Im Blindflug über alle 4 Gipfelchen der Goggeien/Schär


Published by marmotta , 2 June 2011, 23h05.

Region: World » Switzerland » St.Gallen
Date of the hike: 2 June 2011
Hiking grading: T6 - Difficult High-level Alpine hike
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: CH-SG   Speer-Mattstock 
Time: 5:00
Height gain: 1000 m 3280 ft.
Height loss: 1000 m 3280 ft.
Route:Stein, Mühlewies - Luchli - Dürrenbachfälle - Badhus - Alp Jöggelisberg - Sattel P. 1559 - Vorder Goggeien - Mittler Goggeien - Sattel P. 1559 - Schär Nordgipfel - Schär Südgipfel - Dürrenbach - Badhus - Stein, Gemeindehaus
Access to start point:cff logo Stein SG, Mühlewies
Access to end point:cff logo Stein SG, Gemeindehaus

Klein, aber oho!
 
Wann immer ich am Stockberg unterwegs war, hatten die kecken Felszacken der Goggeien meine Blicke auf sich gezogen. Und doch hatte ich all die Jahre immer anderen Touren und Gipfeln den Vorrang gegeben und die geplante Goggeien-Schär-Traverse ewig vor mir her geschoben. Die so markant aus dem (Föhren-)Wald aufragenden Kalkgipfelchen sind auch auf Hikr.org längst kein Geheimtipp mehr, die zahlreichen Dokumentationen lassen wenig Raum für Neuentdeckungen. Und doch haben wir es (unfreiwillig) geschafft, zwischen dem Goggeien-Hauptsattel und dem Einstieg zum "Normalweg" am Schär-Südgipfel eine Route zu begehen, die wohl kaum je einen Bergschuh gesehen hat…
 
Aufgrund des (wortwörtlich) unklaren Wetters war trotz spätem Start von zuhause und nochmaligem Blick in diverse Webcams noch auf der Anfahrt ins Toggenburg das Tourenziel nicht definitiv festgelegt. Sehr spontan entschlossen wir uns dann in cff logo Stein SG, Mühlewies, das Postauto zu verlassen, nachdem sich bereits hier die Hochnebeldecke lichtete und die Gipfel der Goggeien freigaben. Doch der blaue Himmel und die Sonnenstrahlen sollten von kurzer Dauer sein…
 
Von der Postautohaltestelle stiegen wir geradewegs über die Wiesenhänge zur Alp Luchli hinauf, von dort am Rand des von dichtem Wald gesäumten Tobels des Dürrenbachs bis auf ca. 1000 m, wo ein Pfad nach rechts zu einer Bachquerung hinunterführt, wo wir auf den Wanderweg entlang des Bachs stiessen. Besser wäre es wohl gewesen, gleich unten am Hof (Luchli) zum Wanderweg zu queren.
 
Der hübsche und landschaftlich schöne Pfad entlang der Dürrenbach-Fälle trifft bei Badhus (1194 m) auf den Weg, welcher über den Schönenboden zur Vorder Höhi führt. Diesem folgt man kurz, bis ein Holz-Wegweiser nach rechts auf einen guten Pfad über die Alp Joggelisberg zum Goggeien-Sattel (1559 m) leitet. Bis hierhin T2.
 
Am Goggeien-Sattel deponierten wir unsere Rucksäcke. Bereits hier hüllte der dichte Nebel, der den ganzen Tag um die Goggeien waberte, uns vollständig ein und nahm uns jegliche Sicht. Die damit verbundene Feuchtigkeit (das Gras war wirklich klatschnass) war mancherorts auch nicht gerade hilfreich…
 
Da ich vorgängig nur gerade Informationen über den Aufstieg auf den Schär Nordgipfel eingeholt hatte, welcher den Berichten zufolge der am schwierigsten zu besteigende Gipfel sein sollte, wagten wir im dichten Nebel keine Experimente und hielten uns an die "Normalrouten" und die sich hier befindlichen Wege bzw. Wegspuren.
 
Zum Vorder Goggeien führt um die Westseite des Mittler Goggeien herum ein (drahtseilgesicherter) Weg zum Sattel zwischen den beiden Goggeien-Gipfeln, von dort erreicht man den Gipfel des Vorder Goggeien (1631 m) über leichte Felsen und Schrofen (T4-).
 
Zurück am Sattel zwischen den Goggeien-Gipfelchen, folgten wir am Nordgrat des Mittler Goggeien den Pfadspuren auf der Ostseite, ein Drahtseil und ein Nylonseil helfen, eine schmierig-rutschige Felsstufe zu überwinden, anschliessend geht´s auf deutlichem, aber schmalen und exponierten Pfad zum höchsten Punkt der Goggeien (1655 m). T5-. Auf dem Rückweg umgingen wir den exponierten Abschnitt und die Felsstufe auf der Ostseite in steilem Gras, was nach meinem Empfinden deutlich einfacher ist (T4).
 
