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Ruinen standen heute auf dem Programm


Published by Mo6451 , 26 May 2019, 19h04.

Region: World » Switzerland » Aargau
Date of the hike:26 May 2019
Hiking grading: T2 - Mountain hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-AG 
Time: 4:00
Height gain: 549 m 1801 ft.
Height loss: 522 m 1712 ft.
Route:12,06 km
Access to start point:cff logo Basel - Frick; Bus 136 Frick - Gipf-Oberfrick, alte Post
Access to end point:Bus 136 Wittnau, alte Post - Frick; cff logo Frick - Basel
Maps:SchweizMobil, outdooractive

Heute, am Tag der Europawahl ist ein Blick in die Zukunft nicht verkehrt. Das hat mich aber nicht davon abgehalten, Zeugen der Vergangenheit zu besuchen. Experten sagen ja, dass unser Zeitalter als eines der Dunkelsten in die Geschichte eingehen wird. Mag sein, Digitalisierung kann man nicht anfassen.

Bevor der nächste Regen kommt, wollte ich den Sonnentag noch einmal nutzen für eine Wanderung in der näheren Umgebung. In meiner Liste fand ich noch eine Planung zu den Ruinen Alt Homberg und Alt Tierstein.

Mit Zug und Bus komme ich in kurzer Zeit am Ausgangspunkt Gipf, Oberfrick an. Als ich den Bus verlasse, merke ich schon deutlich das schwüle Klima, Gewitter liegt in der Luft.

Von der Bushaltestelle erst einmal auf dem Wanderweg durch das halbe Dorf. Vom Dorfende bis Im Sitt steigt der Wanderweg steil an, linkerhand sehe ich "Plantagen" von Kirschbäumen. Aber das Gelände ist eingezäunt und die leckeren Früchte auch noch nicht reif.

Mit Eintritt in den Wald geht es weiter aufwärts, erste Schilder weisen bereits auf die Burgruine Alt Homberg hin. Es soll dort oben einen  schönen Aussichtspunkt geben. Das stimmt, aber von der Ruine ist nur ein Grillplatz übrig geblieben. Um sich eine Vorstellung von den ehemaligen Gebäuden zu machen, gibt es ausreichend Tafeln mit Erklärungen.


Im Wittnauer Bann, ganz an der Grenze zu Gipf-Oberfrick liegt oben auf dem Berg die Burgruine Alt Homberg. Von den Mauern der einst bedeutenden Burg ist heute beihnahe nichts mehr zu sehen. Trotzdem lohnt es sich, die wechselvolle Geschichte näher kennen zu lernen.

Die Burg:
Spätestens um 1100 muss auf dem Homberg eine Burg gestanden haben. Im Jahre 1103 nennt sich Rudolf der Erste «de Honberc».
Die dreieckige Spornfläche, auf der die Burg angelegt war, ist durch zwei parallele Gräben abgeriegelt, von denen der östlichere noch ca. 16 m tief ist.
Gegen den Halsgraben hin schützte eine etwa 3 m dicke Schildmauer die Burg vor Angriffen aus Westen. Einen Turm gab es in der Anlage offenbar nicht. Entlang der Nord- und Südmauer lagen zwei Gebäudetrakte, die in der Mitte einen Innenhof mit Zisterne freiliessen.
Von den Burggebäuden ist heute fast nichts mehr zu sehen. Beim Basler Erdbeben von 1356 und den „Ausgrabungen“ im 19. Jahrhundert wurde das aufgehende Mauerwerk weitgehend zerstört.

Die Bewohner:
Die Burg war der Sitz der Grafen von Alt Homberg. Ihr Einfluss und Güterkomplex erstreckte sich vom Frickgau bis in das Bistum Basel. Über die Neu Homberger und deren Erben wechselte die Burg im Jahre 1351 in den Besitz der Herzöge von Habsburg-Österreich. Diese verpfändeten sie 1353 an ihren Verwandten, den Grafen Johann II. von Habsburg-Laufenburg. Aufgrund schriftlicher Überlieferungen sowie Bodenfunden bedeutete das Erdbeben von Basel drei Jahre später aber nicht das Ende der Besiedlung auf dem Homberg. In der Burgruine muss noch lange nach dem Erdbeben ein Sässhaus sowie vermutlich die Burgkapelle weiter bestanden haben.

