgipfel.

Schöne Vorweihnachtszeit!

VG
Grimpeur

quacamozza says: RE:warn So droben
Sent 4 December 2014, 21h36
Ja, das letzte Stück ab Gletscher ist ziemlich unangenehm. Die Tour ist insgesamt nicht der große Brüller, See und Gletscher sind die Highlights...einmal gemacht reicht völlig. Wenn ich da an die Kleine Höfats, Giebelgrat oder Litzner denke...DIE Touren muss man gemacht haben. War ich ja auch nicht umsonst schon mehrfach...

Danke, auch Dir eine schöne Adventszeit und eine gute nächste Saison.

Sportliche Grüße
Ulf

Grimpeur says: Bilder von einer halbwinterlichen Begehung....
Sent 6 December 2014, 21h55
gibts hier:
http://www.alpic.net/forum/sommerherbst-in-den-bergen/welche-war-eure-letzte-wanderung-bzw-bergtour/msg39670/#msg39670

Wir warn letzten Sonntag von der Ansbacher hütte aus oben, war absolut top!

Gruß
Grimpeur


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