Der Nordgrat des Schär Nordgipfels lässt sich bis zum letzten Felsaufschwung unmittelbar vor dem Gipfel gut begehen, einige Felsstufen gilt es allerdings recht luftig zu überklettern. Die erste schmale Gratstufe bricht auf der Nordseite in einem ca. 4 m hohen Wändchen ab. Dieses war so nass und dementsprechend rutschig, dass es nur dank eines herunterhängenden Föhrenasts gefahrlos überwunden werden konnte. Auf dem Abstieg schwingt man sich dann an diesem wie ein Affe herunter…
 
Nach einigem Zaudern auf den letzten Metern gelangten wir in die kleine Scharte unmittelbar vor dem oben erwähnten letzten Felsaufschwung. Dieser könnte in kurzer Kletterei (III, Haken) direkt auf der Schneide überwunden werden. Hierzu fehlte uns der Mut und so wichen wir in die Ostflanke aus. Von der kleinen Scharte kann hier direkt durch einen kurzen Kamin einige Meter abgeklettert werden (II+), bis man wieder (halbwegs) festen Boden unter den Füssen hat. Nun quert man in der sehr abschüssigen Flanke auf nicht immer vertrauenswürdigen Erdbändern und Felsen (T6) und erreicht so -unter kräftiger Zuhilfenahme einiger (auch abgestorbener) Legföhren- bald wieder einfacheres und weniger abschüssiges Gelände und über dieses in wenigen Minuten den Gipfel mit dem bekannten "Gipfelkreuz". Der nicht ganz einfach zu besteigende Schär-Nordgipfel wird erstaunlich oft bestiegen, das Gipfelbüchlein weist für dieses Jahr bereits jetzt knapp 20 Einträge auf. Abstieg bzw. Rückweg auf der gleichen Route, mittlerweile hatten wir uns etwas an das Gelände gewöhnt und es kam uns nicht mehr so wild vor wie noch beim Aufstieg. Vorsicht ist -insbesondere an einem so feuchten Tag wie heute- dennoch angebracht. Das Gelände verzeiht an einigen Stellen keinen Fehler!
 
Nun fehlte nur noch der Schär-Südgipfel. Doch, wie dort hinkommen, wenn man -wie wir- nicht direkt vom Nordgipfel in die Scharte zwischen Süd- und Nordgipfel abseilt? Im dichten Nebel war eine Orientierung im abschüssigen Gelände rund um die Felsbastion der Schär praktisch unmöglich. Leider hatten wir weder eine Karte im Sack noch uns vor der Tour über eine geeignete Route vom Goggeien-Sattel zum Südgipfel des Schär informiert. Wir wussten noch nicht einmal, wo und von welcher Seite die leichteste Route auf den Südgipfel führt! So stiegen wir auf der Westseite einige Meter ab und querten dann weit oben die nasse und rutschige Grasflanke bis zu einer kleinen, von Bäumen gesäumten Runse. Nach Überquerung dieser Runse leicht ansteigend zur grossen, markanten (und auf der LK deutlich erkennbaren) Fels-Runse. Hier stiegen wir über steiles (und nasses) Gras bis zu den Felswänden der Schär-Nordwestwand auf und querten in der Folge hart unter der Wand in ziemlich wildem Gelände (war hier jemals ein Mensch unterwegs?), bis eine grasige Rinne bzw. weiter oben ein Sporn einen Aufstieg zum Südfuss des Schärs ermöglicht. Dort Rucksackdepot und Erkundung möglicher Aufstiegsrouten (hätten wir doch bloss zuvor die entsprechenden Hikr-Berichte konsultiert…). Aufgrund einiger Wegspuren glaubte Berglurch, dass eine gangbare Route möglicherweise über die Ostflanke zu finden sei. Also mühsame Querung und Aufstieg gegen die Scharte zwischen Süd- und Nord Schär (T5). Auf dem Nordgrat angekommen, verfolgte ich diesen noch bis zum glatten und leicht überhängenden, wandartigen Aufschwung unter dem Gipfelplateau. Hier ist (für den Alpinwanderer) Endstation - also alles retour und zurück zum Südfuss, wo wir dann auf Anhieb die markante Aufstiegsrinne (T5, I-II) fanden und über diese und das anschliessende einfache Gehgelände (T4) ohne Schwierigkeiten den letzten kleinen Gipfel des Tages erreichten. Im Gipfelbuch finden sich nicht so viele Einträge wie noch auf dem Goggeien oder dem Schär Nordgipfel.
 
Abstieg auf der Aufstiegsroute zurück zum Schär-Südfuss und unter den Wänden der Ostwand hindurchquerend zur Geröllrinne unterhalb der Schär-Scharte (T5, der Übergang über ein Felsband erfordert leichte Kletterei, ist aber unproblematisch). Von dort etwas mühsam über Geröll zum Wanderweg zwischen dem Dürrenbach und dem Goggeien-Sattel. Zügiger Ausmarsch über die Fahrstrasse und die Weidehänge der Alp Stigen nach Stein, wo wir es dank eines beherzten Endspurts gerade noch aufs 16.25 Uhr-Poschti schafften.           

Hike partners: Berglurch, marmotta


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