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Spätherbstliche Runde über den seilbahnfreien Hochzeiger (2560m)


Published by Andi_mit_i , 21 November 2018, 14h11.

Region: World » Austria » Zentrale Ostalpen » Ötztaler Alpen
Date of the hike:17 November 2018
Hiking grading: T3+ - Difficult Mountain hike
Waypoints:
Geo-Tags: A 
Time: 6:00
Height gain: 1320 m 4330 ft.
Height loss: 1320 m 4330 ft.
Route:Talstation Hochzeigerbahn - Zollberg - Hochzeiger - Groaßsee - Mittelstation Hochzeigerbahn - Talstation Hochzeigerbahn
Access to start point:Nach Imst, von dort ins Pitztal immer den Schildern zur Hochzeigerbahn. Parken am großen Parkplatz der Seilbahn.

Der Herbst zieht sich weiterhin in die Länge und bietet nach wie vor schönstes Wetter mit Fernsicht. Einzig die Tage werden kürzer und kühler. Gleichzeitig eignet sich der November immer gut für Touren auf Seilbahnberge, da viele Bahnen vor der Skisaison in der Revision sind. Wir wollten nochmal ins Hochgebirge und haben uns nach etwas Überlegen für den Hochzeiger (2560m) am Eingang zum Pitztal in den Ötztaler Alpen entschieden. Die Seilbahn für das dortige Skigebiet ist bis Ende November außer Betrieb und der Auf- und Abstieg größtenteils in südwestlicher Exposition, wodurch man bei dem angekündigtemk kühlen Nordostwind in einigermaßen warmen und sonnigen Hängen unterwegs ist. Viele Informationen zum Hochzeiger finden sich im Netz nicht, meistens handelt es sich hier um Touren mit Seilbahnunterstützung. Zeit für einen genaueren Bericht hier bei hikr.

Wir entscheiden uns für einen Aufstieg von der Talstation der Seilbahn (1468m) über den westlichen Rücken des Hochzeigers über den Zollberg (2225m). Der Abstieg soll uns am Ostgrat noch bis zum Großsee (2416m) weiterführen. Anschließend südseitig durch das Riegtal bis zum Zollkreuz und über einfache Wege durch das Skigebiet zum Ausgangspunkt zurück.

Wegen der kurzen Tage war Frühaufstehen angesagt, die Anfahrt ist lang und wir wollen nicht in die Dunkelheit geraten. Eine neblige Anfahrt bis ins Pitztal wo es bei der Auffahrt nach Jerzens aufreißt und einen herrlichen Tag verspricht.  Parken an der Talstation der Hochzeigerbahn ist kein Problem, ein riesiger völliger leerer Parkplatz steht uns kostenfrei zur Verfügung. Im Skigebiet selbst herrscht ein höllischer Lärm durch den verzweifelten Kampf der Skiindustrie mit Schneekanonen den Klimawandel zu bekämpfen... 

Bei einige Minusgrade ziehen wir los, gehen an der Seilbahnstation vorbei und biegen direkt dahinter auf einem Weg ab. Ein Schild mit Angabe "Zollberg 2h" zeigt uns, dass wir richtig sind. Wir verlassen recht bald den Feldweg und steigen links auf einem Pfad den Hang hoch und durch einen Wald bis zu einem Forstweg. Dort eine Sperre und die Hinweise "Achtung Baustelle" und "Achtung Seilbahn". Da kein Mensch da ist und nicht gearbeitet wird gehen wir weiter. Der Forstweg wird wohl gerade zur Autobahn ausgebaut und Holzarbeiten finden hier wohl auch statt. Aber zum Glück nicht am Samstagmorgen. Auf dem Forstweg geht es nur ganz schwach ansteigend schattig und frostig im Wald nach Süden. Einige hundert Meter später zweigt bei etlichen Wegweisern ein weiterer Forstweg nach links dem Hang hoch ab, wir bleiben allerdings, dem Schild "Zollberg" folgend, auf dem bisherigen Weg der hier nach unten geht. Der Höhenverlust ist nur gering, bereits ca. 100m später geht es wieder linkshaltend bei einer Abzweigung nach oben (Wegweiser). Obwohl wir bereits ca. 20 Minuten unterwegs sind ist auf dem Wegweiser die Zeit zum Zollberg von 2h auf 2,5h angewachsen. Ebenso übersehen wir die Sperrung für ein Wildfütterungsgebiet...