 Fundgeschichte:
Im Frühling 1869 machte sich eine Gruppe junger Wittnauer Burschen daran, in der Burgruine nach «Alterthümern» zu graben. Die wilde Wühlerei war sehr ergiebig, wurde dann aber eingestellt, als das schöne Wetter zur Feldarbeit rief.

Angeregt durch Pfr. Hermann Müller wurden 1882 weitere Grabungen vorgenommen. Die Historische Gesellschaft des Kantons Aargau stellte 150 Fr. zur Verfügung. Die Ausgräber erhielten 2 Fr. Tageslohn. Zwei Jahre später wurden die Arbeiten dank weiteren 100 Fr. Unterstützung noch einmal aufgenommen.
Obwohl eigentlich die «gänzliche Ausbeutung» geplant war, unterblieben in der Folge weitere Wühlereien auf der Ruine.
1988, beim Bau einer Waldstrasse, schnitt man die mittelalterliche Abfallhalde an. Freiwilligen Bodenforscher der Fricktalisch-Badischen Vereinigung für Heimatkunde bargen hier eine Menge Kleinfunde.
Die Funde:
Wegen der Zerstörung durch das Basler Erdbeben wurden darum in den Trümmern der Burg - nebst den üblichen Siedlungsabfällen - ausserordentlich hochstehende Funde gemacht. Darunter fanden sich auch Teile der verschüttetenFahrhabe des Grafen Johann II. von Habsburg-Laufenburg.Bei den Grabungen im 19. Jahrhundert war man nur an Prunkstücken interessiert. Den Keramikscherben oder Tierknochen schenkte man kaum Beachtung und barg sie nicht. Erst die Funde von 1988 ergänzten das Spektrum einigermassen.


Weiter geht es nun auf dem Wanderweg zur Burgruine Alt Tierstein. Hier ist deutlich mehr von den alten Mauern übrig geblieben. Hier kann ich mich etwas länger aufhalten und auf einer der vielen Bänke meine Mittagspause machen.

Zurück auf dem Wanderweg folge ich diesem Richtung Tiersteinberg. Der schmale Pfad entlang der Abbruchkante gibt immer wieder wunderbare Blicke frei. Nur die fernen Berge verschwinden im Dunst. Bis P 703 folge ich dem Weg, dann biege ich nach Südosten Richtung Buschberg ab. Am Horn soll es noch eine weitere Sehenswürdigkeit geben, die Prähistorische Wehranlage Wittnauer Horn.
Auch hiervon gibt es nur noch Reste eines Tores und einer Mauer.


Nur gerade fünf Keramikscherben vom Horn können in die Mittelbronzezeit datiert werden (um 1'500 v.Ch.). Wo sich die Siedlung dieser Zeit befand, ist nicht bekannt.
Unruhige Zeiten in der Spätbronzezeit (um 850 v.Chr.) führten dazu, dass sich eine grössere Menschengruppe einen sicheren Wohnplatz suchte und sich auf den Horn einrichtete. Vielleicht etwa 400 Personen wohnten hier. Ein System von Gräben und Wällen schützte die Siedlung vor Angriffen aus westlicher Richtung.
Bei Ausgrabungen kamen Spuren von Häusern zutage. Die meisten standen entlang den Hangkanten und liessen im Innern einen Dorfplatz frei, auf dem nur wenige, wohl der Öffentlichkeit dienende Bauten errichtet waren.
Archäologische Funde geben eindeutige Hinweise, dass in der späten Bronzezeit auf dem Horn Landwirtschaft und verschiedene Handwerke betrieben wurden.


Nachdem ich auch hier die Reste besichtigt habe, mache ich mich auf den Weg Richtung Wittnau. Bevor ich den Ort erreiche, stoße ich noch auf den Hinweis: Lourdes Grotte. Liegt auf dem Weg, also auch hier noch einen Besuch. Die Lourdes Grotte entpuppt sich als Marienaltar, vor dem etliche Holzbänke aufgebaut sind. Offensichtlich gibt es hier Gottesdienst unter freiem Himmel. Heute genieße ich einen Moment des Nachdenkens, bevor ich das letzte Wegstück nach Wittnau unter die Füße nehme. Ich habe Glück, dass ich auf den Bus nur 15 Minuten warten muss.
Viele Wegstrecken sind nur T1, lediglich rund um die Sehenswürdigkeiten ist das Gelände etwas anspruchsvoller. Es ist nass und das Laub sehr rutschig.

Tour solo


 

Hike partners: Mo6451


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