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Vorstegg 2082m und Heitlistock 2146m


Published by Sputnik Pro , 17 May 2010, 18h50.

Region: World » Switzerland » Obwalden
Date of the hike:16 May 2010
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Climbing grading: I (UIAA Grading System)
Snowshoe grading: WT5 - Alpine snowshoe hike
Waypoints:
Geo-Tags: Westliche Melchtaler Alpen   CH-OW 
Time: 8:00
Height gain: 1370 m 4494 ft.
Height loss: 1370 m 4494 ft.
Access to start point:Von Luzern mit der Bahn nach Sarnen. Von dort mit dem Bus nach Melchtal.
Access to end point:analog Zufahrt zum Ausgangspunkt,
Accommodation:Keine, Hotels in Melchtal.
Maps:LKS 1.25000 Melchtal (Nr.1190)

KAUM ZU GLAUBEN: HOCHTOURENVERHÄLTNISSE IM MAI AN EINEM KLEINEN 2000er!

Meine OW-Gipfel Nummer 82 und 83.

Vier Tage frei - eigentlich müsste es doch dabei wenigstens einen Tag geben an dem das Wetter sich einigermassen freundlich zeigt. Doch im frostigen Mai 2010 ist alles anders, wenn nicht zu sagen, für Berggänger in den Nordalpen schlichtweg katastrophal. Als Geniesser von heissem Wetter hätte ich lieber das andere Wetterextrem mit Sonne von Mai bis September und Temperaturen gegen 40°C in der Region Basel... aber mit Wunschdenken war an diesem Sonntag nach Auffahrt auch kein schöneres Wetter herbeizuzaubern und so packte ich die Steigeisen, Schnee- und dicke Handschuhe sowie einen Regenschirm in den Rucksack. Mit dem Wintereinbruch und Schnee im Melchtal bis etwa 1150m hinunter kam dann auch sämtliches eingepacktes Material zur Anwendung, ich wäre sogar noch froh um einen Pickel gewesen...

Vorstegg (2082m):  Als ich kurz nach acht Uhr morgens in Melchtal (884m) mit dem Postauto ankam war der Himmel Wolken verhangen und es regnete genügend stark um nach einer Stunde draussen nass zu sein. So lief ich wie schon drei Tage zuvor beim Höchgrat (2019m) mit dem Schirm los. Nach der Überquerung der Melchaa stieg der Bergweg steil durch ein Waldstück und über eine sehr nasse Weide zum Fahrsträsschen an welches ich in der Nähe P.1038m erreichte. Nun folgte der gemütlichste Teil der ganzen Tour, denn ich konnte dem Strässchen bis zur Alp Arni (1544m) folgen wobei die wenigen Zentimeter Schnee auf dem Asphalt oberhalb 1200m kaum störend wirkten. Mangels Unterstandmöglichkeiten lief ich bis zur Alp durch und stellte dort fest dass eine Jägerhütte geöffnet ist. Dort rastete erst einmal im Trockenen und bevor es weiterging rüstete ich mich auf Winterbergsteigen um. Mit Gamaschen und Schneeschuhen wanderte ich zuerst noch wenig ansteigend zur Bergwegabzeigung auf etwa 1575m im sogenannten Kessel vom Chalbertal. Nun ging es immer steiler werdend bergauf und ab 1750m wurde der schwere Schnee dann auch tiefer was harte Spurarbeit forderte. Auf halber Strecke zum Sattel P.2045m hörte der Schneefall auf und die Sicht wurde plötzlich besser, dafür wühlte ich bis in den Sattel wie ein Schneepflug. Irgendwann stand ich im namenlosen Pass. Nach einer kurzen Trinkpause liess ich den Rucksack zurück und spazierte über den breiten Westgratrücken auf den Gipfel vom Vorstegg. Die Aussicht war leider wegen vielen Wolken zu den umliegenden Gipfel getrübt, dagegen war es spannend die Nassschneerutsche von der steilen Grasflanke unterhalb Wandelen und Astelhorn zu beobachten welche über eine darunterliegende Wand herunterdonnerten. Nach einer eher kurzen Gipfelrast wanderte ich zurück zum Rucksackdepot. Schwierigkeiten Vorstegg: T2 oder WT4-5 mit Schneeschuhen.

Heitlistock (2146m): Schon vom Sattel P.2045m sah der Vorgipfel auf dem Ostgrat ziemlich heftig aus, doch wegen dem feuchten Schnee und der hohen Gefahr von Nassschneerutschen schied eine Umgehung in seiner Südflanke aus. Aus Erfahrung dass aus der Nähe gesehen in den Bergen alles wieder anders ausschaut machte ich mich mit Schneeschuhen auf den Weg über den Grat zum Heitlistock. Nach dem ersten grösseren Grataufschwung verengte sich der Grat und ich zog die Schneeschuhe aus und liess sie auf dem Grat zurück. Zu Fuss liess sich der Grat trotz 30cm Neuschnee bis unter den Vorgipfel gut begehen, an zwei Aufschwüngen musste ich jedoch die Hände benutzen um dort sicher hochzukommen. So stand ich vor der Schlüsselstelle vom Heitlistock Ostgrat, einem eingeschneiten, 25m hohen und sehr steilen Aufschwung zum Vorgipfel. Nach rechts bricht die Kante über eine Wand ab, links der Kante findet man extrem steiles Grasgelände. Ich zog die Steigeisen an und kletterte über den luftigen Grat empor. Die Eisen griffen bestens, doch ein Pickel dazu wäre auch kein Luxus gewesen. So musste ich immer die Felsen vom Schnee befreien um sichere Griffe zu finden. Nach der tollen Kraxelei erreichte ich den Vorgipfel, wo ich erstmals eine Zwangspause machen musste da meine Finger das "liebe" Hornigeln bekamen weil ich vergass Handschuhe anzuziehen. Nachdem ich die Schlüsselstelle hinter mir hatte war der Aufstieg zum höchsten Punkt fast wie ein Spaziergang, leider nebelte sich der Gipfel aber ein und es bagann wieder zu schneien. So gewährte mir der Heitlistock scheue Blicke auf wenige Nachbarberge von seinem Gipfel mit dem schönen Steinmann. Auf dem gleichem Weg machte ich mich auf den Rückweg zum Sattel P.2045m wobei der Abstieg vom Vorgipfel dank den nun schneefreien Felsen viel einfacher war als der Aufstieg. Unterwegs sammelte ich noch die Schneeschuhe welche ich erst für den Abstieg vom Sattel brauchte. In flottem Tempo war ich bald wieder bei der Jägerhütte auf der Alp Arni. Hier verputzte ich mein restliches Essen und wanderte, nun ohne Regenschirm, zurück ins Tal. Schwierigkeiten Heitlistock Ostgrat: T5 / Fels I+, mit Schneeschuhen unterer Gratteil WT5.