Ab hier kann man sich eigentlich nicht mehr verlaufen. Es geht auf dem Forstweg ca. 600m nach Süden bis man am Westrücken vom Zollberg und Hochzeiger ankommt. Dort geht es in Serpentinen bequem auf der Forststraße im Wald nach oben. Grundsätzlich immer den ansteigenden Weg wählen, dann ist man richtig. Auf ca. 1740m zweigt nun ein Pfad (Wegweiser) links steil den Hang hoch. Diesem Weg folgen wir nun bis zum Gipfel des Zollbergs. Auf ca. 1880m kommen wir an einer Tafel "Ebni 2000m" vorbei wo sich laut Tafel auch eine Stempelstelle für den "Hochzeigermarsch" befindet. Von hier kann man ein paar Meter nach rechts zu einem schönen Aussichtspunkt hoch über dem Pitztal gehe. Der Weg schlägelt sich durch einen schönen ziemlich wilden Wald und immer wieder geht es zwischen kleineren Felsen nach oben bis es auf ca. 2000m flacher wird und über einige schöne Lichtung geht (vermutlich die vorher erwähnte und auf der Karte verzeichnete "Ebni"). Anschließend steigt der Weg wieder an und es geht durch den lichter werdenden Kiefern- und Zirbenwald zur flachen Kuppe des Zollberg (2225m, Markierungsstange und Gebetsfahnen). Bis hierhin haben wir 1 3/4 Stunden benötigt.


Vom Zollberg hat man nun einen schöne Blick. Im Norden hinter dem langgezogenen Venet die Lechtaler Alpen, im Westen der Hohe Riffler im Verwall, nach Süden der Blick in das tiefeingeschnittene Pitztal. Im Osten der Hochzeiger und dahinter die Zacken des Wildgrats. Im Nordosten geht der Blick über die flachen Hänge des Skigebiets zwischen Sechszeiger und Hochzeiger. War der bisherige Aufstieg in einsamer und wunderschöner Natur, schallt nun wieder der Lärm der Schneekanonen entgegen. Wäre es noch ein paar Grad wärmer wäre hier vermutlich Ruhe.

Nach einer kurzen Pause geht es weiter zum Hochzeiger. Zuerst ein kleiner Abstieg zur Scharte beim Zollkreuz, wo wir das Skigebiet in der Nähe einer Liftanlage betreten. Die Wegführung ist nun nicht mehr eindeutig und es gibt wohl diverse Möglichkeiten zum Hochzeiger aufzusteigen. Wir gehen ein kurzes Stück über die breite planierte Skipiste zum Hochzeiger, bevor wir links im Hang einen nicht markierten Pfad entdecken über dem wir aufsteigen. Die Piste wird gequert und es geht in eine kleinen Einschnitt jetzt auf einem markierten Pfad in Serpentinen nach oben. In dieser Rinne hat man auch wieder Ruhe vor den Schneekanonen, einzig Masten und Seile einer Lawinensprenganlage zeigen noch das wir uns im Skigebiet befinden. Auf diesem Weg geht es bis kurz unter dem Gipfelaufbau wo man bei einem Wegweiser auf den Hauptweg vom Skigebiet stößt. Nordseitig geht es nun die letzten Meter steil und jetzt auch teilweise etwas eisig durch einen Felsriegel zum Grat rauf, dann wieder in der warmen Sonne die letzten paar Meter hoch zum riesigen Gipfelkreuz des Hochzeigers (2560m). 

Ab dem Zollberg benötigten wir nochmal 1 Stunde, gesamt also 2 3/4 Stunden Aufstiegszeit für die ca. 1100 Höhenmeter (inkl. Gegenanstiege).

Gegenüber des Zollbergs hat man nun auch noch einen Ausblick nach Nordosten bis zur Zugspitze und zu den Gletschern am Ende des Pitztals. Die angekündigten Nordostwinde sind zum Glück nur recht schwach und wenn man sich auf die Südseite hockt hat man es angenehm warm und bekommt kaum mehr die nervigen Schneekanonen mit. 

Nach der halbstündigen Gipfelpause geht es weiter. Wir steigen nicht den gleichen Weg ab, sondern überschreiten den Hochzeiger und folgen dem Wegweiser "Groaßsee, Gemeindekopf, Wildgrat". Der schwarzmarkierte Weg (Trittsicherheit und Schwindelfreiheit  sind in der steilen Flanke auf jedem Fall erforderlich!) führt gleich leicht südseitig am Grat nach Osten weiter. Während es nordseitig schattig und eisig ist geht es südseitig völlig trocken auf dem zwar schmalen aber gut begehbaren Pfad in die steilen Grashänge rein. Nach der ersten Kuppe die sogar noch ein paar Meter höher als der Hochzeigergipfel ist zieht der Weg die Hänge abwärts. Teilweise etwas schmal und leicht luftig, sowie über einzelne Felsstufen geht es tiefer und tiefer ins einsame Riegtal rein. In einem flacheren Kar treffen wir ca. 200 Höhenmeter unterhalb vom Gipfel auf den direkten Weg von der Seilbahn Mittelstation zum Wildgrat/Gemeindekopf. Wir folgen diesem Weg nun und steigen über einen kleinen etwas vereisten Felsriegen wieder auf bevor wir auf 2416m in einem kleinen ruhigen südseitigen Kar den fast komplett zugefrorenen Groaßsee (Kompasskarte Großsee) erreichen. 45 Minuten ab dem Hochzeiger.

Eine wunderschöne jetzt völlig einsame Landschaft. Hinten geht es steil und im Schatten bereits verschneit die Hänge zu den Zacken des Wildgrats hoch. Hier im südwestseitigen Kar ist es fast windstill und die Sonne wärmt noch etwas. Wir genießen diesen schönen Pausenplatz und einer der Bergkameraden lässt es sich nicht nehmen und nimmt ein SEHR erfrischendes Bad in der noch offenen Stelle des Sees.

Schließlich heißt es Abschied nehmen, die Tage sind zu kurz für längeres Verweilen. Wir gehen die ersten Meter auf dem gleichen Weg zurück, anschließend geht es auf dem direktem Weg zum Zollkreuz zurück. Der Weg quert leicht absteigend die sanften Grashänge unter den steilen felsdurchsetzten Grashängen des Hochzeigers. Wie auf einem wunderschönen Höhenweg geht es in der tiefstehenden Sonne dahin. Wir gelangen an eine Abzweigung wo man entweder auf dem rot-markierten Normalweg oder dem schwarz-markiertem Goaßsteig (auf Kompasskarten "Oberer Goaßsteig") weitergehen kann. Wir entscheiden uns für die schwierigere Variante die gleich steil und drahtseilgesichert nach oben zieht. Weiter geht es auf recht schmalen Pfad die steilen Grashänge querend und immer wieder gesichert durch Drahtseile, Ketten und Krampen durch Felsriegel nach oben. Hier benötigt man definitiv Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Der Normalweg zeigt sich einige Meter tiefer in deutlich sanfterem Gelände. Recht bald kommen beide Wege wieder zusammen und es geht wieder einfacher die letzten Meter zur Scharte beim Zollkreuz wo wir unseren Aufstiegsweg kreuzen (ca. 1 Stunde ab Großsee).

Vom Zollkreuz dann der einfache Abstieg über das Skigebiet. Zuerst zur Mittelstation der Hochzeigerbahn und dann vorbei am Hochzeigerhaus. Ab hier führt der "Bärensteig" überraschend schön (man bekommt gar nicht mit, dass man direkt neben dem hässlichen Skigebiet ist) durch den Wald nach unten zum Ausgangpunkt (1 Stunde ab Zollkreuz).

Fazit:
Überraschend schöne und sehr abwechslungsreiche Runde die deutlich mehr geboten hat als ich gedacht hätte. Es empfiehlt sich auf die Seilbahnpausen der Hochzeigerbahn zu achten, dann hat man Ruhe. Wir haben bis auf ein paar Arbeiter im Skigebiet keinen Menschen getroffen. Mit Seilbahn ist hier sicher deutlich mehr los, man kann sich aber einige Höhenmeter sparen.Wären die Temperaturen etwas höher gewesen wären sicher auch die lauten Schneekanonen nicht im Betrieb gewesen.
Der Aufstieg über Ebni und dem Zollberg ist sehr schön, ebenfalls der schwierigere Abstieg vom Gipfel ins Riegtal (bei Nässe und Vereisung nicht empfehlenswert) und zurück zum Zollkreuz. Der etwas anspruchsvollere Goaßsteig (dem man umgehen kann) war nochmal das Salz in der Suppe, der idyllische zugefrorene Großsee ein Highlight meines Bergjahres.

Hinweis:
- Der hier angezeigte GPS-Track wurde in Alpenvereinaktiv.com erstellt, da ich leider beim Aufzeichnen während der Tour Probleme hatte. Der Track enthält daher keine Zeit- und Geschwindigkeitsangaben und entspricht nicht exakt dem Gelände.
- Ich habe den Ortspunkt "Zollberg 2219m" zu "Zollkreuz 2219m" umgenannt. Der Zollberg ist korrekterweise mit 2225m im System. Der "andere Zollberg" ist korrekterweise als Scharte eingetragen, wird aber auf Karten mit der Bezeichnung "Zollkreuz" angegeben.

Hike partners: Andi_mit_i


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Comments (3)


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sven86 says:
Sent 22 November 2018, 20h14
Hallo Andi,
Schön dass du heuer doch nochmal angreifen konntest; tolle Eindrücke hast da mitgebracht

VG Sven

Andi_mit_i says: RE:
Sent 22 November 2018, 20h42
Danke Sven! Über die letzten 1,5 Monate habe ich mich langsam und kontrolliert wieder an die Höhenmeter rangearbeitet. Zum Glück hat der Herbst noch so lange durchgehalten dass ich auch nochmal das Hochgebirge erleben durfte. Nächstes Jahr wenn ich wieder ganz fit bin müssen wir mal eine Tour zusammen machen.

sven86 says: RE:
Sent 25 November 2018, 18h35
Läuft!


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