Genaue Route: Melchtal - Spiss - P.914m - Brücke P.885m - Hangi - Taliwald - P.1144m - Talischwendli - Täuberen - P.1547m - Arni - P.1547m - Chalbertal - P.1805m - P.2045m - Vorstegg - P.2045m - Heitlistock - P.2045m - P.1805m - Chalbertal - P.1547m - Arni - P.1547m - Täuberen - Talischwendli - P.1144m - Taliwald - Hangi - Brüccke P.885m - P.914m - Spiss - Melchtal.

Tour im Alleingang.

Anmerkung: Auf der anderen Talseite des Melchtals gibt es ebenfalls einen Vorstegg (2167m), siehe dazu den Tourenbericht: http://www.hikr.org/tour/post30002.html

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Comments (10)


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marc1317 says: wow...
Sent 17 May 2010, 19h13
kaum zu glauben - man könnte denken, Du wärest in höheren Lagen unterwegs!

Glückwunsch zum Gipfelerfolg

Sputnik Pro says:
Sent 17 May 2010, 19h28
Hej Marcel,

Danke, es kam mir scho so vor als wäre ich irgendwo weit oben im Hochgebirge unterwegs. Der Heitlistock-Ostgrat ist aber sicherlich auch bei schönem Wetter ein herrlicher Voralpengrat - auch wenn er leider eher kurz ist.

Gruss,

Sputnik

WoPo1961 says: Respekt!
Sent 17 May 2010, 20h08
Auch der Münsterländer Flachland-WoPo zieht den Hut!! Bei solch einen Wetter überhaupt vor die Tür zu treten. Das ist nix für Weicheier! Bist schon ne harte Socke, Sputnik!!
Grüße vom WoPo

Sputnik Pro says: Danke
Sent 18 May 2010, 07h28
Man muss es positiv sehen, denn oberhalb etwa 1400m fiel nur noch Pulverschnee vom Himmel. Das ist immer noch viel besser als Regen von dem man nur durchnässt wird :-)

Grüsse aus dem Baselbiet wo nun wieder sie Sonne bei der Arbeit scheint.

Sputnik

alpinos says: Gratuliere...
Sent 17 May 2010, 21h23
... zu dieser großartigen Tour und dieser Leistung! Wir waren schon auf Deinen Bericht gespannt, hatten wir Dich doch beim Aussteigen aus dem Zug in Sarnen gesehen. Du warst etwas besser ausgerüstet als wir, mit Schneeschuhen wären wir wohl weitergegangen. Aber wer denkt schon an bis zu 30cm Neuschnee Mitte Mai!
Danke für diesen Bericht, wir haben uns die Tour vorgemerkt - allerdings für besseres Wetter!
Grüße nach BL,
A&R.

Sputnik Pro says: Dankeschön...
Sent 18 May 2010, 07h30
Wenn ihr den Heitlistock besteigen wollt, könnt ihr einfacher über den Nordgrat (T2) oder Südwestgrat (T2-3) hinauf, beide sind Grasgrate mir Pfadspuren.

Viele Grüsse,

Sputnik

Felix Pro says: auch wir merken uns diese Tour ...
Sent 18 May 2010, 11h58
und warten auf besseres Wetter; während für dich ja kein Wetter zu schlecht sein kann ...
Bravo und lg
Felix

roger_h Pro says: Harter Hund...
Sent 18 May 2010, 12h30
... der Sputnik, Respekt :-)
Obwohl besagtes Gebiet vor meiner Haustüre liegt, zieht es mich bei diesem Wetter nicht magnetisch dort hin. Aber ich würde mich trotzdem freuen, wenn du mich mal mitnimmst und mir "meinen" Kanton etwas genauer zeigst, ich habe nämlich aufgrund deiner Berichte das Gefühl, du kennst Obwalden besser als ich ;-)

Sent 18 May 2010, 13h00
Sputnik Du bist schon ein wilder Kerl. Es muss schon ein spezielles Gefühl sein, so alleine, nicht genau wissend was weiter oben noch alles kommt. Sehr speziell und mutig.

Gruess und heb sorg.
Conny

Sputnik Pro says: @ Felix, Roger, Baldy & Conny
Sent 18 May 2010, 19h16
Danke auch an Euch für die netten Kommentare. Meine nächsten geplanten Touren im Kanton Obwalden werde ich wieder in der Community "Projekt OW" ausschreiben, vieleicht ergibt sich ja einmal eine gemeinsame Tour. Es warten ja noch 62 Gipfel auf meinen oder einen gemeinsamen HIKR-Besuch :-)

Viele Grüsse,

Sputnik


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